Warmlaufen

HOFFENtlich ein HEIMsieg

08.02.2019, 09:02 Uhr von:  Michael

Nach dem ersten größeren Rückschlag diese Sai­son, geht es direkt weit­er für den BVB. Am Sam­stag geht es gegen die TSG aus Hof­fen­heim. TSG? Da war doch was!

Es war ruhig geworden, in den letzten Jahren, um die TSG. Klar, die meisten ärgern sich noch immer über den letzten Spieltag 2013, als die Schwarzgelben es versäumten, die Kraichgauer in die 2. Liga zu schießen. Doch die Anfeindungen waren im Laufe der Jahre weniger geworden, die Schmähgesänge leiser, die Protestbanner weniger.

Auf Vereinsebene hat RB Leipzig die TSG Hoffenheim als Feindobjekt aller Traditionalisten in einer irrsinnigen Geschwindigkeit rechts überholt und in Hannover machte sich Martin Kind auf, Dietmar Hopp als Gesicht des modernen Investorentums abzulösen.

Kurzum, die TSG war auf dem Weg des VfL Wolfsburg. Nicht geliebt, für den Großteil der Fußballfans überflüssig, aber halt irgendwie dabei. Und auch die Hoffenheimer Fanszene passte sich den üblichen Gepflogenheiten an und zündete beim letzten Aufeinandertreffen in Dortmund tatsächlich Pyrotechnik.

Hoffenheimer Pyro im Gästeblock
Hoffenheimer Pyro im Gästeblock

Doch einer hatte scheinbar was dagegen, dass er als Feindbild in der Versenkung verschwinden sollte. Dietmar Hopp persönlich.

Im Nachgang zum 34. Spieltag der vergangenen Saison erhielten 30 BVB-Fans Post aus Sinsheim. Der Vorwurf: Beleidigende Gesänge. Die Folgen: Strafverfahren und Hausverbote. Nun soll an dieser Stelle nicht wieder über Beleidigungen durch Fangesänge gesprochen werden, dieses Thema ist schon häufig diskutiert worden und jeder kann sich seine Meinung selbst bilden, was für ihn im Stadion vertretbar ist und was nicht.

Doch wenn es tatsächlich Hopps Ziel war, Beleidigungen gegen ihn zu unterbinden, war es ein ziemlich uncleverer Move. Die Reaktionen von Teilen der Fanszene im Hinspiel waren so plump wie erwartbar: Hopps Konterfei im Fadenkreuz und mehrere beleidigende Banner. Ob Hopp diese Reaktion insgeheim erwartet und erhofft hatte oder ob er ernsthaft glaubte, mit Strafanzeigen die Würdigungen seines Wirkens zu beenden, muss er für sich selbst beantworten. Die Empörungsmaschine nahm auf jeden Fall umgehend die Arbeit auf und für einige Tage war es mal wieder besser, nicht alles zu lesen, was im Internet so geschrieben wird.

Auch sportgerichtlich hatten die Vorfälle Konsequenzen. Die nächsten drei Auswärtsspiele in Hoffenheim finden auf Bewährung statt, im Wiederholungsfall droht ein Ausschluss der Gästefans. Dass Richter Lorenz publikumswirksam einen Punktabzug als letzte Bestrafung nicht ausschloss, freut momentan besonders die Clickbait-Redakteure („Warum Dortmund nach dem Spiel gegen Hoffenheim ein Punktabzug droht!“). Es ist nicht besonders weit hergeholt, dass einige Personen sich im Hinblick auf Samstag die Hände reiben und auf möglichst schlagzeilenträchtige Aktionen hoffen.

Der 2:1-Siegtreffer aus dem letzten Heimspiel
Der 2:1-Siegtreffer aus dem letzten Heimspiel

Das eine kritische Auseinandersetzung mit Investoren trotz allem weiter dringend geboten ist, zeigen zwei aktuelle Beispiele: Da wäre zum einen der ehemalige Bundesligist Tennis Borussia Berlin. Seit einigen Jahren versucht hier ein Investor mit allen Mitteln das alleinige Sagen zu gewinnen. Die Vorgeschichte kann hier nachgelesen werden. Vorläufiger negativer Höhepunkt: auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung in der letzten Woche, tauchten plötzlich auffällig viele unbekannte Gesichter auf. Schnell stand der Verdacht im Raum, dass diese vom Investor einzig und allein einen Tag vor der Versammlung im Verein angemeldet wurden, um seine Kandidaten durchzusetzen, was schlussendlich auch gelang.

Das zweite Beispiel betrifft einen alten Bekannten: den Hamburger Sportverein. Wie der NDR jüngst berichtete, ist der HSV näher an der Insolvenz denn je. Wird der Wiederaufstieg verpasst, könnte es die Pleite des Traditionsvereines von 1887 bedeuten. Mitverantwortlich für das Desaster: Klaus-Michael Kühne. Seine Investitionen und Darlehen, von vielen aktiven Fans kritisch betrachtet, könnten dem Verein nun auf die Füße fallen. Da passt die aktuelle Meldung ins Bild, dass Nachwuchstalent Fiete Arp bereits im letzten Sommer an die Orks aus dem Süden verhökert wurde.

Apropos Investor: Heiland Dietmar Hopp hat Anfang des Jahres die derzeitigen Spielergehälter als „völligen Wahnsinn“ kritisiert. Tja Didi, die Hoffenheimer Zweitligazeiten, als lokale Nachwuchsspieler aus dem Kraichgau wie Carlos Eduardo oder Chinedu Obasi für ein besseres Taschengeld die Schuhe schnürten, sind leider vorbei. Da kann man auch mal vergessen, dass man in der zweiten Liga 2007 mehr Geld für Neuverpflichtungen ausgab, als alle anderen 17 Ligateilnehmer zusammen. Didis Doppelmoral at its best.

Apropos Doppelmoral: Nach den Ereignissen im Hinspiel empörte sich ein Mensch auf der Mitgliederversammlung der TSG besonders: der Präsident der TSG (dessen Name übrigens nicht Dietmar Hopp ist, sondern bei Günther Jauch mindestens 500.000 Euro einbringt). Was er dabei elegant unterschlug: dass die eigenen Fans beim Heimspiel zuvor Timo Werner von den Orks aus dem Osten gut hörbar als Sohn einer ehrenwerten Frau besangen. Man muss im richtigen Moment auch mal weghören können. Oder einen technisch begabten Hausmeister haben.

Szenen, die sich morgen gerne wiederholen dürfen
Szenen, die sich morgen gerne wiederholen dürfen

Zum Sportlichen

Der BVB hat unter der Woche den ersten heftigen Rückschlag hinnehmen müssen. Das Pokal-Aus nach Elfmeterschießen war unglücklich oder, wie man es auch formulieren könnte, Bremen hatte halt das Glück des Brychtigen. Zu allem Unglück musste Kapitän Marco Reus bereits nach 45 Minuten mit einer Leistenverletzung das Spielfeld verlassen, sein Einsatz morgen ist fraglich. Definitiv ausfallen wird Delaney nach seiner 5. gelben Karte. Für ihn könnte Mo Dahoud in die Startelf rücken. Seine Dynamik könnte besonders für Umschaltmomente eine echte Waffe sein, dafür geht defensive Stabilität verloren. Marcel Schmelzer und Jadon Sancho sind wieder im Training. Und mit Zagadou steht auch wieder ein weiterer gelernter Innenverteidiger im Kader.

Im Tor ist davon auszugehen, dass Bürki und Hitz wieder fit sind. Und wenn nicht, hat Eric Oelschlägel am Dienstag bewiesen, dass auf ihn Verlass ist. Auch wenn er beim 3:3 unglücklich aussah, der Monsterreflex gegen Max Kruse in der 89. Minute verdient sich jetzt schon das Prädikat „Parade des Jahres“.

So könnten sie spielen:

BVB: Bürki – Piszczek, Weigl, Diallo, Hakimi – Witsel, Dahoud – Sancho, Götze (Reus), Guerreiro – Paco Alcácer (Götze)

Hoffenheim: Keine Ahnung. 11 von Heiland Hopps Jüngern.

Schiedsrichter: Mir egal. Hauptsache nicht Dr. Felix "Ich bin schon solange Schiedsrichter, ich brauch kein Stellungsspiel, ich mach das mit Erfahrung, ich weiß wo der Ball hingeh...hoppla, jetzt wurde ich abgeschossen" Brych.

Unterstütze uns mit steady