Warmlaufen

Berlin sehen und wieder kommen

19.04.2016, 21:20 Uhr von:  Redaktion

Mit der Punkteteilung im Derby war die Meisterschaft gelaufenMan muss ja immer vorsichtig sein, was die Verwendung von Superlativen angeht. Weil dies nicht immer alle tun, ist im Zusammenhang mit dem anstehenden Pokalhalbfinale des Ballspielvereins bei Hertha BSC dennoch schnell vom „wichtigsten Spiel der Saison“ die Rede. Zugegeben, wenn man mal den Worst Case durchspekuliert, hört sich das alles nicht mehr so pralle an: Europapokalaus, der Meisterschaftszug trotz toller Saison abgefahren und nun auch noch ein Ausscheiden im Pokal? Der April hätte durchaus negative Auswirkungen auf unseren Verein und die Wahrnehmung der Saison gehabt. Aber stopp – ist das nun wirklich so?

Seien wir mal ehrlich – in der Meisterschaft gab es in dieser Saison einfach nichts zu holen. Das macht der simple Fakt deutlich, dass der BVB bereits jetzt mehr Punkte auf dem Konto hat als in so mancher Saison, die mit der Schale gekrönt wurde. Und es besteht immer noch die Möglichkeit, den Vereinsrekord von 81 Punkten (Hallo Double 2012!) zu überbieten, ohne an der Tabellenspitze ins Ziel zu laufen. Daher muss man mit der Bewertung der Titellosigkeit in der Bundesliga nun wirklich vorsichtig sein.

Die Pleite von Liverpool wirklt noch immer nachÜber das Europa League Viertelfinale würden wir an dieser Stelle lieber schweigen. Gute Erklärungen lassen sich knapp eine Woche später ohnehin nicht finden. Abgehakt ist das Spiel zumindest beim Verfasser dieser Zeilen auch noch nicht. So bleibt der BVB ohne Gewinn dieses Titels, was immer noch schmerzt und sicherlich auch einen kleinen Schatten über die Saison werfen wird, der nicht komplett vertrieben werden kann. Wohl aber reduziert, nämlich dann, wenn wirklich das Pokalfinale in Berlin erreicht und dann eventuell sogar gewonnen werden kann. Und daher mache ich es mir einfach und gebe mich einfach prollig: Das Pokalhalbfinale kann ja gar nicht das wichtigste Spiel der Saison sein, wenn noch ein Pokalfinale gespielt werden muss! Oder?

An der Motivation sollte es am Mittwochabend wohl hoffentlich nicht scheitern. Einem Spieler, der nach dem Spiel in Liverpool nicht auf Wiedergutmachung und auf die letzte Chance auf einen Titelgewinn brennt, kann jedenfalls in meinen Augen nicht mehr geholfen werden. Daher erwarte ich einfach elf (bis 14) Borussen, die für jeden verdammten Meter so an die Belastungsgrenze gehen, wie es uns an der Anfield Road zum Verhängnis wurde. Elf Borussen, die gewillt sind, noch ein Spiel in Berlin zu erreichen. Elf Borussen, die diese Saison noch krönen und Wiedergutmachung erreichen wollen.

Marco Reus dürfte wieder in der Startelf stehenNun wird das beim Gegner nicht großartig anders sein. Nur für den Fall, dass ihr in der Vorberichtserstattungszeit um dieses Spiel unter einer Ananas ganz tief im Meer lebtet: die Berliner haben noch kein Finale im eigenen Olympiastadion erreicht – lediglich die Amateure haben dies mal geschafft und der Berliner Traum vom Heimfinale existiert sicherlich schon genau so lange wie das DFB-Pokalfinale eben im Olympiastadion ausgetragen wird. Und auch sportlich dürfte die Hertha ein unangenehmer Gegner werden. Das hat sich schon beim letzten Aufeinandertreffen der beiden Teams in Berlin gezeigt, als am Ende nur ein relativ trockenes 0:0 heraussprang und die Berliner ihre große Stärke der laufenden Spielzeit, die große Kompaktheit in der Defensive, noch einmal unter Beweis stellen konnten. Meist wurde die gute Defensivleistung auch mit großer Effektivität in der Offensive kombiniert, sodass die Hertha - häufig knapp - aber eben doch als Sieger den Platz verließ. Kein Wunder also, dass man sich lange Zeit auf Platz 3 wieder fand und schon von der Champions League träumte. Aber das hat man damals ja auch von der Meisterschaft getan (Hey, das geht ab... die Hertha... ach, lassen wir das).

Das letzte Aufeinandertreffen war hart umkämpftZuletzt sah es nämlich gar nicht mehr so gut aus. Pleite in Gladbach, ein mickriges Unentschieden gegen Hannover und nun eine Niederlage in Sinsheim. Momentum hat die Hertha nun wirklich nicht auf ihrer Seite. Aber eben die Motivation und das spielerische Potential, auch den BVB zu ärgern. Den nötigen Ernst sollten alle Beteiligten also ebenfalls ohne Zweifel an den Tag legen. Personell gab es am Dienstagnachmittag noch die schlechte Neuigkeit, dass Pierre-Emerick Aubameyang aufgrund einer Knochenabsplitterung fehlen wird. Sicherlich ein herber Schlag für unsere Schwatzgelben, doch Adrian Ramos hat in seiner starken Rückrunde ja bereits mehrfach unter Beweis gestellt, dass er durchaus für das eine oder andere Tor zu haben ist.

Was bleibt unter dem Strich also? Nicht das wichtigste Spiel der Saison, zweifelsohne aber das wohl zweitwichtigste Spiel. Denn nicht nur die Spieler, auch die Fans wollen noch einmal nach Berlin reisen, um dort dann idealerweise etwas mitzunehmen. Zumindest die meisten? Denn was man in den letzten Tagen in manchen Kreisen auch immer hören konnte, war ein gewisser Gedanke, dass man nun auch nicht wirklich viel Lust habe, noch einmal in Berlin (und wahrscheinlich gegen die Bayern) zu verlieren. Denn auch das darf mal genannt werden: nach dem Doublegewinn verlor der BVB 2013 in Wembley die Champions League, 2014 im Finale gegen die Bayern und 2015 noch einmal im Finale gegen den VfL Wolfsburg. Ehrlich gesagt sollte das aber für niemanden - Fan oder Spieler - Grund genug sein, es der Hertha mal zu gönnen oder nicht alle 100% rauszuhauen. Aber das Finale und etwaige Erfolgs- oder Misserfolgsstorys sind dann (hoffentlich) der Stoff für einen Auftritt der Gästekurve im Februarweiteren Vorbericht im DFB-Pokal der Saison 2015/2016.

Mögliche Aufstellungen

Ballspielverein: Bürki – Piszczek, Sokratis (Bender), Hummels, Schmelzer – Weigl – Gündogan, Castro (Kagawa, Pulisic) – Mkhitaryan, Ramos, Reus

Hertha BSC: Jarstein – Pekarik, Langkamp, Brooks, Plattenhardt – Lustenberger – Weiser, Darida, Skjelbred, Kalou – Ibisevic

Schiedsrichter: Aytekin (Oberaspach)

Ort: Das Olympiastadion ist mit 76.233 Plätzen ausverkauft, davon 10.000 Borussen an der Spree

Unnützes Wissen: nach Werder Bremen, Fortuna Düsseldorf und Bayern München wäre der BVB der 03+1. Verein, der drei Mal in Serie ins DFB-Pokalfinale einzieht. Jede der drei anderen Mannschaften hat den Titel zumindest einmal gewonnen...

Vanni, 19.03+1.2016

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