Unsa Senf

Nicht nur Verdienst, auch Treue wahrt uns die Person

09.05.2015, 09:41 Uhr von:  Redaktion

In aller Munde: Ilkay GündoganIm Rahmen des verkündeten Abschieds von Ilkay Gündogan ist unter Fans mal wieder die Rede vom raffgierigen Fußballprofi. Vom aalglatten Millionär, dem das Mega-Gehalt beim nächsten Verein die Sinne derart vernebelt, dass er verkennt, was der vorherige Club für ihn getan hat. Vom schmierigen Berater, der sich am Aas eines Millionen-Transfers laben will. Und vom modernen Fußball, der keinen Platz mehr bietet für echte Typen, die zu „ihrem Verein“ stehen.

Die Causa Gündogan hat mit der mysteriösen Rückenverletzung, der Vertrags-Verlängerung um nur ein Jahr und dem monatelangen Poker um Verbleib oder Verkauf gewiss einen faden Beigeschmack. Doch so gerne wir (womöglich auch nicht ganz zu Unrecht) wechselwillige Spieler umgehend verurteilen, so gerne dürfen wir (womöglich auch nicht ganz zu Unrecht) jene Spieler hervorheben, die den üblichen Marktmechanismen trotzen und sich seit Jahren für unseren Ballspielverein den Allerwertesten aufreißen.

Acht Spieler sind seit 6 Jahren beim BVB

Es ist nicht nur typisch deutsch, sondern in erster Linie typisch Mensch, sich über Störendes sofort ausgiebig zu beklagen, jedoch das Angenehme als selbstverständlich hinzunehmen, ohne es wertzuschätzen. Doch es ist alles andere als selbstverständlich, dass so viele unserer Spieler schon seit so langer Zeit bei uns sind. Mit Roman Weidenfeller, Mats Hummels, Neven Subotic, Marcel Schmelzer, Sven Bender, Sebastian Kehl, Kevin Kuba ist fast schon ein BVB-UrgesteinGroßkreutz und Jakub Blaszczykowski haben wir acht Spieler in unserem Kader, die seit mindestens sechs Jahren ununterbrochen für diesen Verein spielen. Wie einzigartig diese Zahl vereinstreuer Spieler ist, zeigt ein Blick auf die Konkurrenz in der Liga. Mit Ausnahme der Bayern gibt es bei den 16 anderen Teams im Durchschnitt gerade mal 2,6 Spieler, die ebenfalls seit mindestens sechs Jahren für den jeweiligen Club auflaufen.

Interessant ist bei dieser Betrachtung nicht nur der quantitative, sondern auch der qualitative Aspekt. Während wir dahingehend bei den anderen Teams von Spielern wie Philipp Bargfrede (Werder Bremen) oder Sascha Burchert (Hertha BSC) reden, die dem Spiel ihrer Mannschaften in den vergangenen Jahren nun wirklich nicht ihren Stempel aufdrückten, reden wir beim BVB von Nationalspielern. Weil sich ein Burchert mit fatalen Torwart-Patzern eher für kuriose Saisonrückblicke und weniger für internationale Top-Clubs empfahl, ist es wenig verwunderlich, dass der Keeper immer noch bei der Hertha unter Vertrag steht.

Widerstand gegen schwerreiche Premier-League-Clubs

Dass die Benders, Kubas und Hummels‘ dieser Welt jedoch den Lockrufen der schwerreichen Premier-League-Clubs Widerstand und stattdessen harte Arbeit für den BVB leisteten, ist für den heutigen Fußballmarkt hingegen nicht typisch, sondern ein paar anerkennende Worte wert. Natürlich spielen die Jungs bei uns nicht für Luft und Liebe, natürlich verdienen sie auch bei uns mehr Geld als ein Mensch zum Leben braucht. Doch wie wir wissen, kassiert in der Premier League jeder Dorfverein höhere TV-Gelder als der FC Bayern in der Bundesliga. Und bei dem Gehaltsgefüge im englischen Fußball-Oberhaus ist es wenig spekulativ, wenn man behauptet, dass Zukunft offen: Mats Hummelsspeziell den drei gerade genannten Dortmundern in den vergangenen Jahren Angebote ins Haus flatterten, wie sie der BVB einem Spieler in der finanziellen Höhe niemals unterbreiten könnte.

Also schien Hummels und Co. mehr zum Verbleib zu bewegen als nur das liebe Geld. Ob es Jürgen Klopp war oder das Westfalenstadion, eine gute Teamchemie, das fast schon mediterrane Dortmunder Klima oder die Happy Hours in der Hirsch-Q – man weiß es nicht. Doch eines ist sicher: Während andere Vereine ihre Spieler so häufig wechseln wie die oft zitierten Unterhosen, dürfen wir uns in der glücklichen Lage wissen, einen großen Kern von Vereinstreuen in unseren Reihen zu haben. Und vielleicht würde es uns manchmal guttun, wenn wir den seltenen Wert dieses Umstands auch schätzten und uns weniger über die Reisenden aufregten. Die sollte man ja ohnehin nicht aufhalten.

Elster, 09.05.2015

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