Unsa Senf

Von Größenwahn und Unschuld

06.07.2013, 14:09 Uhr von:  Redaktion

Plötzlich geht’s ratzfatz: Mit Pierre-Emerick Aubameyang hat der BVB Neuzugang Nummer zwei inzwischen unter Vertrag genommen, es folgt aller Voraussicht nach Henrikh Mkhitaryan von Schachtar Donezk. Ob sich dadurch aber die seltsame Hysterie in Teilen von Presse und Fanvolk erledigt hat? Wohl kaum, denn für die eine Seite dürften Spieler und Namen viel zu blass wirken für einen Champions-League-Finalisten, während woanders schon der Untergang der Borussen-Philosophie herbeigeredet wird. Ein bizarres Schauspiel und wir fragen uns: Steht der BVB am Scheideweg? Muss jetzt dringend investiert werden oder droht die Borussia ganz im Gegenteil ihre eigenen Ideale zu verraten?

Im ersten Teil unserer Bestandsaufnahme der sommerlichen Kaderplanungen haben wir uns bereits jenen Spielern gewidmet, die den BVB verlassen haben oder voraussichtlich noch werden. Und wir haben beleuchtet, in welchen Mannschaftsteilen die Borussia Bedarf hat. Nun stellen wir die Frage: Verlässt die sportliche Führung mit den Neuzugängen jenen Weg, der den Verein in den letzten Jahren so erfolgreich gemacht hat? Oder beharrt sie im Gegenteil sogar noch zu sehr auf diesem?

Tatsächlich offenbaren sich in den Gesprächen, Diskussionen und journalistischen Analysen derzeit immer wieder zwei seltsam unvereinbare Extrempositionen: Die einen sehen – überspitzt formuliert – den BVB trotz bajuwarischem Triple quasi auf Augenhöhe mit den Münchnern und seit der abgelaufenen Spielzeit endgültig auch auf dem längst verdienten Platz im Hochadel der europäischen Vereinsfußballs. Natürlich stets verbunden mit der Forderung, der BVB müsse allein zum Beweis und Erhalt seinen entsprechenden Status nun auf dem Transfermarkt klotzen und Zeichen setzen. Tenor: Wichtiger als der Spieler selbst ist dessen Kauf.
Und die anderen argwöhnen – ebenfalls überspitzt – Niebaumsche Zeiten zurück, sehen den BVB am absoluten Scheideweg und bewerten jede Transferausgabe jenseits der fünf Millionen als Verrat an den Idealen des „neuen BVB“.

Manch einer verbindet beide Positionen gar in seinen Forderungen. Und auch wenn die Hysteriker zweifelsohne in der Minderheit sind, so finden sie doch fortwährend Erwähnung in den Medien. Aufregung verkauft sich eben besser als Ruhe. Und Akzeptanz ist weit weniger sexy als Unzufriedenheit.

Anspruchsdenken und Gepose

Aber schauen wir uns beide Pole einmal an: Insbesondere das Extrem des „Wir sind wieder wer und das müssen wir auch zeigen“ wurde dankenswerterweise beim Sportportal goal.com besonders anschaulich präsentiert. Die Autorin fordert dort einerseits ein, zukünftig auf einen regelmäßigen Halbfinaleinzug des BVB in der Champions League hoffen zu dürfen. Andererseits müsse die Transferpolitik der Borussia eben auch genau dieser Prämisse folgen:

„In der Champions League muss man auf einen Halbfinaleinzug hoffen. Das gelingt nicht mit dem polnischen Torschützenkönig. Dafür muss auch mal bei den Torschützenkönigen der großen Ligen nachgefragt werden. Dortmund ist wieder wer im internationalen Fußball – danach muss auch eingekauft werden.“

Pedanten mögen an dieser Stelle einwerfen, dass die Borussia jüngst exakt mit eben jenem polnischen Torschützenkönig der Saison 2009/2010 sogar bis ins Endspiel der Champions League eingezogen ist, aber darum soll es an dieser Stelle gar nicht gehen. Sehr viel bedenklicher erscheint doch das in derlei Worten offenbarte Großmannsdenken. Denn die Autorin führt ihre Anspruchshaltung noch weiter aus:

„Einen Isco muss Dortmund nicht verpflichten können, aber die Fühler müssen dahin ausgestreckt werden! Der Champions League-Finalist darf nicht mit einem Edgar Prib (inzwischen Hannover) in Verbindung gebracht werden.“

und

„Dortmund ist wieder wer im internationalen Fußball“

Mit derlei Anspruchsdenken hätte man wahrlich selbst in den übergeschnappten späten 90er Jahren noch locker in der Spitzengruppe gelegen. Es ist aber gleichzeitig auf derart vielen Ebenen verquer, dass eine Widerrede dringend geboten scheint – zumal die Autorin hier gleichzeitig nur stellvertretend steht für alle Borussen, denen der Höhenflug der vergangenen Jahre möglicherweise doch nicht ganz so gut bekommen ist.

Der BVB ist nämlich mitnichten nach nur einer erfolgreichen Saison auf einmal „wieder wer im internationalen Fußball“, genauso wenig wie man ein Jahr zuvor eine Blamage für den deutschen Fußball war. Zwischen diesen absurden Extremen der Schnelllebigkeit bewegen sich die Bewertungen irrigerweise – und basieren letztlich alle nur auf der fatalen Fehleinschätzung, der Status Quo besitze fortan Allgemeingültigkeit.

Was für ein Unsinn! Der BVB hat sich in den vergangenen Jahren und vor allem aufgrund akribischer Arbeit jenen Platz als nationale Nummer Zwei erobert, den in den Vorjahren wechselweise Leverkusen, Gelsenkirchen oder Bremen innehatten. Und die Zeichen stehen gut, dass das auch weiterhin Bestand haben will. Eine Selbstverständlichkeit ist aber nicht einmal das - und wäre es noch viel weniger, wenn Mannschaft, Trainer, Fans und Vereinsführung plötzlich beginnen würden, es als solche zu verstehen. Die Bundesliga ist dann nämlich doch nicht die Primera Division: Zwei, drei allzu lässig angegangene Partien und aus Platz 2 ist urplötzlich Platz 5 geworden – und dann spielt man wieder nur noch die zweite europäische Liga.

Überhaupt Europa: Die Borussia hat nach beinahe zehnjähriger Champions-League-Abstinenz nun exakt zwei Spielzeiten auf höchstem internationalen Niveau hinter sich gebracht. Die eine denkbar schlecht, die zweite überragend gut. Warum aber sollte nun ausgerechnet diese eine Ausnahmesaison in 15 Jahren für Borussia Dortmund den Gradmesser schlechthin darstellen? Warum sollte auf einmal das Halbfinale der Königsklasse das angeborene Recht der Schwarzgelben darstellen, wo doch schon die Königlichen aus Madrid an diesem Anspruch jährlich scheitern? Und mehr noch: Wie viele wirtschaftliche Kennzahlen muss man ausblenden, um zu so einer Einschätzung zu gelangen? Selbst zum deutschen Branchenprimus ist der Abstand trotz Rekorderlösen nach wie vor immens – und dürfte durch den Triplegewinn der Münchner auch nicht eben schrumpfen. Doch selbst die sind, Erfolge hin oder her, international betrachtet ja beinahe ein Leichtgewicht in Sachen Finanzen.

Der BVB konkurriert an dieser Stelle immerhin nicht nur mit den Platzhirschen aus Manchester (United), Mailand, Turin, London (Arsenal), Barcelona und Madrid, sondern eben auch mit der Vielzahl anderer Emporkömmlinge wie Chelsea, wiederum Manchester (City), Paris und Donezk oder anderen zukünftigen Scheich- und Oligarchenclubs.

Denn es muss die Frage erlaubt sein, wie wenige Lehren beim Betrachter eigentlich hängen geblieben sind aus fünf erfolgreichen Jahren unter Jürgen Klopp. Welch‘ eklatante Fehleinschätzung hinsichtlich der sportlichen Philosophie des BVB liegt der Forderung zugrunde, man müsse sich praktisch für jedes aussichtsreiche Talent weltweit zumindest interessieren, weniger um des Spielers als vielmehr um seines Namens Willen? Transfermarkt-Gepose als Weg zum sportlichen Ruhm?

Natürlich könnte auch die Verpflichtung eines Spielers Marke „Edgar Prib“ dem BVB zum Vorteil gereichen, so wie 2010 im Fall von Lukasz Piszczek gesehen, dem wohl die wenigsten Fans und Journalisten jenes Potential zutrauten, dass aus dem Mitläufer beim Hertha-Abstieg einen der besten Rechtsverteidiger Europas formte. Letztendlich verpflichtet man eben Spieler und keine Namen.

Der BVB unter Jürgen Klopp und Michael Zorc zeichnet sich eben bislang aus durch kluge Kaderergänzung. Durch Augenmerk nicht nur auf das Spielerische, sondern auch auf das Charakterliche und das Zusammenpassen von Spieler und Mannschaft. Nicht ganz zufällig dominieren die Schwarzgelben neben den Punkte- auch die Fairplay-Tabellen der Liga, kommen nahezu ohne Schwalben, Zeitspiel oder ernste Fouls aus und kassieren vergleichsweise selten gelbe Karten. Bei Transfers steht das solide Wirtschaften und das planvolle Agieren auf dem Plan. Hau-Ruck-Aktionen sind ausgeblieben. Auf Muskelspiele wurde bis zum Frühjahr gänzlich verzichtet und selbst die seither (leider) häufigeren verbalen Scharmützel mit dem FC Bayern haben nicht ansatzweise die Qualität der 90er Jahre.Bei den Neuzugängen wird jedenfalls darauf geachtet, junge, hungrige und entwicklungsfähige Spieler nach Dortmund zu lotsen, die besser zu machen Jürgen Klopp und seinem Trainerteam bis auf wenige Ausnahmen bisher grandios gelungen ist.

Dieser BVB nun soll auf einmal den Brunftschrei auspacken und einen auf dicke Hose machen, um den wirtschaftlich meilenweit enteilten Platzhirschen das Revier streitig zu machen? Ausgerechnet mit jenen Mitteln, die man selbst am wenigsten besitzt, nur weil es eben die Mittel der anderen sind? Die Mittel, die in diesem Kreise üblich sind und zum vermeintlich guten Ton gehören? Wie wenig muss man eigentlich verstanden haben, um zu so einer Erkenntnis zu gelangen?

Oder um es mit Redaktionskollege "qiub" zu sagen:
"Leider sind bei vielen Fans diese Ankündigungen [der Vereinsführung in Sachen Transfers] auf einen etwas zu fruchtbaren Boden gefallen. Sie wurden von den Leuten, die uns still und heimlich als den zweiten FC Bayern sehen bzw. davon träumen, dass wir die Bayern besser heute als morgen vom Thron stoßen, als das Zeichen für die nahende Verwirklichung ihrer wahnwitzigen Vorstellungen genommen. Diese - in meinen Augen verblendete - Interpretation der Statements wird nun auf die Vereinsführung zurück projiziert und ihr vorgeworfen. Das ist eben einfacher, als sich selber den Spiegel vorzuhalten."

Doch leider argumentiert auch die "Gegenseite" weit weniger logisch. Manch einer würde den Status Quo gerne konservieren, die liebgewonnene Mannschaft der vergangenen Jahre auf Ewigkeit behalten und dabei so wenig Veränderung durchleben wie nur möglich. Insbesondere teure Spieler werden da mit Argwohn betrachtet. Jeder höhere Millionenbetrag ist verdächtig und jeder auf diesem Weg verpflichtete Spieler steht zunächst unter dem generellen Verdacht, den Rückfall Richtung Söldnertruppe zu beschleunigen.

Feinjustierung oder Bruch mit der Vereinsphilosophie?

Und tatsächlich mag einem manchmal schwindelig werden, angesichts der Namen und Summen, die rund um den BVB medial kursieren, sei es aufgrund eines echten oder doch nur angedichteten Interesses der Borussia. Zehn Millionen hier, 15 dort, 25 anderswo. Das ist ungewohnt, manchmal sogar verstörend. Man tut sich als Borusse schwer, dem Tempo zu folgen, das der eigene Verein so vorlegt.

Selbst die BVB-Führung höchstselbst dürfte in den vergangenen Jahren von diesem eigenen Erfolg überrollt worden sein. Bereits Transfers wie den 17 Millionen schweren Marco Reus im vergangenen Sommer hätte Hans-Joachim Watzke wohl noch ein Jahr zuvor für unmöglich gehalten, bis man sich dann anschickte, dem Meisterschaftscoup von 2011 noch den Doublesieg 2012 folgen zu lassen. Und dass man derlei Transferausgaben im Zuge des Reus-Wechsels zur schwatzgelben Ausnahmeerscheinung erklärte, dürfte sich spätestens mit dem Viertelfinaleinzug gegen Donezk erledigt haben – den Champions-League-Millionen sei Dank. Die Borussia ist in den vergangenen Jahren schlichtweg in einem Tempo erfolgreich gewesen und gewachsen, wie es für niemanden auch nur annähernd vorstellbar gewesen ist. Das erfordert notgedrungen eine Feinjustierung und Anpassung der Philosophie an die neu entstandenen Möglichkeiten, aber auch an die veränderten Anforderungen.

Aber bedeutet das zwangsläufig einen Paradigmenwechsel? Ist die süße Zeit der letzten Jahre nun endgültig vorbei und der BVB lediglich noch ein normaler Spitzenclub?

Denn gleichzeitig scheint die Vereinsführung doch vernünftig genug, aus der jüngeren Vereinsvergangenheit zu lernen und Fehler zurückliegender Tage zu vermeiden.

Anders als in den 90er Jahren wird offenbar weiterhin nicht auf fertige, gestandene Spieler gesetzt. Anders als in den 90er Jahren scheint man gewillt, den Kader auch in Sachen Gehaltsniveau homogen zu gestalten und setzt den etablierten Borussen nicht plötzlich Spitzenverdiener aus der Fremde vor die Nase. Und anders als in den 90ern steht die Finanzierung auf solidem Fundament. Die Bettelei bei Gläubigern und Banken ist längst passé, die Konten der Borussia sind gut gefühlt, das Geld ist da - Götze-Wechsel, UEFA-Millionen und Sponsorengeld sei Dank. Ein Spieler wird nicht mehr finanziert mit den Erfolgen, die man durch ihn zu erreichen gedenkt, sondern durch jene, die in der Vergangenheit bereits errungen wurden. Und zieht man die erzielten Transfererlöse von den Ausgaben ab, hat Borussia Dortmund de facto in den vergangenen fünf Jahren unter Jürgen Klopp nicht mehr als rund 800.000 Euro netto investiert. Eine Summe, die sich dank der Bayern-Millionen für Mario Götze auch in diesem Sommer nicht dramatisch nach oben verändern dürfte.

Fakt ist aber: Der FC Bayern war bereit, für Mario Götze mal eben im Vorbeigehen 37 Millionen Euro hinzublättern. Das ist eine Stange Geld, der Marktwert des Spielers dürfte aber trotzdem noch eine Ecke drüber liegen. Diesen Spieler der Kategorie "40 + x" also galt es für den BVB zu ersetzen. Dass dies nicht auf alle Zeiten mit eigenen Jugendspielern oder japanischen Talenten funktioniert, ist leider so. Will man den Status Quo sportlich erhalten, kommt man um zweistellige Millionenbeträge daher kaum herum. So schön es auch wäre, wenn dies gelänge: Alle Mechanismen des Geschäfts sind beim besten Willen dann doch nicht außer Kraft zu setzen.

Natürlich: Man kann trotzdem bedauern, dass die Zeit der „Unschuld“ beim BVB vorbei ist. Tatsächlich ist die Luft für Talente dünner geworden, das zeigen die Namen Leitner, Bittencourt und Co.
Doch um den Status Quo zu halten, braucht es eben einen starken, ausgeglichenen Kaden, in dem auch die Spieler in der zweiten Reihe das Zeug dazu haben, mit dem angestammten Personal um die Startelfplätze zu konkurrieren. Und um die Champions-League zu zementieren, sind Ausrutscher in der Bundesliga tunlichst zu vermeiden. Was gleichzeitig die Möglichkeiten dezimiert, jungen Spielern jene Zeit zu geben, die sie vielleicht noch brauchen. Anders als für einen BVB im Niemandsland, zählt für die Königsklassenplätze jeder Punkt.

Selbstverständnis, Ziele und berechtigte Kritik

Denn die Ansprüche sind zweifelsfrei gestiegen. Vielleicht gar nicht mal unbedingt jene von uns Fans – die aber ganz sicher auch. Und allein die Ansprüche der Medienlandschaft zu befriedigen, dürfte auch nicht der Hauptfokus sein von Watzke, Zorc und Co. Man darf aber wohl getrost davon ausgehen, dass eine Präsenz in der Champions League inzwischen auch zum Selbstverständnis von Mats Hummels, Marcel Schmelzer, Neven Subotic oder Ilkay Gündogan gehört. Wer die liebgewonnenen Jungs langfristig bei der Borussia spielen sehen will, muss ihnen daher bei aller Verbundenheit auch Perspektiven geben. Die Jungs können das höchste Level, also wollen sie dort auch spielen.

Wichtig erscheint daher, dass der BVB - und hier insbesondere die Vereinsführung um Hans-Joachim Watzke – bei allem neu erlangten Reichtum die grundsätzliche Marschrichtung beibehält: den Kader stetig entwickelt, junge, talentierte Spieler integiert. Und insbesondere jene Werte wertschätzt, die Borussia Dortmund in den letzten Jahren ausmachten: Eine besondere Einheit von Spielern, Fans und Verein. Die Existenz einer Mannschaft und ihrer Spielweise, mit der man sich als Fan vollauf identifizieren kann. Und der – das wird eines Tages zweifelsohne auch wieder wichtiger werden - durchaus auch Fehler und Misserfolge verziehen werden. Das alles sollte wichtiger sein als bloße Namen und Zahlen, an denen sich urplötzlich Kritik entzündet, weil die Vereinsführung wahlweise nicht dem eigenen Anspruchsdenken oder dem Wunsch nach heimeliger Veränderungsarmut Genüge tut.

Mit allgemeiner Hysterie und einem aufgeregten Umfeld jedenfalls hat noch kein einziger Fußballverein dauerhaft Erfolg verzeichnen können. Oder um noch einmal Redaktionskollege "qiub" zu Wort kommen zu lassen:
"Wir (bzw. zumindest ich und einige andere) reden gerne darüber, dass Borussia Dortmund mehr ist als ein einfaches Unternehmen. Aus dem Anspruch, als Fans Teil des Ganzen und nicht nur Konsument zu sein, leitet sich für mich aber auch vor allem in Situationen wie gerade eine gewisse Verantwortung ab. Wir sind nämlich nicht nur Zuschauer, sondern durchaus auch Akteure und täten in meinen Augen gut daran, die Ruhe zu bewahren und damit den wirklich Handelnden den Rücken frei zu halten. Wo es hinführen kann, wenn das Umfeld eines Vereins diese Verantwortung nicht wahrnimmt, haben in den letzten Jahren die Blauen ein paar Mal eindrucksvoll gezeigt. Ja, wir müssen unser Vereinsführung kritisch auf die Finger schauen. Unsere Geschichte hat uns hoffentlich gelehrt, dass wir niemals wieder irgendwen einfach so machen lassen und ihm blind vertrauen. Nur ist der Zeitpunkt für all diese Hysterie und Kritik absolut unpassend."

Wichtiger wäre es daher, das Augenmerk auf jene Punkte zu lenken, wo Kritik tatsächlich sinnvoll ist und wo der Verein möglicherweise doch wieder droht, die Bodenhaftung zu verlieren, und Fehler der Vergangenheit zu wiederholen:

Kritik etwa am schwarzgelben Marketing, das die „Marke BVB“ und den Claim der echten Liebe etwas zu offensiv positioniert und die Rolle des sympathischen Underdogs derart penetrant betont, dass irgendwann niemand mehr den Underdog, geschweige denn die Sympathie zu sehen bereit sein könnte. Oder an der Außendarstellung, die über Jahre wohltuend nüchtern und sachlich gewesen ist, die in der jüngeren Vergangenheit aber in Person von Hans-Joachim Watzke und Dr. Reinhard Rauball („Die Liga wird sich wundern…“) deutlich zu großspurig daherkommt. Oder eben an der Jugendarbeit, die in den vergangenen Jahren nur die zugegebenermaßen riesigen Talente Sahin und Götze in den Profikader gespült hat, die aber bereits bei Kevin Großkreutz einen vergleichsweise günstigen und bei Marco Reus einen umso teureren Umweg nötig machte. In der obendrein seit Jahren kein Stürmer zur Erstligatauglichkeit ausgebildet wird und die unangenehmerweise darauf achten muss, vom blauweißen Nachbarn nicht abgehängt zu werden, wo sich in jüngerer Vergangenheit nicht nur die Jugendmannschaften erfolgreicher präsentieren, sondern auch mehr Spieler von dort den Weg in den Profikader gefunden haben.

Hier gilt es, wachsam zu bleiben. Nur bitte ohne Hysterie.

Arne, 06.07.2013

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