Unsa Senf

Dran bleiben, DFL!

12.05.2014, 20:39 Uhr von:  Redaktion

Im Fußball passieren ja, alte Binsenweisheit, die unmöglichsten Dinge. Ich hätte mir zum Beispiel nicht träumen lassen, dass etwas, das Herr Mateschitz zum Thema RB Leipzig sagt, bei mir auf vollste Sympathie stößt. Ein weiteres Jahr dritte Liga würde es nicht geben. Bumm! Entweder Aufstieg mit DFL-Lizenz, oder der Brausepanscher knippst das Flutlicht im Zentralstadion aus. Ein wohliger Schauer läuft einem bei dieser Vorstellung doch über den Rücken. Möglich gemacht hat diese Aussage ein "Nein" der DFL zu einer Lizenerteilung an RB in der aktuellen Form. Das Logo zu viel Ähnlichkeit mit dem Konzernlogo, der "Vereinsvorstand" widerspricht in seiner Zusammensetzung dem Geist von 50+1 und die Struktur der Mitgliedsbeiträge mache ein echtes Vereinsleben unmöglich.

Das erste Echo auf Fanseite war verhalten. Zu wenig restriktiv, um Red Bull wirklich weh zu tun. Offenbar sah seine Selbstherrlichkeit Herr Mateschitz das grundlegend anders. Schon die Möglichkeit, dass in Leipzig jemand anderes bestimmen könnte als er selbst, scheint sein Weltbild in den Grundfesten zu erschüttern. Wo kommen wir denn da hin? Wenns ganz schlimm läuft zu demokratischen Vereinsstrukturen. Dass diese Vorstellung nicht so ganz seinen Geschmack trifft, ist die Untertreibung des Jahrhunderts. Bevor das passiert, stampft er seine Marketingkampange mit Fußballhintergrund in Deutschland lieber ganz ein. Sauber, DFL. Ihr seid wirklich ganz dicht dran, dass ich den Glauben zurück gewinne, dass ihr tatsächlich noch einen Rest an Verständnis für das Wesen des Fußballs bewahrt habt.

Klar, man kann das Ganze objektiv betrachten und zu dem Schluss kommen, dass der Red Bull Konzern durchaus berechtigt mit Unverständnis auf die Entscheidung der DFL reagiert hat. Schließlich ist ein Fall wie RB, in dem ein Investor 50+1 mit der Gründung eines abgeschotteten e.V. umgeht, in den Statuten nicht geregelt und somit weder explizit erlaubt, aber eben auch nicht verboten. Das Schöne am Dasein als Fußballfan ist aber, dass man es sich erlauben kann, die Dinge auch ganz nach eigener Auffassung zu bewerten. Ich brauche z.B. keine objektiven Gründen, um die Blauen oder die Ponys nicht zu mögen. Und dieser Standpunkt erlaubt es mir auch, dass mir die rechtliche Bewertung erst einmal schnurzpeipegal ist und ich die Verweigerung der Lizenz auf ganzer Linie begrüßen kann. Ja, für mich wäre selbst Fußpilz beim Platzwart ein absolut hinreichender Grund, um einen Aufstieg von RB Leipzig in den Profifußball zu verbieten.

Und warum? Weil der Laden stinkt. Weil er alles negiert, für das der Fußball steht. Klar, das hat heute alles nichts mehr mit dem harmlosen Kick auf der Straße von Garagentor zu Garagentor zu tun, es ist ein Millionenspiel von ausgegliederten Kapitalgesellschaften. Aber wenn ich mal das ganze Finanzgestrüpp zur Seite schiebe, dann komme ich immer zu einem Kern, in dem sich Leute getroffen haben, um zusammen Fußball zu spielen. Selbst - und an dieser Stelle fällt es mir extrem schwer, für so einen Laden Partei zu ergreifen - bei Bayer Leverkusen hatten Werksangehörige Lust, gegen die Murmel zu treten und haben eine Betriebssportgruppe gegründet. Bei Red Bull hingegen gab es vermutlich ein Marketingmeeting, bei dem man erarbeitet hat, dass Fußball doch ein prima Geschäftsfeld sei, um den Firmennamen zu vermarkten. Alles weitere war dann nur die Umsetzung der Kampagne. Ich würde gerne mal einen Test machen, mir einen Ball schnappen und in der der Konzernzentrale von Red Bull ein bisschen gegen die Eingangstür kicken, weil ich finde, dass sich der Ort dafür total gut eignet. Mal gucken wieviel Verständnis Herr Mateschitz aufbringt, wenn man den Spieß mal umdreht.

Aber "der Osten" braucht Profifußball doch – immer wieder gerne als Argument angeführt. Das klingt wie "Leipzig braucht ein Multiplexkino", oder "Leipzig braucht ein Shopping-Center". Auf jeden Fall klingt es nicht nach Abstiegen, nach Niederlagenserien und Saisons zum vergessen. Fußball als Bespaßung für den Samstag Nachmittag. Vermutlich müsste man dazu nicht einmal wirklich kicken, es würde eine Leinwand im Stadion mit Public Viewing des Bundesligaspieltags ausreichen, damit all diese RB-Knalltüten mit ihren dämlichen Bullenhörnern auf dem Kopf sich ausreichend unterhalten fühlen. Mit dem sportlichen Gedanken hat diese Begründung jedenfalls nichts zu tun. Gründet einen Verein, startet in der Kreisliga und qualifiziert euch, wenn ihr unbedingt Erstligafußball wollt. Und wenn das nicht funktioniert? Tja, Shit happens. Gibt noch andere Landstriche in Deutschland, die ohne Profifußball auskommen müssen. Das ist noch lange kein Grund, dem Taurinsaftladen den roten Teppich auszurollen.

Die Hoffnung ist zumindest da, dass die DFL ernst macht und nicht nur auf einen faulen Kompromiss aus ist, nach dem man am Ende sagen kann: "Wir haben es doch versucht". Der Mai 2014 würde zu einem Meilenstein des deutschen Fußballs, wenn am Ende des Monats Mateschitz seine Koffer packen, verschwinden und das ganze Projekt zusammenbrechen würde. Dran bleiben, DFL!

Sascha, 12.05.2014

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