Im Gespräch mit...

...Taylan Duman: "Die Stimmung könnte nicht besser sein."

24.10.2020, 10:00 Uhr von:  Larissa Nicky
Lesezeit: ca. 12 Minuten
Tylan Duman, im gelben Heitrikot, dribbelt in der roten Erde mit dem Ball in Richtung Tor.  Ihm folgen imgrößeren Abstand zwei Spieler der gegnerischen Mannschaft im roten Trikot.

Seit Januar 2019 ist Taylan Duman Teil der U23 und unumstrittener Stammspieler. Vor einigen Tagen sprachen wir mit ihm über den gelungenen Saisonstart, seine Torgefährlichkeit und seine persönliche Zukunft.

schwatzgelb.de: Du hast deine ersten fußballerischen Schritte beim MSV Duisburg gemacht. Wolltest du schon immer nur Fußball spielen oder kamen auch andere Sportarten in Betracht?

Taylan Duman: Ich habe früher Leichtathletik gemacht, auch wenn man mir das jetzt vielleicht nicht so an meinem Spielstil ansieht. Ich habe mit drei Jahren damit angefangen, bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich nur noch Fußball spielen wollte.

Beschäftigst du dich mit anderen Sportarten?

Ja, auf jeden Fall. Ich schaue Basketball, American Football und ein bisschen Tennis. Ich denke, dass man mich schon als relativ sportverrückt bezeichnen kann.

Du kamst im Winter 18/19 zu uns, hast davor fast deine gesamte Laufbahn bei Fortuna Düsseldorf verbracht und dort auch einen Einsatz für die Profis absolviert. Wäre es auch eine Option gewesen, weiter für die dortige U23 aufzulaufen?

Ich bin relativ häufig für die U23 der Fortuna aufgelaufen. Immer dann, wenn ich bei den Profis nicht im Kader war. Ich wollte aber in eine Mannschaft mit mehr Spielstärke wechseln, um mich selber noch zu verbessern.

Hat dich das dann zu einem Wechsel zur BVB U23 bewogen?

Ich war schon immer ein Sympathisant von Borussia Dortmund. Ich habe bei deutschen Vereinen immer zum BVB tendiert, aber der eigentliche Beweggrund war, dass ich den nächsten Schritt in meiner Karriere gehen wollte.

Man sieht den oberen Teil von Tylan Duman. Er sitzt in einem Sessel in den Räumen der Redaktion von schwatzgelb.de und hat einen schwarzen Pullover an auf dem King steht.
Duman in den Redaktionsräumen von schwatgelb.de

War es für dich wichtig, bei deinem Wechsel in der Nähe der Heimat zu bleiben?

Um ehrlich zu sein, habe ich mir da zwar schon relativ viele Gedanken drüber gemacht, aber es war mir nicht primär das Wichtigste. Es sollte einfach der nächste Schritt kommen. Für mich war der Wechsel in die Regionalliga auch kein Rückschritt. Ich hatte in Düsseldorf zwar den Status eines Zweitliga-Spielers, habe dort aber nicht gespielt. Von daher war der Regionalligastatus nicht so wichtig für mich.

Was waren für dich die größten Unterschiede, als du von Düsseldorf nach Dortmund gekommen bist?

Die Menschen. Die Leute hier in Dortmund sind warmherziger. Der Umgang miteinander in Düsseldorf ist relativ kühl und oberflächlich. Da zählt eher das Äußere. Ansonsten kann ich zum Vergleich der Städte jetzt relativ wenig sagen.

Und die größten Unterschiede zwischen Fortuna und dem BVB?

Da gab es einige. Man muss einfach ehrlich sagen, dass die Vereine in unterschiedlichen Sphären unterwegs sind. Das fängt mit dem Trainingsgelände an und hört mit dem Stadion auf. Hier in Dortmund ist einfach alles eine Nummer größer.

Letzte Saison war nicht unbedingt leicht. Man blieb hinter den Ansprüchen zurück, dazu noch das Corona-Drama. Wie seid ihr als Mannschaft damit umgegangen?

Wir waren am Anfang der Saison alle relativ euphorisch. Wir hatten auch eine qualitativ gute Mannschaft, nur haben wir das leider nicht immer auf den Platz bekommen, gerade zum Ende hin. Ich glaube aber, dass wir in den letzten Spielen vor dem coronabedingten Abbruch so langsam wieder in den Tritt gekommen sind. Ich bin mir sicher, dass wir die kommenden Spiele besser absolviert hätten. Aber wir kamen generell mit allem gut klar. Wir hatten ein gutes Klima in der Mannschaft und sind alle gut miteinander ausgekommen.

Wie ist denn eure Stimmung momentan?

Nach den letzten Spielen könnte sie nicht besser sein. Ich meine, wir haben 17 von 21 Punkten geholt. Es läuft alles für uns. Wir haben zwar eine relativ junge Mannschaft aber wir kommen alle gut miteinander aus und das ist das Wichtigste.

Wanner, der links steht und Hober der rechts steht haben Duman in ihrer Mitte. Alle tragen das gelbe Heimtrikot.
Zusammen feiert es sich am Besten. Wanner (l.), Duman (m.) und Hober (r.)

Im Sommer stießen einige neue Gesichter zum Team. Was tut ihr als Mannschaft, um diese möglichst schnell zu integrieren?

Als junge Mannschaft ist es immer ein bisschen leichter neue Spieler zu integrieren als in einer gestandenen Profi-Mannschaft. Wir haben alle ungefähr die gleichen Gesprächsthemen und deswegen fällt es uns da gar nicht schwer Leute zu integrieren. Im Trainingslager war ich ja leider nicht mit dabei aber danach habe ich wirklich gemerkt, dass alle Neuen schon sehr gut in die Mannschaft eingeführt worden sind.

Gibt es da bei euch auch Aufnahmerituale wie singen oder denkt ihr euch da etwas Kreativeres aus?

Es musste gesungen werden. Schon sehr amüsant.

Acht Spiele, sechs Siege, zwei Unentschieden - die auch noch eher unglücklich waren. Doch genug gelobt. Wo siehst du aktuell noch Verbesserungsbedarf in der Mannschaft?

Gerade am Anfang der Saison hat man gemerkt, was für einen Spielspaß wir in der Mannschaft hatten. Das Wichtigste ist, diesen Spielspaß jetzt aufrecht zu erhalten. Ich glaube, wenn die Konstanz reinkommt ist es etwas schwierig, genau das zu tun. Aber wenn wir das schaffen, dann sind wir besser als die anderen Mannschaften.

Mit Franz Pfanne und Niklas Dams wurde der Kader durch zwei erfahrene Spieler ergänzt, denen man durchaus auch das Merkmal “aggressive Leader” zuteilen könnte. Wie wirkt sich das auf die Mannschaft aus?

Es ist sehr wichtig solche Spieler in den eigenen Reihen zu haben. Gerade bei so einer jungen Mannschaft wie wir sie haben. Es ist wichtig für jeden Einzelnen von uns. Gerade wenn es auf dem Platz mal nicht so gut läuft. Die Beiden sind gute Spieler und gute Typen.

Gegen Wegberg hast du einen sehr wichtigen Elfmeter eiskalt verwandelt. Standest du schon vorher als Schütze fest oder war das eher eine spontane Sache?

Für mich selber stand ich schon vorher als Schütze fest (lacht). Wir haben keinen festen Elfmeterschützen und ich habe mich gut gefühlt.

Und was hat Tigges dazu gesagt?

Dass er mir den Ball gibt. (lacht)

Obwohl du eigentlich nicht zu den Offensivakteuren gehörst, bist du mit 4 Toren unser zweitbester Schütze hinter Mittelstürmer Steffen Tigges. Was macht dich so torgefährlich?

Ich möchte immer tief gehen und so viele Torchancen wie möglich herausspielen. Da bin ich relativ fixiert drauf. Dazu kommt, dass es im Moment einfach gut läuft. Und wenn man einmal so eine Glückssträhne hat dann zieht die sich auch und dann kommen auch so ein oder zwei Tore zustande, die unter normale Bedingungen nicht reingehen würden.

Duman, im gelben Heimtrikot, feiert nach einem Tor. Er rennt it geballter Faust vom Tor weg. Er ist der einzige en man auf dem Bild sieht. Er hat das gelbe Heimtrikot und orangene Schuhe an.
Auch als Torschütze schon mehrfach in Erscheinung getreten

Hast du dir eine besondere Tormarke gesetzt, die du dieses Jahr brechen möchtest?

Auf jeden Fall möchte ich diese Saison zweistellig treffen.

schwatzgelb.de: Du hast in dieser Saison bereits mehrmals die Position des Außenverteidigers, der bei Ballbesitz auf die Acht oder eine Reihe weiter nach vorne rückt, übernommen. Was macht dich so prädestiniert für diese Rolle?

Ich finde, dass es mir besser liegt, wenn ich den Ball in den Fuß bekomme und das Spiel vor mir liegt anstatt dass ich den Druck von hinten bekomme. Ich mag die Position des Achters auch. Dort stehe ich offensiver oder vermeintlich offensiver. Aber ich mag die Position des Außenverteidigers gerne.

Dann bist du im Grunde ein recht flexibler Spieler, oder?

Ja. Das sieht man auch wenn ich mal bei den Profis bin und dort in den Testspielen ran durfte. Ich habe schon viele Positionen hier gespielt.

Aber Rechtsverteidiger ist deine aktuelle Lieblingsposition?

Ich mag beide Positionen gerne. Sagen wir das Mal so.

Wo möchtest du dich persönlich noch verbessern?

Es gibt viele Dinge, wo ich mich noch verbessern möchte. Einerseits möchte ich mich mental verbessern. Momentan läuft natürlich alles sehr gut, aber ich will auch im Stande sein meine Leistung abzurufen, wenn es mal nicht so gut läuft. Und andererseits möchte ich mich im athletischen Bereich noch weiter verbessern.

Was kannst du aus dem Training bzw. den Trainingslagern mit den Profis für dich mitnehmen?

Bei den Profis ist die Intensität auf engen Räumen einfach viel höher. Ich finde, dass mir das relativ gut liegt und ich kann daraus einfach mitnehmen, dass man viel schneller spielen muss. Das ist im Profifußball wichtig.

Kannst du dich noch an dein erstes Training bei den BVB-Profis erinnern?

Das ist schon relativ lange her, das müsste in der vorletzten Saison gewesen sein. Ich kann mich da aber eigentlich ganz gut daran erinnern. Wir haben in Turnierform gespielt und ich war da schon relativ aufgeregt, wenn ich mal ehrlich sein darf.


Wie bist du mit deiner Nervosität umgegangen?

Ich weiß, dass das eine Floskel ist die jeder Mal erzählt, aber wenn man auf dem Platz steht dann verschwindet diese Nervosität. Es ist halt “nur” Fußball. Ich habe ja zwei oder drei Jahre mit bei den Profis von Fortuna Düsseldorf trainiert, aber es ist schon etwas anderes hier in Dortmund. Da spielen Jungs, die nicht nur fußballerisch sehr viel besser, sondern auch echte Stars sind. Das ist so der Punkt, bei dem man dann schon eher nervös wird.

Vor welchem Gegenspieler der ersten Mannschaft hattest du am meisten Respekt?

Weil ich ja eher defensiv gespielt habe, habe ich oft gegen Jadon Sancho gespielt. Das war wirklich nicht so schön. Der hat schon eine sehr hohe Qualität.

Hast du gewisse Abläufe vor den Spielen? Man hört ja von den Profis zum Beispiel, dass viele eine gewisse Musik hören, vor dem Spiel noch einen Espresso trinken oder noch mit der Familie schreiben.

Direkt vor dem Spiel habe ich kein Ritual. Ich glaube aber sehr an Schlaf und daran, dass man vor null Uhr schlafen gehen sollte. Deswegen lege ich mich um 22 oder 23 Uhr auch schlafen. Wenn ich das nicht mache, dann denke ich am nächsten Tag darüber nach und das geht nicht. Deswegen ist es mein Ritual, dass ich am Tag vorher früh schlafen gehe und dann auch gut frühstücke.

Was gibt es denn so zum Frühstück?

Meistens gibt es bei mir Vollkornbrot mit Avocado und dazu dann ein Spiegelei. Letztens war ich aber mit den Jungs frühstücken. Da gab es dann um 11:30 Uhr Nudeln zum Frühstück. Das lag mir nicht so.

Man sieht den oberen Teil von Tylan Duman. Er sitzt in einem Sessel in den Räumen der Redaktion von schwatzgelb.de und hat einen schwarzen Pullover an auf dem King steht.

Das können wir nachvollziehen. Im Winter bist du zwei Jahre bei unserer U23, gehörst damit schon fast zu den Dienstälteren. Wie viel Verantwortung übernimmst du auf und neben dem Platz?

Ich kann es selber kaum glauben, dass ich schon zu den Älteren gehöre. Ich versuche einfach, mit meiner Leistung Verantwortung zu übernehmen. Ich versuche das auf meine Weise zu machen und die Leistung auf den Platz zu bringen.

Und neben den Platz?

Ich rede oft mit den Leuten, die mir sehr nah sind. Da gehe ich auch auf die Leistung ein. Ich habe ja schon ein paar Sachen im Fußball erlebt. Unter anderem auch den ein oder anderen Rückschlag und halt auch Fußball auf hohem Niveau. Ich möchte den Jungs einfach mitgeben, was wichtig ist.

Bis zum Sommer läuft dein Vertrag noch. Hast du schon konkrete Pläne für die Zeit danach?

Ich möchte zurück in den Profifußball. Es ist wichtig, dass man im Fußball nicht einfach immer blind hin und her wechselt sondern zum richtigen Zeitpunkt den nächsten Schritt geht. Ich denke, dass ich dieses Jahr hier noch brauche, um komplett zu reifen und mit der Verantwortung zu wachsen. Damit ich, wenn ich wechsle, nicht einfach nur irgendeinen Kaderplatz bekomme, sondern gleich Verantwortung übernehmen kann.

Wäre auch ein Wechsel ins Ausland eine Option für dich?

Das wäre schon eine Option, aber es kommt da auf die Länder an. Ich glaube, dass Holland relativ gut zu meinem Spielstil passen würde. Aber einen Wechsel zum Beispiel in die Türkei, meinem Heimatland, sehe ich aktuell nicht.

Wirst du deine Zukunftsplanung offen halten, so lange der Aufstieg noch im Raum steht?

Natürlich. Ich hoffe wirklich, dass wegen Corona nicht noch einmal die Saison unterbrochen wird. Es läuft gerade wirklich sehr gut für uns. Aber man kann das nie wissen und man sollte sich niemals eine Tür zu machen.

Hast du schon Pläne, was du nach deiner Karriere machen möchtest? Ein paar deiner Mitspieler studieren ja zum Beispiel nebenher.

Ich möchte auch ein Studium beginnen. Im Idealfall starte ich damit und beende das, wenn ich mit dem aktiven Fußball aufhöre. Danach würde ich gerne im Sport bleiben. Ich habe jetzt in der Sommerpause auch ein Praktikum gemacht. Einfach mal, um die Abläufe eines normalen Arbeitsalltages mal kennenzulernen.

Was für ein Praktikum war das denn?

Es war ein Headhunter. Einmal für Ingenieure und dann für eine Firma, die Sportveranstaltungen plant. Es waren so zwei parallel laufende Firmen, beide relativ groß. Ich war da eher für die Sportveranstaltungen zuständig, aber ich habe auf beide Seiten einen Blick werfen können.

Duman im Zweikamp mit einem Spieler der gegnerischen Mannschaft, im blauen Trikot. Der hat den Ball und Duman versucht gerade mit einem Ausfallschritt ihm den ball wegzunehmen.
Tylan Duman in einem wichtigen Zweikampf gegen Höveler von Rot Weiss Ahlen

Wie sehr bist du selbst eigentlich Fußballfan? Hängst du vielleicht noch an einem deiner Jugendvereine?

Ich hänge nicht wirklich an ihnen. Natürlich möchte ich, dass sie gut abschneiden aber ich würde das nicht als dran hängen bezeichnen. Ich bin aber schon ein großer Fußballfan. Ich schaue so oft es geht und bin da auch relativ detailverliebt.

Hast du auch einen Lieblingsverein oder bist du eher Fan vom Fußball generell?

Eine wirklichen Lieblingsverein habe ich nicht. Ich bin da eher der Fußballfan im Generellen und favorisiere halt ein oder zwei Spieler.

Die letzte Frage kommt nicht von uns, sondern von einem ehemaligen Kollegen: Wir sollen dich von Joe Boyamba fragen, wie es dir ohne ihn im Team ergeht.

(lacht) Er ist ein sehr spezieller Junge, den ich sehr in mein Herz geschlossen habe. Wir haben noch relativ häufig Kontakt und ich vermisse die Zeit, die wir hier jeden Tag hatten. Wir haben auch nach dem Training öfter etwas zusammen unternommen. Aber so ist der Fußball. Vielleicht findet man ja noch mal zusammen.

Vielen Dank für das Interview!

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