Warmlaufen

Egal, wie es läuft

24.10.2014, 19:10 Uhr von:  Redaktion

Hach, was war das am Mittwoch ein schöner Fußballabend. Anders als in der Bundesliga, stehen wir in der europäischen Königsklasse ja prächtig da. Der Einzug in das Achtelfinale scheint bei bereits acht Punkten Vorsprung auf Anderlecht und Istanbul ausgemachte Sache zu sein. Einzig der drei Punkte entfernte FC Arsenal könnte uns den Gruppensieg noch streitig machen. Auf solche Rechenspiele hatten die Spieler nach dem Sieg aber scheinbar keine Lust. "Wir müssen uns jetzt auch in der Bundesliga zusammenreißen", ließ Sebastian Kehl am Mittwoch verlauten. Denn die Spieler wissen auch: Ohne einen Sieg in der Liga, ist das alles nichts wert. Morgen wird sich zeigen, ob der BVB wirklich reif für den dringend benötigten Neustart ist. Ähnliche Hoffnungen hatte es ja auch schon nach dem 3:0 Anfang Oktober beim RSC Anderlecht gegeben. Drei Tage später setzte es allerdings die unerwartete 0:1-Heimschlappe gegen den Hamburger SV.

Glaubt man der Statistik, ist das Spiel auf dem Papier schon entschieden - und zwar zu unseren Gunsten: Von insgesamt 46 Aufeinandertreffen in der 1. Bundesliga gewann der BVB 22 Partien, davon 13 im heimischen Westfalenstadion. Dagegen konnte Hannover nur drei Mal bei uns gewinnen. So schön, so gut - In der Liga stellt sich die Situation zur Zeit anders dar. Die Hannoveraner stehen mit 10 Punkten passenderweise auf dem 10. Platz, während wir mit 7 Punkten auf Platz 14 rumdümpeln. Allerdings präsentierten sich die Hannoveraner im heimischen Stadion bisher stärker als auswärts, alle drei Saisonsiege fuhren sie in der HDI-Arena ein. In Mainz, Paderborn, Stuttgart und München hagelte es dagegen mitunter deutliche Niederlagen. Und auch die dritte Pleite am Stück, zuhause gegen die Ponys aus Gladbach, wird in Hannover nicht für Selbstvertrauen gesorgt haben. Die Mannschaft von Trainer Tayfun Korkut möchte die Pleiteserie ausgerechnet bei uns stoppen. "Wir wollen vor dem BVB in der Tabelle stehen", verkündigte Korkut in der PK am Donnerstag. 96 muss weiterhin auf die verletzten Andreasen, Miller, Stindl, Hoffmann und Albornoz verzichten. Mittelfeldspieler Edgar Prib steht maximal für einen Kurzeinsatz zur Verfügung.

Mit breiter Brust auflaufen

Natürlich bedeutet das 4:0 noch keine endgültige Entwarnung. Trotzdem dürften unsere Jungs dagegen mit breiter Brust auflaufen. Und auch die Verletzungssituation scheint sich nicht weiter verschärft zu haben: Sven Bender ist scheinbar nicht so schwer verletzt, wie zuerst befürchtet. Teamarzt Dr. Braun diagnostizierte eine Nervenquetschung und eine Verstauchung. Der Einsatz von Iron-Manni ist „nicht ausgeschlossen“. Und auch Shinji Kagawa hat nach Istanbul offenbar keine schwereren Blessuren davon getragen. Obwohl, so genau konnte oder wollte Klopp das bei der PK am Donnerstag nicht sagen: „Wenn wir nachfragen würden, hätte wohl jeder was. Also fragen wir gar nicht.“ Es fehlen nach wie vor Schmelzer, Kuba, Kirch und Sahin. Ob der Trainer gegen tiefstehende 96er wieder mit Papa Sokratis auf der linken Abwehrseite und in der Viererkette mit drei gelernten Innenverteidigern plant, verriet er ebenfalls nicht.

Die Jungs nach vorne zu schreien

Wichtig wird morgen auch sein, dass wir Fans den Spielern weiter den Rücken stärken. Eines ist klar: In der Liga hat der BVB die "echte Liebe" der Fans bisher arg strapaziert. Gewinnen macht eben mehr Spaß als Verlieren, kennen wir aus der CL - geschenkt. Aber das Traumland Champions League müssen wir morgen leider verlassen und uns wieder dem Tagesgeschäft zuwenden. Nein, es hat bislang wahrlich keinen Spaß gemacht zu einem Bundesligaspiel des BVB zu fahren, egal wie attraktiv die Auswärtsfahrt oder der Gegner zu Hause war. Trotzdem werden wir morgen wieder zum Westfalenstadion ziehen. Getrieben von der Hoffnung, dass nach dem glanzvollen Auftritt in der Königsklasse nun gegen Hannover endlich die Kehrtwende in der Liga eintritt. Doch mich treibt nicht nur die Hoffnung auf mögliche und bitterbenötigte drei Punkte zum Spiel. Mich treibt der Glaube nach Dortmund (Achtung Fußball-Romantik-Modus AN), dass nur wir gemeinsam, Mannschaft und Fans, diese Kehrtwende schaffen werden. Und ich glaube, dass auch wir dafür "arbeiten" müssen. Siege in der Champions League bejubeln ist einfach - morgen wird sich zeigen, ob wir Fans diesen Schwung mitnehmen können. Natürlich steckt auch mir die "Angst" im Nacken, dass sich die Geschichte wiederholt und wir getreu dieser unsäglichen Serie nach einem Champions-League-Sieg in der Liga wieder verlieren. Vielleicht haben auch die Spieler diese Hintergedanken. Unsere Aufgabe auf den Tribünen wird es morgen sein, diese Gedanken in den Köpfen der Spieler erst gar nicht zu zulassen. Dass bedeutet, die Jungs unermüdlich nach vorne zu schreien und bei Fehlern nicht in kollektives Stöhnen auszubrechen, sondern ihnen weiter den Rücken zu stärken.

Ich weiß, es gibt Leute, die mit dieser Einstellung nicht so viel anfangen können und der Meinung sind, dass man den Spielern - sollte es morgen nicht laufen - die "echte Liebe" entziehen muss. Ich will den Teufel wirklich nicht an die Wand malen. Ich möchte nur an eines erinnern: Haben wir nicht immer bedauernd zu unseren blauen Nachbarn oder den roten Bauern im Süden des Landes geguckt, wenn diese ihre Mannschaften mal wieder gnadenlos ausgepfiffen haben, wenn es sportlich nicht lief? Haben wir nicht mit dem Kopf geschüttelt und insgeheim gedacht: "Nein, so ein (Erfolgs-)Fan möchte ich nicht sein!"? Waren wir nicht stets stolz darauf, unserer Mannschaft auch in schwierigen Zeiten den Rücken gestärkt und ihr für Einsatz und Kampf Respekt gezollt zu haben? Eben. Lasst uns morgen bitte alle daran denken - egal, wie es läuft.

So könnten sie spielen:

BVB: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Hummels, Durm (Großkreutz) - Gündogan, Kehl – Mkhitaryan, Reus, Großkreutz (Ramos) – Aubameyang
Fraglich: Durm, Kagawa, Bender

96: Zieler – Sakai, Marcelo, Schulz, Pander – Schiedebach, Gülselam – Bittencourt, Kiyotake – Briand (Prib), Joselu

Schiedsrichter: Stieler

Leonie, 24.10.2014

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