Warmlaufen

London mal wieder calling

21.10.2013, 18:30 Uhr von:  Redaktion

Arsenal GBNur mal so reine Spekulation, aber viele aus den schwarzgelben Reihen werden nach dem Spiel am Dienstag wohl öfter in der englischen Hauptstadt gewesen sein, als in Berlin – zumindest in den letzten zwei Jahren, vielleicht aber auch generell. Das Schicksal (oder eine wie auch immer geartete Auslosung-Zeremonie der UEFA) führt unseren BVB also wieder mal an die Themse. Und wieder geht’s zu den Gunners. Vielleicht geht es auch anderen so, einige von uns sg-lern haben mittlerweile Freundschaften zu Arsenal-Anhängern aufgebaut, und so wird auch am Dienstag das ein oder andere gemeinsame Bierchen fließen. Man kennt sich. Schließlich treffen unsere Vereine nach 2011 nun erneut aufeinander. Zwischendurch reisten die Londoner dann in der letztjährigen Gruppenphase in die verbotene Stadt (mit bierigem Abstecher in die Bierhauptstadt) und im Achtelfinale nach München, wo man den Bayern die einzige Rückrundenniederlage beifügen konnte. Und dann war da ja auch noch Wembley und die schönsten Farben der Welt breiteten sich ein weiteres Mal zwischen Buckingham Palace und Tower Bridge aus.

Nun also die Neuauflage der beiden Duelle von 2011. Diesmal aber unter anderen Vorzeichen. Um die Analyse extrem abzukürzen, könnte einfach folgende Behauptung auf den Anstoßpunkt gestellt werden: Beide Teams sind stärker als vor zwei Jahren. Das hat jetzt aber gesessen. Warum sich wie bei der Sky-Übertragung der samstäglichen Topspiele die drei kleinen Schweinchen ins Haus setzen, wenn die Antwort doch so verblüffend einfach am Torpfosten kratzt. Aber von mir aus gehe ich nun gerne noch etwas mehr in die Tiefe des Raums.

nach Abpfiff bei ArsenalSchmerzlich erinnern wir uns an die sechs Vorrundenspiele der Champions Leage Saison 2011/12. Sportlich jedenfalls. Was die Rückkehr in die Königsklasse in Verbindung mit drei interessanten Auswärtsaufgaben anging, bleiben natürlich jede Menge schöner Momente im Gedächtnis hängen. Daheim gegen Arsenal reichte es in der Schlussminute noch zu einem verdienten Punktgewinn. Auswärts sah das Ganze dann aber schon anders aus. Knapp 7000 Borussen, die nicht nur im Gästebereich im Unterrang des Emirates Stadiums anzutreffen waren, machten auf den Rängen zwar ordentlich Dampf und ernteten mediales Lob, aber auf dem Spielfeld waren es die Londoner, die den Ton angaben. Nicht wirklich viele Chancen sprangen heraus, Bender verletzte sich schwer und van Persie ging seiner damaligen Lieblingsbeschäftigung nach. Alles in allem ein Spiegel für die sechs Auftritte auf internationalem Parkett. Die Mannschaft spielte nicht wirklich schlecht, die Fans gaben alles und der Gegner war ein Stückchen cleverer. Das Vorrundenaus war ab diesem Zeitpunkt kaum noch zu verhindern.

In der letzten Spielzeit allerdings war der schwarzgelbe Gruppensieg nicht zu verhindern. Und das soll möglichst auch in dieser Europapokal-Saison so sein. Schwierig klar, aber immer noch machbar, trotz der Auftaktpleite in Neapel. Voraussetzung dafür ist ein punktemäßig gutes bis sehr gutes Abschneiden in den beiden Partien gegen unseren nächsten Gegner. Arsenal London.

Gunners-JubelDie Kanoniere sind Tabellenführer und ihr Trainer Arsene Wenger verspürt seit langem mal wieder so etwas wie Erfolg. Die Anhänger kommen aus dem Staunen nicht heraus, nachdem viele in Wenger zunächst – und nach einer solchen Ära überraschenderweise – eine Persona non grata erkannten. Hatte er es im Sommer doch völlig versäumt, auf dem Transfermarkt mit Millionenbeträgen um sich zu schmeißen und den nächsten Super-Franzosen zu verpflichten. Und dann gab es doch noch den Big Fish: Der Özil-Mesut (liebevoll „Wizard of Oz(il)“ gerufen, so kreativ können Briten sein) fand seinen Weg in die englische Metropole. 50 Millionen. Ein Schnäppchen. Van Persie weg und Fabregas eh schon lange, kann der Mesut es tatsächlich schaffen, in die Fußstapfen eben jener Gunner-Größen zu treten. Das zumindest zeigen schon die ersten Spiele und Lobhudeleien in der bunten Presse. Aber egal. Es liegt ja bei weitem nicht nur am Özil. Auch die anderen im Team scheinen mindestens einen Schritt nach vorne gemacht zu haben. Die junge Truppe wirkt seit Saisonstart erstaunlich gefestigt und strotzt vor Selbstbewusstsein – angesichts von acht Punkten Vorsprung vor Titelverteidiger Manchester United und der Spitzenposition noch vor anderen Größen wie Chelsea und Manchester City auch irgendwie verständlich. Und dann sind da ja auch noch die beiden gewonnen Spiele in der Champions League. Respekt ja, Angst sowieso nicht.

Für den Ballspielverein geht es also zur derzeit wohl stärksten englischen Mannschaft. Und das ist auch gut so. Große Aufgaben machen große Spiele. Und die liegen unserem Ballspielverein. Vor zwei Jahren war das noch irgendwie ein bisschen anders. Erfahrung auf internationaler Bühne resultierte aus langen Konsolenabenden. Plötzlich waren die Gegenspieler auf dem Feld dann nicht mehr ganz so pixelig und erzielten Tore aus gar nicht mehr so unmöglichen Positionen. Einen „Neustart“-Button suchte man vergeblich und die Option, nach einem gefrusteten Blick auf die Tabelle, das Turnier neu zu erstellen, gab es nicht. Doch jetzt ist 2013. Arsenal erwartet den amtierenden Champions League Finalisten und damit eine Heimaufgabe, wie sie Norwich City oder Stoke bei weitem nicht darstellen konnten.

Die Verletztenliste lichtet sich. Reus und Bender haben hoffentlich ausreichend regeneriert. Letzterer wird enorm wichtig sein, um Özil aus dem Spiel zu nehmen. Schmelzer ist vielleicht auch wieder eine Option. Vorne dürfte Blaszczykowski für Aubameyang in die Startelf rücken, während Hummels nach seiner Rotsperre gegen 96 Sokratis verdrängen wird. Klopp nimmt ein weiteres (und vorerst letztes) Mal im Zuschauerbereich oder im Teezimmer der Queen oder wo auch immer Platz - am besten neben Prinz William, Prinz Harry und Prinz Poldi. Nach Amsterdam darf dann ruhig mal wieder ein Auswärtsdreier im Europapokal her. Nicht nur für die Statistik, sondern vor allem für ein Überwintern im Wettbewerb. Auf Schützenhilfe aus Marseille sollte man sich nicht verlassen.

Arsenal gegen Dortmund. Mal wieder. Piccadilly Circus und Trafalgar Square. Mal wieder. Fettiges Nahrung aus der Zeitung. Mal wieder. Fantreff im Finsbury Park. Mal wieder. Highbury Library und ein singend, springender, lautstarker Gästeblock. Mal wieder. Nur diesmal das Ganze ohne „you only sing when you’re winning“.

Tim, 21.10.2013

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