Spielbericht Profis

Biene vernascht Bären

01.02.2014, 18:22 Uhr von:  Felix
Biene vernascht Bären

Ein dreckiger Dreier und keine neuen Verletzten standen am Ende eines Oldschool-Ausflugs nach Braunschweig.

War wohl nix
War wohl nix

Mit 2:1 (1:0) besiegte Borussia Dortmund die gastgebende Eintracht, beide Tore für Schwatzgelb schoss Pierre-Emerick Aubameyang. Mats Hummels feierte sein Comeback in der Abwehr, und absehen von den eisigen Temperaturen war es in der augenblicklichen Situation fast der perfekte Fußballabend.

Spielerische Offenbarungen hatte nach den zuletzt holprigen BVB-Auftritten ohnehin niemand erwartet. So konnten die mitgereisten Fans ihre Freude aus ein paar wenigen gelungenen Aktionen ziehen – und aus der Tour nach Niedersachsen an sich.

Denn Flutlicht und Abstiegskampf machten die blau-gelben Menschen auf der Gegenseite richtig heiß, und was zumindest Teile der Südkurve boten, war eindeutig erste Liga. Vor dem Anpfiff gab es eine Mini-Choreografie, die daran erinnert, dass der Lehrer Konrad Koch das schöne Spiel einst in Braunschweig eingeführt und sich dabei auch etwas gedacht hatte: „Konrad Koch hat es als erster erkannt - Fußball ist weltoffen und tolerant“, war zu lesen. Schon wenige Minuten später präsentierte derselbe Block eine Winnie-Pooh-Biene-Maja-Szene, in der der tapsige Bär den blöden Insekten den Honig wegfuttert. Die Botschaft dazu „Dortmund vernaschen!“ Ein bisschen bemüht, das Ganze, erinnerte aber auch an gute alte Zeiten, als „Willst du Sch*lke oben sehen, musst du die Tabelle drehen“ eine veritable Schmähung war.

Konrad Koch hätte es so gewollt

Ausgelassene Stimmung im Gästebereich
Ausgelassene Stimmung im Gästebereich

Gesanglich beeindruckte die Südkurve besonders durch ihren Variantenreichtum. „Als wir das Drecksgegentor bekommen haben, ist das Stadion zum Hexenkessel geworden“, bemerkte auch Dortmunds Trainer Jürgen Klopp. Besonders der donnernde Wechselgesang „Zwischen Harz und Heideland“ wusste zu gefallen. Das häufige Gepöbel und die Schneeballwürfe bei gegnerischen Ecken passen vielleicht nicht in DFL-Hochglanzmagazine oder Volkswagen-Jahresberichte, gehören aber in der richtigen Dosierung einfach dazu. Konrad Koch hätte es so gewollt. Vielleicht.

Das Eintracht-Stadion verfügt zwar über eine der unsäglichen Laufbahnen, ist ansonsten aber ein Modell, wie Fan es mag. Relativ citynah, drumherum auch noch Wohnhäuser, wo in jedem dritten Fenster jemand seine Sympathie mit dem Heimatverein bekundet.

Ab hier wird es zäher

Micki im Zweikampf
Micki im Zweikampf

So weit die kleine Schwärmerei, nun zum Sport. Durch Hummels' Rückkehr in die Innenverteidigung ging Sven Bender wieder auf die Sechs, Aubameyang tat von Anfang an das, was er gegen Augsburg schon nach wenigen Minuten tun musste: den am Kreuzband verletzten Kuba ersetzen.

Dortmund fand nicht so recht in die Partie, weil die Eintracht hoch stand, früh attackierte und auf Abspielfehler lauerte. Besonders Bender und Hummels taten dem Team von Klopp-Kumpel Torsten Lieberknecht den Gefallen. In der 7. Minute konnte sich BVB-Keeper Roman Weidenfeller erstmals auszeichnen, als er einen Schuss von Jan Hochscheidt festhielt, der abgefälscht war und zudem noch aufsetzte. Das erste Viertel ging klar an die Gastgeber, Borussia gelang es mit einigen wenigen Entlastungsangriffen nur, mal eine Ecke oder einen Freistoß herauszuholen. Ein solcher von Nuri Sahin, getreten von der Strafraumgrenze, ergab eine schöne Chance, die Eintracht-Torwart Daniel Davari zunichte machte.

Tempo machte den Unterschied
Tempo machte den Unterschied

Richtig gefährlich wurde es nur, wenn der BVB schnell und direkt spielte. Nach einem Doppelpass mit Marco Reus konnte Robert Lewandowski hoch auf den zweiten Pfosten servieren, die Abseitsfalle funktionierte nicht, Aubameyang war mit dem Kopf zum 1:0 zur Stelle (31.).

Zehn Minuten später die nächste schnelle Stafette über Hummels, Lewandowski, Aubameyang, das daraus entstehende Tor zählte wegen Abseits' nicht.

Was eine gute Basis für Konterfußball in der zweiten Halbzeit gewesen wäre, schlief aber erst einmal wieder ein. Ein Stochertor ins kurze Eck durch Benjamin Kessel nach einem Eckball (54.) machte das Eintracht-Stadion lauter - „Europapokal“ wurde gesungen - und das Spiel der Hausherren direkter. Jetzt lag was in der Luft, was Dortmundern nicht gefallen konnte.

Zum Glück verfügt Borussia über die besseren Einzelspieler, und Aubameyang ist einer davon. Mitten in die Braunschweiger Ausgleichseuphorie knipste der Mann aus Gabun das 2:1 und feierte stilbewusst mit einem Salto vor der eigenen Kurve (65.). „Seinetwegen können wir steil in die Spitze spielen. Zuvor hatten wir zu viele Querpässe drin“, analysierte Mitspieler Weidenfeller hinterher.

Zittern und Bibbern

Nach dem 2-1 darf bei Aubameyang der Salto natürlich nicht fehlen
Nach dem 2-1 darf bei Aubameyang der Salto natürlich nicht fehlen

Während die 23.300 Zuschauer bei Minusgraden bibberten, mussten die Dortmunder unter ihnen noch etwas um den Dreier zittern. Die Schlussphase der Partie lieferte dank offener Räume nun Torszenen auf beiden Seiten. Reus (68., 78., 80.), Lewandowski (75., 84.), Sahin (84.) und Henrikh Mkhitaryan mit einem Pfostenschuss (89.) bekamen die Kugel nicht rein. Auch die Eintracht kam noch mal, und der BVB spielte das nicht souverän herunter. Glück hatte er bei einem Schüsschen von Havard Nielsen aus kurzer Distanz in Weidenfellers Arme (86.) und einem Pfosten-Kopfball von Ermin Bicakcic in der Nachspielzeit.

Stimmen zum Spiel

Roman Weidenfeller: „Das war ein schmutziger Sieg. Uns passieren noch zu viele Konzentrationsfehler, daran arbeiten wir. Dass Mats Hummels wieder da ist, hat der Mannschaft gutgetan, er ist ein ganz wichtiger Spieler.“

Pierre-Emerick Aubameyang: „Das war ein ganz schwieriges Spiel, wir mussten viel arbeiten. In der zweiten Halbzeit waren wir dann deutlich besser drin.“

Jürgen Klopp war zufrieden mit den drei Punkten
Jürgen Klopp war zufrieden mit den drei Punkten

Jürgen Klopp: „Wir müssen mit der etwas schwierigen Situation richtig umgehen. Wir wissen, dass wir es besser können. Im Fußballerleben gibt es solche Momente. Wir sind Borussia ortmund, wir sind bereit, für drei Punkte zu arbeiten – egal wo, egal wann.“ Über Aubameyang: „Für ihn ist die Umstellung zwischen dem alten und dem neuen Verein riesig. Das ist der Grund, warum er nicht immer von Anfang an gespielt hat. Selbst, wenn die Jungs ein paar Euro kosten, heißt das nicht, dass sie fertige Spieler sind.“

Torsten Lieberknecht: „Wir haben machbare Punkte liegenlassen. Das zweite Tor tut uns richtig weh, weil wir in der Phase richtig drin waren, mit dem Publikum im Rücken. Aber das Spiel gibt Optimismus für die nächsten Aufgaben.

Zahlen und Fakten

Braunschweig: Davari – Kessel, Bicakcic, Dogan, Reichel - Theuerkauf – Boland (78. Pfitzner) - Elabdellaoui (73. Kumbela), Hochscheidt – Nielsen – Ademi (67. Bellarabi)

Dortmund: Weidenfeller – Großkreutz (84. Piszczek), Sokratis, Hummels, Schmelzer – Sahin, Bender (90. Kehl) – Aubameyang, Mkhitaryan (90.+3 Duksch), Reus – Lewandowski

Tore: 0:1 Aubameyang (31.), 1:1 Kessel (54.), 1:2 Aubameyang (65.)

BVB-Noten

Weidenfeller: Kaum geprüft, immer zur Stelle (2).

Großkreutz: Einer von drei Kurzärmel-Trägern beim BVB. Besser im Spiel als gegen Augsburg, deutete sein Potenzial aber nur an (3-).
Sokratis: Endlich auch mal mit ein paar öffnenden Pässen (3).
Hummels: Erst noch etwas unsicher, wurde im Spielverlauf stärker (2-).
Schmelzer: Ist noch nicht der Spieler aus der Vorsaison (4-).
Sahin: Ein schöner Freistoß, ansonsten mehr bemüht als durchschlagskräftig (4+).
Bender: Mit dem Braunschweiger Pressing erst ziemlich überfordert. Spielaufbau ist nunmal nicht sein Ding (4+).
Aubameyang: Eiskalt, Matchwinner (1).
Mkhitaryan: Trotz seiner Technik nicht erste Wahl für schnelle Kombinationen. Wirkt immer noch fremd (4-).
Reus: Auch er setzt nicht die Akzente, die er könnte. Aber an ein paar schönen Kombinationen beteiligt (3).
Lewandowski: Strahlte nicht die bekannte Torgefahr aus, aber immer anspielbar (3).

Unterstütze uns mit steady