Unsa Senf

Unsere Nr.5

21.05.2015, 21:14 Uhr von:  Redaktion

13 Jahre echte Liebe oder wie aus einem jungen Burschen aus Fulda ein waschechter Borusse wurde. Als Sebastian Kehl im Januar 2002 vom SC Freiburg zum Titelkandidaten nach Dortmund wechselte, zählte er mit seinen 22 Jahren zu einem der vielversprechenden Talente im defensiven Mittelfeld.

Nicht ganz unumstritten wird Kehl damals noch unter Michael Meier und Gerd Niebaum von Freiburg nach Dortmund transferiert. Damals entbrannte ein heftiger Streit zwischen den Bayern und dem BVB. Die Bayern beriefen sich auf eine mündliche Vereinbarung mit dem Freiburger, der sich nach reiflicher Überlegung letztlich doch für unsere Borussia entschied. Damals räumte Kehl seinen Fehler ein, einen Scheck vom FC Bayern im Vorfeld angenommen zu haben. Für die festgeschriebene Ablöse von 3,8 Millionen D-Mark wechselte Kehl in der Winterpause zum BVB. Kehl unterschrieb für vier Jahre und die Zahl der Kritiker bezüglich des Wechsels in Dortmund war nicht gering. Die Befürchtung einen „Geld geilen“ Söldner verpflichtet zu haben war in der Anhängerschaft weit verbreitet. Damals versuchte Michael Meier noch auf einer "Fan-Delegierten-Veranstaltung" für Verständnis für den Transfer des Jungnationalspielers zu sorgen. Eine weitere Randnotiz: Am selben Abend gab er den Fans das Versprechen, dass das äußerst umstrittene Maskottchen Emma niemals unten auf dem Rasen stehen werde, sondern lediglich bei diversen Veranstaltungen rund um das Stadion zu Einsatz kommen würde.

Von Beginn an: 109% für BorussiaKaum war Sebastian Kehl in Dortmund angekommen, wurde er schon unter Matthias Sammer deutscher Meister und spielte im UEFA-CUP-Finale in Rotterdam. Der Wechsel vom SC Freiburg, welcher in dieser Saison abstieg, hatte sich aus sportlicher Sicht schon ausgezahlt. Doch richtig angekommen schien er in Dortmund zu diesem Zeitpunkt noch nicht. In einem Interview bei schwatzgelb.de merkte er im Jahr 2003 noch an, dass er das Gefühl habe, nicht allzu beliebt bei den Dortmunder Fans zu sein. Er mache sich schon darüber Gedanken, woran es liegen könnte, dass Leute behaupten, er sei arrogant. Doch spätestens als Kehl nach dem fünften Heimspiel ohne Sieg den aufgebrachten Fans, welche noch lange nach Abpfiff den Stadionausgang blockierten, Rede und Antwort steht, erarbeitet er sich in der Saison 2004/05 den nötigen Respekt auf Seiten der Fans. Sein Frage: „Wollt ihr uns verprügeln“ und die hämisch schallende Antwort „Ja“, ist legendär. Kehl kam in einer Zeit, in der Dortmund mit vielen Millionen dem FC Bayern Paroli bieten wollte, und blieb in einer Zeit, in der es Dortmund richtig schlecht ging, trotz lukrativer Wechselangebote.

Nach dem Sommermärchen 2006 nahm das persönliche Schicksal Kehls seinen Lauf. Direkt am ersten Spieltag der Saison zog sich Kehl nach einem Zweikampf mit Hasan Salihamidzic (Bayern München) eine tiefe Fleischwunde im linken Knie zu. Es kam bei der Behandlung zu Komplikationen und anschließend zu Folge-Verletzungen. So kam Kehl in dieser Saison gerade einmal auf 6 Bundesligaeinsätze. In den beide Folgejahren meldete sich Kehl wieder zurück und übernahm 2008 das Kapitänsamt unter Jürgen Klopp. Doch dieses Amt schien ihm auch kein Glück zubringen. Es folgten erneut zwei Seuchenjahre, in denen er aufgrund von Verletzungen jeweils nur 6 Spiele machen konnte. Darunter auch die Meistersaison 2010/11. Doch wie wichtig er für die Mannschaft war und ist, zeigte sich nicht zuletzt in der Double-Saison, in der er fast alle Spiele für den BVB bestritt.

Zwei Eckpfeiler auf dem Arm: Familie und MeisterschaftKehl stand in den 13 Jahre für Leidenschaft, Siegeswille und Emotionen. Auch seine kleinen Aussetzer, wenn er zum Beispiel einen Schiedsrichter umschubst, machten ihn symphytisch, weil er sich stets authentisch verhielt. Kehl verkörpert einen Fußballprofi, der, wenn es mal schlecht läuft, vorne weg geht und seine Mitspieler mitreißen kann. Einer, der sich in jeden Zweikampf hineinschmeißt, als wäre es sein letzter. Nicht ohne Grund war er 6 Jahre der unangefochtene Kapitän unserer Borussia - auf und abseits des Platzes. Mit dem Karriereende verliert der BVB und die ganze Bundesliga einen Spielertypen wie ihn sich so manch ein romantischer Fußballfan erträumt. Kehl war nie der große Publikumsliebling wie ein Dede oder ein Jürgen Klopp. Aber es gibt kaum einen Spieler in den letzten Jahren, der eine solche Wertschätzung unter den Fans genießt wie Sebastian Kehl. In den 13 Jahren durch dick und dünn ist aus dem ehrgeizigen Jungen aus Fulda ein echter Dortmunder Junge geworden.

Danke für jede gelbe Karte, für jeden emotionalen Ausraster, für jede ehrliche Antwort vor laufender Kamera und für all die Emotionen auf dem grünen Rasen!

DANKE

christoph, 21.05.2015

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