Spielbericht Profis

Von Erfolgen, Tränen, Triumphen, Niederlagen und Titeln

22.12.2013, 12:32 Uhr von:  Redaktion

Klopp war unzufrieden mit dem Spiel„Etwas, das sehr gut angefangen hat, fühlt sich sehr bescheiden an.“, sagte Jürgen Klopp nach dem Spiel und man wusste nicht so recht, ob er nun das Spiel, die Hinrunde oder das Jahr 2013 meinte. Es traf auf alles zu. Ich möchte gar nicht allzu viele Worte über das Spiel verlieren, die meisten werden es gesehen haben. Den frühen Fehler vom jungen Hertha-Torhüter der zum 1:0 durch Reus führte, die Fehler von Großkreuz, Durm und Sarr die letztendlich zu drei Chancen und zwei Toren von Hertha führten. Die verzweifelten und erfolglosen Versuche unsererseits in der zweiten Halbzeit mit gefühlten 95% Ballbesitz sowas wie Gefahr vor dem Tor des Gegners zu kreieren. Da halfen auch die Sonnenkinder mit ihrer Playbackshow nicht, da half auch die wunderschöne Choreo zum 103+1. Geburtstag des Vereins nichts, da half auch die anfangs richtig gute Stimmung nichts.

Wir können jetzt natürlich rumheulen über die Verletzten, wir können die Einstellung der Spieler kritisieren, wir können uns Fans selbst ankreiden, dass wir genau wie die Mannschaft sehr schnell nachgelassen haben und das ist alles irgendwie richtig und berechtigt. Und es frustriert. Und Frust sollte man rausschreien. Und weil keiner das so schön kann wie mein Kollege Sascha, hier sein wunderbares Gedicht zum Spiel:

Franz Jacobi Choreo von THE UNITY und DES'99Wenns Sonnenkind zum Playback singt
und Kevin jeder Ball verspringt.
Wenn Kloppo ziemlich ratlos guckt
und Reus vor jedem Zweikampf zuckt.
Wenn Lewandowski sich nen Knoten dribbelt
und Nuri zu dem Gegner schnibbelt.
Wenn Kuba eher schläft als wacht
und die Süd schon feiert stille Nacht.
Wenn verzweifelt kommt der Julian Schieber,
ring ich meinen Kotzreiz nieder
und brüll so laut ich brüllen kann:
Tod und Hass dem Weihnachtsmann.

Danach sollten wir vielleicht aber auch einfach kurz zurückdenken was für ein wunderbares Jahr es gewesen ist mit welchen unglaublichen Fahrten, Spielen und Momenten wir dieses Jahr von unserem geliebten Ballspielverein beschenkt wurden und dann sollten wir nach vorne schauen auf das neue Jahr, indem wir alle mit neuen Kräften in drei Wettbewerben noch (fast) alle Chancen haben. Der zweite Platz, das Pokalfinale, eine gute Championsleague Saison ist alles noch in Reichweite, mit Gündogan, Bender, Hummels, Schmelzer und Piszczek auf dem Sprung zurück in die Mannschaft.
Sokratis, Schieber und Reus ratlos nach SchlusspfiffZu aller erst sollten wir uns aber alle von einem sehr schönen, anstrengenden Jahr erholen. Ich wünsche euch allen schöne Festtage, einen guten Rutsch und ein erfolgreiches 2014!

Statistik

Borussia Dortmund: Weidenfeller – Großkreutz, Sokratis, Sarr, Durm – Sahin, Kehl – Blaszczykowski, Mkhitaryan, Reus - Lewandowski
Hertha BSC: Kraft - Ndjeng, Lustenberger, Kobiashvili, Pekarik - Hosogai - Allagui, Skjelbred, Cigerci, Schulz – Ramos
Einwechselungen: 46. Piszczek für Sarr, 56. Hofmann für Blaszczykowski, 77. Schieber für Kehl - 69. Niemeyer für Skjelbred, 78. Wagner für Ramos, 90. Janker für Cigerci
Tore: 1:0 Reus (7., Kehl), 1:1 Ramos (23., Allagui), 1:2 Allagui (45.),
Eckstöße: 5:0 (Halbzeit 2:0), Chancenverhältnis: 4:3 (3:3)
Schiedsrichter: Gagelmann (Bremen) - hatte schon mal besser gepfiffen, zumindest eine richtige Freistoßentscheidung hätte eigentlich drin sein müssen, machte aber keinen Unterschied. Note 4
Gelbe Karten: Sarr, Sahin - Cigerci, Kobiashvili, Hosogai
Zuschauer: 80.645 (ausverkauft)

Noten

Auf das Konto von Erik Durm ging ein TorWeidenfeller: Eine riesige Parade als er im 1:1 super reagierte, danach beschäftigungslos bis zum Eckball in der 95. Minute als er mit nach vorne ging, konnte sich daher weder auszeichnen noch Fehler machen. Note 2.5
Großkreuz: Sein Fehler in der Anfangsphase hätte ohne Weidenfellers Riesenparade schon früh zum 1:1 geführt, in der Innenverteidigung in der zweiten Halbzeit aber sehr gut. Note 2.5
Sarr: Er hat heute Lehrgeld bezahlt, was ihn in seiner Entwicklung allerdings nicht bremsen sollte. Note 5
Sokratis: Unauffällig ist für einen Verteidiger keine schlechte Bewertung. Konnte aber im Gegensatz zu Großkreuz keinerlei Akzente setzen. Note 3
Durm: Sein Fehler fühlte zum 1:1, offensiv fand er nicht statt, wirkte aber etwas stabiler als auch schon. Note 4
Kehl: Ihm fehlt die Schnelligkeit, trotz guter kämpferischer Leistung dadurch an vielen Ballverlusten beteiligt und viel zu oft überlaufen. Note 4.5
Sahin: Genau wie Kehl, zumindest aber technisch besser. Weit entfernt von seiner Bestform. Note 4
Reus: Gut gemachtes Tor, ansonsten unauffällig. Er braucht dringend eine Pause. Note 3
Stets hart attackiert: Robert LewandwoskiMkhitaryan: Ist noch nicht drin im Spiel, ein vollständiges Trainingslager würde ihm gut tun. Heute wie die meisten Offensiven unauffällig, aber zumindest relativ fehlerlos. Note 3
Kuba: Kämpft mit Rückenschmerzen, eventuell eine Erklärung für seine vielen Ballverluste und Fehlpässe. Note 4
Lewandowski: Nach dem Schlag auf die Nase wirkte er irgendwie beleidigt und nahm nicht mehr am Spiel teil. Note 4
Piszczek: Gut, dass er zurück ist, brachte defensive Stabilität und offensiv zumindest ein bisschen Schwung. Note 3
Hofman: War zwar bemüht, mehr aber auch nicht. Note 3.5
Schieber: Zu kurz für eine Benotung, konnte dem Spiel aber auch nicht helfen.

Stimmen

Jos Luhukay gibt den Weg vorJos Luhukay: „Ich bin natürlich unglaublich stolz. Nicht nur auf heute, sondern auf das, was wir die gesamte Hinserie als Aufsteiger geleistet haben. Das war heute die Krönung für eine Topleistung. Das war in der ersten Halbzeit beeindruckend, wie wir uns nach dem frühen Rückstand mental aufrechterhalten und zurückkommen im Spiel. Beide Tore forcieren wir unglaublich gut im Gegenpressing mit Balleroberungen und mit der Extraqualität, die wir im Spiel nach vorne haben. Wir haben immer mehr Vertrauen bekommen und den Glauben gestärkt durch den Ausgleich und durch das Führungstor. In der zweiten Halbzeit haben wir im Spiel nach vorne nicht mehr die klare Linie gefunden. Und da sieht man dann auch, dass diese Mannschaft – was ich auch letzte Woche gegen Bremen gesagt habe – auf der Basis von Mentalität oder Charakter im Spiel bleiben kann. Ich glaube, dass es immer noch schwieriger ist, zu verteidigen als anzugreifen. Wir haben in der zweiten Halbzeit keine hundertprozentigen Chancen für Dortmund mehr zugelassen und deswegen denke ich, dass der Sieg für uns auch in Ordnung ist. Das ist eigentlich der Wahnsinn: Fußball schreibt manchmal seine Geschichten. Wir haben in der Hinserie auch unglaubliche Rückschläge gehabt, auch mit Verletzten und dazu kam gestern noch die Hiobsbotschaft, dass auch Thomas Kraft ausfällt.“
…zu seinem Torwart-Debütanten: „So ein 18-jähriger Junge, der normalerweise in der Fankurve steht und uns anfeuert, hat wahrscheinlich noch gar nicht realisiert, was er heute geleistet hat. Nach dem Spiel ist der Junge noch über den Zaun geklettert und wir dachten, der kommt nicht mehr zurück, aber er ist zurückgekommen. Das sind Geschichten, die der Fußball schreibt und das freut mich natürlich riesig.

Klopp wirkte auf der Pressekonferenz nachdenklichJürgen Klopp: „Wichtig ist, dass man im Leben auch immer demütig und dankbar bleibt. Ich habe hier oben schon oft gesessen und so Geschichten wie Jos gerade erzählt hat auch erzählen dürfen. Über großartige Burschen, die wir nach wie vor haben, die großartige Geschichten geschrieben haben in einem Fußballspiel. Heute muss ich leider eine andere erzählen. Aber vorneweg: Jos, herzlichen Glückwunsch zu dem Sieg heute und auch wirklich zu der ganzen Vorrunde. Das ist wirklich außergewöhnlich stark, was ihr da macht. Aber alles, was Jos darüber hinaus gesagt hat, stimmt auch und dann auch wieder nicht. Du hast gesagt, dass ihr nach dem 1:0 über die Mentalität zurück ins Spiel gekommen seid. Das ist vollkommen berechtigt die Sicht von der Hertha, ich sehe das anders. Wir haben sie vollkommen unnötig ins Spiel zurückkommen lassen. Wir haben nicht zugepackt, wir haben nicht die große Möglichkeit genutzt, die da gewesen wäre, um diese Anfangsphase zu nutzen und haben ein bisschen den Fuß vom Gas genommen. Klar man kann das so sehen, dass Hertha hoch verteidigt hat. Aber der Diagonalpass vor dem 1:1 ist so lang unterwegs, da hätte ich auch von der Bank aufstehen können, um Erik Durm unter Druck zu setzen. Da war dann Sami (Allagui) da und hat das toll gemacht. Das war die eine unglückliche Entscheidung, dass wir den Ball da rüber gespielt haben. Die zweite unglückliche Situation kann man auch als Pressingsituation sehen. Aber wenn Marian da den Ball einfach wegspielt, dann läuft Sami einfach umsonst raus, wie es viele Offensivspieler nun mal tun müssen. So fällt halt das zweite Tor und unsere Reaktion darauf war nicht gut. Klar hat dann Hertha richtig Mut gefasst und ist natürlich auch eine toll aufgestellte und eingestellte Mannschaft. Aber die haben auch gemerkt: Hier geht was, die wackeln. In der zweiten Halbzeit kann ich mich dann auch nicht mehr an große Chancen von uns erinnern. Wir hatten nur Ballbesitz ohne Ende und haben uns es selber eingebrockt, dass es dann hektisch wurde. In dieser Hektik haben wir auch schonmal klarere Aktionen erarbeitet als das heute der Fall war. Aber heute eben nicht und dadurch war es dann gar nicht so problematisch wie es hätte sein können für die Hertha, zu verteidigen. Den Schuh müssen wir uns anziehen, das war unser eigenes Fehlverhalten. Etwas, das sehr gut angefangen hat, fühlt sich sehr bescheiden an.“
…zur Winterpause: „Es sollte nächstes Jahr besser losgehen, als es aufgehört hat. Klar, bin ich da ein bisschen froh drum, dass jetzt Pause ist. Es gibt viele Dinge, die ich wirklich auf das Habenkonto der Mannschaft buchen kann, was sie alles geleistet hat. Aber wir haben einen extrem hohen Anspruch an uns selber. Und ich weiß nicht, ob ich der einzige bin, der das Gefühl hat, dass wir keins der Spiele, die wir verloren haben, hätten verlieren müssen – heute inklusive. Am Ende ist das vielleicht nicht unverdient, das stimmt auch, aber es gab immer Phasen, in denen wir die Möglichkeit gehabt hätten, das ein bisschen anders aussehen zu lassen und den Schuh müssen wir uns anziehen. Nichtsdestotrotz ist doch klar, dass dieses komplette Jahr, besonders das letzte Drittel sehr intensiv war und keiner von uns jetzt unten in der Kabine sitzt, der jetzt noch gerne drei bis vier Spiele über Weihnachten machen würde. Wir können das sehr gut gebrauchen. Wir haben uns eingebrockt, dass wir auch noch über viel nachdenken müssen. Die Jungs sollten das erst einmal nicht tun, das reicht, wenn ich das mache. Und am 5. Januar geht es dann wieder von vorne los. Im Moment fühlt sich das alles sehr, sehr bescheiden an. Das Problem wäre nur wirkliches Problem, wenn wir nicht richtig damit umgehen würden. Wenn das beschissene Ende des Jahres 2013 dazu führt, dass 2014 das großartigste in der Geschichte von Borussia Dortmund wird, dann würde es mir noch leichter fallen, Hertha zum Sieg zu gratulieren. Aber den Beweis werden wir antreten müssen.“
…was er in der Pause zu Sarr sagte: Seien sie mir nicht böse, aber nichts davon möchte ich morgen in der Bild-Zeitung lesen. Sie können sich vorstellen, dass ich ihn nicht zusammengestaucht habe, das ist doch keine Frage. Der Junge hat so viele gute Sachen in der ersten Hälfte gemacht, das ist verrückt. Aber Bundesliga-Fußball ist leider so, dass eine falsche Entscheidung schon auch mal brutal bestraft wird. Er hat die falsche Entscheidung getroffen in dem Moment und den Ball nicht weggeschlagen. Er war vielleicht ein bisschen auf der sicheren Seite, hat davor viel Raum gehabt und ist damit sehr gut umgegangen, hatte ein tolles Passspiel, war für unseren Aufbau total wichtig. Und dann vergisst er den Ball wegzuschlagen. Als Innenverteidiger sollte man nicht dribbeln und da ins eins gegen eins zu gehen und ist allgemein nicht wahnsinnig geschickt. Den Umgang damit kann ich ihm nicht abnehmen, aber ich hab ihm schon gesagt, dass das heute eigentlich unser kleinstes Problem war.

Sebastian Kehl: „Die individuellen Fehler vor den Toren dürfen nicht als Ausrede gelten, auch wenn es unangenehm ist, wenn man dann dadurch mit 2:1 in Rückstand gerät. So haben wir den Gegner selbst aufgebaut. In der zweiten Halbzeit haben die Berliner sich dann aufs Verteidigen beschränkt und sind damit heute auch durchgekommen. Wir mussten irgendeine Lösung finden, was aber unheimlich schwierig war. Im Endeffekt haben wir keine Lösung gefunden und müssen uns an die eigene Nase fassen. Wir haben ein stückweit zu statisch gespielt und im Zusammenspiel hat es heute auch nicht so geklappt, wie wir uns das vorgestellt hatten. Jetzt bleibt der letzte Eindruck und das schmerzt natürlich. Wir haben in der Bundesliga einfach zu wenig erreicht in dieser Hinrunde, sowohl was unseren Anspruch angeht als auch unsere Qualität – und das trotz unserer Personalsituation.“
…zu der Frage, ob die vielen Verletzungen Schuld an der Krise in den letzten Spielen sind: „Nach dieser Niederlage sollte man nicht die Personaldiskussion führen. Dafür hapert es bei uns im Moment einfach an zu vielen anderen Dingen.“
…zu den vielen Niederlagen gegen die Top-Teams: „Man hat doch gerade in den letzten Jahren gesehen, dass die Spiele gegen die Topmannschaften eher nicht entscheidend waren. Deswegen kann ich mit der Statistik nicht so viel anfangen.“
…zu den vielen mutigen Gegnern: „Alle Mannschaften geben hier 120 Prozent und sind topmotiviert, wie es früher sonst nur bei den Bayern war. Das macht es unheimlich schwierig.“
…zum Fehler von Marian Sarr: „Natürlich tröstet man ihn und sagt ihm, er soll den Kopf hochhalten. Das ist aber doch ganz normal. Der Junge erlebt eben im Schnellverfahren, wie das Geschäft so ist. In den letzten Spielen lief es noch gut für ihn und jetzt eben mal schlechter.“

Nadja, 22.12.2013

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