Warmlaufen

Déjà vu

14.02.2014, 10:15 Uhr von:  Nadja
Déjà vu

Es gibt Momente im Leben, in denen man glaubt, man hätte etwas bereits erlebt und kann trotzdem nicht genau sagen, wann und wo. Es ist nur ein Gefühl.

Salto
Salto

Ich stehe auf dem Bahngleis. Es ist mitten in der Nacht, der letzte Zug von Frankfurt nach Dortmund ist schon lange weg. Ich stehe auf dem menschenleeren Bahnhof und höre nur das Ticken des Sekundenzeigers der Bahnhofsuhr. Tick, tick, tick. Es beginnt mich nervös zu machen, aber es hilft ja alles nichts, ich kann nur warten. Zum Hinlegen ist es zu kalt, ausserdem befürchte ich, dass man mich für einen Penner halten könnte. Tick, tick, tick. Wie aus dem Nichts taucht plötzlich ein alter, bärtiger Mann vor mir auf. Er hat was Unheimliches an sich und weckt in mir den spontanen Gedanken, einfach weg zu rennen. Trotzdem bleibe ich wie angewurzelt stehen und starre ihn fasziniert an. Er bleibt vor mir stehen, sagt aber nichts, mustert mich nur von oben bis unten. Tick, tick, tick. Nachdem ich offensichtlich seinen Test bestanden habe, beginnt er mit sanfter, ruhiger Stimme zu sprechen: “Man sieht sich immer zweimal im Leben.” Ich bin überrascht und verwirrt, verstehe nicht ganz, was er damit meint. Ich denke angestrengt nach, ob ich ihn früher schonmal gesehen habe, ihn vielleicht kenne oder ihm gar etwas angetan habe. Die Angst beginnt in mir hoch zu steigen, doch ich kann mich beim besten Willen nicht erinnnern. Ich schaue hoch zu ihm, um ihn zu fragen, was er genau meint und dass es mir leid tun würde, falls ich ihm was getan hätte, doch da ist niemand.

Wie von der Tarantel gestochen drehe ich mich um, aber auch hinter mir ist kein alter Mann, nirgends. Der Bahnhof ist genau so ausgestorben wie immer und nur die Bahnhofsuhr tickt. Tick, tick, tick. Ich denke noch lange darüber nach, drehe mich immer wieder um, doch ich kann den Alten nicht wieder sehen. Nach einigen Stunden kommt dann endlich ein Zug angefahren. Ich bin immer noch mutterseelenalleine auf dem Bahngleis, aber ich weiss zumindest, dass in dem Zug mindestens ein Mensch sein muss, also fühle ich mich doch viel weniger alleine. Ich steige in das hell beleuchtete Abteil ein und setze mich hin. Hier in der hellen Realität bin ich mir auf einmal sicher, dass ich mir den Mann nur eingebildet habe.

Feier
Feier
Ausserdem ist es hier warm und die Wärme lässt mich eindösen.

Ich träume von Adlern mit gestutzten Flügeln, von Saltos und sich überschlagenden Emotionen, von goldenen Pokalen und Konfettiregen und einer blauen Aschebahn. Kurz vor Dortmund werde ich wach. Der Zug ist mittlerweile ganz ordentlich gefüllt für den frühen Morgen. “Morgenstund hat Scheisse inne Fresse.”, meint mein Nachbar und lacht. Es ist noch immer dunkel, aber am Horizont erscheint der Hauch eines Lichtstrahls. Darin zeichnet sich ganz fein die Skyline von Dortmund ab. Ich fühle mich wieder zuhause. Am Bahnhof packe ich eine Zeitung und schlage den Sportteil auf. Klopp hat gesagt, dass Bender und Reus unter Umständen schon wieder eingreifen können Samstag. Daneben steht ein ausführlicher Bericht über das Pokalspiel in Frankfurt und die Auslosung. Zuhause gegen Wolfsburg. Endlich ein Heimspiel im Pokal. Und ein Heimspiel am Samstag. Schon wieder gegen Frankfurt. Es wird Zeit, dass wir unsere Heimspielbilanz wieder etwas aufpolieren und der starke, aber offensichtlich kaum unschlagbare Gegner aus Frankfurt könnte da genau der Richtige sein, denke ich. Dazu steht in der Zeitung weiter, dass wir gegen keinen anderen Gegner so oft gewonnen haben und eine so gute Torbilanz haben.

Ich gehe die Treppen rauf in die Bahnhofshalle. An der Ecke steht ein bärtiger alter Mann. Fast hätte ich ihn komplett übersehen, aber irgendwas lenkte meine Aufmerksamkeit auf ihn. Ich schaue ihn genauer an und er kommt mir irgendwie bekannt vor, ich weiss aber nicht, woher. Er zwinkert mir zu und sagt: “Doppelt genäht hält besser.”, ehe er sich am Kiosk einen Kaffee kauft und in der Menschenmenge verschwindet. Ich höre nur noch das Geräusch von der Rolltreppe, in der sich irgendwas verfangen hat. Tick, tick, tick. Ich glaube, ich habe ein Déjà vu.

Borussia Dortmund: Weidenfeller – Piszczek, Friedrich, Sokratis, Schmelzer – Sahin, Kehl –Aubameyang, Mkhitaryan, Großkreutz - Lewandowski

Eintracht Frankfurt: Trapp – Jung, Madlung, Russ, Djakpa – Russ – Rode, Flum (Weis) – Aigner, Meier, Schröck – Rosenthal (Kadlec)

Schiedsrichter: Peter Sippel (München)

Zuschauer: Bis auf 800 Plätze im Gästebereich ausverkauft

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