Unsa Senf

Das 2007-Gefühl

04.12.2014, 21:14 Uhr von:  Redaktion

Es war irgendwann in der 80. Minute im Waldstadion Frankfurt. Ginter und Weidenfeller hatten kurz davor - und nicht zum ersten Mal diese Saison - mit einer Slapstick-Einlage ein Bundesligaspiel zu Ungunsten von Borussia Dortmund entschieden.

Die Vorsänger kletterten vom Zaun, die Ultras packten die Fahnen ein. Die restlichen gut zehn Minuten schwieg der Gästeblock, der bis dahin einen richtig leidenschaftlichen und lauten Auftritt hingelegt hatte. Komplett. Kein Gemurmel, kein Geschimpfe, kein Mucks. Einfach nur Stille. Die Stimmung war gekippt. Es war der eine Tropfen zuviel, der das Fass zum überlaufen gebracht hatte.
Wenn Menschen sich machtlos fühlen, werden sie wütend. Dann spielt es auch keine Rolle mehr, auf wen oder was oder warum, dann muss es raus. Die Mittelfinger und Beschimpfungen, die nach Spielende den ziemlich verdutzt schauenden und offensichtlich überraschten Spielern entgegen flogen, waren Ausdruck davon.

Ich selbst starrte in dem Moment nur fassungslos vor mich hin. Es war für mich der Moment, in dem ich realisierte, dass das ganze Schönreden und die Hoffnung der vergangenen Wochen auch bei mir zu Ende gegangen waren. Wir waren im Abstiegskampf und würden da so schnell auch nicht wieder raus kommen. Langsam sickerte diese Gewissheit durch.

Den Montag verbrachte ich in völliger Konsternation. Bedingt durch erheblichen Schlafmangel auch mit unkontrollierten Heulanfällen (ja, ich bin eine Heulsuse, ich geb es zu!).
Nach einer langen Nacht und genügend Schlaf, kam am Dienstag dann aber noch eine andere Erkenntnis: das Leben geht weiter.

Zum ersten Mal seit langer Zeit, gibt es im Fußball wieder mehr, als nur den Abstand zu den Bayern, die Transfergerüchte und die seltenen kleinen Enttäuschungen über einen verlorenen Punkt.

Und auf einmal kam in mir dieses 2007-Gefühl zurück. Nicht das von den schlechten Spielen, den miserablen Resultaten und dem im Rückblick scheinbar ewig schlechten Wetter. (Das haben wir ja schon ne Weile wieder...) Nein, das Gefühl von der Tribüne. Von der großen Masse, die trotz verschiedenster Menschen eine Einheit darstellte. Von der Gewissheit, dass wir zwar in die zweite Liga absteigen können, sich dadurch aber nichts verändern würde. Vom Bewusstsein, dass wir unschlagbar sind, auch wenn wir dauernd verlieren. Und vor allem vom Wissen, dass nichts und niemand das jemals erschüttern könnte, weil wir zwei Jahre zuvor dem Tod entgangen waren und nichts jemals wieder so schlimm sein könnte wie der 14.03.2005.

Und als ich am Mittwoch dann auch wieder so langsam Facebook und andere Medien zu lesen begann, wurde mir klar, dass dieses 2007-Gefühl nicht nur bei mir zurück gekehrt war.

Die Spieler, die teilweise in ihren Social Media Beiträgen fast schon schüchtern um Unterstützung gefragt haben. Die Spieler, die gegen Frankfurt beschimpft und ausgepfiffen wurden. Sie brauchen keine Angst zu haben. Ich war mir noch nie so sicher, dass die Stimmung beim nächsten Heimspiel richtig gut werden würde, wie ich das heute bin.

Weil das 2007-Gefühl zurück ist. Und irgendwie fühlt sich Fußball und Abstiegskampf so dann auch wieder ganz ok an.

Lass es endlich Freitag werden!!!

Nadja, 03+1.12.2014

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