Fehlfarben

Wie die Bayern Katar verändern

04.01.2019, 19:53 Uhr von:  Sascha
Wie die Bayern Katar verändern

Allwinterlich sind die Bayern ins Trainingslager nach Katar aufgebrochen, um dort für die Menschenrechte zu kämpfen. Kalle-Leaks enthüllt.

Winterzeit ist Trainingslagerzeit und die Bundesligavereine fliegen wieder in den warmen Süden, um sich optimal auf die Rückrunde vorzubereiten. Viele Clubs haben dabei eine Lieblingsdestination, die sie immer wieder aufsuchen. Die Münchener Bayern beispielsweise zieht es immer wieder ins Emirat Katar – und sie ernten ebenso regelmäßig öffentliche Kritik dafür. Der ein oder andere kleinliche Mensch könnte nämlich denken, dass man es dort in Hinsicht auf die allgemeinen Menschenrechte, auf das Arbeitsrecht und Gleichheit der Geschlechter vielleicht eine kleine Spur zu ungenau nimmt.

Aber genau deshalb sind die Bayern ja dort. Um einen gesellschaftlichen Wandel herbei zu führen. So beeilte sich Klubchef Rummenigge vor dem Abflug, auch eindeutig klarzustellen:

"Wir stehen mit unseren Partnern in Katar in regelmäßigem Austausch über Entwicklungen in unseren Gesellschaften, der das Thema der Menschenrechte und die Rechte von Arbeitern bzw. Arbeitnehmern einschließt."

Wer dieses Statement jetzt mit Belustigung in das Reich der Fabeln verweist, irrt jedoch gewaltig. Das Recherchenetzwerk Kalle-Leaks hat uns Gesprächsmitschnitte zugespielt, die eindeutig diesen interkulturellen Austausch belegen:

Karl-Heinz R.: „Guten Tag, Euer Exzellenz. Im Namen des FC Bayern München möchte ich mich für die Gastfreundschaft bedanken, mit der Sie uns jedes Jahr aufs Neue empfangen.“

Al Thani: „Herzlich Willkommen, Kalle. Möge auf ewig die goldene Wüstensonne über der Stunde unserer Begegnung leuchten.“

Karl-Heinz R.: „Jo, wirklich ganz schön heiß hier. Ich frag mich immer noch, wie man bei der FIFA auf die Idee gekommen ist, dass man hier richtigen Fußball spielen kann.“

Al Thani (mit hörbarer Belustigung): „Tja, mein lieber Freund. Es sind eben nicht alle so eifrig und genau bei ihrer Arbeit wie die Zollbeamten am Münchener Flughafen.“

Karl-Heinz R.: „Hören Sie bloß auf. Die schönen Uhren. Ein Skandal, dass die das nicht als normales Urlaubssouvenir akzeptiert haben. Und dann verklagt man mich auch noch dafür. Mich! Einen absoluten Ehrenmann.“

Al Thani: „Beruhigen Sie sich, mein Freund. Darf ich ihnen zur Entspannung einen arabischen Tee anbieten?“.

Karl-Heinz R.: „Das wäre sehr freundlich, Euer Hoheit.“

Man hört Schritte, die sich langsam dem Ort des Geschehens nähern. Dann das Klappern einer Tasse, gefolgt von einem lauten Aufschrei.

Al Thani: „Der Tee ist kalt und völlig ungenießbar. Wer wagt es, mir dieses furchtbare Gebräu zu servieren. Bringt mir sofort den Verantwortlichen her. Und holt den Stock.“

Karl-Heinz R.: „Ähm, Euer Hoheit. Wir hatten bei unserer letzten Reise nach Katar doch schon dieses Gespräch über westliche Werte, für die wir stehen. Und Sie haben eingewilligt, diese Werte auch zu akzeptieren.“

Al Thani: „Achja, ich erinnere mich. Die Toilette ist gleich den Flur entlang, die letzte Tür auf der rechten Seite. Nehmen Sie sich soviel Zeit, wie sie brauchen, um sich frisch zu machen.“

Karl-Heinz R.: „Ich denke, zehn Minuten werden dafür völlig ausreichen, Euer Majestät. Und ich möchte mich noch einmal ausdrücklich für den Respekt bedanken, den Sie unserem dringenden Anliegen zollen.“

Schritte. Eine Tür öffnet sich und wird wieder geschlossen.

Al Thani: „So, und jetzt herein mit dem unfähigen Hund.“

An dieser Stelle ist die Aufnahme unterbrochen und sie beginnt mit dem erneuten Geräusch einer sich öffnenden Tür.

Karl-Heinz R.: „Ah, das tat gut. Konnten Sie die Angelegenheit mit ihrem Personal ….. ähm… klären?“

Al Thani: „Es ist alles erledigt. Seien Sie versichert, dass Sie ein ruhiges Gewissen haben dürfen.“

Karl-Heinz R.: „Und ich bin sehr erfreut, dass unsere Anwesenheit in Ihrem schönen Land zu tiefgreifenden Änderungen in Ihrem gesellschaftlichen Miteinander führt.“

Al Thani: „Ja, aber sicher doch.“

Lautes Gelächter.

Al Thani: „Aber jetzt lassen Sie uns mal über den Fußball reden. Es hat uns überrascht, dass Sie bislang in dieser Saison doch das ein oder andere Problem haben.“

Karl-Heinz R. (hörbar zerknirscht): „Das haben der Uli, von dem ich übrigens schön grüßen lassen soll, und ich uns auch anders vorgestellt. Leider gab es zu Beginn der Spielzeit das ein oder andere atmosphärische Problem.“

Al Thani: „Inwiefern?“

Karl-Heinz R.: „Es gab Spieler, die wollten sehr gerne den Arbeitsplatz wechseln, was wir ihnen verboten haben.“

Al Thani: „Wo ist das Problem? Wir ziehen unseren Wanderarbeitern einfach die Pässe ein. Sollen die mal versuchen, so in ein anderes Land zu wechseln.“

Karl-Heinz R.: „Euer Hoheit, wir sehen den Erfolg Ihrer Handlungsweise an den stetig fortschreitenden Arbeiten Ihrer Fußballstadien. Aber wir beim FC Bayern stehen voll und ganz hinter dem in Deutschland geltenden Arbeitsrecht.“

Al Thani: „Ihr dürft das nicht?“

Karl-Heinz R. (grummelnd): „Nee, ist nicht drin.“

Al Thani: „Mein lieber Freund, seien Sie kreativ. Wenn der Esel nicht aufs Wort hört, muss er eben die Peitsche spüren.“

Karl-Heinz R. (weiter grummelnd): „Peitschen sind bei uns auch verboten.“

Al Thani (heiter): „Aber Sie haben doch andere Möglichkeiten. Beim Fußball tut es eben manchmal weh und eine saftige Grätsche gehört dazu. Niemand wird Sie deswegen belangen. Vielleicht können Sie ja den ein oder anderen Spieler dazu bringen, den Unruhestiftern eine spezielle Zweikampfführung zukommen zu lassen.“

Karl-Heinz R.: „Aha. Sie meinen also jemanden, der eigentlich gar nicht viel können muss, aber gegen einen gewissen finanziellen Anreiz im Training bereit ist, auch mal härter zuzulangen?“

Al Thani (klatscht in die Hände): „Ganz genau. Kreativ sein.“

Karl-Heinz R.: „Einen Holzfuß verpflichten, der nicht viel mehr können muss als mit den Stollen voran unsere faulen Äpfel zu bearbeiten. Das klingt ganz nach einer Aufgabe, die unser Show-Sportdirektor schaffen kann. Vielen Dank für den Tipp. Es ist wunderbar zu sehen, welche Früchte unser jährlicher Austausch trägt.“

Al Thani: „Aber vergessen Sie nicht, zuhause auf die erzielten Fortschritte im interkulturellen Dialog mit unserem schönen Emirat hinzuweisen.“

Karl-Heinz R.: „Aber selbstverständlich nicht. Wo Sie gerade davon reden: Die üblichen Floskeln oder möchten Sie dieses Mal etwas mehr Überschwang? Wir hätten nämlich noch einen zweiten Ärmel am Trikot frei…….““

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