Spielbericht Profis

Boring, Booooring, Arsenal – müdes 2:0 und chaotische Zustände in London

28.11.2014, 20:49 Uhr von:  Redaktion

Enttäuschte Gesichter nach AbpfiffNachdem sich unsere Jungs in Paderborn schon nicht mit Ruhm bekleckert hatten, ging in London auch die zweite Partie nach der wohl sinnlosesten Länderspielpause des Jahres sang- und klanglos in die Binsen. Die Borussen schafften es nach all den Darbietungen der letzten Wochen tatsächlich, eine weitere schlechteste Partie der Saison auf den Platz zu zaubern – und das, obwohl Jürgen Klopp wenigstens in der Champions League die gute Laune beibehalten wollte. Der alles in allem uninspirierte Auftritt sollte seinen Höhepunkt dann auch erst mit dem Schlusspfiff finden.

Man hatte es ja eigentlich ahnen können: Wenn zwei Teams aufeinander treffen, die in den letzten Wochen haufenweise Federn gelassen haben und in ihren Ligen ordentlich blamiert wurden, kann kein fußballerischer Leckerbissen herauskommen. Und doch waren auch dieses Mal wieder unzählige Borussen mit zum Auswärtskick beim AFC gereist, wurde es gar zu einem echten Kunststück, ausreichend Karten für alle interessierten Borussen zu finden. Vielleicht war es die Hoffnung auf den bisherigen Siegesgaranten Champions League, auf ein Ende der Krise oder einfach der Ausflug all jener Fanclubs, die in den letzten Jahren nicht zum Zug gekommen waren – über mangelnde Reisefreude brauchte sich der BVB jedenfalls nicht zu beschweren. So kam es dann auch, dass zahlreiche Fans noch vor dem Stadion nach Karten Ausschau hielten und mal eben fluffige 200 Pfund berappen sollten, um den Kracher um den brennenden Baum im Stadion erleben zu können.

Der Gästeblock war wie gewohnt vollÜberhaupt vor Ort zu sein, war dabei schon keine Selbstverständlichkeit gewesen. Nachdem wir in den letzten Jahren ja nun wirklich ausreichend oft in England unterwegs gewesen waren und nie einen schlechten Eindruck hinterlassen hatten, als mitgereiste Fans gar wiederholt von der Polizei für unser gutes Benehmen und den problemlosen Ablauf gelobt worden waren, meinten diesmal die Herrschaften Sicherheitskräfte alles ein wenig anders machen zu müssen. Angefangen bei einer sinnlosen Schikane am Flughafen, die gerade lang genug dauerte um auch wirklich den letztmöglichen Flieger nach London zu verpassen, bis hin zu „stichprobenartigen Ausweiskontrollen zufällig ausgewählter“ ganzer Busbesatzungen, zeigten sich die Herren und Damen in Grün in Toppform.

In London blieb es dann zunächst beim „business as usual“. Die Kneipe des Vertrauens schloss wie immer pünktlich um 15 Uhr und ließ sich wahrscheinlich 5.000 Pfund entgehen, während zunächst 300 und später 1.500 durstige Fans vor der Tür standen und mit ihren regelmäßigen Straßenüberquerungen zum nahegelegenen Supermarkt den Straßenverkehr zum Erlahmen brachten. Die englische Polizei ließ eine Fünf wie immer gerade sein und kümmerte sich mit viel Geduld um die Fans, denen gemeinsame Fotos und freundliche Gespräche nicht verwehrt blieben. Leider hatte das Konzept des Stadion-Marschs diesmal einige Lücken, sodass dieser nicht ganz so entspannt ablief wie in den Vorjahren. So führte die Route erstens nicht durch den verkehrsberuhigten Bereich, sondern über eine vielbefahrene und von wartenden Autos zur Hälfte blockierten Straße, um zweitens nicht auf dem großen Stadionvorplatz zu enden, sondern auf einer engen Rampe ohne Toiletten oder Bewegungsfreiheit.

Dichtes Gedränge beim Einlass, chaotische OrganisationDa wunderte es nicht, dass sich die Eingangsbedingungen chaotisch gestalteten. Eine halbe Stunde lang ging nichts vorwärts, während die hinten stehenden Fans immer weiter in die kaum noch vorhandenen Lücken drängten. Der Plan, alle zwei Minuten etwa 50 Fans zur Einlasskontrolle zu bringen, ging dementsprechend auch nicht auf – der Druck im Kessel war so groß geworden, dass bereits bei der ersten Gelegenheit gut 200 Fans in Richtung Gästeblock marschierten (und sich dort in Ruhe bei der Eingangskontrolle anstellten). Die letzten Fans hatten dann auch erst nach gut über einer Stunde und z.T. größeren Problemen mit dem Sicherheitsdienst den Weg von der Rampe in den Block gefunden – für alle Beteiligten eine anstrengende Situation, die man in den letzten Jahren schon deutlich besser gelöst hatte.

Im Stadion selbst gab es ebenfalls kaum neue Eindrücke zu gewinnen. Der Gästeblock vollgepackt und schwarzgelb wie immer, allerdings mit weitem Abstand leiser als in den Vorjahren, hatte sich ein wenig von der herrschenden Tristesse anstecken lassen. Die englischen Fans waren still wie eh und je, standen allerdings zwischen Gästeblock und Pressetribüne durchgehend und schwangen sich zumindest gelegentlich dazu auf, den einen oder anderen Gesang anzustimmen. Die Häufigkeit der Gesänge fiel dementsprechend deutlich höher aus als in den letzten Jahren, als eigentlich nur nach eigenen Toren kurz gesungen wurde, doch blieb es dafür deutlich leiser als bei den damals kurzen „Eruptionen“.

Ciro Immobile stand wieder in der StartelfJürgen Klopp, der seine Spieler zum Anschwitzen in den Regent’s Park genommen und auf die Annehmlichkeiten eines nichtöffentlichen Trainings auf einem erstklassigen Trainingsgelände verzichtet hatte, wohl um seinen Worten des Arbeitens und Wiederbesinnens auf die grundlegenden Stärken Nachdruck zu verleihen, wirbelte die Mannschaft wieder einmal deutlich durcheinander. Erik Durm, Shinji Kagawa und Sebastian Kehl, die in Paderborn allesamt keinen guten Tag erwischt hatten, mussten auf der Ersatzbank Platz nehmen – für sie (und den verletzten Marco Reus) rückten Marcel Schmelzer, Manni Bender, Kevin Großkreutz und Ciro Immobile neu in die Startformation.

Während sich die Spieler noch mit den Gegebenheiten arrangierten, passierte dann gleich das erste Unglück: Einwurf Arsenal, Yaya Sanogo kommt an den Ball. Ilkay Gündogan sieht hilflos zu. Bender und Schmelzer können nicht stören. Doppelpass Sanogo mit Santi Cazorla. Neven Subotic grätscht ins Leere. Matthias Ginter steht auf dem falschen Bein. Torschuss Sanogo durch Roman Weidenfellers Beine. Ein frühes 1:0 trotz 5:3 Überlegenheit und Abseitsposition Sanogos, die Laune bei Klopp und die Schultern auf dem Rasen gleich zu Spielbeginn wieder ziemlich weit unten.

Komplett wirkungslos: AubameyangWer nun ein Aufbäumen der Borussen erwartet hatte, sah sich getäuscht. Die Abwehr wirkte unsicher bei beinahe jeder Gelegenheit, das Mittelfeld kam nie wirklich ins Spiel und die Offensive erwies sich in ihren wenigen chancenreichen Momenten als derart harmlos, dass man am liebsten schreien wollte. Im Reportersprech müsste man wohl sagen, dass es schon ein ziemliches Armutszeugnis war, was die Mannschaft an diesem Tag anzubieten hatte. Als Fan konnte man dagegen die Erkenntnis gewinnen, dass die in der Bundesliga so geplagte Mannschaft nun nicht gleich wieder voller Elan durch die europäische Königsklasse pflügte, die Bundesliga-Krise also echt und nicht auf mangelnde Lust zurückzuführen war. Ein kleines bisschen beruhigend vor dem Hintergrund, dass sich Krisen gewöhnlich mit größerer Wahrscheinlichkeit überwinden lassen, als charakterliche Defizite innerhalb einer Mannschaft verschwinden – und vielleicht auch gar nicht so schlecht, um die vermessenen Erwartungen der Fans ein wenig zurechtzustutzen und die Nasenhöhe der Spieler nicht zuletzt in Vertragsverhandlungen wieder ein paar Zentimeter in Richtung Normalmaß zu senken.

Das Spiel plätscherte derweil vor sich hin. Sanogo verpasste in der zehnten Minute seinen zweiten Treffer, Immobile und Henrikh Mkhitaryan hatten mit ihren unglücklichen bzw. halbherzigen Versuchen rund um die 20. Minute auch nicht mehr Erfolg. So reichte Arsenal eine mäßige und wenig überzeugende Leistung, um die erste wirkliche Großchance des BVB in der 39. Minute entstehen zu lassen: Eine schöne Flanke von Lukasz Piszczek segelte in den Strafraum, wo Mkhitaryan den Ball erst mit dem linken auf den rechten Schlappen legte und Damian Martinez zu einer Glanzparade zwang.

Frust nach dem 2-0 bei Roman WeidenfellerNach der Halbzeitpause blieb es beim gleichen Bild. Borussia in der Offensive zunächst ein wenig aktiver, dafür in der Defensive offen wie ein Scheunentor. Alexander Oxlade-Chamberlain hatte kaum mit Gegenwehr zu rechnen, wenn er durch die Dortmunder Reihen marschierte, und konnte in der 54. Minute einfach mal vor Ginter abziehen – ein Kunstschuss aus der Distanz mitten ans Gebälk, der allerdings nicht ausreichte, um die Hintermannschaft aufzuwecken. Denn wenige Augenblicke später zeigte sich diese ebenso wenig gedankenschnell, als Alexis Sanchez nach Vorarbeit von Cazorla zum nächsten Kunstschuss ansetzte – unbedrängt von Subotic, Mkhitaryan und Piszczek drehte sich der Ball in Richtung Tor und sank über Weidenfeller hinweg in die rechte Torecke.

Das Spiel war nun endgültig gelaufen, weil Arsenal seine Bemühungen deutlich zurückfuhr und die Borussen einfach nicht mehr auf den Platz bringen konnten. Ein Distanzschuss von Subotic meterweit über das Tor, eine Hereingabe von Großkreutz und ein Schuss von Adrian Ramos in der Nachspielzeit waren die einzigen Chancen, die man mit viel gutem Willen auch als solche bezeichnen konnte.
Micky gegen Mikel ArtetaAm Ende blieb es beim mauen 2:0, doch spürten die mitgereisten Fans ziemlich genau, dass einfach nicht mehr drin gewesen war. Als sich die Mannschaft über die Werbebande geschwungen hatte, um sich – nach dem eher wenig überzeugenden Abschied in Paderborn – bei den Fans persönlich für die Unterstützung und das Verständnis zu bedanken, wurde es im Stadion noch einmal emotional. Die wenigen Arsenalfans, die diese Augenblicke zwei Minuten nach Abpfiff noch im Stadion erlebt hatten (viele waren bereits während des Spiels gegangen, der Rest mit dem Schlusspfiff beinahe umgehend aufgesprungen und aus dem Stadion gestürmt), standen mit offenen Mündern da und lernten, was echte Unterstützung gerade auch in Krisenzeiten heißt. Der Gästeblock sang nun so laut wie das ganze Spiel über nicht, trotz der Niederlage passte in diesem Moment kein Blatt Papier zwischen Fans und Mannschaft. Es war das vielleicht schönste Signal des Tages, dass in Dortmund mittlerweile auch Krisen und schlechte Phasen geduldet werden und sich der
BVB zumindest in dieser Hinsicht von der versammelt Konkurrenz abzuheben scheint.

Mit dieser Gewissheit fiel es dann auch Klopp deutlich leichter, sich in der Pressekonferenz zu äußern. Schmallippig wie so oft in den letzten Wochen wiederholte er dort sein Mantra, dass man sich das Glück erarbeiten könne und auch in den besten Zeiten vor allem Arbeit im Vordergrund gestanden habe. Mit auffallend guter Laune akzeptierte er die Niederlage wie auch die massiven Fehler vor den beiden Gegentoren, wissend, dass es die Mannschaft an diesem Tag einfach nicht besser konnte. Da war auch die Marschroute für die kommenden Tage keine Überraschung mehr: „Wir brauchen nicht unseren tollsten Fußball, sondern wir brauchen Ergebnisse.“ Gehen wir es an, am besten schon am Sonntag in Frankfurt.

Statistik

Nach dem Spiel kame die Mannschaft immerhin zur FankurveArsenal FC: Martinez – Chambers, Mertesacker, Monreal, Gibbs - Arteta - Oxlade-Chamberlain, Ramsey, Santi Cazorla - Sanchez - Sanogo
Wechsel: Flamini für Arteta (66.), Podolski für Sanogo (79.), Campbell für Oxlade-Chamberlain (90.)

BVB 09: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Ginter, Schmelzer - Gündogan, Bender – Mkhitaryan, Großkreutz - Aubameyang - Immobile
Wechsel: Kagawa für Immobile, Ramos für Aubameyang (beide 61.), Jojic für Großkreutz (79.)

Tore: 1:0 Sanogo (2.), 2:0 Sanchez (57.)

Gelbe Karten: Arteta, Subotic, Piszczek

SSC, 28.11.2014

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