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"Der BVB erwischt die Katalanen zu einem optimalen Zeitpunkt"

26.11.2019, 17:16 Uhr von:  Kha
"Der BVB erwischt die Katalanen zu einem optimalen Zeitpunkt"

Im fünften Gruppenspiel der UEFA Champions League trifft der BVB auswärts auf den FC Barcelona. Wir sprachen dazu mit Barçawelt-Chefredakteur Alex Truica.

Es hätte ja alles so einfach sein können. Ein souveräner Sieg gegen den SC Paderborn nach der (buuuuh) Länderspielpause, dann beruhigt nach Katalonien fahren und dort vielleicht einen Punkt mitnehmen auf dem Weg in die Knock-out-Phase der Champions League. Doch dieses Spiel am Freitagabend war erschütternd und wirft auch Fragen für das Spiel in Barcelona auf: Nicht nur die nach der Zukunft des Trainers, denn dass dieser nach den Auftritten in der letzten Zeit jetzt schon quasi zum Abschuss freigegeben ist, pfeifen die Spatzen wohl nicht nur in Dortmund von den Dächern.

Doch auch die Rolle von Kapitän Marco Reus muss einmal hinterfragt werden. Beginnend mit der Aussage nach dem Freiburg-Spiel, dass man eine 2:1-Führung doch über die Zeit bringen müsse. Sicher, in Freiburg brachte ein Eigentor das Unentschieden, aber grundsätzlich ist die Einstellung, ein Spiel mit einer derart knappen Führung über die Zeit „mogeln“ zu wollen, einfach der komplett falsche Weg und eines BVB-Spielführers nicht würdig. Man kann annehmen, dass ein solcher Satz aus dem Mund eines anderen Kapitäns anderer europäischen Mannschaften wohl eher nicht zu hören sein würde, sondern eher so etwas wie: „Es war von Anfang an klar, und wir haben auch nie nur den Hauch eines Zweifels daran gelassen, dass dies auch so eingetreten ist.“ Warum dies nicht so ist, ist wohl ein Teil des Rätsels, warum die Mannschaft so auftritt, wie sie es aktuell tut.

Einen Punkt vor dem BVB in der Tabelle: Griezmann & Barça
Einen Punkt vor dem BVB in der Tabelle: Griezmann & Barça

Und jetzt also der FC Barecelona, der aktuelle Tabellenführer, wenn auch nur knapp vor Real Madrid, in La Liga. Auswärts. Im Camp Nou. In der Hauptstadt Kataloniens. Am Mittelmeer. Eigentlich viele Punkte, die eine Auswärtsfahrt als wirklich reizvoll erscheinen lassen, denn sicherlich haben viele Borussen in den letzten Champions-League-Spielzeiten daran gedacht, endlich mal gegen den FC Barcelona antreten zu dürfen. Denn nicht nur die Mannschaft um den aktuell weltbesten Fußballer Messi ist reizvoll, sondern auch die, leider an overtourism leidende, Stadt Barcelona ist ja durchaus eine Reise wert. Da schwatzgelb.de aber kein Reiseführer ist, verzichtet der Autor an dieser Stelle auf konkrete Tipps und verweist an die Suchmaschine Eures Vertrauens.

Mit den Erfahrungen des Paderborn-Spiels noch immer in den Knochen bleibt jedoch die Frage, ob man sich jetzt auf das Spiel freuen kann, weil man sich sicher sein kann, dass die Mannschaft an dem Abend wieder Ihr Galagesicht zeigt, oder wir befürchten müssen, dass der Gastgeber uns völlig demontiert, weil die Mannschaft glaubt, dass es „auch so“, also mit reduziertem Einsatz geht. Da man ja aber immer optimistisch ist, freuen wir uns als Fans doch einfach mal auf das Spiel am Mittwoch in diesem mittlerweile wirklich alten, aber immer noch imposanten Stadion.

Und wie sieht es beim FC Barcelona aus? Dazu sprachen wir mit dem Chefredakteur von Barçawelt Alex Truica (@AlexTruica):

Was erwartest Du vom Spiel in Barcelona?

Ich erwarte zwei Teams, die (leider) derzeit jeweils mit einigen Problemen zu kämpfen haben, dadurch nicht auf der Höhe ihrer Schaffenskraft sein werden. Sowohl Barça als auch der BVB machen eine schwierige Phase durch, sind verunsichert und wackeln derzeit gewaltig. Uns erwartet also ein kleines Krisenduell. So gesehen begegnen sich die Mannschaften also wieder auf Augenhöhe, was es spannend macht.

Wie schätzt Du die aktuelle Lage in Barcelona ein?

Barça hat mit einigen Problemen zu kämpfen und sucht sich noch selbst. Antoine Griezmanns gehörige Anpassungsprobleme, generell, und erst recht in der ungewohnten Rolle als linker Flügelstürmer. De Jong lässt sein Talent nur aufblitzen, auch er sucht seine Rolle noch. Zudem fällt Barça gegen den BVB die gesamte etatmäßige Hintermannschaft aus (Piqué ist gesperrt, Alba und Semedo sind verletzt, Lenglet ist fraglich). Barça hat also in jedem Mannschaftsteil Probleme – das ist die große Chance des BVB. Die Borussia erwischt die Katalanen also zu einem optimalen Zeitpunkt. Denn wie sehr Barça selbst in Heimspielen derzeit Probleme hat, hat man gegen Slavia Prag und Inter Mailand sehr gut sehen können.

Im Hinspiel wollte das Tor für den BVB einfach nicht fallen
Im Hinspiel wollte das Tor für den BVB einfach nicht fallen

Was ist für BVB Fans in Barelona wichtig?

Ein Fernglas mitzunehmen (*grinst*). Vom Auswärtsblock im Camp Nou ist die Sicht fürchterlich. Zum einen, weil man im dritten Oberrang unglaublich weit weg ist, zum anderen, weil auch noch eine Plexiglaswand die Sicht erschwert.

Wie wird das Spiel in Barcelona wahrgenommen?

Als wichtiges Schlüsselspiel gegen einen sehr schweren Gegner. Barça hat einen Matchball – mit einem Sieg sind die Katalanen vorzeitig für die K.o.-Runde qualifiziert. Aber dieser Matchball wird schwer zu verwandeln sein. Ich denke spätestens das 0:0 im Hinspiel hat jedem Fan, Spieler und auch den spanischen Pressevertretern vor Augen geführt, wie gut der Gegner ist und wie schwer das Spiel sein wird. Im Westfalenstadion hatte Barça wirklich Glück und einen starken ter Stegen. Ich glaube, der FC Barcelona hat großen Respekt vor Borussia Dortmund.

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