Spielbericht Profis

Champions League Finale in Wembley: Knapp verloren und doch alles gewonnen!

28.05.2013, 20:49 Uhr von:  Redaktion

In letzter Minute das Spiel verloren und doch alles gewonnen: Borussia Dortmund beendet die Saison 2012/13 ohne Titel, dafür aber mit Würde, Stolz und dem guten Gewissen, alles aus sich herausgeholt zu haben. Der Ausflug ins ehrwürdige Wembleystadion krönte die von vielen Spöttern als Übergangssaison bezeichnete Spielzeit und ließ keinen Zweifel daran, dass Borussia Dortmund ganz oben angekommen ist.

In der Musikwelt heißt es, das dritte Album eines Künstlers sei immer das wichtigste. Fast jeder könne es schaffen einen Riesenhit zu landen, der irgendeine Art von Kultstatus erreicht und noch Jahre später auf Heavy Rotation über die Radiowellen wummert. Diesen Erfolg zu wiederholen sei schon ein ganzes Stück schwieriger, obwohl selbst ein mittelprächtiges Stück gelegentlich noch von der alten Euphorie über die Ziellinie geschoben werden könne. Die dritte Platte sei es, die über die Zukunftsfähigkeit des Künstlers entscheide – sie sei das unbarmherzige Signal des „make it or break it“, das entweder eine große Zukunft ermögliche oder aber nahelege, sich vielleicht besser nach einer alternativen Beschäftigung umzusehen.

In diesem Jahr hat Borussia Dortmund eindrucksvoll bewiesen, dass der von Jürgen Klopp inszenierte Vollgasfußball Ausgangspunkt einer großen Zukunft sein kann: Meisterschaft 2011, Doublesieg 2012 und 2013 das wohl sehenswerteste Champions-League-Finale seit Jahren gegen die mit Abstand beste Mannschaft der Welt – hatten die Bayern in den vergangenen Jahren noch krachende Niederlagen kassiert und sich tiefe Depressionen eingehandelt, hatten wir mit dem Schlusspfiff geschafft, was wir nie zu träumen gewagt hätten. In der Stunde der Niederlage zeigten wir Größe, gratulierten dem FC Bayern zum verdienten Sieg und verzichteten darauf, die Schuld bei Schiedsrichtern oder missmutigen Funktionären zu suchen.

Diese Grundstimmung war symptomatisch für das rundum gelungene Wochenende in London. Bis zu 180.000 deutsche Fans hatten sich – je nach Quelle – in der Stadt aufgehalten, selbst an den typischen Anlaufstellen der englischen Metropole konnte man diese schiere Menge aber bestenfalls erahnen. Gut, die Fans des FC Bayern machten es uns mit ihren käsig-weiß-lederbehosten Stelzen leicht, sie von den eher T-Shirt-tragenden Borussen zu unterscheiden, im großen Gesamtbild gingen sie aber unter.

Viel interessanter waren die zufälligen Begegnungen mit Einheimischen und Stadionbesuchern, die aus der ganzen Welt angereist waren. Einer war Chelsea-Fan und hatte sich nur deshalb zum Champions League Finale der Frauen verirrt, weil es zufällig an der Stamford Bridge ausgetragen wurde. Es sei für ihn die billigste Möglichkeit gewesen, sein eigenes Stadion zu betreten, da selbst eine normale Stadionführung bereits das Doppelte kosten dürfte. Der VfL Wolfsburg gewann das Spiel nach einer eher unterdurchschnittlichen Leistung – stimmungsmäßig war das Spiel ein ziemlicher Reinfall und konnte auch eine Laola-Welle der 15.000 Zuschauer beim Stand von 0:0 nicht wirklich überzeugen.

Ein anderer Fan erzählte uns von seiner Liebe zu Arsenal, die er vor mehreren Jahren zugunsten Südafrikas auf Eis gelegt hatte – seit 1999 sei er zu jedem Champions League Endspiel angereist, selbst wenn die Kartenbeschaffung nicht immer leicht gewesen sei. Dieses Mal sei er vergleichsweise günstig an sein Ticket gekommen. Für einen Platz in der Bayernkurve habe er am Vormittag nur etwa 1200 Pfund locker machen müssen, doch weil die meisten Briten es bevorzugt mit den Underdogs hielten, gelte seine Unterstützung dem BVB. Im Stillen ärgerte man sich natürlich über den florierenden Schwarzmarkt, doch entlockten Geschichten wie diese ein mindestens ebenso großes Maß an Bewunderung, wie weit Menschen aus Liebe zum Spiel zu gehen bereit waren.

Aus Liebe zu Borussia hatte die Schwatzgelb.de-Redaktion beschlossen, eine Party im Herzen der Londoner Hauptstadt zu organisieren. Am Freitagabend wurde zum ersten internationalen Borussia Hearts Beat Club geladen, der sich in den vergangenen Spielzeiten als eine kleine Tradition etablieren konnte. In diesem Jahr nahm Fanbuch-Autor Uli Hesse als Vertreter der schreibenden Zunft teil und ließ die anwesenden Fans in ersten Exemplaren schmökern (übrigens: das Werk ist herausragend gut geworden und ein echter Kauftipp – eine Rezension dazu werdet ihr hier in den kommenden Tagen lesen können), das Ballspielorchester 09 sorgte für musikalische Unterstützung und eine ganze Menge schwarzgelber Gaben wurden bei einem Gewinnspiel unter die feiernde Menge gebracht.

Leider mussten auch wir die Erfahrung machen, dass sich rauschende Partys und strikte Rauchverbote nicht ganz vertragen – schon nach kurzer Zeit standen so viele Besucher vor der Tür, dass die örtliche Polizei den Ladenschließung bereits um 23 Uhr verordnete. Der feierwütige Teil unserer Gruppe ließ sich davon nicht beirren und zog weiter ins Londoner Partyviertel Camden Town, wo die Puppen noch einige Stunden länger richtig kreisen durften. Begleitet wurden wir dabei von Londoner Fans, die wir rund um das Gastspiel bei Arsenal kennengelernt hatten und die richtiggehend darauf brannten, Geschichten über Fußball in Deutschland zu hören. Es entwickelten sich interessante Gespräche, die uns unter anderem zur Erkenntnis führten, dass Auswärtsspiele in Dortmund angenehmer als in Gelsenkirchen seien und die Allianz Arena stimmungsmäßig eine Enttäuschung auf englischem Niveau darstelle – keine große Überraschung, aber gut, dass man diese Eindrücke im Ausland teilt. Letztlich seien es aber vor allem die Dortmunder Auswärtsspiele in England samt der sie begleitenden Berichterstattung gewesen, die bei vielen englischen Fans dazu geführt hätten, über Ticketpreise in England und die Stimmung in den Stadien nachzudenken.

Diese Eindrücke ließen wir auf uns wirken und machten uns auf in Richtung unserer Unterkunft, um für die großen Aufgaben des Samstags auch wirklich gewappnet zu sein. Denn was sich bislang noch immer komisch angefühlt hatte – ein Finale in der Champions League mit unserer Beteiligung – rückte unaufhaltsam näher. Dann war der große Tag endlich gekommen. Immer wieder kam es zu kleineren und auch größeren Reibereien zwischen den Fanlagern, insbesondere auf Seite des FC Bayern schien sich in den vergangenen Jahren eine Menge Frust angestaut zu haben. Die weit überwiegende Mehrzahl der Fans bekam davon aber nichts mit und feierte ausgelassen friedlich rund um Piccadily Circus und Trafalgar Square, der sich binnen kürzester Zeit in ein schwarzgelbes Fahnenmeer verwandelt hatte. Immer wieder mischten sich in dieses Bild auch Borussen, die gemeinsam mit Fans des FC Bayern zum Spiel angereist waren und es sich nicht verkneifen konnten, seltsame Anwandlungen gesamt-teutonischer Feierwut zum Besten zu geben.

Die Anreise zum Stadion gestaltete sich unproblematisch. Aus dem Bahnhof kommend führte eine lange gezogene Gerade hin zum Wembleystadion, das von außen ein waschechtes Schmuckstück darstellte. Alle paar Meter hatte die UEFA Verkaufsstände aufgebaut, an denen man sich Souvenirs zu gesalzenen Preisen kaufen konnte. Viele Fans komplettierten ihre Sammlungen mit den wohl teuersten hässlichen Schals der letzten Jahre, selbst 10 Pfund für ein Programmheft waren nicht zu hoch. Es fiel auf, dass die UEFA ihre Marke Champions League als besonders werthaltig aufladen und keinesfalls mit Ramschpreisen in Verbindung bringen wollte – bereits die Eintrittspreise zwischen 72 und 410 Euro machten dies deutlich. Besonders ärgerlich war es dabei, dass den Fans nicht einmal die Durchführung einer Choreographie im sinnvollen Maßstab ermöglicht wurde. Die Bayern versuchten es im Gegensatz zu den Borussen zwar trotzdem, im Nachhinein war es aber wohl die bessere Entscheidung gewesen, auf eine Choreographie zu verzichten.

Rund um das Stadion sammelten sich nun allmählich die knapp 90.000 Besucher. Dutzende Busse von Fans und Sponsoren fuhren auf den Parkplatz, einige von ihnen gerademal mit einer Hand voll Insassen bestückt. Weil die Polizei das Alkoholverbot rund um das Stadion aufgehoben hatte, bekämpften die BVB-Fans ihre Nervosität mit Dosenbier zu 3 Pfund – leider hatten wir die falsche Seite des Stadions erwischt, da sich auf der Gegenseite wohl eine Reihe gemütlicher Pubs befunden haben sollen. Zu allem Überfluss hatten die Stadionarchitekten bei der Zahl der Toiletten ein bisschen zu viel gespart und nur eine höchst überschaubare Anzahl in der Stadionhülle vorgesehen – abgesehen von den ständig wiederholten und furchtbar nervigen Sicherheitsdurchsagen war dies der einzige organisatorische Kritikpunkt, den man den Veranstaltern vorhalten konnte.

Im Stadion selbst wurde es dann steril. Ähnlich wie in München konnte die äußere Hülle nicht über die Langeweile hinwegtäuschen, die sich im Inneren breit gemacht hatte. Einige Verkaufsstände, einige Toiletten, alles grau in grau gehalten und ohne jeden Flair – schade, dass ein so großartiges Stadion nicht mehr an Einzigartigkeit zu bieten hatte. Es blieb damit unserer Phantasie überlassen, wie fantastisch dieser Fußballtempel mit ein paar Graffitis, Fanelementen oder Stehplätzen wohl hätte wirken können.

Die UEFA hatte es wohl auch so gesehen und mit einem Rahmenprogramm vom allerfeinsten über die Sterilität hinwegtäuschen wollen. Dutzende Krieger in weiß-rot und schwarz-gelb, angeführt vom furchtlosen Paul Breitner und dem peinlich berührt grinsenden Lars Ricken, wuselten über das Spielfeld und fuchtelten wild mit ihren Holzschwertern umher. Auf den Werbebanden lief Burger King Werbung (flame-grilled-beef oder so ähnlich), Walter aus dem Frauenknast hatte sich ebenfalls ins Getümmel gestürzt und Meriten auf dem Schlachtfeld erworben. Eine so abgrundtief peinliche Veranstaltung, eingeleitet mit Schachspielern und einem Zwei-Mann-Pferd, hat es schon lange nicht mehr gegeben. Immerhin hatten es sich die Planer gespart, mit Leopard II Panzern oder einer flotten Messerschmitt durch das Stadion zu donnern – dabei hätten sich bestimmt noch ein paar Briten finden lassen, um das Szenario mit einer gesanglichen Einlage zu untermalen. Der Dortmunder Anhang hinter dem Tor quittierte das Szenario mit hunderten Mittelfingern, die der Regie wohl erst auffielen, nachdem sie über die Stadionleinwände geflimmert waren.

Ansonsten war die Stimmung blendend. 45 Minuten vor Spielbeginn hatten die Dortmunder Fans begonnen, sich direkt hinter dem Tor stehend einzusingen. Unsere Spieler sollten von dieser Rückendeckung unmittelbar profitieren und die Gegner sich gepflegt die Hose einnässen. Die Bayern-Dauerfahnenschwenker hatten es sich hingegen im Oberrang gemütlich gemacht, um die bessere Akustik unter dem Dach mitzunehmen. Je nachdem, wo man sich im Stadion befand, konnte man also unterschiedliche Eindrücke gewinnen – im Dortmunder Stimmungsblock hatte man das Gefühl einer der besten Leistungen seit Jahren, im Oberrang fanden sich die stimmungswilligen Dortmunder Fans dagegen in der Außenseiterposition wieder und wähnten sich im falschen Film. Während im Fernsehen und auf dem Spielfeld wohl Borussia die deutliche Überhand hatte, wähnten Besucher auf Höhe der Mittellinie die Bayern wohl einen Ticken vorne.

Eindeutig war hingegen das Bild auf den Rängen: Die Bayern wedelten mit ihren Fähnchen und Klatschpappen, zeigten dazu eine langweilige Papptafel-Choreo von der Stange. Es dauerte fast drei Minuten, bis die Jahreszahlen als solche identifizierbar waren – der umrissene Pokal war im Stadion aufgrund der Aussparung im Mittelrang erst einmal gar nicht zu erkennen. Der BVB-Anhang hatte aufgrund der widrigen Bedingungen gar nicht erst mit einer Choreo aufgewartet, sondern sich einer Mottofahrt in Gelb verschrieben. Das hervorragende Fußballwetter hatte es dann auch ermöglicht, in T-Shirt oder Trikot ins Stadion zu gehen, weshalb man eine eher rot-leder-schwarz-bunt-durchwürfelte sowie eine in sattes gelb getauchte Kurve erkennen konnte.

Dann ging es endlich los: Dortmund in Bestbesetzung mit Roman Weidenfeller, Marcel Schmelzer, Mats Hummels, Neven Subotic, Lukasz Piszczek, Sven Bender, Ilkay Gündogan, Kevin Großkreutz, Kuba, Marcel und Robert Lewandowski gewann die Seitenwahl – und stürmte mit den eigenen Fans im Rücken wie eine Büffelherde ins Spiel.

Eine knappe halbe Stunde machten die Bayern nicht einen Stich, dominierte Borussia Dortmund das gesamte Geschehen. Zweimal Kuba, einmal Bender und Lewandowski hatten Torchancen, wie man sie sich besser kaum hätte vorstellen können. Die Bayern wirkten zurückhaltend, fast ein bisschen eingeschüchtert und irritiert, weil sie wohl geahnt hatten, dass der BVB taktisch brillant agieren und allemal dazu bereit sein würde, ihnen die dritte Finalniederlage in Folge zu bescheren. Es war einzig Manuel „Bevor ich für Bayern spiele, beende ich meine Karriere“ Neuer, der die Bayern vor einem frühen Rückstand bewahrte und in dieser Phase im Spiel hielt.

Es war etwa die 20. Spielminute, als das Spiel zum ersten Mal eine entscheidende Wendung hätte nehmen können. Franck Ribery hatte Lewandowski deutlich erkennbar den Ellenbogen ins Gesicht gerammt, woraufhin dieser irritiert in Richtung Schiedsrichter blickte. Dieser hatte die Situation zwar gesehen, sich aber zum ersten Mal an diesem Tag komplett falsch entschieden: Statt der roten Karte für Ribery gab es Freistoß für Bayern München – nicht auszudenken, welches Spiel wir nach einem solchen Platzverweis in dieser Phase noch erlebt hätten.

Doch eben diese Situation diente den Bayern als eine Art Hallo-Wach-Effekt. Zaghaft kämpften sie sich nun ins Spiel und profitierten dabei von haarsträubenden Fehlpässen im Dortmunder Mittelfeld. Der schnelle Angriffsfußball, den die Bayern zuletzt pflegten und gegen Topteams wie den FC Barcelona sogar gegenüber dem starken Ballbesitz bevorzugten, hatte sich gegen den BVB in diesem Finale nicht bewähren können – also stellten die Bayern ihr Spiel kurzerhand um und entschieden sich für den ruhigen Spielaufbau in der eigenen Hälfte. Borussia hatte damit einen ersten Sieg errungen und die Bayern dazu verleitet, fast 60 Prozent der Bälle zu halten und dennoch kein Kapital daraus schlagen zu können.

Leider waren die schwatzgelben nicht dazu in der Lage, diesen Druck dauerhaft aufrecht zu erhalten. Konzentrationsfehler insbesondere bei Pässen im Mittelfeld und bei Standardsituationen brachten den Bayern Großchancen aus dem Nichts. Es war Hummels, Subotic und dem herausragend aufgelegten Weidenfeller zu verdanken, dass der Spielverlauf nicht auf den Kopf gestellt und das Null zu Null mit in die Halbzeit genommen wurde.

Aus der Kabine gekommen wurde deutlich, dass Borussia einen hohen Preis für das Tempo des ersten Durchgangs gezahlt hatte. Mehrere Spieler hatten sich Wehwehchen zugezogen, die Belastungen einer langen Saison machten sich Zug um Zug bemerkbar. Konzentrationsschwächen, unnötige Ballverluste und intensive Zweikämpfe verlangten unseren Jungs so viel ab, dass sie sich kaum noch bis an den Strafraum des FC Bayern vorankämpfen konnten. Immerhin reichte es noch, die Bayern vom eigenen Strafraum fernzuhalten, so dass bis etwa zur 60. Minute kein weiterer Schuss mehr Weidenfellers Kasten erreichen konnte.

Dann aber war es passiert: Ribery mit einem Spitzenpass auf Arjen Robben, der den Ball in letzter Sekunde vorbei am heran eilenden Weidenfeller legen und Mario Mandzukic damit die perfekte Vorlage geben konnte. Eine kurze Phase der Konsternierung folgte auf den Rängen, doch schon nach wenigen Augenblicken hatten sich alle Borussen wieder gefangen: eine gute halbe Stunde würde locker ausreichen, um noch ein Tor zu schießen. Und so wirbelte Reus, der zur Saisonmitte noch überspielt und ausgebrannt wirkte, in einer so bestechenden Art und Weise, dass man sich kaum davon satt sehen konnte.

So dauerte es auch nur wenige Minuten, bis Borussia den Ausgleich herstellen konnte: Reus war der Bayerndefensive wieder einmal enteilt und hatte nur noch den früh gelb belasteten Dante vor sich – der Brasilianer musste eingreifen, entschied sich dabei aber mitten im Herzen des bayerischen Strafraums für einen üblen Tritt ins Reus Weichteile. Ein klarer Elfmeter und noch dazu ein klarer Platzverweis, den sich Rizzoli jedoch sparte. Weil der etatmäßige Elfmeterschütze Lewandowski, der bis auf zwei Chancen in der ersten Hälfte keinen Stich machte, keinen Strafstoß gegen seinen potenziellen zukünftigen Arbeitgeber schießen wollte, trat der neben Weidenfeller und Reus beste Mann dieses Abends an den Punkt: Mit einem platzierten Schuss machte Gündogan das 1:1 und brachte die altehrwürdige Spielstätte zum Beben!

Die Bayern konnten es dagegen kaum fassen und auf der Tribüne machte sich Verzweiflung breit. Sollte es schon wieder nicht klappen mit dem großen Sieg? Würden die Spieler jetzt die große Flatter bekommen und in einen Dortmunder Konter hineinlaufen? Nichts davon passierte. Großkreutz hatte sich zu dieser Zeit schon eine schwere Fußverletzung zugezogen, das Mittelfeld war stehend KO und der große Wille der Bayern war einfach zu stark. Müller und Ribery hätten bereits in der 72. Minute den Sack zu machen können, wenn Subotic nicht mit letzter Kraft den Ball Zentimeter vor der Linie ins Seitenaus gegrätscht hätte, und die letzten 20 Minuten des Spiels gehörten zu den schwächsten, die wir in dieser Saison von unserer Mannschaft sehen durften. Dabei ließ sich auch Lewandowski zu einem rotwürdigen Foul hinreißen, das wie zuvor aber nicht geahndet wurde, bevor Robben nach erneutem Zuspiel Riberys alle Dortmunder Träume beendete: Hindurch zwischen Subotic und Hummels, lässig am herausgekommenen Weidenfeller vorbeigelegt – keine Chance für niemanden, der 1:2 Endstand war erzielt.

Der BVB hatte einen leidenschaftlichen Kampf geboten und die Mannschaft, die zuvor den FC Barcelona und Juventus Turin vom Platz gefegt hatte, lange Zeit in ihre Schranken weisen können. Das Spiel gehörte zu den besten Finals der letzten Jahre und fand – trotz aller strittigen Schiedsrichterentscheidungen – mit dem FC Bayern einen verdienten Sieger. Das änderte natürlich nichts daran, dass Trauer und Enttäuschung in den ersten Minuten ebenso riesig waren wie der Zorn, der sich über die Feierverweigerung des FC Bayern breit gemacht hatte. Leblos stand der Münchener Anhang im Stadion und konnte sich, obwohl es auf Dortmunder Seite nun mucksmäuschenstill blieb, kein Gehör verschaffen. Das einzige, was man zum Zeitpunkt des sportlich wohl größten Triumphs der Vereinsgeschichte hören konnte, waren Schmähgesänge in Richtung des BVB.

Viele Borussen blieben dementsprechend noch eine ganze Zeit im Stadion stehen, um sich bei ihrer Mannschaft zu bedanken, die letzten Eindrücke aufzuschnappen und eine großartige Saison Revue passieren zu lassen. Unweigerlich wurden dabei Erinnerungen an die 20. Meisterschaft des FC Bayern und den Pokalsieg 2008 geweckt, als Borussia Dortmund für den FC Bayern das Feiern übernehmen musste. Auch diesmal verließen tausende rot-weiße das Stadion mit hängenden Köpfen und konnten sich nicht einmal zu einem Lächeln verleiten lassen, während auf Dortmunder Seite viele Fans schon wieder ihren Mut zurückgewonnen hatten.

Und sie hatten Recht: Es gab wahrlich keinen Anlass, über eine Niederlage im Finale der Champions League allzu lange zu trauern. Unsere Mannschaft hat uns in diesem Jahr das größte aller Geschenke gemacht und in ein Europapokalendspiel geführt – bleibt die Mannschaft zusammen und geht ihren Weg entschlossen weiter, werden wir noch häufig die Gelegenheit haben, in der Champions League Erfolg zu haben. Gemeinsam sind wir Borussia und wir haben gezeigt, dass wir ebenso gute Gewinner wie Verlierer sein können. Mögen andere auf hohem Niveau jammern und bei zweiten Plätzen ins Jammertal stürzen – wir werden unseren Weg gemeinsam gehen.

Und wer weiß, liebe Bayern: vielleicht sieht man sich eines Tages wieder und vielleicht schon früher als gedacht…

Statistik

Finalhelden Borussia 09: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer - Bender, Gündogan - Kuba, Reus, Großkreutz - Lewandowski
Wechsel: Sahin für Bender, Schieber für Kuba (beide 90.)

FC Bayern München: Neuer - Lahm, Boateng, Dante, Alaba - Martinez, Schweinsteiger - Robben, Müller, Ribery - Mandzukic
Wechsel: Gustavo für Ribery, Gomez für Mandzukic (beide 90.)

Gelbe Karten: Großkreutz – Dante, Ribery

Tore: 0:1 Mandzukic (60.), 1:1 Gündogan (68.), 1:2 Robben (89.)

SSC, 28.05.2013

[[$facebook]]

Unterstütze uns mit steady