Unsa Senf

Der neue Anstrich der Gelben Wand

15.10.2013, 09:51 Uhr von:  Redaktion

Früher sind, wenn sich die Spieler warmliefen, ein Dutzend verschiedener Namen durch das Stadion gehallt. Ob Koller, Kringe, Metzelder oder Wörns. Die Palette der Spieler, die sich kurz vor dem Anpfiff eine Portion Motivation von der Südtribüne abholen durften, war riesig. Doch die Zeiten haben sich geändert. Die “Süd” ist beim Warmmachen in diesem Punkt still geworden. Auch der "Held von Berlin" wird nicht mehr gefeiert.

Hat er im letzten Spiel drei Tore geschossen? Oder auswärts den Elfmeter versemmelt und muss wieder aufgemuntert werden? Hat ihn die Boulevardpresse unter der Woche fertig gemacht? Die Beweggründe für die “Süd” waren vielfältig und simpel zugleich, wenn sie einem Spieler die Ehre erwies, seinen Namen zu rufen. "Ebi Smolarek, schalala" dürfte vielen genauso im Gedächtnis geblieben sein wie "Rosicky, ohoho". Besonders in der sportlichen und und finanziellen Krise gab es Spieler, die alle zwei Wochen gefeiert wurden. Alex Frei zum Beispiel. Es war ein Ritual. Triumphmarsch von Aida, der Einlauf der Mannschaften, und dann sein Gesang. Diese Zeiten sind vorbei. Wann dieses Ritual aufgegeben wurde, ist schwierig zu sagen. Viele erinnern sich aber wohl kaum noch an das letzte Spiel, vor dem es zelebriert wurde. Vielleicht war es vor zwei oder drei Jahren. Auf jeden Fall ist es lange her. Woran liegt es, dass die Spieler beim Warmmachen nicht mehr gefeiert werden? Ein paar kurze Gedankengänge dazu. Ohne Fakten, nur mit Überlegungen.

Ein Grund könnte sein, dass die Fans mittlerweile keinen Spieler erkennen, der sich von der Mannschaft abgehebt, besser ist als der Rest. Denn: Die ganze Mannschaft spielt auf Weltklasse-Niveau. Spieler wie Alex Frei oder Jan Koller haben ihrerzeit noch den Unterschied ausgemacht, waren oft das Licht am Ende des Tunnels, wenn nichts mehr ging. Sie waren echte Stars einer durchschnittlichen Mannschaft. Heute ist ein Großteil der Mannschaft auf einem Level, in dem es schwierieg ist, herauszustechen.

Ist die Mannschaft nicht schon gestärkt genug? Wirkt sie in den Heimspielen sehr selbstsicher, sodass sie die Motivationsspritze nicht mehr nötig hat? Vielleicht denken das einige Fans. Allerdings hilft hier ein Blick in die Vergangenheit: In den glorreichen 90ern und frühern 2000ern mit einer ebenfalls gefestigten Mannschaft war das Anfeuern präsenter denn je.

Ein weiterer Punkt könnte der Wandel auf der Südtribüne sein, das neue Publikum. So etwas wie ein Generationenwechsel. Der natürliche Lauf der Dinge, unter dem auch Nobby, wenn man so möchte, zu “leiden” hat. Denn auch der Held von Berlin wird seit einigen Heimspielen nicht mehr wie früher begrüßt. Keine Welle mehr vor der Süd, keine “Flipper-Melodie” mehr. Vielleicht hat er als Event-Manager und Werbeträger an Sympathien verloren. Aber das ist wirklich nur eine Mutmaßung. Wahrscheinlich liegt es einfach an dem wohlbepackten Vorprogramm. Und an seiner eigenen, recht neuen und zweifelhaften Begrüßungsform an die Fans a la “Wo ist der Norden?”.

Es gibt also keine klaren Anhaltspunkte dafür, warum die “Süd” die Gesänge weglässt. Die Tatsache an sich ist ja auch nicht tragisch. Es wäre nur schade gewesen, wenn dies unbemerkt passiert wäre. Immerhin ist ja noch “Teddy” geblieben. Er darf sich auch weiterhin über die lautstarke Begrüßung der Südtribüne freuen, nachdem die Torhüter mit ihrerm Trainer zum Warmmachen gekommen sind.

Guerriero, 14.10.2013

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