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Der Stopper- Das Leben des Wolfgang Paul

19.12.2019, 10:34 Uhr von:  DocKay

In einer Zeit als in meinem pfälzischen Kinderzimmer neben dem Wimpel des 1.FC Kaiserslautern der schwarzgelbe Wimpel des BVB an der Wand hing leuchtete am Dortmunder Fußballhimmel der Stern eines ganz besonderen Pöhlers.

Ich kann mich sehr gut an die damalige Zeit erinnern und konnte wirklich nicht ahnen nach einigen sportlichen Auftritten in der Roten Erde und der Körnig Halle schließlich meine spätere Heimat im schwarzgelben Ruhrgebiet zu finden. Aber es waren damals die goldenen 1960-er Jahre der Borussia, die mich faszinierten und sie waren verbunden mit dem Lebensweg eines Mannes, der als Sinnbild für Vereinstreue und Standhaftigkeit gilt.

So formulieren es die Herausgeber Uwe Schedlbauer und Fritz Lünschermann in ihrem kürzlich erschienenen Buch „Der Stopper“ und beschäftigen sich mit dem Leben des schwarzgelben Urgesteins Wolfgang Paul. Die Autoren sind für Insider wahrhaftig keine Unbekannten. Uwe Schedlbauer ist bekannt für seine Bücher für BVB Fans und schrieb zuletzt über „Schwarzgelbe Freunde überall auf der Welt“. Vor kurzem begeisterte er auch im Fußballmuseum mit seinen Events „Schwarzgelbe Geschichten“ und sorgte für ausverkaufte Häuser. Fritz Lünschermann, ehemals als Journalist bei den Ruhrnachrichten tätig, ist Ehrenmitglied des BVB und gleichzeitig Vorsitzender des Betriebsrates der KGaA. Beide Autoren stehen für unser Motto „Echte Liebe“ und leben dieses auch.

Willst du Fußballspielen beim BVB oder Uhren reparieren?

Diese Frage stellte der damalige Trainer Hermann Eppenhoff dem jungen Spieler Wolfgang Paul der nach den Stationen TUS Bigge 06 und VfL Schwerte am 7. August 1961 seine Pflichtspielpremiere beim BVB hatte. Das Buch beschreibt sehr schön die privaten und sportlichen Anfangsjahre des Fußballers Wolfgang Paul, der dann insgesamt zehn Jahre das schwarz-gelbe Trikot trug. Viele Bilder von Zeitzeugen geben einen nostalgischen Eindruck in die damalige Zeit, die geprägt war von Weisheiten wie „Ohne Fleiß keinen Preis“ oder beim sportlichen Scheitern dies mit dem Satz untermauerte „Junge, der Weg bis zum Bahnhof sind nur sieben Minuten“.

Dabei waren die Anfangsjahre keine Herrenjahre für die „Sauerländer Eiche“. Wolfgang Paul, der sowohl noch mit den 56/57 Meistern wie Heinrich Kwiatkowski, Willi Burgsmüller, Jockel Bracht, Fredy Kelbassa oder „Sully“ Peters als auch mit Charly Schütz, Timo Konietzka, Lothar Emmerich, Sigi Held oder Hans Tilkowski zusammen spielte erlebte erst als 22-jähriger Borusse seinen Durchbruch als „der Lange“. Allein die Spielberichte aus dieser Zeit sind lesenswert und erinnern an legendäre Borussen, die als Spieler in die Geschichte des Vereins eingegangen sind. Es war eine ereignisreiche Zeit in der auch am 28.07.1962 im Goldsaal der Westfalenhalle die Einführung der höchsten deutschen Spielklasse, der Bundesliga, und der 5 Regionalligen erfolgte.

Wolfgang Paul rechts im Bild mit Reinhard Rauball
Wolfgang Paul rechts im Bild mit Reinhard Rauball

Bevor diese dann aber am 24.8.1963 mit dem Spiel in Bremen für den BVB startete feierte der „Turm in der Schlacht“, wie man Wolfgang Paul auch nannte, mit seine Schwarzgelben am 29. Juni 1963 im Stuttgarter Neckarstadion die Deutsche Meisterschaft durch einen Sieg gegen den Karnevalsclub aus Köln mit 3:1. Im Übrigen hatte er seinem Trainer Hermann Eppenhoff damals geantwortet, dass er auch Uhren reparieren wolle um die Familientradition fortzuführen. Entsprechend erwarb er im gleichen Jahr im November seinen zweiten Meistertitel im Uhrmacher Handwerk. So berichten die Autoren immer wieder nicht nur über die sportlichen Erfolge zu dieser Zeit sondern geben auch Einblick über den Menschen Wolfgang Paul, der vom Einzelgänger zum Familienvater wurde, Lebensretter war und bis heute seiner Heimat, dem Sauerland treu geblieben ist. Dadurch wird das Lesen des Buches sehr kurzweilig.

Nach dem DFB-Pokalsieg im Spieljahr 1964/65 widmet sich das Buch dann natürlich dem Weg bis zum Europapokalsieg am 5. Mai 1966 im legendären Hampden Park in Glasgow. Allein das abgedruckte Titelblatt des damaligen Programmheftes erweckt schon Gänsehautgefühle. Der 2:1 Sieg an diesem Abend gegen den haushohen Favoriten FC Liverpool war der wichtigste Sieg einer deutschen Mannschaft nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft 1954 in der Schweiz. Der Kapitän Wolfgang Paul durfte voller Stolz den Pokal in Empfang nehmen.

Wenn wir zehn Mal gegen Liverpool spielen, verlieren wir neun Mal. Aber das eine Mal gewinnen wir, und das ist heute.

Fischken Multhaup hatte die Mannschaft mit diesem Satz auf das Spielfeld geschickt und ich durfte mit meinem BVB- Wimpel die „Bogenlampe“ von Stan Libuda in der 106. Spielminute zum entscheidenden 2:1 Siegtreffer erleben. Die WM 1966 und das denkwürdige Finale mit dem entscheidenden Nichttor erlebte „der Lange“, so würde man es heute formulieren, als Ergänzungsspieler und die Niederlage in London läutete dann auch eine nicht so erfolgreiche Epoche des Gespannes Wolfgang Paul und seinem Heimatverein ein. Sie war geprägt von Verletzungen, Trainerwechsel und Abstiegskampf und führte schließlich zum Ende Karriere in der Spielzeit 1970/71.

Die Autoren beschäftigen sich dann aber auch mit der Zeit danach und seinen Erfolgen als Trainer. Bei den Spielen des TSV Bigge-Olsberg tauchte dann ab und zu auch ein „Aki“ Watzke auf. Der SSV Meschede war schließlich seine letzte Trainerstation bevor er sich ganz den tickenden Uhren und den Schmuckstücken widmete. Er war seinem Prinzip treu geblieben hatte bereits 1971 den elterlichen Betrieb übernommen wie er es Hermann Eppenhoff prognostiziert hatte. Im Mai 2018 schloss er dann die Türen des Juweliers W. Paul in Bigge. Gemäß dem Motto „Einmal Borusse, immer Borusse“ erfahren wir dann etwas über eine besondere Freundschaft zum BVB-Fan Paul Friebe und über die Verleihung der Ehrenmitgliedschaft durch den BVB im Jahre 1995. Schließlich wird er im November 2001 zum Vorsitzenden des Ältestenrates gewählt, dem er ebenfalls seit 1995 angehört. Das Buch endet mit dem Satz:

Wir sehen uns im schönsten Stadion der Welt

Das Buch „Der Stopper-Das Leben des Wolfgang Paul“ zu lesen ist sehr kurzweilig und markiert eine sehr erfolgreiche Epoche unseres BVB. Gelegentlich erinnert es nicht zuletzt wegen der vorhandenen Werbung an eine Festschrift. Aber eigentlich ist es ja auch eine Festschrift. Eine Festschrift zu Ehren eines charakterstarken Menschen, der die Werte unseres Vereins vertritt. Durch Einsatzwillen, Pflichtbewusstsein, Kampfbereitschaft und Besonnenheit hat er seine Erfolge erzielt und dabei nie das große Ganze vergessen. So würdigt es auch Hans-Joachim Watzke in seinem Vorwort. Das Buch wurde von den Herausgebern Uwe Schedlbauer und Fritz Lünschermann exakt zum anstehenden 80-jährigen Geburtstag am 25. Januar 2020 platziert und am 3.12. im Haus Gerbens in Wickede in Anwesenheit von Wolfgang Paul, seiner Frau Almuth und dem Präsidenten des BVB Reinhard Rauball vorgestellt.

Für mich hat es eine weitere Bedeutung. Es ist ein Stück Zeitgeschichte des BVB mit vielen Anekdoten und unveröffentlichten Fotos. Wir alle wissen wie schwierig es ist solche Informationen nach vielen Jahren zusammen zu tragen wenn es später an Zeitzeugen mangelt. Somit ist es auch ein kleines Geschichtsbuch für diejenigen, die vielleicht später einmal den Wimpel und den Schal des BVB in ihr Kinderzimmer hängen. Das Buch ist in Paperback Form im Verlag der Blundus Media GmbH zum Preis von 10 Euro erschienen und für jeden BVB-Fan ein Muss. Es eignet sich natürlich auch hervorragend als Geschenk.

Das Buch könnt Ihr hier bestellen:

Blundus Shop und BVB Shop

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