Warmlaufen

Lasst uns die Geschichte weiterschreiben

02.08.2013, 22:28 Uhr von:  Redaktion

Wandert Uli in den Knast? Wer spaziert denn da gerade ins Knappschaftskrankenhaus? Nennen wir den Neuen „Heno“ oder doch „Mücke“? Und hat Hans-Peter Friedrich das gerade wirklich gesagt? Solche Fragen, mal mehr, mal weniger sinnbefreit, haben uns während der viel zu langen Sommerpause beschäftigt. Und weil unser BVB allen Ausverkauf-Szenarien zum Trotz im August 2013 tatsächlich in der Lage ist, eine Mannschaft von elf Spielern aufs Feld zu schicken, kann der Ball nun endlich wieder rollen. Fußball, Du hast uns wieder!

Erstrunden-Kicks im DFB-Pokal könnten so romantisch sein. Charmante Spielstätten und der Reiz von David gegen Goliath machen die Veranstaltung Jahr für Jahr zu einem netten – und für uns BVB-Fans meist entspannten – Saisonauftakt. Wären da nicht die Ticketpreise. Der SV Wilhelmshaven, unser erster Pflichtspielgegner 2013/14, fordert für einen Stehplatz schlanke 20 Tacken, der billigste Sitzplatz kostet 45 Euro. Damit sollen wir 25 Prozent mehr zahlen als der FC Augsburg bei seinem letztjährigen Gastspiel in der ersten Pokalrunde. Spätestens da ist es dann vorbei mit der Fußballromantik.

Spruchband "Der Liga es vorgemacht, Topspielzuschläge abgeschafft"Schon verdammt nervig, dass wir uns mit diesem Ärgernis beschäftigen müssen, bevor die neue Saison überhaupt richtig begonnen hat. Zumal die „Kein Zwanni“-Kampagne im Kampf für gerechte Eintrittspreise zuletzt so respektable Erfolge verbucht hat. Der Hamburger SV, Eintracht Frankfurt und der VfL Wolfsburg legten einheitliche und vom Gegner unabhängige Stehplatzpreise in Höhe von 15 beziehungsweise 16 Euro fest. Auch im Gästeblock von Hertha BSC Berlin zahlen alle Auswärtsfans künftig humane 15 Euro, während unser Verein unter anderem den Gästefans fortan keinerlei Topspielzuschläge auferlegen wird.

Dass unterklassige Vereine aus dem „Spiel des Jahres“ im DFB-Pokal Profit schlagen möchten und höhere Preise ausrufen, ist sogar verständlich. Auch weil sie am Ende nur 40 Prozent der Einnahmen kassieren können (ebenso viel bekommt der Gastverein, den Rest der DFB). Trotzdem darf das nicht dazu führen, dass die mitreisenden Gästefans am Ende unnatürlich tief in die Tasche greifen müssen. Schließlich sind diese Aufeinandertreffen für sie keine Highlights, die den hohen Eintritt rechtfertigen, sondern ganz normale Fußballspiele. Wie man’s besser machen kann, hat der SV Sandhausen bewiesen, der seine Preise nach Gesprächen mit Fanvertretern von 18 auf 15 Euro senkte, als wir dort vor zwei Jahren zu Gast waren. Wilhelmshaven wollte dies nicht und so werden verständlicherweise viele BVB-Fans am Samstag auf ein Bad im Jadebusen und den Besuch des schmuckigen Jadestadions verzichten. Schade!

Michael Zorc und Aki WatzkeAber belassen wir es nun vorerst dabei, schließlich steht uns eine neue Saison mit unserem glorreichen Ballspielverein bevor. Die letzten Spielzeiten waren gespickt mit einzigartigen Erlebnissen. Unvergessliche Momente wie nach dem Tor zum 3:2 gegen Malaga („Reus! Quer! Linie! TOR!“), das Zittern während der letzten Minuten in Madrid oder die Reise nach Wembley haben sich für immer in unser Gedächtnis eingebrannt. Kann man das eigentlich noch toppen? Warum nicht! Der Weg unserer Mannschaft ist noch nicht zu Ende und so kann auch die nächste Saison auf ihre ganz eigene Art und Weise einzigartig werden. Ich denke zum Beispiel an Nachbarschaftsduelle, die ich gerne mal wieder mit einem Erfolgserlebnis beenden würde.

Um Ziele wie dieses in den kommenden zehn Monaten zu verwirklichen, haben unsere Verantwortlichen in den letzten Wochen an einem neuen, schlagfertigen Kader gebastelt. Dieses Unterfangen gestaltete sich angesichts des Wissens der Verhandlungspartner um die prall gefüllte Dortmunder Geldbörse dann doch schwieriger als gedacht. So wuchs an der breiten Fanbasis mit jedem Tag ohne millionenschweren Neuzugang die Hysterie. Die Schreibstuben taten ihr übriges und warfen regelmäßig neue Namen in die Verlosung. Bernard, de Bruyne, Eriksen, Pjanic, Dzeko, Ji, Tello, Koo, Podolski oder Gomez – Felix Magath wäre vor Neid erblasst, hätten wir all die Spieler verpflichtet, an denen wir angeblich oder tatsächlich mal interessiert waren. Zu Hochzeiten hatte man das Gefühl, mancher Anhänger wollte nur um des Einkaufens willen einen neuen Spieler verpflichtet sehen. Hauptsache, er ist teuer genug.

Jürgen KloppMichael Zorc, Aki Watzke und Jürgen Klopp behielten einen kühlen Kopf und präsentierten der nervösen Meute drei Zungenbrecher, die den Kader wie gewünscht in der Breite verstärken dürften. Da ist zum einen Henrikh Mkhitaryan von Schachtar Donezk, ein torgefährlicher Mann für die Offensive. 25 Treffer in 29 Spielen gelangen ihm zuletzt in der Ukraine. Und auch wenn er eine andere Spielanlage mitbringt als Mario Götze – der 24-Jährige ist weniger quirlig – kann er unser Spiel mit seiner Übersicht bereichern. Der pfeilschnelle Pierre-Emerick Aubameyang ist sowohl auf den Flügeln als auch im Zentrum variabel einsetzbar und weiß ebenfalls, wo das Tor steht. Und weil die Wechselabsichten Felipe Santanas doch nicht nur „pur Spekulation“ waren, wurde mit Sokratis von Werder Bremen noch ein robuster Ergänzungsspieler für die Viererkette geholt, der, ebenso wie Kevin Großkreutz, Lukasz Piszczek während der Hinrunde vertreten könnte. Hinzu kommen mit Marvin Ducksch, Marian Sarr und Jonas Hofmann drei hoffnungsvolle Talente.

Den einzigen namenhaften Abgang verkörpert Mario Götze, der während der Sommerpause erfolgreich an seinem Sunnyboy-Image der Marke Justin Bieber arbeitete. Eine, vielleicht gewagte, These: Wenn sein Spielstil auch einzigartig ist, wird Götze in den allermeisten Bundesligaspielen zu ersetzen sein. Aber: Je höher das Niveau, desto besser ist es, jemanden wie ihn im Kader zu haben, der mit einer gekonnten Einzelaktion ein Spiel entscheiden kann. Während der Neu-Bayer wohl nie mehr das schwatzgelbe Trikot tragen wird, wurde Moritz Leitner bis 2015 an den VfB Stuttgart verliehen. Mit den neuen Vereinen von Leo Bittencourt (Hannover 96) und Julian Koch (Mainz 05) hat man Rückkaufoptionen vereinbart. Alle Spieler, die es in dieser Saison wohl schwer gehabt hätten, auf ein befriedigendes Einsatzpensum zu kommen.

Henrikh Mkhitaryan in AktionDie Startelf, die das Finale in Wembley nur knapp verloren hat, ist zusammengeblieben und wurde in der Breite vielversprechend verstärkt. Man darf guten Gewissens sagen, dass unsere Borussia in der Bundesliga erneut um die oberen Plätze spielen kann und sich gute Chancen auf ein Überwintern in der Königsklasse ausrechnen darf.

Erstmal gilt es aber am Samstag, die erste Runde des DFB-Pokals zu überstehen. Mit dem Regionalligisten SV Wilhelmshaven wartet ein komplett neu formierter Gegner, dessen Kader vor anderthalb Monaten nur vier Spieler zählte. Insgesamt 17 neue Kicker wurden innerhalb der letzten sechs Wochen ins 7.500 Zuschauer fassende Jadestadion geholt. Jürgen Klopp muss währenddessen neben Lukasz Piszczek auch den gesperrten Sokratis und Mkhitaryan ersetzen. Das Tor wird Mitch Langerak hüten, wohl auch im Hinblick auf den Bundesliga-Auftakt beim FC Augsburg, wenn Roman Weidenfeller seine Sperre aus dem unsäglichen Hoffenheim-Spiel absitzen muss. Piszczeks Platz als rechter Verteidiger wird Großkreutz übernehmen und der genesene Gündogan wird, wie bereits beim Supercup, wohl auf die Zehn vorrücken, zwischen Reus und Kuba. Damit dürfte Nuri Sahin ein Platz in der Startelf neben Sven Bender sicher sein.

Auf geht’s, Jungs. Lasst uns das nächste Kapitel unserer Geschichte schreiben!

Malte S., 02.08.2013

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