Spielbericht Profis

Fohlen-Filet bezahlt und einen alten Gaul serviert bekommen

24.02.2013, 23:55 Uhr von:  Redaktion

Bedröppelte Gesichter nach der PunkteteilungAuf einem braunen Acker servieren beide Mannschaften bei einem 1:1 Unentschieden eher schlechtere Hausmannskost, als etwas, was einen Stehplatzpreis von 21,45€ in geringster Weise rechtfertigen würde. Das Unentschieden ist weder Fisch noch Fleisch und symptomatisch für diese Saison. Zumindest konnte Tabellenplatz zwei vor Leverkusen an diesem Spieltag verteidigt werden.

Warmlaufen

Dabei begann alles sehr verheißungsvoll. Der Gästeblock war bei klirrender Kälte schon weit vor Spielbeginn gut gefüllt und machte akustisch auf sich aufmerksam. Auch wenn in den letzten Jahren schon mehr schwatzgelbe Anhänger den Weg in den Borussia-Park gefunden haben, waren im ganzen Stadion überall schwarz-gelbe Punkte zu erkennen. Die Gladbach-Kurve wirkte nach einem tollen Fanauftritt in Rom müde und verkatert. Erwachen sollte der Borussia-Park erst nach dem Ausgleichstreffer, um anschließend schnell wieder Ruhe zu geben. Optisch frischten lediglich ein paar geklaute schwatzgelbe BVB Schals und Mützen, die vor der Kurve an den Zaun gehängt waren, den kargen und tristen Gladbacher-Fan-Block ein wenig auf. Stimmungstechnisch hatte Schwatzgelb die Oberhand, was sicherlich auch sehr an der sportlich unterschiedlichen Ausgangssituation lag.

Fußball muss bezahlbar seinBei Borussia fehlte, neben den gesperrten Stürmern Schieber und Lewandowski, lediglich Kuba. Klopp lies Götze als Stürmer spielen, um das Spielsystem (4-2-3-1)nicht ändern zu müssen. Ansonsten las sich die Mannschaftsaufstellung recht ordentlich. Bei der Fohlenelf meldete sich neben Hermann auch noch Arango verletzungsbedingt ab, wodurch die Offensive der Gladbacher überschaubarer wurde. Dafür spielte Amin Younis, ein 19jähriges Eigengewächs, hinter Mike Hanke im Sturm. Jenem Younis sollte in der 67. Minute der Ausgleichstreffer gelingen.

Spielverlauf

Borussia (die wahre) erspielte sich relativ schnell optische Vorteile und hatte wesentlich mehr vom Spiel. Die unsicher wirkenden Gladbacher, die gerade in der ersten Halbzeit ihre Selbstfindungsphase hatten, schienen zunächst darauf aus zu sein, keine größeren Fehler zu machen. Bis auf einen Patzer von Daems, den Großkreutz nach toller Vorarbeit von Gündogan und Piszczek allerdings nicht nutzen konnte, gelang es den Fohlen recht gut, die Offensive der Dortmunder unter Kontrolle zu halten. Der BVB spielte häufig quer und hinten herum, anstatt den Pass in die Tiefe zu wagen. Doch in der 30. Minute sollte es ein solcher Steilpass von Reus sein, der es Götze ermöglichte, frei vor Ter Stegen aufzutauchen und von diesem Torjubel um Mario Götze (l.)gefoult zu werden. Ein klarer Elfmeter, den der Gefaulte selbst sicher verwandeln kann. Das 1:0 für Dortmund war zu diesem Zeitpunkt nicht unverdient und mit einem guten Gefühl, trotz einer schwachen ersten Halbzeit, ging man in die Pause. Neben dem Elfmeter Tor und etlichen Foulspielen an Götze gab es nichts Nennenswertes vom Rasen zu berichten. Im Gästeblock hingegen wurde kräftig gegen überhöhte Eintrittspreise demonstriert.

„Fußball muss bezahlbar sein- für ALLE!“

Ab der 21:45 Minute wurden regelmäßig Banner für einen bezahlbaren Fußball präsentiert und die Parole skandiert, Fußball muss für alle bezahlbar sein. Passend dazu wurden „Schoko-Goldtaler“ und Papiergeld aus dem Block geworfen. Der Stehplatz kostete die Dortmund-Fans 21,45€ incl. Vorverkaufsgebühr. Ein Preis, den viele Fußball-Fans nicht mehr zahlen wollen oder können. Dafür gab es in der Halbzeit äußerst kreative Spielchen und Aktionen, zum Beispiel musste ein Fohlen namens Günther im Tor stehen und Torwart spielen oder ein Sponsor spendierte 30 Sekunden Ruhe. Vermutlich sind es genau diese Attraktionen, die eine Kartenpreispolitik, wie sie in Gladbach betrieben wird, rechtfertigen. Immerhin wurde das aktuelle Trikot der Gladbacher für 49,90€ als eine Sensation angepriesen. Am Rande dieser Highlights machte sich Felipe Santana warm und sollte für Mats Hummels eingewechselt werden. Hummels musste verletzungsbedingt in der Kabine bleiben. Er hatte einen Schlag auf den Oberschenkel bekommen und erlitt einen Pferdekuss.

"Der Sonntag gehört dem Amateursport"

Ausgerechnet der Kleinste wird zum GrößtenEigentlich könnte man sich die ersten 40 Minuten der 2. Halbzeit schenken, wenn nicht in der 67. Minute Amin Younes der Ausgleich geglückt wäre. Der Ausgleich ist aus Dortmunder Sicht äußerst unglücklich. Dortmund spielte zunächst auf Abseits, musste dann aber lernen, dass es auch das passive Abseits gibt, um dann wiederum die Erfahrung zu machen, dass Subotics Hinterteil als Vorlagengeber fungieren kann, womit hingegen Santana nicht rechnen konnte und bei dem Gegentor unglücklich aussah, da er zu weit weg vom Torschützen Younis stand, um ihn an seinem Schuss zu hindern, diesen dafür aber unhaltbar für Weidenfäller abfälschte. Ansonsten tat sich nicht viel in der zweiten Halbzeit, zumindest nichts, was in einem Bundesligaspielbericht erwähnenswert wäre oder gar eines Top-Zuschlages gerecht werden würde. Liebhaber des echten Fußballs in der Kreisliga B hätten für folgende Geschehnisse vollstes Mittgefühl. Der frisch eingewechselte Stürmer Mlapa durfte selenruhig auf das Dortmunder-Tor zu spazieren, den Torhüter umlaufen und dann das leere Tor nicht treffen. Zugegebener Weise machte es Weidenfeller äußerst geschickt, in dem er den Stürmer erstens nicht foulte und zweitens ihn eine Umweg um ihn herum laufen ließ und ihn somit den direkten Weg zum Tor versperrte. Aber nach dieser vergebenen 109%igen Torchance zeigen echte Fußballer in der Kreisliga halt Mitgefühl und Solidarität im Vernichten von Großchancen. Als Vorbild vorne weg unser Kapitän Sebastian Kehl, dem es gelang aus 4m Entfernung, 30 Sekunden vor dem Ende, den Ball über das Tor zu schießen. Dummerweise haben alle Dortmund-Fans das Kunststück gesehen, denn wer 21,45€ für einen Steher zahlt, der bleibt auch bis zum Ende. Über die Sitzplatzpreise (auch für Gladbachanhänger) ganz zu schweigen.

Sebastian Kehl hatte in der Nachspielzeit die beste Möglichkeit des Spiels

Die Fotostrecke zur Punktetteilung im Borussia Park findet Ihr wie gewohnt auf unserer BVB-Fotoseite unter diesem Link.

So haben Sie gespielt


Bor. M´gladbach: ter Stegen - Jantschke, Stranzl, Dominguez, Daems - Rupp, Nordtveit, Marx, Wendt - Younes - Hanke

Borussia Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer - Gündogan, Kehl - Großkreutz, Leitner, Reus - Götze

Einwechselungen: 63. de Jong für Hanke, 80. Mlapa für Younes, 90.+2 Brouwers für Rupp - 46. Santana für Hummels, 71. Bajner für Leitner, 82. Sahin für Piszczek

Tore: 0:1 Götze (31), 1:1 Younes (67)

Schiedsrichter: Perl

Gelbe Karten: Marx, ter Stegen, Jantschke - Santana

Zuschauer: 54.057 (ausverkauft)

Piszczek: Unauffällig und wenig Elan in der Offensive. In der Defensive, bis auf die Flanke von Hanke zum 1:1, stark wurde aber auch kaum gefordert (3) Subotic: Kaum gefordert in der Defensive, fälscht den Pass zum 1:1 unglücklich ab (3)Spielerbewertungen

Weidenfeller: Konnte sich kaum auszeichnen, verhielt sich geschickt in der 90. Minute, als Mlapa alleine vor ihm auftaucht (2)

Piszczek: Unauffällig und wenig Elan in der Offensive. In der Defensive, bis auf die Flanke von Hanke zum 1:1, stark wurde aber auch kaum gefordert (3)

Subotic: Kaum gefordert in der Defensive, fälscht den Pass zum 1:1 unglücklich ab (3)

Hummels: Für Mats Hummels Verhältnisse kein gutes Spiel. Kaum aktiv in der Offensive, keine Pässe in die Spitze, lies dafür aber in der Defensive nichts anbrennen (2,5)

Schmelzer: Heute mehr der Malocher in der Defensive und konnte erst gegen Ende des Spiels Akzente in der Offensive setzen (3)

Gündogan: Läuferisch stark, immer anspielbreit und bereitet fast das 1:0 durch einen tollen Pass vor (2)

Kehl: Aufmerksam in der Defensive und stets bemüht um Ordnung und kontrolliertes Aufbauspiel und zeigt eindrucksvoll, weshalb er kein Stürmer ist (3)Kehl: Aufmerksam in der Defensive und stets bemüht um Ordnung und kontrolliertes Aufbauspiel und zeigt eindrucksvoll, weshalb er kein Stürmer ist (3)

Großkreutz: Vergibt eine Großchance zu Beginn des Spiels. Danach ein wenig abgetaucht, aber dennoch sehr fleißig und Zweikampfstark (2,5)

Leitner: Quirlig, technisch stark, aber wenig Kreativität (3)

Reus : Heute keine Reus-Gala auch wenn er den Pass auf Götze spielt der zum Elfmeter führt, dafür aber in der Defensive sehr aufmerksam (3)

Götze: Elfmeter herausgeholt und verwandelt, viel gelaufen und sich als Sturmspitze behauptet und war oft nur durch Foulspiel zu stoppen (1,5)

Santana: Agierte unglücklich und wirkte unsicher. Seine Zweikampf und Kopfballbilanz war sicher auch einmal positiver (4)

Stimmen zum Spiel:

Klopp wirkte nach dem Spiel angefressenJürgen Klopp: "Wir haben über 60 Minuten ein richtig gutes Auswärtsspiel gemacht, trotz unserer personellen Besonderheiten. Die hat sich in der Halbzeitpause verschärft, als Mats Hummels nicht mehr weitermachen konnte. Die Gladbacher sind unangenehm zu verteidigen. Wir haben das zunächst ordentlich gemacht, wurden mit unseren eigenen Aktionen im Laufe des Spiels immer weniger klar. Gladbach ist dann aufgekommen. Es gibt schlimmere Dinge, als hier unentschieden zu spielen. Aber glücklich sind wir auch nicht."

Klopp zum Pokalspiel in München: "Das wird ein völlig anderes Spiel. Wir hatten heute relativ viel Ballbesitz, vor allem in der ersten Halbzeit. Das wird am Mittwoch nicht unser Problem werden. Wir müssen in München ordentlich verteidigen und die Möglichkeiten, die wir bekommen werden, auch nutzen."

Christoph, 24.02.2013

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