Im Gespräch mit...

Marcel Schmelzer: "Der Moment war wirklich ein ganz besonderer"

12.08.2019, 18:51 Uhr von:  Nicky Seb
Marcel Schmelzer: "Der Moment war wirklich ein ganz besonderer"

Marcel Schmelzer - verdienter Spieler und oft kritisiert. Im großen schwatzgelb.de-Interview sprach Schmelle im Trainingslager über seine Anfangszeit, Zukunftspläne, einen besonderen Moment und ein folgenschweres Interview.

Fangen wir mal recht weit vorne an: Am 16.08.2008 kamst du zu deinem Bundesliga-Debüt, nachdem sich Dede verletzt hatte. Wie war das damals für dich?

Im Rückblick handelt es sich natürlich um einen sehr besonderen Moment in meiner Karriere, aber es fällt mir ehrlich gesagt sehr schwer, mich an Einzelheiten zu erinnern. Für mich kam das in dem Moment total überraschend. Mit einer Verletzung rechnet ja keiner, und dass ich dann direkt zu meinem Debüt reinkam, hatte ich überhaupt nicht erwartet. Dadurch kann ich mich auch gar nicht mehr an viele Sachen erinnern, außer an die Spielszenen, die ich nachher im Fernsehen gesehen habe.

Du hast mit Dede einen Publikumsliebling verdrängt. Das stelle ich mir als sehr schwierigen Einstieg vor.

Das ist richtig, gerade am Anfang war es für mich sehr schwer, als 20-Jähriger auf der Position zu spielen, wo für viele ihr Lieblingsspieler gesetzt war. Auch als Dede wieder fit war, hat Klopp mich dann recht schnell zum Stammspieler gemacht. Das war nicht immer einfach, weil ich sehr viel Kritik bekommen habe, die teils auch unberechtigt war, weil es in der Bewertung eigentlich nur darum ging, dass ich dem Fanliebling die Position weggenommen habe. Es war nicht einfach, gerade als junger Spieler, damit umzugehen. Gleichzeitig habe ich aber in der Zeit auch gelernt, mir weniger im Internet oder in den Medien durchzulesen, sondern mein eigenes Ding zu machen und mehr Wert auf die Meinung der Mitspieler und des Trainerteams zu legen. Das ist das, was ich in der Zeit am meisten gelernt habe.

Was hat Jürgen Klopp getan, um dir den Druck und die Anspannung zu nehmen?

Ich glaube, ihm war es sogar lieber, dass man vor den Spielen angespannt war. Er hat immer, so wie man ihn kennt, viel dafür getan, dass man hochmotiviert in die Partie gegangen ist. Als junger Spieler brauchte man gar nicht großartig zusätzlich heiß gemacht zu werden. Da war man sowieso schon motiviert, das Spiel mit 110% anzugehen. Vor dem ersten Heimspiel, daran erinnere ich mich noch sehr gut, hat Dede mich angerufen und mir Tipps gegeben. Er meinte, ich solle ganz ruhig machen und so spielen wie in der Vorbereitung und in den Testspielen. Auch wenn es Bayern München ist, zu Hause vor 80.000 - ich sollte versuchen, mir nicht so viele Gedanken zu machen, sondern einfach das spielen, was ich kann. Das hat mir natürlich sehr geholfen, zwei Stunden vor dem ersten Heimspiel von einem so erfahrenen Spieler Tipps zu bekommen.

Inwiefern erinnert dich die Situation von damals an deine Situation jetzt?

Tatsächlich ist es so: Ich handle jetzt so, weil es einerseits meinem Naturell entspricht, andererseits aber auch, weil ich gemerkt habe, wie wichtig das für mich damals war. Dass wir mit Dede jemanden hatten, der trotz weniger werdender Einsatzzeiten für die anderen Spieler da war, gerade auch für mich, obwohl ich ihn verdrängt hatte, war enorm wichtig. Deshalb habe ich vergangenes Jahr so gehandelt und werde es auch dieses Jahr machen: Ich will dann für das Team da sein, vor allem natürlich für Spieler, die es meiner Meinung nach brauchen.

Macht es den Umgang mit der Situation einfacher, wenn man es schon von der anderen Seite erlebt hat?

Ich glaube, dadurch weiß ich einfach noch mehr, wie gut das tut. Gerade wenn man neu kommt und jemandem den Platz wegnimmt, der schon lange hier ist, fühlt sich das komisch an. Man hat vielleicht sogar das Gefühl, dass der betreffende Spieler einen nicht leiden kann. Aber so ist das nicht. Wir sind im Mannschaftssport und müssen alle aufeinander achten. Das hört sich einfach an, aber wenn wir das nicht leben wollen, hätten wir uns eine andere Sportart aussuchen müssen. Im Mannschaftssport wird man keinen Erfolg haben, wenn man seinen Teamkameraden nicht das Beste wünscht. Es ist mein Naturell, niemandem etwas Schlechtes zu wünschen. Aber die Situation von der anderen Seite zu erleben, hat mir nochmal die Wichtigkeit verdeutlicht.

Wenn man dich letzte Saison beobachtet hat, bist du vermehrt als Antreiber aufgetreten oder hast dich vor deine Mitspieler gestellt, wie beim Ballwurf von Ibisevic gegen Bürki. Im Trainingslager in Bad Ragaz fiel vor allem auf, dass du viel mit den jungen Spielern sprichst. Wie siehst du momentan deine Rolle im Team?

Das ist mir gar nicht so aufgefallen, aber die sind im Gegensatz zu mir ja auch fast alle jung (lacht). Ich mag es einfach, wie die Jungs im Trainingslager und bei den Trainingseinheiten dabei sind. Ich weiß, wie sich das anfühlt, mit 20 bei gestandenen Bundesliga-Spielern dazuzukommen. Das ist nicht immer einfach, sich da schnell wohlzufühlen. Ich weiß, dass die Jungs alle ein Riesentalent haben. Das ist ein großer Unterschied zu damals. Die kommen so hochtalentiert mit einem unheimlichen Selbstbewusstsein aus der Jugend heraus, aber sie müssen doch auch noch einiges lernen. Und da versuche ich, zu helfen. Wenn man einige Sachen direkt von vornherein verinnerlicht, geht es mit dem Durchbruch eventuell sogar schneller.

Wie wichtig ist dir der Kontakt zu den jungen Spielern?

Mich muss nicht jeder Spieler mögen, dafür suche ich den Kontakt auch nicht. Ich mache das, weil ich weiß, dass es mir damals sehr geholfen hat, wenn ältere Spieler auf mich zugekommen sind und mir Tipps und Hilfestellung gegeben haben. Und wenn es nur Kleinigkeiten sind wie Manieren, gerade auch außerhalb des Platzes: Wie benimmt man sich dem Staff gegenüber oder dem Trainerteam? Das sind wichtige Sachen. Wenn die Jungs in den Profibereich kommen, verdienen sie so viel mehr Geld als Gleichaltrige. Speziell dann ist es wichtig, dass man Wert darauf legt, wie man mit anderen Menschen umgeht: nämlich respektvoll und höflich.

Versuchst du ihnen auch näher zu bringen, wofür der BVB und die Mannschaft stehen?

Das sehe ich erst mal nicht als meine oberste Aufgabe an. Das ergibt sich auch eher automatisch. Ich habe vergangenes Jahr mal erzählt, dass unsere spanischen Spieler gefragt haben, welches Spiel wichtiger ist: das gegen die Bayern oder das Derby. Die meisten kommen also eh von alleine und fragen. Da will und muss ich über das Thema gar nicht so viel von mir aus reden und meine Meinung aufdrücken.

Was bedeutet dir der BVB?

Puh, das ist keine Frage, die man mal eben so beantwortet. Ich habe ehrlich gesagt auch noch nie zu Hause auf dem Sofa gesessen und mir tiefergehende Gedanken darüber gemacht. Aber ich denke, meine Zeit beim BVB beschreibt es ganz gut: Damals, mit 17, ist ein riesiger Traum in Erfüllung gegangen, weil ich bei einem Bundesligisten und dann auch noch bei meinem Lieblingsverein spielen durfte. Ich bin damals in die Jugendabteilung gewechselt. Dann Bundesligaspieler zu werden und Leistungen zu bringen, so dass ich mit 31 immer noch bei dem Verein bin, war für mich weit weg. Ich habe dem Verein viel zu verdanken, habe ihm aber auch viel gegeben. Deswegen ist es, denke ich, eine tolle Geschichte, die da passiert ist – für beide Seiten.

Du bist jetzt über 30, aber hast sicher noch ein paar Jahre im Tank. Würdest du gerne noch im Ausland spielen, z.B. USA oder lieber deine gesamte Profikarriere bei einem Verein verbringen?

Ich würde natürlich gerne, weil ich jetzt schon in mein 15. Jahr hier gehe, meine Karriere auch hier zu Ende führen. Wenn man aber irgendwann auf mich zukommt und sagt, dass es besser wäre, noch mal getrennte Wege zu gehen, dann muss ich mich damit auseinandersetzen. Das würde ich zu gegebener Zeit mit dem Verein besprechen. Dann wiederum würde ich es sehr interessant finden, etwas anderes zu sehen. Ein weiter entfernter Verein, etwas „Exotischeres“, wäre für mich sehr interessant. Ob es dann in Asien oder in den USA wäre, spielt keine Rolle. Da wäre das Gesamtpaket wichtig. Es müsste aber schon einiges zusammenkommen, damit ich den Verein verlasse. Aber grundsätzlich hast du Recht: Ich habe hoffentlich noch ein paar Karrierejahre vor mir.

Hast du dir schon Gedanken gemacht, was nach dem Karriereende kommt? Wenn man sich dein Kommunikationsverhalten ansieht, liegt eine Aufgabe im Jugendbereich nahe.

Wenn man sich mein Kommunikationsverhalten anschaut, dann … (lacht). Nur weil ich als Spieler nicht so gerne vor die Kameras trete, heißt das ja nicht, dass ich sonst nicht viel rede.

Nein, das war mehr darauf bezogen, dass du nach dem Training mit den Jugendspielern sprichst.

Ach so (lacht). Aber da sagte ich ja gerade schon, dass es wohl eher daran liegt, dass die alle jünger sind als ich – außer Piszczu und mit dem rede ich auch viel. Naja, jedenfalls ist das Thema Jugendarbeit ein Punkt, über den ich schon mal nachgedacht habe. Aber es gibt viele Bereiche, die ich schon mal durchdacht habe. Bis jetzt habe ich da nichts Konkretes, da lasse ich mir noch Zeit, bis es wirklich soweit ist. Wo ich mehr hintendiere, ändert sich auch alle zwei bis drei Monate.

Du hast vorhin erklärt, dass der BVB dein Lieblingsverein ist. Du hast viele Titel mit dem BVB gewonnen und bist ein verdienter Spieler. Nach den Spielen gegen Düsseldorf und Gladbach wurdest du lange vor dem Block gefeiert, weil die Fans das registrieren. Was bedeuten dir solche Momente?

Der Moment war wirklich ein ganz besonderer, gerade nach der jüngeren Vergangenheit. Die Situation unter Peter Stöger war sportlich generell nicht einfach für mich. Ich wurde in dieser Zeit von außen als Sündenbock für vieles dargestellt. Jedenfalls war das mein Gefühl. Ich habe oft eingeräumt, dass es meine schlechteste Saison war. Da war ich immer ehrlich und kann das auch gut selbst einschätzen. Aber für alles verantwortlich gemacht zu werden, fand ich einfach zu viel und damals wie heute nicht richtig. Deswegen war dieser Moment letzte Saison doppelt besonders. Ich habe gemerkt, dass die Fans die Vergangenheit nicht vergessen haben, aber auch erkannt haben, dass die Situation nicht einfach ist. Dieser Moment wird ewig in meinem Kopf bleiben, weil es nicht selbstverständlich war, und ich das sehr genießen konnte. Ich konnte nach langer Zeit wieder spielen und habe diese Wertschätzung sehr genossen. Auch wenn es sich für viele vielleicht wie ein kleiner Abschied angefühlt hat, war es für mich einfach sehr, sehr schön und hat das Fingerspitzengefühl von den Jungs und Mädels im Block gezeigt.

Ich habe oft eingeräumt, dass es meine schlechteste Saison war.

Marcel Schmelzer

Du hast gerade schon die andere Seite angesprochen. Letzte Saison wurde z.B. bei einer Einwechslung gepfiffen. Wie erklärst du dir das?

Keine Ahnung, ich habe es ehrlich gesagt gar nicht bemerkt. Ich habe es während der Einwechslung und während des Spiels auch nicht gehört. Es wurde mir erst danach erzählt. Das wurde dann eine etwas größere Geschichte, die ich nicht verstanden habe. Für mich war es nicht schön, und vor allem hatte ich dann erst wieder vier bis fünf Monate später die Möglichkeit, eingewechselt zu werden und meine Leistung auf den Platz zu bringen. Aber da gab es dann zum Glück diesen besonderen Moment. Ich hätte es übrigens auch nicht in Ordnung gefunden, wenn es um einen Mitspieler gegangen wäre. Ich fand das Fan-Verhalten damals zum Beispiel gegenüber Mats nicht in Ordnung. Ich bin der Meinung, dass man einen Spieler, solange er das Trikot des Vereins trägt, einfach nicht auspfeift. Es ist etwas anders, wenn die Jungs dann in anderen Farben spielen. Dann kann man auch pfeifen. Das hat derjenige dann zwar immer noch nicht verdient, aber das gehört halt dazu. Nun hoffe ich einfach, dass es bei Mats zur neuen Saison nicht wieder der Fall sein wird. Wir haben Mats geholt, damit er uns sportlich nach vorne bringt, weil wir gerade in der Innenverteidigung vergangene Saison nicht so stabil standen, wie wir uns das gewünscht hätten. Mats wollte unbedingt zum BVB zurück. Deswegen hoffe ich, dass wir von vornherein die Situation klarstellen können.

Ist sowas dann Thema in der Mannschaft? Wie geht ihr als Mannschaft damit um?

Es ist zu 100% einfach Unverständnis. Pures Unverständnis. Die meisten würden es halt einfach nicht so deutlich sagen, aber es ist trotzdem so, dass man Spieler aus der eigenen Mannschaft nicht auspfeifen sollte. Die ganze Mannschaft bei Misserfolg auszupfeifen, ist das eine – aber einzelne Spieler, tut mir leid, da macht man es sich zu einfach.

Bei vielen basieren die Pfiffe auf einem Interview nach dem Pokalfinale 2017. Nach dem Sieg hast du Thomas Tuchel wegen der Nichtberücksichtigung von Nuri Sahin öffentlich kritisiert und damit angeblich auch Matthias Ginter diskreditiert, der an diesem Tag stattdessen gespielt hat. Wie kam es zu dem Interview und deiner deutlichen Wortwahl?

Also: Erstens möchte ich wirklich gerne klarstellen, dass meine Aussage nie als Diskreditierung von Matze gemeint war. Viele Leute, ich würde mal sagen 99 Prozent, wissen ja nicht, wie es intern zu dieser Entscheidung kam, und ich habe damals auch mit Matze gesprochen, der selbst überrascht war, auf der „6“ zu spielen, weil er sich als Innenverteidiger stärker sieht. Deswegen konnten wir dieses Missverständnis intern direkt ausräumen. Im Nachhinein muss ich aber natürlich sagen, dass diese Aussage in dem Moment nicht richtig war. Ich würde heute sogar sagen, dass ich das gesamte Interview nicht noch mal so geben würde, und zwar, obwohl es meine offene und ehrliche Meinung war. Ich mag keine Ungerechtigkeiten und wollte das einfach ansprechen. Das ist immer das Problem im Fußball: Die Leute wollen, dass Spieler ihre Meinung sagen, authentisch sind und auch mal klare Kante zeigen. Aber wenn einer das dann macht, dann wird er dafür angeprangert. Und wenn du nur Worthülsen von dir gibst, wirst du angeprangert, weil du angeblich kein „Typ“ bist. Man kann es vielen Leuten scheinbar nicht recht machen.

Es war damals meine Meinung, auch wenn Art und Zeitpunkt nicht korrekt waren. Am Ende ist es nicht meine Entscheidung, die Mannschaft aufzustellen. Ich bin lange genug im Geschäft, dass ich da hätte anders reagieren müssen, wenn ich darauf angesprochen werde.

Und eines dazu noch: Die Leute haben mich dafür verantwortlich gemacht, dass Thomas Tuchel entlassen wurde. Ich bin aber sicher nicht derjenige bei Borussia Dortmund, der Trainer einstellt und entlässt. Es zeigt aber, welche absurden Züge das angenommen hat und wie das hochstilisiert wurde.

Das Verhältnis zu Thomas Tuchel war intern angespannt, die Rede war von einem „Dissens“. Du warst in der Zeit Kapitän. Wie hast du versucht, die Rolle auszufüllen?

Es war, ehrlich gesagt, wirklich nicht einfach, zwischen den Stühlen zu stehen: gleichzeitig die Interessen des Vereins zu vertreten und mit dem Trainer das Verhältnis zu pflegen. Es gab allgemein Spannungen, die auch das Team mitbekommen hat. Es wäre für jeden, der zu der Zeit Kapitän gewesen wäre, nicht einfach gewesen. Egal, wer da sagt, dass ich falsch agiert habe: Ich glaube, dass in dieser Situation keiner wirklich hätte richtig handeln können. Ich kann mich nicht erinnern, dass eine solche Situation mal beim BVB oder einem anderen Verein derart öffentlich sichtbar war. Die letzten drei Monate ging es ja nur noch um die Beziehung zwischen dem Trainer und der Vereinsspitze. Das war für die Mannschaft natürlich nicht einfach – und nebenbei verfolgten wir unser aller großes Ziel, den Pokal nach Dortmund zu holen.

Im Prinzip warst du in den zwei schwierigsten Jahren deiner Karriere Kapitän. Streit, Anschlag, Absturz unter Bosz: Wie hat diese Zeit dich verändert?

Sportlich war das erste Jahr als Kapitän ja gar nicht so schlimm. Wir sind Dritter geworden, haben den Pokal gewonnen, und ich war Stammspieler. Das Jahr danach war dann schwieriger, also das verhextere Jahr für den gesamten Verein. Wie hat mich das verändert? Ich habe einfach gemerkt, wie schnell es gehen kann. Und auch, wie sehr Leute nur im Hier und Jetzt leben. Man kann acht oder neun Jahre lang mindestens ordentlich spielen und auch immer Erfolg mit der Mannschaft haben – aber dann spielst du eine schlechte Saison, und viele Leute (nicht alle!) vergessen all das. Ich will damit nicht sagen, dass man - wenn man einmal Erfolg hatte - ewig davon zehren und profitieren kann und darf. Aber es kann auch nicht sein, dass alles vergessen wird.

Und ein Zusammenhang erschließt sich mir sogar erst jetzt, durch eure Fragen: Dass meine Worte pro Nuri solche Ausmaße angenommen haben. Dass sie mir als solche Kritik an Matze Ginter ausgelegt wurden. Dass ich unter anderem deshalb ein ganzes Jahr lang so zu kämpfen hatte.

Glaubst du, dass du dich in der Kapitänszeit ein wenig selbst vergessen hast?

Ja, voll. Jemand hat mal zu mir gesagt: „Wenn ich das Spiel schaue, dann sehe ich keinen Marcel Schmelzer.“ – „Was meinst du?“ – „Du bist gar nicht mehr da. Du versuchst es allen recht zu machen, aber Du bist gar nicht mehr Du und gar nicht mehr da. Das ist irgendwer anders. Du achtetest nicht mehr auf dich.“ Und dann habe ich darüber nachgedacht und dachte mir: „Ja, stimmt.“ Ich versuche es meinen Mitspielern, meinem Trainer, den Verantwortlichen, den Fans recht zu machen. Aber selbst spiele ich so eine Grütze, weil ich mich nicht mehr auf mich konzentriere und nicht mehr versuche, es mir selbst recht zu machen. Das liegt aber auch ein bisschen in mir. Das ist ein Teil, den man gelernt hat. Wir sind alle noch Ende 20 oder Anfang 30, da sollten und müssen wir noch an unserer Persönlichkeit arbeiten. Aber das ist auf jeden Fall etwas, was ich mitgenommen habe. Ich muss in einigen Situationen erst mal auf mich schauen und erst mal meine Leistung bringen, bevor ich an alle anderen denke.

Wenn wir jetzt nochmal den Bogen zur aktuellen Situation spannen: Wie gut seid ihr vorbereitet auf die neue Saison?

Ich glaube, dass für uns die Vorbereitung noch bis in die „Saison“ hineingehen wird, das galt für den Supercup und auch noch für die erste Runde im DFB-Pokal. Auch wenn es Pflichtspiele sind, wo ein Titel vergeben wurde und es darum geht, eine Runde weiter zu kommen. Trotzdem müssen wir das noch dazu nutzen, als Team zusammenzuwachsen, spielerisch voranzukommen und an den Sachen zu arbeiten, die uns vergangene Saison die Punkte gekostet haben, die am Ende knapp zum Titel fehlten.

Was sind deine persönlichen Ziele?

Das größte Ziel ist immer, gesund zu bleiben und so viele Trainingseinheiten wie möglich zu absolvieren. Ich möchte für den Trainer eine Alternative darstellen, weil ich fit bin und gute Leistungen im Training bringe. Das habe ich vergangene Saison getan, nicht nur meiner Meinung nach. Ich würde mir wünschen, dass dieses Engagement berücksichtigt und mit dem einen oder anderen Einsatz belohnt wird.

Viel Erfolg dabei und vielen Dank für das Interview.

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