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Mario Mandžukić – Oder: Der Zweck heiligt nicht die Mittel

28.11.2019, 14:54 Uhr von:  Redaktion
Mario Mandžukić – Oder: Der Zweck heiligt nicht die Mittel

Dass es dem BVB an einer echten Alternative zum häufig verletzten Paco Alcácer mangelt, ist mittlerweile amtlich. Aki Watzke und Sportdirektor Michael Zorc haben diesen Fehler in der Kaderplanung öffentlich eingestanden. Es ist aber nicht allein das Fehlen eines nominellen „Neuners“, wo dem BVB der Schuh drückt, er sollte auch gleichzeitig eine körperliche Komponente ins Offensivspiel bringen, die uns momentan völlig abgeht. Unbequeme Wege gehen, Bälle festmachen und Zweikämpfe suchen – nicht gerade die Paradedisziplinen unserer vermeintlichen Offensivkünstler. Dass an dieser Stelle in der Winterpause nachjustiert wird, kann man als gesichert betrachten. Ein Name, der am Borsigplatz schon seit einigen Monaten immer wieder auftaucht, ist Mario Mandžukić.

Die Reaktion von Michael Zorc im Sky-Interview sprach Bände, als der Name des Spielers von Juventus Turin erwähnt wurde. Ein Dementi sah anders aus. Grundsätzlich erscheinen die Rahmenbedingungen ja auch durchaus sinnvoll. Ohne Frage, der kroatische Stürmer bringt genau die oben erwähnten, fehlenden Komponenten mit. Bei der WM 2018 ging der damals 31-jährige noch in der Verlängerung giftig jedem Ball und Gegner hinterher und schmiss seinen nicht mehr ganz jugendlichen Körper in jeden möglichen Zweikampf. Darüber hinaus kennt er aus seinen Zeiten in Wolfsburg und München die Liga, Atlético Madrid und Juventus Turin als weitere Vereine sind jetzt auch nicht gerade die schlechtesten Referenzen. Da er beim Tabellenführer der Serie A seit dieser Saison keine Rolle mehr spielt, ist Verfügbarkeit wohl auch nicht das Problem. Sportlich gäbe es deutlich schlechtere „Notnägel“ als Mandžukić.

Es gibt aber noch die andere Seite von Mario Mandžukić. In seiner Zeit beim FC Bayern München feierte er ein Tor in Nürnberg mit einem militärischen Gruß genau in der Zeit, in der zwei in erster Instanz als Kriegsverbrecher verurteilte, kroatische Generäle in den Haag freigelassen wurden. Nun kann man einwerfen, dass beide Generäle ja freigelassen wurden, aber schon diese Huldigung an Befehlshaber im jugoslawischen Bürgerkrieg, in dem keine Seite frei von dunklen Kapiteln blieb, zeigt eine nationalistische Grundgesinnung.

Diese Gesinnung trat während der WM 2018 nicht nur bei ihm, sondern bei weiten Teilen der kroatischen Nationalmannschaft offen zutage. In der Kabine wurden Lieder der rechtsnationalistischen Band „Thompson“ angestimmt, in denen unter anderem der Ustascha-Gruß, einer faschistischen Organisation zur Zeiten des zweiten Weltkriegs, intoniert wird. Die Ustascha-Bewegung wurde damals von Nazi-Deutschland unterstützt und errichtete auf dem Gebiet der heutigen Länder Kroatien und Bosnien-Herzegowina eine faschistische Diktatur, in der Serben, Juden, Roma und politisch Andersdenkende in Konzentrationslagern ermordet wurden. Der Frontmann der Band, Marko Perkovic, durfte beim Empfang der kroatischen Nationalelf sogar auf dem Lastwagen zur Feier der gelungenen Weltmeisterschaft mitfahren. Der Umstand, dass sich Mandžukić auch gerne zusammen mit Perkovic fotografieren ließ, lässt jetzt nicht unbedingt darauf schließen, dass ihm die Nähe zu einem nationalistischen Faschorocker unangenehm gewesen ist.

Und an dieser Stelle heiligt der Zweck eben nicht die Mittel. Besonders die Stadt Dortmund hat ein Problem mit Nationalisten, Faschisten und Rassisten und es wäre gelogen, wenn man abstreiten würde, dass diese Klientel auch in unserem Stadion vertreten ist. Der BVB hat sich in den letzten Jahren dazu aufgerafft, dagegen zu halten und einen Kontrapunkt zu setzen. Angefangen mit Vereinsausschlüssen bekannter Neonazikader, über die „kein Bier für Rassisten“-Bierdeckelaktion der Fanabteilung bis hin zu regelmäßig stattfindenden Gedenkstättenfahrten. Borussia Dortmund hat sich hier zu festen Werten positioniert, die man nicht einfach sportlichen Notwendigkeiten opfern darf. Darauf zu bestehen, dass Borussia Dortmund „alle Nationen“ verbindet, und gleichzeitig Tore eines Stürmers mit einer nationalistischen Einstellung zu feiern, geht einfach nicht zusammen.

Mit Mario Mandžukić gewinnen wir vielleicht ein paar Spiele zusätzlich – wir würden allerdings gleichzeitig viel mehr verlieren: Werte und Haltung.

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