Spielbericht Profis

Veni, vidi, vi… uff!

30.08.2014, 23:56 Uhr von:  Redaktion

Schwatzgelber Gästeblock in AugsburgEs sah lange danach aus, als würde dieser Spielbericht ganz kurz werden. Man hätte das Spiel beinahe mit den Worten des berühmtesten Eroberers der Geschichte zusammen fassen können: „Veni, vidi, vici“, ich kam, sah und siegte. Doch irgendwas lief schief…

Veni

Bereits die Anreise verlief nicht ganz nach Plan, zumindest für uns nicht. Freitagsspiele sind immer mühsamer, weil das Zeitfenster in dem die Leute anreisen bedeutend kürzer ist als bei normalen Spielen und daher die Straßen voller, die Leute gestresster und im Fall von Augsburg auch die Parkplätze belegt sind.

Dabei half es auch nicht, dass die Polizei omnipräsent und ziemlich angespannt war. Zur Machtdemonstration wurde dabei als Antwort auf (nicht unhöfliche) Widerworte auch gleich mal Handschuhe und Schlagstock ausgepackt oder ein Fan aggressiv gegen den Zaun gedrückt. Es ist wohl das Geheimnis der Polizei, weshalb dies notwendig schien, da es einerseits keinen offensichtlichen Anlass für Anspannung gab (die Fangruppen sind ja nun nicht wirklich befeindet) und andererseits auch ums Stadion soweit ich das gesehen habe keine besonderen Vorkommnisse zu vermelden waren. Es sei denn, man sieht wie die Polizei das frustrierte Treten gegen einen Metallpfosten als versuchten Vandalismus…
Man macht sich in AugsburgIm Stadion ging dann der Kampf um einen Platz im Gästeblock los. Da das Ultra-Podest ziemlich nah beim Eingangsbereich steht, gab es nach der Ankunft der Ultras eigentlich kein Durchkommen mehr und so staute sich die Masse im Eingang und das Gefühl eines völlig überfüllten Gästeblocks entstand.
Doch auch die Mannschaft hatte so einige Probleme zu vermelden, bevor das Spiel überhaupt angefangen hatte. Da war neben der schlechten Leistung im ersten Saisonspiel vor allem die immer noch sehr lange Liste der Verletzten zu nennen. So waren es am Ende Weidenfeller, Piszczek, Sokratis, Subotic (Herzlich Wilkommen zurück in der Bundesliga!), Durm, Kehl, Mkhitaryan, Jojic, Reus, Großkreutz und Aubameyang die ins zweite Saisonspiel starteten mit der Aufgabe, die Möglichkeit der Wiederholung der Saison 2010/2011 mit einem Sieg zu gewährleisten. Dabei spielten sie in einem 4-1-4-1 mit Kehl vor der Abwehr und Aubameyang in der Spitze.

Vidi

Augen zu und duch für Marco Reus beim 1-0Das Sehen war ebenfalls nicht ganz so einfach. Für eine Person meiner Körpergröße (1.65m) sind gewisse Sichtbehinderungen in Stehplatzblöcken völlig normal. Je voller der Block jedoch ist, umso mühsamer ist es eine geeignete Lücke zu finden. Durch die oben bereits erwähnte Situation im Eingangsbereich war es für mich praktisch unmöglich, einen Blick aufs Spielfeld zu werfen. Nachdem ich mich dann etwas nach oben gekämpft hatte und mitten unter den Ultras stand, hatte ich zwar etwas mehr Platz, dafür aber die Fahnen in der Sicht. Nun will ich mich darüber nicht beschweren, weil die Fahnen ein schönes Stimmungsbild abgaben und es im Block durchaus genügend Plätze gab, wo man keinerlei Sichtbehinderung durch die Fahnen hatte. Leider waren diese Plätze schlichtweg nicht zu erreichen und so habe ich mich damit abgefunden, nur Bruchstücke des Spiels zu sehen.
Dabei hätte es sich durchaus gelohnt, einen Blick aufs Spielfeld zu werfen. Nach anfänglichen zähflüssigen 10 Minuten nämlich drehte der BVB auf. Nach einem wunderschönen Doppelpass mit Großkreutz stand Reus in der 11. Minute alleine vor dem Keeper und schloss eiskalt ab. Es war ein typisches Borussia-Tor und machte Lust auf mehr. Tatsächlich dauerte es gerade mal vier weitere Minuten und der Drops schien gelutscht. Nachdem ein weiterer schöner Angriff in einer Ecke resultierte, war es Sokratis, der noch immer nicht verstanden hat, dass man beim BVB keine Tore nach Ecken erzielt und sich zum widerholten Male über diese ungeschriebene Regel hinwegsetzte. Jubel um Sokratis nach dem 2-0Und die Borussia drückte weiter. Mkhitaryan und Aubameyang hätten noch vor der Pause den Spielstand auf „definitiv entschieden“ setzen können, scheiterten aber immer wieder am Keeper, an einem langen Bein oder der eigenen Ungenauigkeit. Weidenfellers Tor kam hingegen nur einmal kurz in Gefahr, als ein Augsburger in der 37. Minute frei durch war, aber verzog. So stand es zur Pause noch immer nur 2:0.

Vici

Die Stimmung im Gästeblock war – nicht nur wegen dem Spielstand – sehr gut und man hatte den Eindruck, dass die unfreiwillige Durchmischung von Ultras und Normalos die Mitmachquote um einiges erhöhte. Die Liedauswahl war dabei zwar Geschmackssache, aber die Lautstärke war schon ziemlich beeindruckend und so war es alles in allem ein starker Auftritt des Gästeblocks. Das neue „Liebe auf den ersten Blick“ klang dabei ein Stück flüssiger und als Ramos in der 78. Minute nach einer mühsamen und fehlpassreichen zweiten Halbzeit ein Schuss von Mkhitaryan nach einer Ecke zum 3:0 abstaubte, stimmte man das siegessichere „Leuchte auf“ an. Bender kam noch zum Einsatz (Ebenfalls ein herzliches Willkommen zurück!) und das wars. Alles gelaufen, etwas fürs Torverhältnis getan, die Scharte ausgewetzt. Man konnte sich zufrieden auf den Heimweg machen.
Dumm nur, dass noch zehn Minuten zu spielen waren…

Adrian Ramos erzielte das 3-0Während sich die Borussen vor allem defensiv geistig auf den Nachhauseweg oder gegebenenfalls nach Istanbul, Arsenal oder Anderlecht machten, standen die Augsburger noch immer auf dem Platz. Das erste Tor für die Gastgeber fiel nach einer unglaublichen Fehlerkette wie sie zuletzt schon vor dem 1:0 gegen Leverkusen passierte. Angefangen bei einem schlampig verwerteten Ball von Aubameyang der den Konter einleitete über das statische offensive und defensive Mittelfeld bis hin zu den völlig überforderten Verteidigern ließen die Borussen die Augsburger gewähren, das 3:1 durch Bobadilla war die logische Folge. Und man hatte es irgendwie geahnt, dass das noch nicht der Schlusspunkt war. In der 89. Minute fiel nach einer Drangphase von Augsburg auch das 3:2 und das große Zittern begann. Zwei Minuten später konnte Weidenfeller zum Glück den Schuss von Werner entschärfen und danach waren die Borussen dann geistig auch wieder zurück auf dem Feld, sodass die letzten zwei Minuten der Nachspielzeit mit Eckbällen und Einwürfen am gegnerischen Strafraum verbracht werden konnten.
Der Sieg war letztendlich keinesfalls unverdient. Der BVB war bis auf die ersten und die letzten zehn Minuten die klar tonangebende Mannschaft gewesen und hatte in der ersten Halbzeit auch teilweise schönen Fußball gespielt, hatte mehr Chancen und mehr Ecken. Dass man nach einer 3:0-Führung in der 80. Minute am Ende jedoch noch zittern muss, das ist schon ziemlich dämlich. Oder wie Neven Subotic es formulierte: „Wegen der letzten zehn Minuten müssen wir uns eigentlich noch ohrfeigen“.

Jubel vor der Fankurve nach SchlusspfiffAm Ende ist es gut gekommen und man kann mit den drei Punkten im Gepäck etwas entspannter in die (mal wieder frühe, unnötige) Länderspielpause gehen.
Veni, vidi, vici!

Statistik

FC Augsburg: Hitz - Verhaegh, Callsen-Bracker, Klavan, Baba - Baier - Parker, Feulner, Altintop, Werner – Djurdjic

Borussia Dortmund: Weidenfeller – Piszczek, Sokratis, Subotic, Durm – Kehl –Mkhitaryan, Jojic, Reus, Großkreutz – Aubameyang

Einwechselungen: 61. Bobadilla für Parker, 69. Matavz für Feulner, 82. Kohr für Djurdjic - 64. Bender für Jojic, 73. Ramos für Großkreutz, 87. Hofmann für Reus

Tore: 0:1 Reus (11., Großkreutz), 0:2 Sokratis (14.., Ecke Reus), 0:3 Ramos (78., Mkhitaryan), 1:3 Bobadilla (82., Babe), 2:3 Matavz (89., Babe)

Schiedsrichter: Kircher (Rottenburg)
Gelbe Karten: Verhaegh – Jojic, Subotic
Zuschauer: 30.660 (ausverkauft)

Noten

Starker Auftritt, der Lust auf mehr macht.Weidenfeller: War nach seiner Rückkehr ins Tor ein Stabilitätsfaktor, klärte am Ende in höchster Not. Note 2

Piszczek: Seine Offensivvorstöße werden nach der langen Verletzungspause wieder besser, in der ersten Halbzeit dazu ein sehr schönes und notwendiges Tackling. Das 2. Augsburger Tor fiel jedoch über seine Seite. Note 2.5

Sokratis: Ein Tor erzielt und bei beiden Gegentreffern nicht gut ausgesehen. Ansonsten über das gesamte Spiel sicher. Note 3

Subotic: Schön, ihn zurück zu haben. Noch nicht wieder der Alte, aber ohne grobe Schnitzer. Note 3

Durm: Sah beim 1. Gegentreffer nicht gut aus, konnte offensiv nicht viel einbringen. Note 3.5

Kehl: Souverän im Mittelfeld, wenn auch vor allem in der zweiten Halbzeit manchmal etwas zu spät und zu langsam. Note 3

Mkhitaryan: Das könnte seine Saison werden. Immer quirlig, mit vielen guten Pässen und guten Ideen. In der zweiten Halbzeit etwas abgetaucht. Note 2

Jojic: Findet seine Position in der Mannschaft noch nicht so ganz. Zusammen mit Kehl in der ersten Halbzeit souveräner Abräumer, in der zweiten Halbzeit jedoch oft viel zu weit weg vom Mann. Note 3

Sehr auffällig, aber oft auch zu ungenau oder mit falschen Entscheidungen im Abschluss.Reus: Starker Auftritt, der Lust auf mehr macht. Ein Tor erzielt, zwei weitere zumindest indirekt mit guten Ecken vorbereitet. Schön, ihn langsam wieder in Form kommen zu sehen. Für 90 Minuten reicht es allerdings noch nicht, auch wenn er fast durchgespielt hat. Note 1.5

Großkreutz: Fand sich gut zurecht in der Offensive, genialer Pass zum 1:0. Wie die gesamte Offensive in der zweiten Halbzeit etwas blasser. Note 2

Aubameyang: Sehr auffällig, aber oft auch zu ungenau oder mit falschen Entscheidungen im Abschluss. Dazu das erste Gegentor eingeleitet. Im Gegensatz zu Mkhitaryan ist bei ihm das ganz große Potential noch immer nicht zu sehen. Note 3

Bender: Schön, ihn wieder zu haben. Wenn er jetzt langsam wieder reinkommt, ist Manni unverzichtbar. Heute war es noch eher etwas holprig. Note 3

Ramos: Gefühlt in zwei Pflichtspielen zwei Ballberührungen und zwei Tore. Trägt noch nicht viel zum Spiel vom BVB bei, aber ein Stürmer wird in erster Linie an Toren gemessen, da kann man im Moment nicht meckern. Note 2

Hofmann: In seinem wohl vorerst letzten Spiel für den BVB nur zu einem Kurzeinsatz gekommen und daher ohne Note.

Nadja, 30.08.2014

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