Spielbericht Profis

Die Woche der 1899s: Mit Hängen und Würgen

13.12.2013, 09:53 Uhr von:  Redaktion

Blick auf die StadtWeil die Losfee es so wollte, führte uns der sechste Spieltag in der Champions League in diesem Jahr in die Provence – genauer gesagt zu Olympique Marseille, dem abgeschlagenen Tabellenletzten in der so gerne als Todesgruppe bezeichneten Gruppe F. Für Marseille ging es in diesem Spiel um nichts, für uns hingegen um alles: Vom Gruppensieg bis hin zum Ausscheiden aus der Champions League war eine Menge Spannungspotenzial geboten, nicht zuletzt da der bis dato führende Arsenal FC im SSC Neapel einen starken Gegner und Borussia damit einen echten Konkurrenten im Kampf um den Einzug ins Achtelfinale hatte.

Die Voraussetzungen waren dabei nicht die allerbesten. Fast alle Stammspieler fielen verletzungsbedingt aus, hatten irgendwelche Blessuren oder mussten schon so oft in dieser Saison ihre Knochen hinhalten, dass ihnen eine Ruhepause mindestens gut getan hätte. Weihnachtliche Stimmung am Port VieuxWieder einmal musste Jürgen Klopp also eine Mannschaft aufbieten, die so noch nie zusammengespielt hatte – trotz der großen Bedeutung des Spiels waren also Experimente gefragt. Auch die Fans hatten bisweilen kreativ sein müssen, gestaltete sich die Anreise per Flugzeug doch nicht durchgehend einfach oder gar kostengünstig. Weil das noch nicht ausreichte, drohte der willkommenen Alternative TGV ein dreitägiger Streik des Bahnpersonals. Machste nix! Am Ende war aber alles nur halb so wild und die anwesenden Borussen erlebten eine Auswärtsfahrt vom allerfeinsten. Schade natürlich, dass nicht mehr als nur knapp 2500 Fans den Weg nach Marseille gefunden hatten – dutzende Karten waren frei verfügbar und fanden vor dem Stadion keinen Abnehmer mehr.

In der Stadt und rund um den Hafen Vieux Port, an dem sich die meisten Fans auf diverse Kneipen verteilt hatten, herrschte bei angenehm milden Temperaturen bis um die 15° beste Stimmung. Der Empfang durch die Franzosen fiel durchwegs freundlich aus, einzig die Preisgestaltung bei Fangetränken und sonstigen Lebensmitteln gab Anlass zum einen oder anderen Verbesserungsvorschlag. Der Umbau des Stade Velodrome ist vorangeschrittenDer Umbau des Stade Velodrome, früher bekannt als eine der Hochstätten des Fußballs, war seit dem letzten Dortmunder Besuch im Hebst 2011 ein ganzes Stück vorangeschritten. Eine mächtige Dachkonstruktion ist seither über der Haupttribüne installiert worden, die Gegentribüne war noch längst nicht fertig gestellt und fiel vor allem durch ihre extreme Höhe auf. Der Gästeblock lag in diesem Jahr direkt neben der Virage Nord, in einem lang gezogenen Schlauch über die gesamte Höhe der Tribüne. Überall im Stadion waren Plätze frei geblieben, die Heimkurven taten sich gesanglich nicht mehr als unbedingt nötig hervor – warum auch, wenn es für die eigene Mannschaft nichts mehr zu holen gab?

Also kommen wir zum Sportlichen. Marseille hatte erst am Wochenende den Trainer entlassen und den Sportdirektor zum Interimstrainer ernannt. Marian Sarr durfte seinen ersten Profieinsatz überhaupt feiern und neben Sokratis die Innenverteidigung übernehmen, Nuri Sahin konnte trotz seines angerissenen Außenbands und dank eines Haufens Bandagen sowie zahlreicher Extraschichten der medizinischen Abteilung spielen. Ansonsten fanden wir in der Startaufstellung alles vor, was noch irgendwie auf zwei Beinen stehen und bis zur Winterpause auf die Zähne beißen konnte.

TorjubelDas Spiel begann sogleich mit einem Paukenschlag. Die erste richtige Aktion – Erik Durm mit butterweichem Heber über die Abwehr, Lewandowski kam vor Torhüter Steve Mandanda an den Ball und schob ihn locker in die Maschen – brachte den Gästeblock zum Ausrasten! Das wichtige Tor nährte die Hoffnung, dass ein von Anfang an ungefährdeter Sieg und damit der sichere Einzug ins Achtelfinale herausspringen könnten. Dass Mandanda mit Lucas Mendes so unsanft zusammen gestoßen war, dass der Innenverteidiger über fünf Minuten behandelt werden musste, komplettierte den Fehlstart der Hausherren.

Leider blieb es nicht dabei. Ein Foul von Kuba etwa 25 Meter vor dem Tor führte zu einem Freistoß, den Dimitri Payet eher harmlos in den Strafraum brachte und der Roman Weidenfeller ganz alt aussehen ließ. Denn Weidenfeller kam aus dem Tor und griff eiskalt daneben, der Ball sprang vom Kopf eines Angreifers an die Latte, von dort nach unten und vor die Torlinie – dort stand Souleymane Diawara meterweit im Abseits, was ihn jedoch nicht davon abhielt, vor den Augen von insgesamt sechs Schiedsrichtern, Assistenten und Torrichtern den Ball über die Linie zu drücken.

Der frühe Ausgleich - 1:1 in der 14. MinuteDas Spiel hatte sich in der Folge ein wenig beruhigt, beide Mannschaften waren um Fehlervermeidung bemüht und suchten die Lücke. Beim BVB sah das ein wenig zielstrebiger und runder aus, doch scheiterten die Schwarzgelben so gut wie immer am letzten Pass. Die Genauigkeit ließ insgesamt sehr zu wünschen übrig, als Lewandowski, Hendrikh Mkhitaryan und Kevin Großkreutz ein ums andere Mal selbst beste Bälle in die Wallachei jagten. Erst in der 34. Minute wurde es wieder spannend, als Nuri Sahin einen Ball vor Payet aus dem Strafraum gegrätscht hatte, Payet aber den kleinen Kontakt mit Sahin nutzte, um wie ein sterbender Schwan in den Strafraum zu fallen. Der Schiedsrichter erkannte auf Schwalbe und verpasste Payet die Ampelkarte – eine Konzessionsentscheidung für das zuvor übersehene Abseits? Payet war jedenfalls so davon begeistert, dass er gleich die Eckfahne umtrat und diese in der Mitte auseinanderbrach.

Im Einsatz - Erik DurmGetrieben von Lewandowski und Erik Durm hielt Borussia die Schlagzahl hoch und biss sich rund um den gegnerischen Strafraum fest. Ein richtiges Durchkommen war aber nicht drin, erst Kehl konnte mit einem (geblockten) Gewaltschuss den Abschluss suchen. In den vier Minuten Nachspielzeit passierte recht wenig, nur forderten einige Spieler und Zuschauer einen Handelfmeter für den BVB – es wäre des guten aber noch ein wenig zu viel gewesen. Direkt nach Wiederanpfiff ging es dann los mit einer beispiellosen Verschwendung selbst allerbester Torgelegenheiten. In der 46. Minute hatte Marseille auf Abseits spekuliert, doch es ertönte kein Pfiff. Gleich drei Borussen tauchten weit hinter der französischen Abwehrreihe auf und das Tor stand geradezu sperrangelweit offen – Mkhitaryan wuselte sich von der rechten Seite in den Strafraum, sah den besser postierten Lewandowski und spielte einen Pass genau in dessen Rücken! Zwei Minuten später folgte eine ähnliche Situation, diesmal landete Mkhitaryans Ball beim freistehenden Kuba, der jedoch einen Haken zuviel schlug und den Ball direkt wieder verlor. Trotz all dieser vergebenen Chancen drängte Borussia nun immer stärker auf den sicherlich verdienten Führungstreffer. Allein, er musste auch noch fallen!

Eine von vielen vergebenen Großchancen des BVBIn der 57. Minute legte Lewandowski per Hacke ab auf Großkreutz, der sich im Rücken der Abwehr davon gestohlen hatte und von rechts hereingeben konnte. Der Ball landete bei Kuba und flog von dort in Richtung Tor, doch Mandanda bekam das Ding gerade noch einmal vor der Linie gestoppt. Und weil es gerade eben so gut funktioniert hatte, legte Lewandowski nun gleich wieder per Hacke vor – diesmal war Marco Reus der glückliche Abnehmer, scheiterte mit seinem Gewaltschuss jedoch am Pfosten.

Allmählich wurde es dann auch ärgerlich. Marseille war wieder einmal nicht auf der Höhe, rechts marschierte Kuba in Richtung Strafraum und nicht einmal Diawara konnte ihn mit der härtestmöglichen Grätsche stoppen. Dummerweise folgte ein so harmloser Torschuss, dass er bei der nächsten JHV unbedingt einmal thematisiert werden sollte. Als in der 66. Minute Diawara einen Riesenbock geschossen und den Ball zu lässig zu Mandanda zurückgespielt hatte, Lewandowski zur Stelle war und aus fünf Metern am leeren Tor vorbei das Außennetz anschoss, war endgültig der Zeitpunkt gekommen, an dem man liebsten selbst die Schuhe geschnürt und irgendwie auf dem Rasen mitgeholfen hätte. Schließlich hätte sich wohl so gut wie jeder Fan auf der Tribüne zugetraut, eine Hereingabe von Jonas Hofmann aus sechs Metern Entfernung über das Tor zu jagen, wie es Reus beispielhaft vormachte.

Kann es nicht fassen - Robert LewandowksiAll das wäre noch gar nicht einmal so tragisch gewesen, hätte nicht auch der SSC Napoli ordentlich aufs Gaspedal getreten. Die Einblendung des dortigen 1:0 wirkte wie ein Vollhammer, Borussia hatte zu diesem Zeitpunkt tatsächlich den direkten Vergleich gegen alle Gruppengegner gewonnen und war als Dritter aus der Champions League ausgeschieden. Die Fans der Hausherren lachten und verhöhnten die aufopferungsvoll kämpfenden Borussen, der Gästeanhang wachte wieder auf und warf alles nach vorne. Für Reus und Kehl kamen Lukasz Piszczek und der Pokalheld aus Saarbrücken, Julian Schieber, auf den Platz – es musste jetzt einfach mit der Brechstange passieren.

Einer weiteren Riesenchance Lewandowksis, die zu einem harmlosen Querleger auf Hofmann mutierte, der folgten zwei Flitzer. Ein Kind hatte sich vor dem Gästeblock auf den Rasen gestohlen, vor Weidenfellers Tor zeigte ein Jugendlicher seine Hinterbacken. Weidenfeller zeigte direkt das Zeitspiel an und forderte eine ordentliche Nachspielzeit, ohne jedoch zu wissen, was als nächstes passieren sollte – der große Befreiungsschlag! Schieber hatte auf Großkreutz gelegt, der von hinten anrauschte, wegrutschte und den Ball in hohem Bogen vorbei an Mandanda ins Tor bugsierte. Plötzlich war der BVB Gruppensieger und ganz locker für das Achtelfinale qualifiziert, wurden zwei weitere Torchancen fahrlässig vergeben und zeigte die Anzeigetafel erneut vier Minuten Nachspielzeit an.

Würgte des wichtige 1:2 aus unmöglicher Position ins Tor - Kevin GroßkreutzGottseidank brannte in diesem Spiel aber nichts mehr an und Borussia nahm die drei wichtigen Punkte nach einem schlechten Spiel mit nach Hause. Da bei der Auslosung am Montag aber wohl niemand mehr nach dem Spiel in Marseille fragen wird, feierten die Spieler noch lange mit den Fans und anschließend in der Kabine. Sie hatten es sich auch redlich verdient, hatten sie doch eine Riesenmenge Leidenschaft bewiesen und selbst an einem schlechten Tag alles rausgeholt, was irgendwie zu holen war. Ähnlich wie das Tor im Viertelfinale gegen Malaga wir auch dieser Treffer im Gedächtnis aller haften bleiben, die sich auf den Weg zum Mittelmeer begeben hatten – diese Schlussphase hatte doch für viele Dinge, die in dieser Saison gegen uns gelaufen waren, mehr als nur entschädigt.

Am Samstag geht es um 15:30 weiter. Dann haben wir bei den Kraichgau Piraten aus Hoffenheim noch einiges aus der Vorsaison wieder gut zu machen – kein schlechtes Omen, schließlich sind die wie auch Olympique Marseille mit stolzer Tradition seit 1899 gesegnet…

Alle Fotos zum Spiel findet ihr wie gewohnt in Kürze auf unserer Medienseite www.bvb-fotos.de.

Statistik

Sicht im Stade VelodromeOlympique Marseille: Mandanda - Fanni, Diawara, Lucas Mendes, Mendy - Lemina, Cheyrou - Khalifa, Thauvin, Payet - Gignac

Wechsel: Abdallah für Lucas Mendes (46.), Morel für Khalifa (55.), Imbula für Thauvin (79.)

Borussia Dortmund: Weidenfeller - Großkreutz, Sokratis, Sarr, Durm - Sahin, Kehl - Kuba, Mkhitaryan, Reus - Lewandowski

Wechsel: Hofmann für Kuba (66.), Piszczek für Kehl (78.), Schieber für Reus (78.)

Tore: 0:1 Lewandowski (4.), 1:1 Diawara (14.), 1:2 Großkreutz (86.)

Gelbe Karten: Gignac - Sarr

Gelb-rote Karte: Payet

Vollständige Statistik bei der UEFA: Statistik Überblick, Taktische Aufstellungen, Teamstatistik, Angekommene Pässe.

Stimmen zum Spiel

Dr. Reinhard Rauball: „Ich hatte während des Spiels schon ein paar Zweifel. Wir haben viele Chancen vergeben und ich will da auch gar keine Entschuldigung daraus machen, aber der Boden war für unser Spiel nicht wirklich gut geeignet. Ich hatte deshalb die Befürchtung, dass wir in eine Negativspirale geraten könnten – gute Chancen nicht genutzt, Probleme mit dem Rasen, der Ausgleich aus einer klaren Abseitsposition heraus. Sahin und Durm im ZweikampfAm Ende ist es natürlich ein tolles Sahnehäubchen, dass wir die Gruppe als Sieger verlassen haben. Während des Spiels muss ich aber ganz klar sagen, dass mich das potentielle Ausscheiden und das Geschehen auf dem Platz viel mehr beschäftigt haben, als irgendwelche Rechnereien oder Nebensächlichkeiten wo ganz anders. Besonders gut gefallen hat mir, dass Jürgen Klopp wieder einmal unseren jungen Spielern eine Chance gegeben hat. Denn wenn man sich einmal ansieht, wer da heute alles gespielt hat, dann ist das ein toller Vertrauensbeweis für die eigene Nachwuchsarbeit. Erik Durm wurde diese Saison ins kalte Wasser geschmissen und konnte sich bisher gut behaupten, auch Marian Sarr hat heute ein klasse Spiel gemacht – wohlgemerkt ohne auch nur eine Minute Bundesliga gespielt zu haben. Da geht es am Samstag auch direkt weiter, für Entspannung ist also keine Zeit: Wir wollen noch sechs Punkte in der Liga holen. Und Sie haben doch nichts dagegen, oder?“

Bewies sich als Captain - Sebastian KehlAki Watzke: „Mein Gott, als Robert das eine Ding da nicht reinmachte, hatte ich schon befürchtet, dass die Nummer heute nicht laufen könnte. Aber ich wusste auch, dass unsere Mannschaft selbst in der 93. Minute noch immer in der Lage ist, Tore zu schießen und Spiele zu gewinnen. Das ist die große Leistung von Jürgen Klopp: Er hat der Mannschaft eingeimpft, immer an ihre Chance zu glauben und nie aufzugeben. Nuri Sahin wusste, dass er vom Samstag noch etwas gut zu machen hatte und zeigte eine tolle Leistung, Sebastian Kehl machte ein hervorragendes Spiel und zeigte sich als echter Captain auf dem Platz und Marian Sarr – was soll ich dazu sagen? Das war eine sehr mutige Entscheidung von Jürgen, nur für diesen Mut wird man aber auch belohnt. Wir dürfen jetzt nicht den Fehler machen und Marian zu sehr hypen, aber er hat seine Qualitäten gut eingebracht und gerade mental bewiesen, dass er auch für höhere Aufgaben in Frage kommen kann. Jetzt freue ich mich richtig auf die Auslosung am Montag, denn die Auslosung der Europa League hätte ich bis dahin nervlich wohl gar nicht hingekriegt. Abschließend ist mir eines aber noch ganz wichtig zu betonen: Trotz aller Verletzungen überwintern wir in Pokal und Champions League, haben in der Bundesliga einen Punkt mehr als nach der letzten Hinrunde. Da wollen wir bis Weihnachten noch ein paar Punkte oben drauf packen und ein tolles Jahr krönen. Gehen wir es an!“

Gästeblock in MarseilleLukasz Piszczek: „Wir hatten viele Chancen den Sieg klar zu machen, waren sechs Minuten vor Spielende weg. Am Ende stehen wir als Tabellenführer in dieser schweren und sehr interessanten Gruppe da. Das ist Fußball, würde ich sagen! Dabei hat uns der Platz heute doch einige Probleme bereitet. Natürlich mussten beide Mannschaften mit dem gleichen Platz klar kommen, aber wir mussten unbedingt das Tor machen und hatten darüber natürlich mehr Druck. Wir haben viel investieren und viele verletzte Spieler ersetzen müssen, daher war der Sieg am Ende auch verdient.“

Nuri Sahin: „Ich wusste, dass ich nach einer gewissen Phase auf die Zähne beißen musste, diese Phase ist nach 70 Minuten eingetreten. Da hat es richtig hinten rein gestochen, aber das Spiel war einfach zu wichtig und ich musste durchhalten. Blöd war es natürlich, dass kurz nachdem die Schmerzen eingesetzt hatten, Neapel das Tor machte – dann war es ein Europapokalabend, wie ihn wohl nur Borussia Dortmund spielen kann. Mir ist es da jetzt ganz wichtig, ein riesengroßes Dankeschön an unsere medizinische Abteilung zu sagen. Die Jungs haben Unglaubliches geleistet, fast rund um die Uhr und auch an ihren freien Abenden gearbeitet, um mich für dieses Spiel fit zu kriegen. Ich habe heute mit drei Tapes gespielt, um ausreichend Stabilität zu bekommen – das erste zum Warmmachen, die nächsten in der ersten und zweiten Halbzeit. Dazu hatte ich gestern drei Behandlungen – vor dem Training, nach dem Training, vor dem Schlafengehen –, heute zwei weitere Behandlungen und dazu noch ein paar Schmerzmittel bekommen. Heimkurve MarseilleIns Spiel bin ich ohne Schmerzen gegangen, das war sehr wichtig und anders wäre es gar nicht möglich gewesen – denn als ich letzte Woche wegknickte, war der Schmerz voll ins Knie reingezogen. Ich hatte da richtig Angst bekommen und es niemandem gesagt, weil ich mit dem Knie schon genug Probleme hatte, gottseidank bestätigte es sich aber nicht und der Doc konnte mir Entwarnung geben. Auf dem Platz haben wir es heute dann ganz gut gemacht. Der Rasen war eine Katastrophe, dazu bestand immer die Gefahr, dass Marseille einen Spieler vorne drin stehen lässt und über einen Konter ein Tor erzielt. Wir mussten hellwach bleiben, denn es wäre einfach nur traurig gewesen, wenn wir heute ausgeschieden wären. Dabei ist mir das Herz einmal auch ganz schön in die Hose gerutscht – ich hatte befürchtet, dass der Schiedsrichter einen Elfmeter gegen mich gepfiffen haben könnte. Ich habe zwar noch keine Wiederholung gesehen und will nichts Falsches sagen, aus dem Spiel heraus war das aber niemals ein Elfmeter. Was in einer solchen Situation in einem vorgeht, kann man gar nicht beschreiben.“

Befreiungsschlag in der 86. Minute - das wichtige Tor von Kevin GroßkreutzKevin Großkreutz: „In dieser Saison ist bislang Mehreres gegen uns gelaufen, wenn man zu Beispiel an die ganzen Verletzten und die unnötigen Niederlagen denkt, dass man das Spiel heute als Beweis des genialen Charakters dieser Mannschaft sehen muss. Ich freue mich dabei besonders für Marian Sarr, der das als 18-jähriger heute sehr gut gemacht und mit uns an die große Chance geglaubt hat. Das ist für unsere Mannschaft auch sehr wichtig: Wir haben schon viele Spiele umgebogen, zum Beispiel gegen Malaga, dass man die Hoffnung einfach nie aufgeben darf. Wenn man diesen Glauben nicht mehr hat, das Spiel noch gewinnen zu können, kann man den Platz ja auch genauso gut verlassen und direkt nach Hause fahren. Wir haben heute wieder einmal bewiesen, dass es selbst in schwierigen Situationen funktioniert und damit den Sieg wie auch das Weiterkommen verdient. Beim Torjubel habe ich im Block dann auch einige Leute erkannt – ich brauche da auch gar nicht lange drum herum reden: Ich kenne viele Leute, es waren ein paar Kölner da und natürlich viele Dortmunder. Als ich deren Gesichter sah, diese Emotionen und die Erleichterung, habe ich mich ganz besonders gefreut. In der Kabine haben die Jungs mir dann auch gesagt, ich solle endlich mal das Handy weglegen, weil ich so ungefähr 5000 Nachrichten bekommen hatte – das wird wohl auch die ganze Nacht noch so weitergehen. Da habe ich gehört, dass wir ein bis zwei Bierchen trinken dürfen, was wir auch sicher tun werden.“

Der erste Profieinsatz überhaupt: Marian SarrMichael Zorc: „Ich habe mir nie Sorgen gemacht, weil wir immer wieder zu guten Chancen kamen und vor allem Chancen für drei Spiele hatten. Es wurde am Ende natürlich Zeit für den Treffer, der gerecht und auch verdient fiel. Wenn man aber daran denkt, dass Neapel gegen Dortmund und gegen Arsenal gewonnen hat, bei 12 Punkten nur aufgrund von einem Tor nicht weiterkommen kann, ist das bitter. Dass wir diese harte Gruppe am Ende gewonnen haben, trotz aller Personalprobleme und Engpässe, ist einfach klasse. Dabei hat es mich auch gar nicht überrascht, dass Marian Sarr heute zum Einsatz kam. Es war ja klar, dass ein junger Spieler reinkommen müsste und dass wir große Spielanteile haben würden, also große Sicherheit am Ball eine Voraussetzung wäre. Dass er das in der zweiten Mannschaft bislang so nicht zeigen konnte, ist neben seinem jungen Alter vor allem auch seinem Verletzungspech geschuldet – heute hat er das aber sehr gut gemacht. Das einzige Manko war eigentlich die Chancenverwertung. In der ersten Halbzeit fehlte der letzte Pass und nahm viel von unserer Torgefahr, in der zweiten Halbzeit kam der letzte Pass und es haperte am finalen Abschluss. Diese Probleme hätte es aber nicht gegeben, wenn wir kein gutes Spiel gezeigt hätten und die Chancen deshalb erst gar nicht erst entstanden wären.“


SSC, 13.12.2013

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