Warmlaufen

Ein Zombie hing am Flutlichtmast

08.02.2013, 12:00 Uhr von:  Redaktion

Hamburg ist eine schöne Stadt, die verdammt viel zu bieten hat. Die Speicherstadt, die Landungsbrücken, den Fischmarkt – ja vielleicht sogar bald die Elbphilharmonie. Sie hat nur ein Problem, den HSV. Der widerum hat viele leidenschaftliche und leidensfähige Fans, die ebenfalls das gleiche Problem haben. Den HSV. Das einzige Gründungsmitglied der Bundesliga, das ununterbrochen die Klasse gehalten hat. Deswegen hat man eine mittlerweile wieder funktionierende Ligazugehörigkeitsuhr installiert. Deswegen ist das Maskottchen passenderweise ein Dino. Leider sind die Dinos schon längst ausgestorben und so wirkt der HSV nun auch schon seit Jahren wie ein Relikt, das schon vor Jahren an gähnender Langeweile eingegangen ist, ohne es selbst zu bemerken.

Ohne Zweifel, der Hamburger SV hat sportlich einige Erfolge vorzuweisen. Dummerweise sind diese Erfolge noch mit Namen wie Uwe Seeler, oder Felix Magath verbunden. Für die jüngeren unter uns: Gemeint ist hier der Fußballer Magath und nicht der Manager Magath, der Samstag Abends mit dem Telefon in der Hand Sportschau guckt, weil er das für einen Teleshoppingsender hält. Bis vor ein paar Jahren konnte man sich als gegnerischer Fan zumindest noch an kreuzsymphatischen Kickern wie Nigel de Jong, Vincent Kompany und vor allem David Jarolim abarbeiten und ihnen in herzlicher Abneigung gegenüber stehen. Und heute? Bruma. Diekmeier. Rudnevs. Wenigstens den Ex-Blauen Heiko Westermann, der vermutlich immer noch das Handy neben seinem Bett liegen hat, weil er auf Löws Einladung zur EM 2012 wartet, kann man noch so ein bisschen nicht mögen. Ja, selbst der Running-Gag Sportdirektorsuche zündet seit Arnesen nicht mehr.

Dabei ist das eigentlich wirklich schade, da der HSV ein großer Verein ist, der viel mehr als Mittelmaß verdient hätte. Das haben sich wohl auch die Verantwortlichen gedacht und zu Saisonbeginn massig Glanz & Glamour aufgefahren. Auferstanden von den Tot(t)en(ham) Hotspurs wandelte der Heiland über die Alster zurück ins Volksparkstadion. Rafael van der Vaart kehrte heim und im Gepäck seine Sylvie. Er sollte nicht nur das Medieninteresse am HSV erhöhen, sondern vor allem den Klub mit der Raute sportlich auf ein höheres Level heben. Angesichts des aktuellen Tabellenplatz 9, auch aufgrund einer langwierigen Verletzung, eher nicht vom Erfolg gekrönt.

Und so ist der HSV wieder irgendwie an der gleichen, grauen Stelle angelangt, an der er in die Saison gestartet ist. Größtes Interesse wecken mittlerweile wieder so spannende Themen wie die Frage, ob Sylvie auch im Stadion ist, um ihrem Rafael die Daumen zu drücken. Vielleicht ist er ja auch gar nicht mehr ihr Rafael. Man weiß es nicht. Gags über Silvesterpartys klemm ich mir an dieser Stelle mal. Ihr wisst ja: „100 % das Spiel, 0 % Gewalt". Außerdem hat man den Enkel von Uwe Seeler aus dem Nachwuchsteam in Richtung Leverkusen vergrault.

Ok, der Zombie ist etwas übertrieben. Aber für die Liga es wäre schön, wenn jemand dem HSV wieder ein bisschen mehr Leben einhauchen würde. Aber bitte erst ab Sonntag.

Vorher gilt es für unseren BVB, den tollen Start in die Rückrunde und den Vorsprung auf Platz 5 weiter auszubauen. 9 Punkte und 11:2 Toren mit zwei gar nicht so leichten Auswärtsspielen in Bremen und Leverkusen – besser hätte das Jahr 2013 gar nicht anlaufen können. Unsere Jungs zeigten dabei phasenweise wieder den fantastischen Fußball, der der Liga in den letzten beiden Jahren das Fürchten lehrte.

Personell wird das Spiel für Klopp leider eine Art Wundertüte. Schmelzer und Großkreutz, der unter der Woche seinen Vertrag bis 2016 verlängert hat, dürften so gut wie sicher ausfallen. Weidenfeller plagt sich noch mit einem Infekt herum, Piszczek zwickts in der Leiste, Reus hat Adduktoren und Götze ist grippig. Die drei zuletzt genannten haben wenigstens schon wieder am Mannschaftstraining teilgenommen. Wollen wir mal das beste hoffen. Auch wenn unser Kader eine enorme Qualität hat, diese Ausfälle wären für keine Mannschaft der Welt so leicht zu verkraften.

Borussia Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Hummels, Blaszczykowski - Gündogan, Bender, Sahin - Götze, Reus - Lewandowski
Auf der Bank: Langerak - Kirch, Halstenberg, Santana, Kehl, Leitner, Bittencourt, Schieber
Fraglich: Weidenfeller (Infekt), Piszczek (Leistenprobleme), Subotic (Trainingsrückstand), Reus (Adduktoren), Götze (Grippe)
Es fehlen: Großkreutz (Infekt), Schmelzer (Rachenentzündung, Fußprellung), Owomoyela (Knochenödem)

Hamburger SV: Adler - Diekmeier, Bruma, Westermann, Jansen - Rincon, Aogo - Beister, van der Vaart, Son - Rudnevs
Auf der Bank: Drobny - Rajkovic, Jiracek, Kacar, Skjelbred, Arslan, Berg
Fraglich: Rajkovic (Magen-Darm-Infekt)
Es fehlen: Badelj (Gelbsperre), Ilicevic (Bauchmuskelzerrung), Lam (Kniereizung), Mancienne (Bänderriss), Sala (Aufbautraining)

Schiedsrichter: Manuel Gräfe (Berlin)
Assistenten: Markus Häcker, Harm Osmers
Vierter Offizieller: Christoph Bornhorst

Sascha, 07.02.2013

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