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So macht Europapokal keinen Spaß

01.10.2014, 04:12 Uhr von:  Redaktion

Fahnenintro Beim Auswärtsspiel des BVB in Anderlecht müssen die Fans auf einen entspannten Rundgang durch Brüssel verzichten. Strenge Auflagen für die Kartenvergabe und eine übermotivierte Polizei, die kartenlosen Fans mit Gefängnis droht, lassen die Lust auf dieses Spiel sinken. Liebe Belgier: Wenn ihr keine Lust auf den schönsten Sport der Welt habt, dann lasst es doch ganz!

Der Big Ben, die authentischen Straßen Neapels oder der Strand in Marseille: BVB-Fans haben in den letzten Jahren einiges von Europa gesehen. Oft sind sie Tage vor den Spielen angereist, um die Kneipenkultur kennen zu lernen und vielleicht sogar mit den gegnerischen Fans anzustoßen. Das ist eben Europapokal. So, wie er umgekehrt auch in Dortmund gelebt wird, wenn die Gästefans die Biervorräte am Alten Markt vernichten. Schon jetzt ist klar: All das wird es in Anderlecht nicht geben. Mit Ausnahme der Auswärtsdauerkarten-Inhaber müssen alle Fans in Bussen anreisen. Sie werden am Stadion ankommen, das Spiel sehen und wieder zurück fahren. Überwiegend in Begleitung der belgischen Polizei. Einen Tag vor dem Spiel ließen die belgischen Beamten dann noch einen wahren Kracher verkünden: Wer ohne Karte anreist und sich in Stadionnähe aufhält, kann bis zu 12 Stunden ins Gefängnis kommen. Geht es noch, liebe Polizei? In jener Region, in der mit der EU eine Institution zur Wahrung der Freiheit zu Hause ist, werden solche Drohungen ausgesprochen? So macht Champions League keinen Spaß, liebe Belgier. Auch, wenn die leidenschaftlichen Fußballliebhaber unter Euch nichts dafür können, bleibt festzuhalten: Dann lasst es halt bleiben und haltet Euch aus diesem Wettbewerb raus.

Die Vorfreude auf dieses Spiel dürfte sich also bei vielen Fans in Grenzen halten, zumal es ja eh nur 1000 von Ihnen gegönnt sein wird, ins Stadion zu gehen. Mehr passen auf Gästeseite nicht ins Constand-Vanden-Vack-Stadion, das nach dem ehemaligen Präsidenten des Vereins benannt und 1983 gebaut wurde. Das Positive an der Spielstätte: Der Gästeblock ist nah am Spielfeld und direkt unter dem Dach. Er bietet somit beste Bedingungen für einen Support der Mannschaft. Was die Elf nach der peinlichen Vorstellung im Derby bieten wird, darf mit Spannung erwartet werden. Sie muss fast Angst haben, Zauberfußball zu bieten. Denn dann werden die Vorwürfe, dass sie in der Liga nicht motiviert auftritt, noch lauter werden.

Immobile gegen LondonDer Auftrag für das Spiel wird klar sein: Die Kurzpässe müssen wieder ankommen, es dürfen nicht mehr so viele Bälle verspringen, die Abwehr muss wieder Spaß am Spiel haben und vorne bedarf es mehr Kreativität. Dabei helfen wird wahrscheinlich Sebastian Kehl, der nach auskurierter Verletzung mit nach Anderlecht gereist ist.

Die Gastgeber, die vielen Borussen noch als der Verein in Erinnerung geblieben sein dürften, von dem Jan Koller 2001 zum BVB wechselte, sind nach neun Spielen souveräner und ungeschlagener Tabellenführer der Ersten Division. Erfolgreichster Torschütze ist momentan mit fünf Treffern der Serbe Aleksandar Mitrović, gefolgt vom Argentinier Matías Suárez mit vier Toren. Die meiste Beachtung erfährt allerdings ein 17-Jähriger. Youri Tielemans zieht im Mittelfeld die Fäden und ist der kommende Star der Belgier. Nicht umsonst wurde er jüngst mit namhaften Klubs in Verbindung gebracht, auch mit dem BVB. Anderlecht ist mit einem 1:1 bei Galatasaray Istanbul in die Gruppenphase gestartet und will nun den ersten Sieg einfahren.

Es dürfte also ein spannendes Spiel in Anderlecht werden, in dem der BVB seiner Favoritenrolle gerecht werden muss. Hoffentlich mit einem so guten Ausgang für Borussia Dortmund, dass er die Umstände für die Fans vergessen macht.

Guerriero, 01.10.2014

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