Unsa Senf

Friedrich? Warum nich?

12.11.2013, 14:22 Uhr von:  Redaktion

Manuel Friedrich zum BVB. Was noch letzte Woche wie ein verspäteter Aprilscherz geklungen hätte, könnte schon bald sinnvolle Realität werden. Der BVB denkt offenbar über eine Verpflichtung nach.

Tatsächlich wäre Manuel Friedrich so etwas wie die Idealbesetzung als Ersatz für Neven Subotic. Jürgen Klopp kennt Friedrich und Friedrich kennt Jürgen Klopp. Mit 247 Bundesligaspielen bringt der Ex-Leverkusener zudem die nötige Routine mit, die man in der Verteidigung braucht – und die insbesondere der verletzungsbedingt zuletzt häufig wechselnden Defensivformation etwas mehr Stabilität verleihen könnte. Vor allem aber ist Friedrich einerseits direkt verfügbar – und nicht erst in der Winterpause – und andererseits qua Alter von Beginn an niemand, der allzu lange Zeit eine Planstelle im Kader besetzen würde.

Fakt ist auch: Perspektivisch mögen die momentan in der zweiten Mannschaft zum Einsatz kommenden Jungtalente Marian Sarr (18) und Koray Günter (19) das nötige Talent mitbringen, um sich auch bei den Profis durchzusetzen. Im Moment allerdings scheint die sportliche Leitung um Jürgen Klopp nicht überzeugt davon, dass beide schon weit genug sind für Bundesliga und Champions League, was insbesondere bei Koray Günters jüngster Verletzungshistorie auch mehr als plausibel scheint. Regelmäßige Beobachter der Amateure wissen ohnehin zu berichten, dass sowohl für Sarr wie auch für Günter zunächst einmal die dritte Liga Herausforderung genug darstellt. Mit regelmäßigen Einsätzen ebendort dürfte der Entwicklung beider Talente also wohl besser gedient sein, als mit einem Bankplatz bei den Profis.

Anders Manuel Friedrich: Der dürfte einigermaßen zufrieden sein, noch einmal auf dem Niveau der Borussia eine Chance zu erhalten und wäre – ausreichendes Training in der Zeit seiner Vertragslosigkeit vorausgesetzt – mit seiner Routine voraussichtlich ohne größere Anpassungsschwierigkeiten mindestens ein Backup in der Innenverteidigung. Vielleicht sogar eine Alternative.

Gleichzeitig sind etwaigen Ambitionen Friedrichs auf mehr eine quasi natürliche Grenze gesetzt: Er würde wohl nur bis zum Saisonende bei uns mitkicken, besetzt aber danach sicher keinen Kaderplatz mehr und nimmt so auch niemandem etwas weg. Der stimmungsmäßigen Kaderhygiene dürfte das sehr zuträglich sein, was letztlich auch ein gewichtiges Argument für diese Lösung und gegen einen jüngeren Spieler darstellt, der auch nach Subotics Rückkehr weiterhin Gehalt und Spielanteile einfordern würde. Und auch eben jenes Salär dürfte sich in Grenzen halten bei einem Spieler, der sich ursprünglich bereits im Vorruhestand befunden hat und selbst einigermaßen dankbar sein dürfte, noch einmal mit der Perspektive Champions League kicken zu können.

Eine Garantie freilich gibt es auch bei Manuel Friedrich nicht. Die Verpflichtung eines vertragslosen „Fußball-Rentners“ bedeutet zwangsläufig ein gewisses Risiko: Macht der Körper das noch mit? Schafft er es noch auf dem Niveau? War die Pause gar vielleicht schon zu lang und dass Essen zu lecker? Zum Teil wird Jürgen Klopp dies bereits im (Probe-)Training feststellen können. Die Länderspielpause spielt dem BVB an dieser Stelle ausnahmsweise mal in die Karten.
Doch selbst wenn das Projekt Manuel Friedrich letztlich floppen würde, stünde man mit ihm nicht wesentlich schlechter da als momentan ohne ihn.

Unterm Strich wäre Manuel Friedrich daher so ziemlich die Lösung für die Personalprobleme in der Innenverteidigung, mit der man am wenigsten falsch, mit etwas Glück aber eine Menge richtig machen könnte.

Ferdinand, 12.11.2013

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