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Große Resonanz auf „Tag gegen das Vergessen“ im Borusseum

28.01.2014, 22:58 Uhr von:  DM
Große Resonanz auf „Tag gegen das Vergessen“ im Borusseum

Volles Haus im Borusseum, dem Vereinsmuseum von Borussia Dortmund: Am Jahrestag der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz durch die Alliierten am 27. Januar 1945 konnte Schatzmeister Dr. Reinhold Lunow am Montagabend mehr als einhundert Gäste begrüßen.

Die Gedenkstunde unter dem Motto „Tag gegen das Vergessen“ fand bereits zum vierten Mal statt - und noch nie fanden so viele Interessierte hierfür den Weg ins Borusseum.

Eine Ursache hierfür dürften sicherlich die zahlreichen Aktionen gegen Extremismus und Rassismus im Rahmen des Heimspiels gegen den FC Augsburg knappe 48 Stunden vorher gewesen sein, bei denen auch Werbung für den „Tag gegen das Vergessen“ gemacht wurde. Anlässlich des zehnten Erinnerungstages im deutschen Fußball sorgten der Verein Borussia Dortmund, die BVB Fan- und Förderabteilung, das Dortmunder Fanprojekt und die Stiftung „leuchte auf“ für eine Sensibilisierung gegen extremistische Tendenzen. So gab es in den Borussia-Fanshops Schals mit dem Slogan „Borussia verbindet - gegen Rassismus“ zu kaufen, das Fanprojekt bot unter anderem Schals mit dem Slogan „Kick racism out“ an und auch die Fanabteilung besaß zahlreiche Materialien zum Thema, unter anderem das bekannte „Abpfiff für rechts“-Shirt. Der gemeinsam veranstaltete „Tag gegen das Vergessen“ am Montag bildete schließlich den Schlusspunkt unter ein Wochenende im Zeichen des Gedenkens an die Opfer der nationalsozialistischen Diktatur.

Der Tag gegen das Vergessen im Borusseum am 27.01.2014
Der Tag gegen das Vergessen im Borusseum am 27.01.2014
„Gegen das Vergessen hilft nur erinnern“, mahnte Lunow am Montagabend in seinen Begrüßungsworten. Und Gerd Kolbe, altbekannter Archivar und Historiker, berichtete im Anschluss von seiner jüngsten Reise nach Brasilien und zeigte auf, wie aktuell das Thema nach wie vor sei: „Ich war unter anderem in Fortaleza, 12.000 Kilometer von hier entfernt. Dort wird Dortmund nicht nur mit dem BVB verknüpft, sondern auch mit Neonazis, die sich in der Stadt breit machen.“ Rund um die Biografie des ehemaligen BVB-Spielers und späteren Kassenwartes Karl Büttner skizzierte Kolbe in seinem historischen Vortrag schließlich die Auswirkungen der nationalsozialistischen Diktatur auf die Stadt Dortmund, seine Einwohner und damit natürlich auch die Mitglieder und das Umfeld von Borussia Dortmund.

Im Anschluss stellte Wilfried Harthan vom BVB-Fanclub Heinrich Czerkus den Dortmunder Widerstandskämpfer Fritz Weller unter dem Motto „Borussen gegen Hitler“ vor und knüpfte damit an eine kleine Tradition an. In den Vorjahren wurden bereits die Widerstandskämpfer Heinrich Czerkus und Franz Hippler porträtiert.

Nach einer kurzen Pause rundete die Thematisierung der Gedenkstättenfahrten den Abend ab. Unter der Moderation von Tobias Westerfellhaus berichteten der Fanbeauftragte Daniel Lörcher sowie zwei junge Teilnehmer von ihren Fahrten in die Gedenkstätte Auschwitz. Die junge Teilnehmerin berichtete dabei in bewegender Weise unter anderem von dem Gespräch ihrer Reisegruppe mit dem mittlerweile verstorbenen Zeitzeugen Wilhelm Brasse. Die Gedenkstättenfahrten werden bereits seit mehreren Jahren angeboten und von den BVB-Fanbeauftragten, der Fanabteilung, dem Fanprojekt, der Stiftung „leuchte auf“ sowie von der Ultra-Gruppierung „The Unity“ organisiert. Daniel Lörcher wies zudem auf die geplanten Aktionen für das Jahr 2014 hin. So wird es, neben der Fahrt nach Auschwitz, im Rahmen des Auswärtsspiels bei Bayern München auch eine Fahrt ins Konzentrationslager Dachau geben. Zudem ist unter anderem eine siebentägige Reise nach Lublin geplant sowie die Teilnahme an der Mondiali Antirazzisti, einem antirassistischen Fußballturnier.

Zum Abschluss des Abends las die junge Teilnehmerin der Gedenkstättenfahrt noch einige Passagen aus dem Buch des Zeitzeugen Wilhelm Brasse vor, um so die Erinnerung an die Opfer des Holocausts wachzuhalten.

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