Unsa Senf

Die Vorfälle vor dem Spiel BVB – BTSV aus Sicht der Polizei

29.08.2013, 19:51 Uhr von:  Redaktion

In der letzten Saison haben wir uns mit der Polizei zusammengesetzt, um die Vorkommnisse rund um das Heimderby zu besprechen. Bei diesem Treffen wurde auch vereinbart, dass wir im Gespräch bleiben. Dass es bereits nach dem ersten Spieltag der neuen Saison wieder Redebedarf geben würde, hatten wir allerdings nicht erwartet. Doch nachdem die Desperados auf dem Weg zum Stadion gestoppt wurden und die Dortmunder Ultras daraufhin das ganze Spiel schwiegen, hatten wir natürlich einige Fragen. An dieser Stelle dokumentieren wir, wie sich die Geschehnisse aus Sicht der Polizei abgespielt haben.

Nachdem einige schriftliche Anfragen von uns äußerst knapp und für uns unbefriedigend beantwortet wurden, waren wir erfreut, dass die Dortmunder Polizei uns das Angebot machte, den ersten Spieltag im persönlichen Gespräch aufzuarbeiten. Zu diesem Zweck machten sich letzten Mittwoch (also noch vor den viel diskutierten Vorfällen in Gelsenkirchen) drei schwatzgelbe Redakteure auf den Weg ins Polizeipräsidium, wo uns neben dem Leiter des Polizeieinsatzes beim Braunschweig-Spiel auch der Leiter der Direktion Gefahrenabwehr Einsatz ausführlich Rede und Antwort stand. Dazu wurden uns auch die Videoaufnahmen von der Kontrolle der Desperados gezeigt.

Wie der Spieltag aus Sicht der betroffenen Fans abgelaufen ist, haben wir bereits ausführlich dargestellt. Aus Gründen der Fairness wollen wir an dieser Stelle die Sichtweise der Polizei wiedergeben, natürlich ohne uns diese zu eigen zu machen. Dass sich zwischen den beiden Darstellungen gewisse Unterschiede ergeben, liegt wohl in der Natur der Sache. Wir maßen uns nicht an, diese aufzulösen und wollen nur jedem Leser ermöglichen, sich ein möglichst umfassendes Bild zu machen. Dazu ist es aber erforderlich, beide Seiten anzuhören.

Anmerkung: Uns sind inzwischen neue Informationen aus verlässlicher Quelle zugetragen worden, die der Version der Polizei massiv widersprechen. Wir bleiben am Ball und werden die Informationen auch schnellstmöglich (wahrscheinlich im Lauf der nächsten Woche) veröffentlichen, wenn wir sie verifizieren und den Beteiligten vorlegen konnten, um Reaktionen einzuholen.

Der erste Spieltag aus Sicht der Polizei

In der letzten Saison wurden im Westfalenstadion Banner präsentiert, die nach Ansicht der Polizei strafrechtlich relevante Inhalte hatten, insbesondere wurden hier das „Hasta la vista Hopp“ und das „Bullenwillkür in Dortmund nimmt überhand – Durchhalten Ultras – ACAB“ Transparent genannt.ACAB“ (wofür die Abkürzung steht, ist wohl inzwischen jedem klar) wird von der Staatsanwaltschaft Dortmund als Beleidigungstatbestand angesehen und dementsprechend auch strafrechtlich verfolgt.

Daraufhin hat die Polizei in Absprache mit dem BVB beschlossen, vermehrt Transparente und ähnliches Material im Vorfeld der Spiele zu kontrollieren. Insbesondere sollen die Ultragruppen kontrolliert werden, die man im Verdacht hat, für die strafrechtlich relevanten Transparente in der Vergangenheit verantwortlich gewesen zu sein. Eigentlich ist aber vorgesehen, zukünftig jedes mitgebrachte Transparent zu kontrollieren.

Die Kontrollen sollen durch den Ordnungsdienst beim Stadioneinlass durchgeführt werden, der dann im Zweifelsfall die Polizei hinzuzieht, wenn beleidigende Transparente auftauchen. Aber auch die Polizei selbst kann entsprechende Kontrollen präventiv durchführen, da der BVB sie mit der Durchsetzung seines Hausrechts beauftragt hat und sie somit auch unter der Schwelle der Strafbarkeit die Einhaltung der Stadionordnung überwacht.

Die Polizei Dortmund stuft gemeinsam mit der ZIS (Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze) die Spiele im Vorfeld in drei Kategorien ein: 1. Normales Spiel, 2. Spiel mit erhöhtem Risiko, 3. Risikospiel. Das Spiel gegen Braunschweig wurde von der Polizei im Vorfeld als Spiel mit erhöhtem Risiko eingestuft. Grund dafür waren die zahlreich erwarteten BTSV Anhänger. Bei der BTSV Aufstiegsfeier gab es Randale mit mehreren verletzten Polizisten und auch beim Pokalspiel des BTSV in Bielefeld sind die Fans aus Braunschweig in einer Kleingartenanlage unangenehm auffällig geworden.

Aufgrund dieser Einstufung und der Erwartung, dass die „Problemfans“ aus Braunschweig möglicherweise „konspirativ“ anreisen würden, erhöhte die Polizei ihre Truppenstärke massiv. Die Braunschweiger reisten dann aber wider Erwarten friedlich, fröhlich und auf regulärem Weg an.

Die Polizei beschloss im Rahmen einer Einsatzbesprechung spontan, die dadurch frei werdenden Kapazitäten zur Kontrolle der Transparente zu verwenden. Bei risikolos eingestuften Spielen fehlt der Polizei das Personal, um flächendeckende Kontrollen durchführen zu können. Daher war die Gelegenheit nun günstig.

Als erste größere Fangruppierung trafen die DES im Stadionumfeld ein. Sie nahmen dabei eine andere Route als sonst üblich, die aber im Vorfeld über die Fanbetreuung mit der Polizei abgestimmt wurde. Im Schwimmbadweg auf Höhe des Gästeeingangs der Roten Erde wurden die DES von der Polizei angesprochen und aufgefordert ihre Transparente vorzuzeigen und auch ihre Taschen und Rucksäcke kontrollieren zu lassen. Die Polizei sah das als den geringstmöglichen Eingriff in die Bürgerrechte der DES an und rechnete dementsprechend damit, dass die Kontrolle problemlos, zügig und ohne Androhung von Zwang durchgeführt werden kann. Dass die Kontrolle außerhalb des Stadions erfolgen sollte, ergab sich eher zufällig.

Die DES lehnten es aber zunächst komplett ab, sich kontrollieren zu lassen. Nach einigen Beratungen machten sie der Polizei den Vorschlag, dass nicht die Polizei sondern Ordner vom BVB die entsprechenden Kontrollen durchführen sollen. Dem stimmte die Polizei zu. Daraufhin entschieden die DES um und wollten nun ohne Kontrolle von Bannern und Taschen zurück zu ihren Räumlichkeiten marschieren. Das machte nun wiederum die Polizei misstrauisch. Sie vermutete nun, dass die DES sicher etwas zu verbergen hätten und lehnte es daher ab, die DES gehen zu lassen. In der Zwischenzeit waren auch mehr Polizisten eingetroffen, die die DES umringten. Laut Polizei hätte jeder, der kein Transparent oder einen Rucksack trug, jederzeit ungestört weiter gehen können.

Nach langem hin und her entschieden die DES, nun doch ihre Transparente vorzuzeigen und ihre Taschen kontrollieren zu lassen. Personalien wurden seitens der Polizei nicht festgestellt und es wurde auch niemand abgetastet oder musste den Inhalt seiner Jacken- oder Hosentaschen vorzeigen. Dementsprechend dauerte die Kontrolle von Transparenten und Rucksäcken insgesamt nur sieben Minuten. Strafrechtlich relevantes Material wurde nicht gefunden. Eine Sturmhaube wurde eingezogen. Nach der Kontrolle gingen die DES problemlos ins Stadion. Trommeln und sonstiges Material durften sie selbstverständlich mitnehmen.

Auf dem Stadionvorplatz zusammengezogene Polizeikräfte hielten sich für das Eintreffen von JuBos und TU, sowie den Gästefans bereit. Sie sollten aber keinesfalls die anderen Dortmunder Ultras einkesseln und durchsuchen. Die Kontrolle des Materials dieser Gruppen plante die Polizei regulär zusammen mit dem Ordnungsdienst am Stadioneinlass durchzuführen. Dem entzogen sich die Gruppen aber, indem sie ins Kreuzviertel zurückwichen und sich dann in Kleingruppen ohne Material in Richtung Stadion begaben.

Im Eingangsbereich des Stadions befinden sich schon seit jeher Polizeikräfte, die den Ordnern im Bedarfsfall unterstützend zur Hand gehen, wenn Straftaten festgestellt werden. Die Anzahl der Polizisten in dem Bereich soll nicht erhöht werden, sie sollen nur zukünftig näher an die Einlasskontrollen der Ordner heranrücken.

Dass im Einlassbereich Südost Polizeifahrzeuge im Weg standen, ist auf einen Fehler ortsfremder Beamter zurückzuführen. Eigentlich sind die Fahrzeuge immer im Stadion geparkt und so wird das auch zukünftig weiter gehandhabt werden.

Redaktion, 29.08.2013

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