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Dortmunder Jungs: Heimat

03.04.2014, 17:08 Uhr von:  Redaktion

Die Jungs rocken bei Tanz für FranzDie Dortmunder Jungs waren die große Überraschung bei „Tanz für Franz“, der sg.de Spendengala zugunsten des Franz Jacobi Filmprojekts. Vielen waren sie vor diesem Abend überhaupt noch kein Begriff und der Rest kannte nur ihre zwei Songs „Heimat“ und „Alles was zählt“ vom BVB-Sampler „echte Liebe – BVB Hits 2012“, aber wie die Jungs dann das Haus gerockt haben, damit konnte im Vorfeld der Veranstaltung wohl keiner rechnen. Ein halbes Jahr später ist es nun endlich soweit: Das erste Album des Projekts mit dem programmatischen Namen „Heimat“ kommt auf den Markt.

Die Dortmunder Jungs, das sind Gitarrist, Komponist und Produzent Waldemar „Walde“ Sorychta, der vor allem aus seiner Zeit mit Slayer-Drummer Dave Lombardo bei Grip Inc. bekannt ist, aber auch bei Phillip Boa’s Voodoocult, Tiamat, Despair und vielen anderen Bands aus dem Metal-Bereich mitgewirkt und noch mehr von ihnen produziert hat, Sänger The Duke (The Klit Korea), Swen O. Heiland (King’s Tonic) am Bass und Bobby Schottkowski (Sodom, Randalica) an den Drums. Alle sind absolute BVB-Fans und bis auf Walde auch gebürtige Dortmunder. Doch auch Walde hat eine enge Bindung zu seiner Wahlheimat: „Ich saß an meinem Geburtstag 1996 in New York im Hotel und da lief im Fernsehen die Übertragung vom Champions League Spiel Borussia gegen Atletico Madrid. Als ich das U auf der Westfalenhallte gesehen habe, hatte ich Tränen in den Augen. Da habe ich gemerkt, dass Dortmund meine Heimat ist. Ich hätte mir zu der Zeit aussuchen können, ob ich in New York oder LA wohne, aber ich wollte nur nach Hause zurück. Nach Dortmund.“

„Die Idee, eine BVB-Platte aufzunehmen, hatte ich schon länger im Kopf“ erzählt uns Walde Sorychta. „Konkret wurde es dann 2012 auf der Auswärtsfahrt zum Pokalspiel nach Kiel. Duke war damals auch dabei und da haben wir ernsthaft angefangen darüber zu sprechen und uns am Ende per Handschlag darauf verständigt, die Dortmunder Jungs ins Leben zu rufen.“ Die ersten beiden Songs landeten gleich auf dem offiziellen BVB Sampler „echte Liebe – BVB Hits 2012“ und insbesondere Heimat kam so gut an, dass es auch öfter im Stadion gespielt wurde. „Der größte Ritterschlag für mich war, als der Song auf der Fanmeile an der Gedächtniskirche vor dem Pokalfinale gespielt wurde“, erinnert sich Walde. „Da sind mir fast die Tränen gekommen. Ich habe den Song nur aus Liebe zu Borussia geschrieben und wenn das so zurückkommt, dann ist das überwältigend."

„Mir war wichtig, dass wirklich jeder, der an dem Album mitwirkt, sich zu 100% mit Borussia und der Stadt Dortmund identifiziert“ stellt Walde klar, „das ist eine Herzenssache, kommerzielle Interessen spielen keine Rolle. Wie ein Fanclub der Banner malt oder Veranstaltungen organisiert, machen wir halt Musik, um unseren Beitrag zu leisten.“ An seiner Liebe zu Borussia lässt er keinen Zweifel aufkommen: „Ich bin Mitglied, Dauerkarteninhaber, fahre Auswärts und bin seit weit über 20 Jahren Fan. Ich lebe den BVB. Das ist echt.“

Diese Maßstäbe legten die Jungs auch an die Gastauftritte auf ihrem Album an. Ohne Dortmunder Blut und schwarzgelbes Herz ging nichts. Diese Musiker haben es trotzdem auf die Platte geschafft: Sir Hannes (Idiots/Phantoms of Future/Honigdieb), Dortmunder Punk Urgestein mit dem Lied Der BVB und der S04. Heute erscheint es natürlich ungewöhnlich, den Erzrivalen auf einer BVB Platte zu besingen. „Das Lied ist schon über 20 Jahre alt, das ist richtig alter Dortmunder Punkrock“ erklärt Walde. „Wir wollten erst das S04 durch einen Piepston ersetzen, haben uns aber dann dafür entschieden, das Lied so zu lassen, wie es damals geschrieben wurde. Es geht da ja auch weniger um die Rivalität, sondern um den Fußball im Ruhrgebiet und darum was beim Derby passiert.“ Daher passt das Lied auch ins Konzept: „Unsere Platte soll absolut pro Borussia sein und sich nicht an irgendwelchen Rivalen abarbeiten. Es sind zwar ein paar Spitzen darauf, aber eher durch die Hintertür. Im Stadion und ganz besonders beim Derby sind wir natürlich nicht ganz so diplomatisch.“

Gleich auf zwei Songs (Borussia, 1909) ist Gas Lipstick (Drummer der finnischen Band HIM) zu hören. „Gas ist seit Jahrzehnten extremer Borussia Fan, der immer ins Stadion geht, wenn er in der Gegend auftritt“, erklärt Walde, „er kauft dann immer den halben Fanshop leer.“ Dazu noch M.I.K.I, Rapper aus Herne, der schon einige BVB-Lieder gemacht hat. „Hip-Hop ist natürlich eigentlich gar nicht unsere Richtung, aber textlich stehen wir uns so nah, dass wir die musikalischen Grenzen überwinden konnten“. James J. Mean, Sänger von King’s Tonic, der Band von Jungs-Bassist Swen, gibt den Song Von Stockholm bis Rom zum Besten. „Wir haben uns ein bisschen über den Titel aufgeregt, weil der BVB noch nie im Europapokal in Stockholm gespielt hat“ erzählt Walde, „aber James meinte nur, dass das textlich gut passen würde und was nicht ist kann ja noch werden.“ Schließlich gibt es noch einen Bonustrack der Dortmunder Mädels, eine alternative Version von Heimat. „Auch da durften nur echte BVB Fans ans Mikrofon. Natürlich mussten die auch gut singen können, aber es war Voraussetzung, dass sie auch zur Borussia stehen.“

Die Dortmunder Jungs wollen ein musikalisches Gegengewicht zu Kasche&co. darstellen: „Im Stadion läuft fast nur Schlager, aber auf den Tribünen sind wohl nicht mehr als 20 Prozent schlagerkompatibel, wir wollen dem großen Rest mit unserer Musik aus der Seele sprechen.“ Musikalisch sind die Jungs natürlich alles Rocker, aber ihnen war schnell klar, dass sie ihre Musik nicht nur für ihr übliches Publikum produzieren können. „Alle Mitglieder der Band kommen aus der Punkrock- und Metalszene aber bei den Dortmunder Jungs wollen wir Musik machen, die ein größeres Publikum anspricht, vom 18-Jährigen bis zum älteren Herrn.“ Das erfordert natürlich Kompromisse, die manchmal auch schmerzhaft sind, aber am Ende steht eine Platte, die vielen Borussen ans Herz gehen dürfte. Walde ist es ganz wichtig, zu betonen, wie viel Herzblut in dem Album steckt: „Es geht uns nicht darum, Platten zu verkaufen oder uns selbst darzustellen, sondern nur um Borussia und die Stadt Dortmund.“

Anspieltipps sind neben der Single Heimat auch das vom Jacobi-Filmprojekt inspirierte Lied Geboren in Dortmund „da geht es gar nicht um Borussia, sondern um die Verbundenheit zur Stadt, zum Ruhrgebiet und zur Lebensart der Menschen hier." Auch der Song Der 12. Mann hat uns besonders gut gefallen. „Da hatte ich die Vision, dass die Idole von Borussia Dortmund einmal zusammen auf dem Platz stehen“ schildert Walde seine Idee beim Texten. „Wenn man wirklich jeden Helden des BVB würdigen wollte, müsste man natürlich mindestens dreimal so viele Strophen schreiben und das ist leider nicht möglich“ schränkt er bescheiden ein. Trotzdem wird der kundige BVB Fan jede Menge Idole aus über 100 Jahren Vereinsgeschichte in dem Lied finden. Gewidmet ist es aber den Fans, die die Mannschaft nach Vorne peitschen. „Wir als Zuschauer sind halt auch schon immer dabei gewesen und haben als 12. Mann unseren Beitrag geleistet.“

Als der Abend weiter fortschreitet, erzählt Walde uns noch ein paar Storys aus seiner Fan- und Musikerkarriere: „1997 war ich mit meiner Band Grip Inc. auf Tour. Als das Halbfinale gegen Manchester United lief, waren wir gerade in Boston. Von Fußball hatte da natürlich noch keiner was gehört. Also habe ich einen Freund angerufen, der mir die komplette zweite Halbzeit am Telefon geschildert hat. Das Telefonieren von den USA nach Deutschland war damals noch sau teuer, aber das war mir egal. Unser Sänger Gus war Manchester United Fan. Als wir das Spiel gewonnen hatten, war Gus natürlich stinkig. Trotzdem habe ich den ganzen Tourbus mit Borussia Klamotten dekoriert und gesagt, jetzt saufe ich mich selber unter den Tisch. Das habe ich dann auch gemacht. Beim Finale haben wir gerade ein Festival in der Schweiz gespielt. Ich war total sauer, dass ich das Spiel nicht komplett gucken konnte, weil wir eigentlich bis zum Anstoß auf der Bühne stehen sollten. Da habe ich zu Dave (Lombardo) vor den letzten Songs gesagt, „Spiel schneller!“ Dann haben wir die Songs so schnell gespielt wie noch nie. Ich bin dann sofort nach dem letzten Lied ins Publikum gesprungen und habe ein paar Rocker mit gelben Aufnähern gesehen. Denen habe ich gesagt, dass sie mich unbedingt irgendwo hinfahren müssen, wo Fußball gezeigt wird und das haben die dann auch gemacht. So habe ich dann zumindest noch die zweite Halbzeit und das Tor von Lars Ricken gesehen.“

Walde, der im Ausland grundsätzlich im BVB Trikot auf der Bühne stand und so einige Fans zu Borussen bekehrt hat, hatte noch andere interessante Begegnungen. „Als wir einmal in Philadelphia gespielt haben, in einer großen Halle, habe ich plötzlich zwei Leute mit einem Pappschild gesehen, auf dem stand: Borussia Dortmund Deutscher Meister. Da hätte ich fast meine Gitarre fallen lassen, um denen die Hand zu geben. Nach der Show haben wir uns noch gut unterhalten und es stellte sich raus, dass die ursprünglich aus Dortmund kamen. So etwas erwartet man natürlich nicht auf einem Metal-Konzert in Amerika, aber Borussen gibt es halt überall auf dem Globus.“ Mit ihrem Album werden die Dortmunder Jungs auch diesen Exilanten ein Stück Heimat näherbringen.

Die Dortmunder Jungs planen einige Live-Auftritte in Dortmund und Umgebung, konkrete Termine stehen aber noch nicht fest. Außerdem gibt es Überlegungen, die Lieder auch unplugged in kleineren Locations zu präsentieren. Wir halten Euch auf dem Laufenden. Das Album Heimat ist ab sofort in Läden und bei den Download-Portalen Eures Vertrauens erhältlich.

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Web 03.03+1.2014

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