Warmlaufen

Europapokal ist schön und soll es auch bleiben

08.04.2013, 22:22 Uhr von:  Redaktion

Am Dienstag muss es besser laufen als in MálagaDer Schlusspfiff ertönte und im „La Rosaleda“ erhoben sich die rund 25.000 Anhänger des heimischen C.F. Málaga um ihrem Team den verdienten Applaus zu spenden. Eine intensive Partie war soeben zu Ende gegangen. Auch der Gästeblock zögerte nicht lange und klatschte seinerseits kräftig in die Hände, so wie auch die vereinzelten Borussen auf den anderen Tribünen. Es war ein gutes Fußballspiel, keine Frage. Ein Unentschieden auf fremden Boden, weiterhin ungeschlagen in dieser Champions League Spielzeit – auch damit sollte jeder gut leben, keine Frage. Das Heimspiel vor der Brust und alles selbst in den Füßen, ist das Halbfinale nur noch 90 oder 120 Minuten entfernt.

Und doch kann man bei genauerer Betrachtung das Haar im andalusischen Gazpacho finden. Vor allem, wenn die ein oder andere Szene der ersten Hälfte des Hinspiels noch einmal in Erinnerung gerufen wird. Da lief der Ball teilweise richtig gut, da gab es Passagen, die den spanischen Beobachter an Spielzüge des großen Ligakonkurrenten aus Katalonien erinnerten. Und folgerichtig gab es da auch Chancen. Chancen von hoher Qualität – man muss nur mal bei Mario Götze nachfragen. Dem einen oder anderen kam vielleicht ja sogar in den Sinn, dass es in dieser ersten Hälfte an diesem Abend so leicht wie selten war, ein Auswärtsspiel im Viertelfinale der Champions League früh zu eigenen Gunsten zu entscheiden. Bekanntlich sollte es aber nicht so sein. Nach ähnlich starker Anfangsphase im zweiten Durchgang schwächte der Druck merklich ab und nicht wenige Dortmunder hatten zunehmenden Respekt vor den Standardsituationen der Andalusier. Doch weder nach vorne noch nach hinten ging was, sodass am Ende zwei große Nullen die Anzeigetafeln zierten.

Götze und Großkreutz vereint gegen DemichelisDieses verflixte Auswärtstor, das in der Historie nicht selten eine undankbare Rolle spielte, hätte dem BVB gut zu Gesicht gestanden, zumal es bis dato in allen Spielen auf fremden Boden gefallen war. Aber sei’s drum! Ein normaler, unspektakulärer, vielleicht sogar enger und nicht wirklich verdienter, gezwungener und möglicherweise gequälter Heimsieg reicht zum Weiterkommen. Nicht mehr und nicht weniger! Und wenn es ein Heimsieg wird, der wunderschön, verdientermaßen und mit mehr als einem Tor Unterschied herausgespielt wird, sagt auch niemand was Böses. Halbfinale, das zählt!

Für dieses Unterfangen wurde auf beiden Seiten am Samstag im Liga-Alltag ordentlich geschont. Doch während die neu zusammengewürfelte Borussia ein tolles Spiel gegen formstarke Augsburger bot, unterlag Málaga mit der eigenen Art der B-Elf in San Sebastian mit 4:2. Das Selbstbewusstseins-Barometer dürfte also zumindest in kleinen Teilen in entgegengesetzte Richtungen ausschlagen – zugunsten der schönsten Farben der Welt. Hinzu kommt, dass beim Kontrahenten aus Südspanien zwei nicht ganz so unwichtige Spieler gelbgesperrt fehlen. Iturra und Weligton hat es im Hinspiel erwischt. Sie zu ersetzen wird dem gegnerischen Coach Pellegrini nicht ganz so leicht fallen, Antworten wird er dennoch parat haben. Ohnehin wird es vor allem darauf ankommen, das eigene Spiel durchzudrücken und wenn irgendwie möglich keine Eckbälle und Freistöße in eigener Strafraumnähe zuzulassen, Málagas Stärke bei ruhenden Bällen ist bekannt und benötigt keine weiteren Beweise während des Spiels.

Weidenfeller und Willy gegen Götze war ein häufiges Duell in HinspielCo. kehren wieder in die Mannschaft zurück und sind heiß auf diese Partie. Das Team brennt auf weitere geile 90 Minuten, in denen der Druck sicherlich höher sein wird als in vielen Spielen der vergangenen Monate. Dieses fehlende Auswärtstor ist daran nicht ganz unschuldig. Die Qualität ist da und auch die mentale Stärke dürfte weiterhin ungebrochen sein. Eine eigene Führung wäre trotzdem nicht ganz so schlecht. Einfach die Chancen nutzen, die sich bei normalem Spielverlauf unweigerlich ergeben sollten, nur so ist Málaga der Zahn zu ziehen. Und Götze hat da ja auch noch ein bisschen was gut zu machen – denn die zweieinhalb Hundertprozenter aus dem Hinspiel werden ihn bestimmt noch wurmen. Und ein gewurmter Mario M. kann wahre Wunder vollbringen, vor allem mit all seinen kongenialen Mitspielern an der Seite, die auch an diesem Abend all den spanischen und anderen internationalen Zuschauern im Stadion und an den Fernsehgeräten zeigen wollen, dass Tiki-Taka als eingetragener Markenname nicht nur den Mannen von Barcelona und einer gewissen Pipi Langstrumpf zusteht.

Die ganz große Bühne ist mal wieder bereitet, wenn am Abend dieses schon jetzt erwähnenswerten 09. April das Flutlicht im Westfalenstadion angeht und in unserem Tempel ein weiteres Stück schwarzgelber Europapokalgeschichte geschrieben wird. Klopp baut auf die Unterstützung jedes Einzelnen. Und jeder Einzelne baut auf den bedingungslosen Einsatz unserer Helden. So ein Halbfinaleinzug würde da doch gut passen…

Klopp war wie immer total entspanntUnd hier noch frisch eine paar Stimmen aus der Abschluss-PK:

Klopp: Wir verlassen uns nicht auf die Statistik. Ich habe nach dem Hinspiel zu viel negatives über das Ergebnis gehört. Wenn man nach Malaga fährt, kann man nicht davon ausgehen, dass man das Spiel gewinnt und sich eine positive Ausgangslage zu schaffen. Das Ergebnis lässt uns alle Möglichkeiten, ohne uns Garantien zu geben. Geiler Wettbewerb – starker Gegner – wir sind vorbereitet!

Alle Verletzten vom Wochenende fahren mit ins Hotel. Wir haben morgen noch eine Trainingseinheit, aber bislang sieht das alles sehr positiv aus.
Wir wollen diese wundervolle Geschichte der Champions League weiterschreiben. Wir sind heiß und haben große Lust auf diesen Wettbewerb. Wir sehen die Chance, wissen um den Druck, haben bisher viel richtig gemacht im Umgang mit Drucksituationen. Alles ist bereit für ein gutes Spiel, ein guter Gegner inklusive.

Unsere Heimstärke ist eine Mischung aus Talent und Mentalität meiner Mannschaft und dem Zusammenspiel mit den Zuschauern. Wir genießen es immer noch alle wirklich in diesem Stadion auflaufen zu dürfen. Die Atmosphäre in Malaga war richtig gut, aber ich habe das Gefühl, dass wir da noch einen draufpacken können. Alle unter Strom alle unter Feuer, alle überzeugt, dass wir es schaffen können, das wäre die Atmosphäre die ich mir wünschen würde.

Marcel Schmelzer zeigte sich sehr verhaltenWir können morgen so tun als wäre es das letzte Mal für eine lange Weile und dann braucht man auch nichts zurück zu halten. Wir werden als Mannschaft morgen unsere Ruhe brauchen. Der Umgang mit den vergebenen Chancen war im Hinspiel nicht gut. Da haben wir den Gegner stärker gemacht. Die Mannschaft wird damit morgen besser umgehen. Wir müssen den Mut haben auch mal daneben zu stehen. Morgen sollte für 90 Minuten nichts wichtiger sein als dieses Fußballspiel. Wenn jeder Lust auf das Spiel hat und auch auf die schwierigen Situationen im Spiel, dann sind wir ein unangenehmer Gegner.

Schmelzer: Es ist etwas Einzigartiges für uns. Von uns hat noch niemand im Viertelfinale der CL gestanden. Deshalb ist dieser Wettbewerb etwas ganz besonderes für uns. Wir haben eine Gruppe überstanden, die uns niemand zugetraut hätte und daher ist das für uns das Größte hier im Viertelfinale gegen Malaga spielen zu können.
Mit der Nase geht es mir ganz gut, aber mit der Maske ist noch gewöhnungsbedürftig. Gegen Malaga hat sie mich nicht wirklich gestört aber am Wochenende ist sie öfter verrutscht. Ich werde das morgen im Abschlusstraining ausprobieren und dann entscheiden, ob ich mit Maske spiele oder ohne.

Camacho wirkte sehr selbstbewusstCamacho: Wir wissen wie wichtig dieses Spiel ist. Die wenigsten Spieler von uns haben so etwas schon erlebt. Gegen Porto haben wir uns durchgesetzt und auch hier können wir noch den nächsten Schritt machen. Das Halbfinale ist nicht weit weg.
Es ist beeindruckend, wenn man sich die steilen Ränge ansieht. Ich muss mir das noch genauer angucken. Aber man kennt es hier von Borussia Dortmund, da ist immer ein volles Haus. Aber vielleicht hilft uns das auch, in das Spiel hinein zu finden. Wer möchte schon vor leeren Rängen spielen. Wir betrachten das Spiel morgen als vorgezogenes Finale.

Gündogan hat sein Können im Hinspiel bereits eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Ich kannte ihn vorher nicht. Er hat ein großes technisches Können. Das ist ein guter Spieler in einer guten Mannschaft und wir müssen alles geben, um sie im Zaum zu halten.

Demichelis: Ich weiß was hier im Westfalenstadion für eine Stimmung herrscht. Das ist natürlich beeindruckend. Wir dürfen uns aber nicht einschüchtern lassen und müssen uns auf unsere Aufgabe konzentrieren. Wir haben ein gutes Ergebnis nach dem Hinspiel erreicht und wer denkt, dass Dortmund schon durch ist, befindet sich auf dem Holzweg.
Martin Demichelis beantwortete Fragen auf deutschDer Trauerfall in der Familie des Trainers ist traurig und die Stimmung in der Mannschaft ist gedrückt. Unser Trainer hat uns das zunächst verschwiegen. Das ist ein Zeichen seiner Größe. Aber er wird morgen bei uns sein und wir werden alles tun, um ihm das Weiterkommen zu schenken.

Die Aufstellungen:

Schwarz-gelbe Helden: Weidenfeller - Schmelzer - Santana - Subotic - Piszczek - Bender - Gündogan - Reus - Götze - Kuba - Lewandowski

Málaga: Caballero - Gamez - Demichelis - Lugano - Antunes - Camacho - Toulalan - Joaquin - Baptista - Isco - Saviola

Tim, 08.03+1.2013

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