Unsa Senf

Plan: Aufteilung des DFB-Pokals zugunsten der Amateurvereine

04.06.2014, 09:09 Uhr von:  Redaktion

Bild aus dem Erstrundenspiel 2013 in Wilhelmshaven„Unterstütze den Amateurfußball“ - diesen Slogan klatschte mir der nicht gerade für amateurfreundliche Politik bekannte DFB in der Halbzeit des Länderspiels gegen Kamerun am Sonntagabend ins Gesicht. Knappe zwei Stunden zuvor verfolgte ich im gleichen Fernsehsender die Auslosung der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals der Saison 2014/15. Für die Schwatzgelben geht es dabei zum sicher nicht zu unterschätzenden Drittligisten Stuttgarter Kickers. Was dies nun mit dem Länderspiel-Spot zu tun hat? Nun, in der Kombination dieser beiden Fernsehereignisse kam mir eine Idee zur Unterstützung des Amateurfußballs, an der ich zunehmend Gefallen fand - und die ich daher nicht weiter unter Verschluss halten möchte.

Für die erste Hauptrunde des DFB-Pokals sind zunächst alle Vereine der Ersten und Zweiten Bundesliga qualifiziert sowie die vier besten Mannschaften der Dritten Liga, womit 40 der 64 freien Plätze vergeben sind. Dazu qualifizieren sich die 21 Sieger der regionalen Verbandspokale; in Nordrhein-Westfalen sind das die Sieger aus den Verbänden Mittelrhein, Niederrhein, Rheinland und Westfalen. Die restlichen drei Startplätze gehen an jeweils einen Vertreter der drei Regionalverbände mit den meisten gemeldeten Mannschaften, also Bayern, Westfalen und Niedersachsen. Heimrecht genießen dabei die Zweitligisten ab Platz 15, die vier Drittligisten und alle Amateurvereine.

Keiner will Hoffenheim statt Bayern

Flutlichtmast in SandhausenBei den Siegern der Verbandswettbewerbe bricht verständlicherweise Jahr für Jahr eine immense Freude aus, denn neben dem regionalen Pokalsieg hat man es mit dem eigenen Verein auch in die Lostrommel für die erste Hauptrunde geschafft. Gegner wie Bayern, natürlich unsere Borussia oder auch die Blauen aus GE sind der Traum eines jeden Amateurligisten. Gegner wie diese bedeuten neben einem höchstattraktiven Gegner auch eine volle Hütte und satte Prämien, auch wenn diese jeweils zur Hälfte mit dem Gegner geteilt werden müssen. Die Enttäuschung ist jedoch oftmals groß, wenn dann nur 1899 Hoffenheim, Bayer Leverkusen oder der FC Ingolstadt gezogen wird.

Und genau hier setzt mein Gedankenspiel an: Aus der Ersten und Zweiten Bundesliga gibt es vielleicht sieben, acht Vereine, die als Gegner für einen Amateurligisten höchste Attraktivität versprechen. Bei den weniger attraktiven Gegnern sind die zugeschalteten Trainer und Funktionäre der kleinen Vereine häufig bemüht, ihre Enttäuschung vor den Fernsehkameras zu verbergen. Doch eines bleibt: Auch wenn statt Bayern München nur der VfR Aalen zum BSV Rehden nach Niedersachsen reist, dürfte das Erstrundenaus dennoch mit größter Wahrscheinlichkeit garantiert sein.

Separate Amateurgruppe könnte Abhilfe schaffen

Tribüne in AalenEin Ausweg wäre eine Reform des DFB-Pokals, die den Amateurvereinen sowohl sportlich als auch finanziell weiterhelfen würde. So könnte man die erste Hauptrunde aufteilen in eine Profigruppe und eine Amateurgruppe. In der Profigruppe spielen die 18 Bundes- und 14 Zweitligisten in 16 Spielen die Teilnehmer an der zweiten Runde aus. Selbstverständlich nehmen hier alle Vereine teil, was ein fundamentaler Unterschied zu der unsäglichen Reform aus der Saison 1999/2000 darstellt, als die Europapokal-Teilnehmer in den ersten beiden Runden noch nicht antreten mussten und erst in der dritten Runde in den Wettbewerb integriert wurden.

In dieser Profigruppe gibt es keine Setzlisten, es wird aus einem Lostopf gezogen, sodass theoretisch auch das Derby gegen die Blauen in der ersten Runde schon möglich wäre. Entscheidend ist neben der Profigruppe nun jedoch die sogenannte Amateurgruppe. Hier spielen die vier letzten Zweitligisten, die vier besten Drittligisten sowie die 24 Amateurvereine ebenfalls in 16 Spielen die übrigen Teilnehmer für die zweite Hauptrunde aus. Gelost wird hier ebenfalls frei, es wird nur gegebenenfalls das Heimrecht getauscht, sodass das klassentiefere Team stets vor eigenem Publikum antreten darf.

Der Vorteil in dieser Amateurgruppe wäre, dass die kleinen Vereine eine realistische Chance besitzen, zumindest ein Spiel im DFB-Pokal zu gewinnen und damit auch einen sportlichen Erfolg verbuchen zu können. So wäre beispielsweise ein sportlich offenes Duell des BSW Rehden gegen den Bremer SV möglich oder auch eines zwischen Optik Rathenow und dem 1. FC Neubrandenburg.

Mehr Geld und Renommee für die Kleinen

Heimkurve in SaarbrückenNeben dem sportlichen Aspekt ist hier aber auch der finanzielle Faktor von entscheidender Bedeutung. Denn durch eine reine Amateurgruppe erreichen automatisch auch mehr Amateurvereine die nächste Runde, womit noch mehr kleine Vereine an den dann steigenden Geldern der zweiten Hauptrunde partizipieren, die sich bisher in aller Regel die Erst- und Zweitligisten unter sich aufteilen.

Mit dieser Reform würde gerade ein Verbandspokalsieg noch dadurch aufgewertet, dass man in einem in der Regel ausgeglichenen Duell sportlich ebenbürtige Gegner zugelost bekommt und zudem noch die Chance auf deutlich mehr Prämien in der zweiten Runde besitzt, was für einen kleinen Verein einem Goldregen gleichen muss. Der DFB würde die Amateurvereine seiner eigenen Kampagne entsprechend deutlich stärken. Zudem wird das „Erlebnis DFB-Pokal“ für manch einen kleinen Verein noch verlängert.

Nun könnte man diskutieren, ob man die Profigruppe und die Amateurgruppe noch eine oder sogar zwei Runden weiterführt, um erst dann eine gemeinsame Auslosung von Profis und Amateuren durchzuführen. Gegenwärtig scheint es mir jedoch sinnvoll, schon in der zweiten Hauptrunde mit dem Verfahren weiterzumachen, wie es gegenwärtig schon in der ersten Runde der Fall ist. Und wenn dann einem klassentieferen Verein die Sensation gelingt und er ins Achtelfinale einzieht, dann dürfte jedem Oberliga-Schatzmeister die Dollarzeichen in die Augen schießen - vom sportlichen Renommee des Erfolges ganz zu schweigen.

Daniel Mertens, 04.06.2014

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