Warmlaufen

Zu Gast im bajuwarischen Zirkus

08.11.2019, 19:40 Uhr von:  Ida
Zu Gast im bajuwarischen Zirkus

Die Wochen der Wahrheit haben in Dortmund eine erfreuliche Richtung vorgegeben, die es nun auch in München weiter zu verfolgen gilt.

Trotz nostalgischer Biographien, Aufregern über die graphische Darstellung der eigenen Frisur und vermeintlich umgesetzter Spielideen, die dann doch nur zu kollektivem Kopfschütteln geführt haben, ist man es als Dortmund Fan eigentlich gewohnt, dass sich die Vereins- Führungs- und Spieldramen doch eher in benachbarten Gebieten ereignen. Dass nun ausgerechnet der „Mia san Mia“-Verein nicht mehr so richtig weiß, wer „Mia“ eigentlich „san“, überrascht in dem Ausmaß dann doch. Oder vielleicht auch nicht. Denn zumindest die Auslegung des Grundgesetzes und der Umgang mit den eigenen Spielern scheint bei den Bayern aus München doch sehr unterschiedlich interpretierbar zu sein.

Und so hat man nach einer zwar erfolgreichen, aber eben auch eher durchschnittlichen Saison mit Meisterschaft und Pokalsieg sowie einem durchwachsenden Start in der Bundesliga in München die Reißleine gezogen und den nur 1,5-Jahre zuvor verpflichteten Trainer Kovac schon wieder entlassen. Schade eigentlich, ich hatte gehofft, dass ausnahmsweise mal wir diejenigen sein dürften, die Personalentscheidungen bei Bayern mit entscheiden würden und nicht nur (gefühlt) umgekehrt. Fernab davon muss gesagt werden, dass man durchaus überrascht sein kann, dass sich Kovac so lange auf seinem Stuhl gehalten hat. Meine Vermutung war, dass er schon den ersten Winter auf der Trainerbank nicht überleben würde. Nun sollte es also der Zweite sein.

Brandt stark
Brandt stark

Bezogen auf das Personal dürfte es bei den Bayern dennoch eng werden. Viele Unzufriedenheiten und Unruhen zwischen den Reihen haben, zusätzlich zu den langfristigen Verletzungen und Sperrungen, die kritische und nicht zufriedenstellende Situation bei den Bayern nur verschärft, auch wenn die eigenen Saisonziele vor allem punktetechnisch noch kaum gefährdet sind. Auch die mögliche Aufstellung bis morgen liest sich nicht wie eine unbekannte Rumpeltruppe.

Trotzdem zeigt all dies aber eben auch wie schwach (und nicht wie stark) die Bundesliga aktuell zu sein scheint. Denn eine durchschnittliche Punkteausbeute des Erstplatzierten von 2,2 Punkten nach 10 Spieltagen ist die schwächste Ausbeutung der letzten fünf Spielzeiten.

Auch wir haben durch diverse Unentschieden, Unaufmerksamkeiten in den letzten Spielminuten und fehlendem Zug zum Tor nach einer Führung dafür gesorgt, dass die eigenen Möglichkeiten in dieser Saison, wie zuvor angekündigt, ganz oben mitzuspielen aktuell eben auch nicht viel größer sind als die der Bayern, der Freiburger oder der Leipziger.

Werden die Bayern straucheln?
Werden die Bayern straucheln?

Woran also anknüpfen? Am ehesten beim Hinrundenspiel gegen die Bayern 2018. Zumindest dort hat man die Bayern, anders als im darauffolgenden April, mit viel Leidenschaft und Spielwitz geschlagen. Oder, um es mit Witsels und Zorcs eher irritierenden Worten zu sagen: man solle doch einfach Männerfußball zeigen. Was auch immer das heißen mag. Vielleicht eine Fortführung der zweiten Hälfte Zuhause gegen Inter Mailand? Zu wünschen wäre es. Die Energie auf und neben dem Spielfeld war lange nicht mehr so deutlich spürbar wie in der zweiten Halbzeit am Dienstag.

Wo genau wer in der Tabelle nun eigentlich wirklich hingehört, wird sich morgen eventuell schon im Ansatz zeigen. Ob der temporäre Dompteur der Bayern, Hansi Flick, seine Bande nach dem glanzlosen Championsleague-Auftritt gegen Piräus auch für das Spiel gegen unseren Ballspielverein gezähmt bekommt, bleibt abzuwarten. Die hungrigen Löwen aus Dortmund haben nach drei aufeinanderfolgenden erfolgreichen Spielen in der Liga so wie dem Pokal und der Championsleague zumindest wieder Appetit entwickelt und bezogen auf die Tabelle ein großes Wörtchen mitzureden. Und wo lässt es sich besser weiteres Selbstvertrauen für die kommenden Aufgaben holen als in der hässlichen Arena in München? Eben. Ob Reus und Sancho im Duell gegen die Bayern behilflich sein dürfen, wird sich jedoch wohl erst kurzfristig entscheiden.

In diesem Sinne: auf geht’s Ballspielverein! Vorhang auf!

So könnten sie spielen:

Bayern München: Reklamierarm, Pavard, Javi Martinez, Alaba, Davies, Kimmich, Thomas Müller, Goretzka, Gnabry, Coman, Lewandowski

Ballspielverein: Bürki, Piszczek, Akanji, Hummels, Schulz, Witsel, Weigl, Hakimi, Brandt, Hazard, Alcacer

Schiedsrichter: Felix Zwayer (Berlin)

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