Unsa Senf

Meister werden!

10.01.2019, 18:01 Uhr von:  Sascha
Meister werden!

Die Fakten liegen auf dem Tisch: Die Hälfte der Saison ist vorbei und Borussia Dortmund steht zu diesem Zeitpunkt mit sechs Punkten Vorsprung auf die Bayern an der Tabellenspitze. Zugegeben, ein Vorsprung, der sich deutlich komfortabler anfühlen würde, wenn der erste Verfolger eben nicht Bayern München hieße. Der souveräne Serienmeister der letzten sechs Spielzeiten. Um diese Zahl richtig einzuordnen hilft vielleicht der Hinweis, dass es überhaupt gerade einmal drei Mannschaften gibt, die in ihrer gesamten Vereinsgeschichte mehr als sechs Mal den Titel im Verband des DFB gewinnen konnten. Diese Bayern haben gerade eine, nach allgemeiner Lesart, recht schwache Hinrunde gespielt. Inklusive aufkommender Trainerdiskussion, Vereinstheater rund um die Granden Hoeneß und Rummenigge, sowie teils großer Verletzungsprobleme. Am Ende dieser Hinrunde steht Tabellenplatz zwei und eine Punkteausbeute, die auf 34 Spieltage hochgerechnet in den letzten zehn Jahren immer noch acht Mal zum Titel gereicht hätte.

Kein Wunder, dass München rot jetzt wieder die Backen aufpustet und einige Spieler selbstbewusst verkünden, fest davon auszugehen, dass am Ende wieder der Name ihres Vereins auf den Ring der Salatschüssel graviert wird. Es ist ihr Selbstverständnis, die mit Abstand beste Mannschaft der Liga zu sein und das auch zu Recht. Nichts anderes darf, bzw. muss man von ihnen erwarten angesichts der brutalen Dominanz der letzten Jahre.

Wie aber soll man als Schwatzgelber darauf reagieren? Die berühmte Kloppsche Demut an den Tag legen? Von Spiel zu Spiel denken? Weiterhin darauf pochen, dass die Qualifikation für die Champions-League das große Saisonziel ist? Das mag als Außendarstellung schön bescheiden und sympathisch wirken, aber letztendlich kann es nur ein Ziel geben: Meister werden.

Macht's noch einmal.
Macht's noch einmal.

Wir sind Tabellenführer und wir sind es zurecht. Natürlich hatten wir in einigen Spielen Glück, aber in den allermeisten Fällen war dieses Spielglück auch hart erarbeitet. Mit Hartnäckigkeit, Fleiß und einem großen Willen, der auch durch Rückstände nicht gebrochen wurde. Wir haben von 17 Spielen genau ein einziges verloren. In den Spielen gegen die Teams bis zum Tabellenplatz zehn wurden genau sieben Siege und zwei Unentschieden geholt. Und so ganz nebenbei haben wir auch das ein oder andere Mal schlicht und ergreifend richtig guten Fußball gezeigt und waren dem Gegner deutlicher überlegener, als es manchmal am Ergebnis abzulesen war. Allen Meriten der Bayern und ihrer am Ende doch ziemlich guten Hinserie zum Trotz: wir waren einfach besser als sie.

Natürlich wird das alles kein lockeres „die Schale nach Hause laufen“, sondern eine richtig knackige Aufgabe. Vor allem angesichts der Tatsache, dass wir in der Rückrunde bei vielen Gegnern der Marke „schwerer Brocken“ auswärts antreten müssen. Trotzdem kann es eigentlich bei dieser Ausgangslage kein anderes Ziel geben. Es ist Sport und Sport ist Wettkampf. Wettkampf gegen sich selbst und Wettkampf gegen andere. Es geht darum, das Beste aus sich heraus zu holen und an seine absolute Leistungsgrenze zu gehen. Ein Hobbyläufer, der Kurs persönliche Bestzeit läuft, wird nicht einfach irgendwann langsamer werden, weil die Zeit an sich ja so schon ganz okay ist, sondern alles raus hauen, um seine bisherige Bestleistung zu übertrumpfen. Genau so wie der unterklassige Verein, der im Pokalspiel sensationell gegen einen Verein aus ein paar Ligen darüber führt, nicht damit zufrieden sein wird, doch überraschend gut ausgesehen zu haben, sondern das Spiel dann verdammt noch mal auch gewinnen will. Genauso erwarte ich vom Herbstmeister der Fußballbundesliga, dass er sich den Gewinn der Schale als Ziel setzt. Wenn es dann letztendlich doch nicht klappen sollte, dürfte man auch enttäuscht sein. Nicht wütend und zornig, aber einfach enttäuscht, weil man eine gute Ausgangslage nicht nutzen konnte.

Hans-Joachim Watzke selbst sagte in einem der letzten Interviews, dass er persönlich ebenfalls Enttäuschung verspüren würde, wenn der BVB nicht wenigstens ein Mal in den nächsten zehn Jahren den Titel als deutscher Meister holen würde. Das würde wohl jeder BVB-Fan unterschreiben. So muss man eben jetzt richtig ranklotzen, weil wir höchstwahrscheinlich keine bessere Ausgangsposition kriegen werden. Die Zeiten, in denen die Bayern als großer Endgegner auch mal eine richtig miese Saison gespielt haben, in der sie nicht einmal zu den Top 5 gehörten, sind angesichts der enormen finanziellen Übermacht vorbei. Mehr „schwache Saison“ als jetzt, wird es in absehbarer Zeit an der Isar nicht geben.

Das Motto für die Rückrunde ist also klar: Arschlecken, Meister werden. Oder wie es im Pipi-Langstrumpf-Lied etwas vornehmer ausgedrückt ist:

„Auf dem Weg zum Ziel, keiner kann uns halten...“

Unterstütze uns mit steady