Spielbericht Amateure

Amateure im Galopp Richtung Abstieg

22.03.2015, 18:38 Uhr von:  Redaktion

Borussia Dortmunds Amateure taumeln weiter dem Abstieg entgegen. Der Meidericher SV fügte dem BVB-Nachwuchs trotz weltmeisterlicher Unterstützung durch Matze Ginter eine weitere schmerzhafte Heimniederlage zu. Auch wenn das Ergebnis mit 1:4 am Ende deutlich zu hoch ausfiel, wird es immer schwerer, noch Ansätze zu finden, die Hoffnung auf den Klassenerhalt machen.

Dank ZIS mal wieder ein Auswärtsspiel zuhauseBei widrigen Platz- und Witterungsverhältnissen hatten die Götter der Spieltagsplanung den Amas mal wieder ein Auswärtsspiel in der eigenen Hütte beschert. Diesmal war der MSV vom westlichen Rand des Ruhrpotts angereist und ebenso wie die anderen Traditionsvereine aus der Region hatte er zahlreiche Anhänger mitgebracht. So war der unüberdachte Gästesteher in der Roten Erde trotz Dauerregens bereits weit vor Anpfiff gut gefüllt und auch der Sitzplatzblock der Gäste war auf die doppelte Größe erweitert worden. Sitzen wollte vom Gästeanhang allerdings niemand, aber an diesem Tag war der Aufpreis auch allein schon für den Luxus des Dachs gerechtfertigt. Insgesamt blieb der Auftritt des Duisburger Anhangs allerdings mittelmäßig. Abseits der dauerträllernden Kohorte wurde nur ausnahmsweise mal mitgezogen. Da hatten sich beispielsweise Münster und Bielefeld deutlich lautstärker präsentiert. Von Dortmunder Seite war das Spiel angesichts der Parallelansetzung und des schlechten Wetter eigentlich gar nicht so schlecht besucht. Da hat man schon deutlich magerere Tage erlebt. Von Support war allerdings diesmal überhaupt nichts zu hören. Ob die kleine Schar unentwegter Jungfans, die sich sonst in Abwesenheit der UvdA um ein wenig Stimmung bemüht, diesmal nicht in der Kampfbahn oder schlicht nicht zu hören war, konnten wir von unserem Platz aus allerdings nicht feststellen.

Samstag waren tatsächlich mal zwei aktuelle Weltmeister bei einem Spiel der Amateure dabei, allerdings musste sich Erik Durm darauf beschränken, die Partie von der Tribüne zu verfolgen. Matthias Ginter feierte dagegen sein Debüt in Dortmunds Zweitvertretung und lief im defensiven Mittelfeld auf. Um es vorwegzunehmen: Er zeigte über weite Strecken der Partie eine sehr starke Leistung, war Dreh- und Angelpunkt des Dortmunder Spiels und fiel neben seiner körperlichen Robustheit auch durch Spielstärke und Übersicht auf, soweit der nur eingeschränkt bespielbare Platz es zuließ. Daneben offenbarte Dave Wagner noch, dass er unsere Berichterstattung nicht wirklich verfolgt, indem er Oguzhan Kefkir, der das Spiel gegen Großaspach mit einer sensationell dämlichen Aktion quasi im Alleingang verloren hatte, nach seiner Sperre direkt wieder in die Startelf beorderte. Überhaupt wartet Wagner nur mit fünf Auswechselspielern auf der Bank auf. Neben Ersatztorwart Hendrik Bonmann durften noch Maruoka, Solga, Özbek und (Vincent) Stenzel das Spiel zunächst vom Seitenrand betrachten, viele Alternativen für den späteren Eingriff gab es also nicht.

Erste Halbzeit

Zeichen gegen Diskriminierung vor dem AnpfiffDie Spieler betraten bei immer stärker werdendem Regen den Rasen schon ein bisschen eher als gewohnt. Sowohl die Kicker des BVB als auch des MSV trugen weiße T-Shirts mit Aufdrucken sowie ein Banner gegen Diskriminierung. Da die Aktion allerdings schneller beendet war als viele erwartet hatten, durften die Spieler sich zunächst noch ein paar Minuten ihren Allerwertesten abfrieren und darauf warten, dass Schiedsrichter Schult endlich das Spiel anpfiff.

Die ersten Minuten gehörten ganz klar unseren Amas. Wenige zaghafte Angriffsbemühungen später klingelte es aber auch schon das erste Mal im Duisburger Kasten. In der 9. Minute spielte unser Weltmeister Matze Ginter einen Sahnepass auf Kefkir, der sträflich allein gelassen worden war. Über die linke Seite dringt er in den Strafraum ein, legt den Ball quer und Harder muss nur noch den Schlappen reinhalten. 1:0, das machte Hoffnung auf mehr. Es regnete nun Bindfäden und der Rasen in der Kampfbahn glich eher einer großen Pfütze. Die Duisburger kamen scheinbar etwas besser mit den schwierigen Verhältnissen klar und suchten mit hohen Bällen immer wieder Onuegbu. Der erfolgreichste Duisburger Angreifer der letzten Saison konnte viele dieser Bälle festmachen und immer wieder gefährlich ablegen. Auch beim 1:1 war es eine Flanke auf Onuegbu, der diesmal zwar nicht an den Ball kam, im Duell mit Alomerovic und Hornschuh aber zumindest ein Zusammenstoßen bzw. eine schlechte Faustabwehr von Alomerovic provozierte. Dausch sieht daraufhin das leere Tor vor sich und schiebt ein. Ob Onuegbu mit fairen Mitteln zu Werke ging, ist fragwürdig, das Tor zählte jedoch. Unsere Amas gerieten ob der Duisburger Angriffsbemühungen mehr und mehr ins Schwimmen.

Tammo bejubelt die FührungTrotz dauerhaftem Druck konnte man immer wieder auch mal befreien. Hier sei besonders Ginter erwähnt, der häufig durch gute Ballgewinne und einen starken Spielaufbau auffiel. In der 31. Minute dann eine strittige Szene: Harder läuft alleine aufs Tor zu, der Ex-Borusse Meißner hinderte ihn per Notbremse, aber Schiedsrichter Schult wollte partout kein Foul gesehen haben. Besser funktionierte es weniger Minuten später. Erneut läuft Harder allein aufs Duisburger Tor zu, weit und breit kein Gegenspieler, aber wieder wird er von einem Ex-Borussen gestoppt. Ratajczak (heute im knallorangen Müllabfuhr-Anzug) hatte geahnt, dass Harder ihn tunneln wollte und hielt leider stark. Das hätte die erneute Führung sein müssen. Noch ärgerlicher wurde es eine Minute später. Fast im direkten Gegenzug kombinierte sich der MSV in den Dortmunder Strafraum, Albutat schießt und der Ball wird unhaltbar abgefälscht. Statt 2:1 stand es nun 1:2 – bitter. Mit diesem Geschmack ging es auch in die Pause.

Zweite Halbzeit

Starke Leistung von Weltmeister Ginter in Liga 3Trotz Rückstands gegen den Aufstiegsaspiranten konnte man sich in der Pause durchaus noch Hoffnungen machen, dass an diesem Samstagnachmittag was gehen könnte für die Borussen-Bubis. Doch nicht nur der Regen ließ nach, auch der BVB konnte in den zweiten 45 Minuten nicht mehr an seine guten Ansätze und Aktionen aus Hälfte eins anknüpfen. Stattdessen übernahmen die Zebras mehr und mehr das Spielgeschehen und hätten durch Dausch schon früh erhöhen können. Wagner musste reagieren und brachte nach einer Stunde Spielzeit mit Vincent Stenzel die einzige auf der Bank sitzende offensive Alternative. Dachte man – tatsächlich übernahm der 18-Jährige eins-zu-eins die Rolle des ausgewechselten Nico Knystocks. Während auf dem Rasen erfolgreich zu Ende gespielte Angriffe immer seltener wurden, gab es dafür auf den Rängen etwas Aufregung. So bekamen die investigativen sg.de-Redakteure mit, dass wohl einige Zebras sich zum Galoppsturm bereitmachten, nach Aufmarsch der Polizei wenige Minuten später legte sich die Situation aber und es passierte nichts dergleichen. Dafür dann aber doch wieder auf dem Spielfeld. Der eben zuvor eingewechselte Stenzel kassierte für eine Notbremse den roten Karton und reihte sich somit in die immer länger werdende Liste der Rotsünder in Dortmunds U23 ein. Die Partie war daraufhin leider auch gelaufen. Die Amas hatten keine Kraft mehr, Duisburg drückte immer mehr auf die endgültige Entscheidung. Rund zehn Minuten vor dem Ende war es dann auch so weit: Der von Kefkir vollkommen frei gelassene Dausch erzielte das 3:1, fünf Zeigerumdrehungen später setzte Onuegbu per Hacke sogar noch einen drauf.

So gab es am Ende eine sehr bittere 1:4-Pleite, die ein bis zwei Tore zu hoch ausfiel. Trotz einer über weite Strecken ansprechenden Leistung wird die Luft im Abstiegskampf damit immer dünner. Acht Spiele vor Schluss beträgt der Abstand auf den ersten Nichtabstiegsplatz nun bereits fünf Punkte – bei dem harten Restprogramm (u.a. Stuttgarter Kickers und Preußen Münster) müssen wir uns wohl oder übel immer mehr auf einen Abstieg in die Viertklassigkeit einstellen…

Statistik

BVB II: Alomerovic – Narey, Hornschuh, Stankovic, Knystock (63. V.-L. Stenzel) – Ginter, Amini – Jordanov, Harder, Kefkir – Ioannidis

MSV Duisburg: Ratajczak – Bohl, Meißner, Bajic, Feltscher (21. Wolze) – Klotz, Dausch (81. M. Stenzel), Janjic, Albutat, Grote (69. Hajri) – Onuegbu

Tore: 1:0 Harder (9.), 1:1 Dausch (22.), 1:2 Albutat (37.), 1:3 Dausch (79.), 1:4 Onuegbu (85.)

Gelbe Karten: Narey, Knystock – Bajic, Albutat

Rote Karten: V.-L. Stenzel

Schiedsrichter: Schult

Zuschauer: 3109 in der Kampfbahn Rote Erde

Fotos: Michi - Fanabteilung

Seb, Web und cka, 22.03.2015

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