Unsa Senf

Leipzig und sein Fuß..Marketing Projekt

30.10.2013, 18:46 Uhr von:  Redaktion

Klare Ansage der Dortmunder UltrasAm Samstag spielen die Amateure der Borussia in Leipzig gegen das Namensungetüm Rasenballsport Leipzig eV. Mittlerweile weiß ein jeder, dass dahinter der Brausekonzern von Dietrich Mateschitz steckt. Dieser hat in den 80iger Jahren die Idee des taurinhaltigen Getränks nach Europa gebracht und durch aggressives Marketing in der Club-, Trend- und Extremsportszene positioniert. Heutzutage wird Mateschitz Vermögen auf rund 5,3 Milliarden US‑Dollar geschätzt.

Das Mateschitz und seine Konzernkonglomerat bei ihrer Marketingstrategie relativ kompromisslos sind, hat bereits die Dokumentation „Die dunkle Seite von Red Bull“ bewiesen. Hierbei werden die unbestrittenen Verdienste für den Extremsport kritisch beleuchtet und die Frage aufgeworfen, wie weit darf man gehen. Neben den Nischensponsoring hat sich der Brausehersteller mittlerweile auch im Fußball, Eishockey und der Rennserie Formel 1 eingekauft. Während Sebastian Vettel eine Gesamtwertung nach der Anderen für im Kreisfahren gewinnt, ist das Engagement im Fußball mit leidlichen Erfolg beschieden.

Das Erfolge im Fußball nicht zwangsläufig käuflich sind, haben schon andere Mäzen und Unternehmen erfahren müssen. Lange Jahre hat Roman Abramowitsch auf seinen ersten Champions League Titel warten müssen. Manchester City und PSG warten weiter auf den ganz großen Erfolg und auch Real Madrid hinkt den eigenen Erwartungen deutlich hinterher. Dennoch versuchen die „roten Bullen“ sich immer mehr im Fußball festzubeißen. Auf der offiziellen Webseite werden die Fußballclubs aus Salzburg, New York, Leipzig und Brasilien beworben. Hatte die 50+1 Regel bisher Deutschland vor der Mäzen- und Investorenplage ganz gut geschützt, erodiert dieser Schutz nun leider vollkommen. Nach dem Sündenfall Wolfsburg und Leverkusen, leisteten sich die Verbände DFL und DFB mit Hoffenheim einen weiteren dicken Fauxpas.

RBL hat keine TraditionZwar gab es vorher schon Fälle mit Wattenscheid oder LR Ahlen, die einem mit Bauchschmerzen zurückließen aber bis Dietmar Hopp hatte in der heutigen Zeit keiner mehr das Geld gehabt, so massiv das Kräftegleichgewicht durch monetäre Zuwendungen aus Privat- bzw. Investorenschatullen zu verschieben. Mittlerweile ist das „Projekt“ Hoffenheim als die Farce entlarvt, die es schon immer war. Immerhin sind so die Altersbezüge einiger Altherrenkicker gesichert worden. Dennoch bleibt bestehen, dass die Verbände wegguckten, als die Regeln der 50+1 massive gebeugt wurden und werden. Bei Hoffenheim sind allerdings zumindest noch die Mitgliederrechte von Altmitgliedern formal vorhanden. Bei Leipzig ist es nun aber absolut lächerlich geworden und die Funktionäre haben wieder einmal bewiesen, dass es wichtigere Motive als die eigenen Ideale gibt – so traurig das ist. Welche Büchse der Pandora bei Leipzig sehenden Auges von den Funktionären bei Sächsische Fußball-Verband (SFV) und DFB geöffnet wurde, haben die 11Freunde schon ausreichend dargelegt. Es ist eine Schande, aber Geld regiert die Welt – auch oder gerade im Fußball.

Was sich der österreichische Brausehersteller allerdings unter sportlichen Wettbewerb vorstellt, kann man gut in Österreich beobachten. Immerhin wollen rund 30 % des Jahresumsatzes im Werbebudget sinnvoll investiert sein. Nahezu jeder Fußballfan kennt den nun fast chronisch peinlichen Werbeklub in Salzburg, der es kaum schafft eine mittelmäßige österreichische Liga zu dominieren und international sich gerne bis auf die Knochen blamiert. Das nebenbei eine der besten österreichischen Fanszenen bei der Übernahme beseitigt wurde, passt da ins Bild. Diese hat sich mittlerweile in der Austria Salzburg neu organisiert und stellt in Salzburg eine echte Alternative zu der Brause-Disko dar. Aber auch das ist in der österreichischen Operetten‑Liga keine wirkliche Neuigkeit, denn hier sind Bundesligalizenzen nicht an den Verein gebunden sind, sondern können hin und her geschoben (verkauft) werden, z.B. von Pasching nach Klagenfurt usw.

Auf Unterstützung wird das Team leider verzichten müssenWas dagegen Red Bull in der Folge tat, war neu und unterminiert den kompletten sportlichen Wettbewerb. Zu erst übernahm man den USK Anif als Jugendverein, der dann konsequenter Weise als Red Bull Juniors firmierte. Diese verpassten immer wieder den Aufstieg und generell wäre selbst in Österreich ein Aufstieg in die zweite Liga nicht erlaubt gewesen. Daher suchte man sich 2011 mit dem FC Liefering den nächsten Salzburger Verein und schob die Spieler zwischen den Vereinen hin und her.

Ein Wahnsinn, wenn man bedenkt, dass in der RL West die Austria um den Titel kämpfte, und zwei Red-Bull-gesteuerte Vereine in der selben Liga viermal gegen die Austria und zweimal gegeneinander spielen. Da es aber auch mit Liefering nicht gleich Richtung zweite Liga klappte, wurde Ende 2011 der FC Pasching in der RL Mitte „kassiert“, der mittlerweile ebenfalls dahin siechte und drohte, in die Landesliga abzusteigen. Bei der Kooperation mit dem FC Pasching war man dann aber so geschickt, Red Bull in keinster Weise mehr auffallen zu lassen. Weder das etwas im Logo erkennbar ist, noch als Trikotsponsor, daher durfte Pasching in der Euroleague als Cupsieger spielen - nach dem man u.a. die Profis aus Salzburg im Halbfinale geschlagen hatte.

Schlussendlich muss man festhalten, dass in Österreich ganze vier Vereine am Nabel von Red Bull hängen und dies sportlich natürlich einen arg faden Beigeschmack hat. Wenn man nun in Betracht zieht, dass eventuell in zwei bis vier Jahren Leipzig auf Salzburg in der Euroleague oder gar Champions League treffen könnte, kann man den sportlichen Wettbewerb auch gleich beerdigen. Zusätzlich bleiben hartnäckige Gerüchte, dass Red Bull auch in den englischen „Fußballmarkt“ drängt mit dem Fernziel Premier League. Sollte es dazu kommen, könnten theoretisch drei Mannschaften eines Konzerns gegeneinander antreten. Noch klingt das alles absurd aber kein Funktionär in Deutschland, Österreich oder bei der UEFA hat bis dato erklärt, wie man das meint verhindern zu können. Allerdings bleibt die Frage, ob man das überhaupt will?

mrg, Werner, 30.10.2013

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