Unsa Senf

Der Kuschelskandal. Oder: Hass ist Eure Attitüde

28.11.2014, 19:11 Uhr von:  Redaktion

Der Presse sind wir zu lieb, lese ich. Also Ihr und ich, wir BVB-Fans. Denn wir sollen mal lieber ordentlich Rabatz machen und der Mannschaft die Leviten lesen. Das fordern zumindest die, die ihr Geld mit solchen Skandälchen verdienen. Man möchte sich übergeben.

Nun stehen wir Fans also wieder im Fokus. Diesmal nicht wegen Gewalt, Pyrotechnik und schlimmen Ausschreitungen, sondern weil wir zu lieb sind angeblich. Das schreiben die wirklich! Und ich fürchte fast, sie meinen das ernst.

Was für ein Hohn von Medien, deren Geschäftsgrundlage zuverlässig produzierte Schlagzeilen sind. Even bad news are good news.

Ruhe und Besonnenheit lassen sich eben schwer verkaufen. Sie sind schlecht fürs Geschäft der Jäger nach der nächsten Sau, die sie durchs Dorf jagen können. Nach dem nächsten Skandal, der ihnen Klicks und Auflage beschert.

Wenn es schon nicht die Titel sind oder die tollen Spiele, dann soll Borussia doch wenigstens für einen kleinen Aufruhr gut sein. Oder etwa nicht? Das wird man ja wohl noch erwarten können als Journalist. Und haben Trainer X und Spieler Y nicht schon längst mal eine Lektion verdient?

Was hättet Ihr denn gerne? Reichen Euch Pfiffe für den Anfang oder sind Schmähgesänge eher genehm? Sollen wir den Bus blockieren? (Tolles Fotomotiv, das dürft Ihr Euch nicht entgehen lassen!) Oder hättet Ihr lieber Psychoterror und Belagerung der Privatwohnungen der Spieler? Muss es das Kollektiv sein oder dürfen wir uns vielleicht einzelne Spieler herauspicken?

Ihr Heuchler! Wisst Ihr noch? Vor gut fünf Jahren? Na, klingelt es?

Da habt Ihr in die Welt hinausposaunt, dass man aus dem Fall Robert Enke lernen müsse. Ihr wurdet nicht müde, in Euren Kommentaren darauf hinzuweisen, dass das Fußballgeschäft oft zu erbarmungslos sei und man den Menschen nicht mit ausreichend Respekt entgegenbringe. Das müsse sich unbedingt ändern.

Und Ihr werdet sicher demächst wieder das unruhige Umfeld der Traditionsvereine beklagen, in dem ein besonnenes und langfristiges Arbeiten nicht möglich ist. Weil zu schnell gepfiffen wird, weil Mannschaft und Trainer keine Zeit bekommen. Weil nur noch der kurzfristige Erfolgt zählt.

Bei der nächsten heftigen Publikumsreaktion werdet Ihr wieder geifern über den tobenden Mob. Über die hässliche Fratze des Fußballs. Ihr werdet scheinheilig die Frage stellen, wie die Protagonisten denn nur umgehen können mit diesem unmenschlichen Druck. Und Ihr werdet natürlich verschweigen, dass Ihr es ward, die ihn überhaupt erst erzeugt haben. Wahrscheinlich ist Euch das nicht einmal bewusst. So wird eben gearbeitet. Und: „Wir müssen diese Frage stellen, dafür haben Sie ja Verständnis.“

Vergesst es.

Arne, 28.11.2014

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