Spielbericht Profis

Der erste Titel 2013 - Borussia gewinnt das Hallenmasters

13.01.2013, 21:43 Uhr von:  Redaktion

Kapitän Hummels hält den PottDer erste Auftritt des Deutschen Meisters im Jahre 2013 endete gleich mit einem Titel. In der Messehalle zu Düsseldorf schlug der BVB die gastgebende Fortuna und behielt auch im Elfmeterschießen gegen Mainz 05 die Oberhand. Im Finale feierte auch Rückkehrer Nuri Sahin seinen Einstand bei den alten Kollegen. Der Vorstart in die Rückrunde gerät insgesamt zur runden Sache. Wintercupsieger 2013: Borussia Dortmund!

Die Winterpause dauert mal wieder viel zu lang, der verlorene Sohn ist zurück, da konnte man sich den Ausflug in die Landeshauptstadt doch wieder nicht verkneifen. Der Kirmes Cup am Messegelände Düsseldorf stand auf dem Programm. Der "Wintercup" trägt einen irreführenden Titel. Zwar findet das kleine Vorbereitungsturnier in der kalten Jahreszeit statt, aber bei geschlossenem Dach in der beheizten Mehrzweckarena. Zudem wird jeweils nur über 45 Minuten gespielt, aber näher kommt man dem Fußball in der schrecklichen spielfreien Zeit ja leider nicht.

BVB – F95

Der verlorene Sohn blieb erst mal auf der Bank, wurde aber trotzdem vom Dortmunder Anhang begeistert begrüßt. Die Mehrzweckhalle war im Gegensatz zu den letzten Jahren ziemlich spärlich ausgelastet. Die Lust auf Hallenfußball lässt halt nach, wenn man Erstligafußball im wöchentlichen Rhythmus geboten bekommt. Der BVB präsentierte sich aber auch ohne den neuen alten Heilsbringer spielfreudig und setzte die Gastgeber von Beginn an unter Druck. Eine erste Chance hatte Reus, aber sein Schuss von der Strafraumgrenze konnte von F95 Schlussmann Giefer noch über den Kasten gelenkt werden. Auch Ilkay Gündogan hatte zu Beginn eine brauchbare Schussgelegenheit, zielte aber ein wenig zu hoch.

Schmelzer hatte mehr mit den Tauben als mit dem Gegener zu kämpfenVor Roman Weidenfellers Kasten hatte es sich derweil eine Taubenfamilie auf dem Rasen gemütlich gemacht und symbolisierte vortrefflich die Angriffsbemühungen der Gastgeber. Der übliche Fortunenanhang schien komplett zu Hause geblieben zu sein, im Heimstehplatzbereich tummelten sich nur vereinzelte Grüppchen, die entweder einfach schwiegen oder so leise sangen, dass sie auf der Gegenseite des „Stadions“ nicht mehr zu hören waren. Im eigentlichen Gästeblock standen die Hochrisikobelgier herum und die Szene Mainz schien auch schon mehr mit Karneval als mit Testspiel beschäftigt. Nur der Deutsche Meister zieht zu jedem Testspiel ein paar Leute mit, die sich freuen, wenn sie ausnahmsweise mal für die Stimmung zuständig sind. Dass der Rest der Deutschen Meister im Stadion keine Lust hatte, nach Aufforderung den Popo zu lüften, wurde mit ein paar Pfiffen quittiert. Testspiel halt. Ein eher spezielles Vergnügen.

Nach 10 Minuten vertrieben die Fortunen dann doch mal die schmausenden Tauben, indem sie ein paar fruchtlose Angriffsversuche starteten. Dann machte der BVB mal ernst, doch Reus wurde noch knapp vor der Strafraumgrenze gelegt. Eigentlich war diese Freistoßposition ein Fall für eine Sahin Blitzeinwechslung, aber stattdessen durfte nochmal Götze ran. Der machte seine Sache aber auch nicht schlecht und setzte den Ball an die Latte. Der nächste Konter ging diesmal über Götze und der war nicht einmal per Foul zu stoppen. Er spielte alle Düsseldorfer aus, rutschte dann aber vor dem leeren Tor weg und brachte statt der Führung nur eine kurze Flanke zustande, die Lewandowski per Flugkopfball knapp verpasste.

Typische Testspielatmosphäre in der Düsseldorfer MehrzweckarenaDie Stimmung verflachte nun testspieltypisch vollends auf Friedhofsniveau. Bei Andreas Rettig kamen in diesen Momenten sicher Befürchtungen auf, dass die Fans fortan immer die zweiten 12 Minuten der Spiele schweigen würden. Gerade als man glaubte, leise den Schnee rieseln hören zu können, brach mal wieder Reus durch die Düsseldorfer Abwehr und zeigte seine Abschlussstärke. Wenn es hier eine Halbzeitpause bei den 45 minütigen Partien gegeben hätte, wäre dieser Treffer „zum psychologisch richtigen Zeitpunkt“ gefallen, aber so ging es einfach weiter.

Dann durfte auch Weidenfeller einmal fliegen. In spektakulärer Manier fischte er einen Schuss von Kruse aus dem Eck. Götze ging weiter verschwenderisch mit seinen Torchancen um, ein Schuss nach schöner Vorarbeit von Lewandowski geriet zum Querpass. Düsseldorf wollte aber weiter überhaupt nichts in der Offensive einfallen und so plätscherten die 45 Minuten unaufhaltsam dem zwangsläufigen Ende entgegen. Marco Reus sorgte dann nochmal für einen kleinen Weckruf, aber ein zweiter Torerfolg war ihm nicht vergönnt. Manni Bender durfte sich als Notnagel in der Innenverteidigung präsentieren, aber gegen eine derart harmlose Fortuna blieben ihm jegliche Bewährungsproben erspart. Vielleicht war seine Aufstellung aber ein Indiz dafür, dass man dem Nachwuchstalent Koray Günter doch noch nicht so ganz zutraut, im Fall der Fälle einzuspringen. Immerhin schaffte es der Offender sich bei erster Gelegenheit mit einer Gelben Karte auszuzeichnen.

Reus und Großkreutz freuen sich über den einzigen TrefferAm Ende zog der BVB völlig ungefährdet ins Finale ein, was eigentlich nicht so wirklich zu gefallen wusste. Bei Teilnahme am Spiel um Platz 3 hätte man sich schließlich eine Stunde eher gen Heimat verabschieden können.

BVB: Weidenfeller - Piszczek, Hummels, Bender, Schmelzer - Kehl, Gündogan - Reus, Götze, Großkreutz - Lewandowski

Tor: 1:0 Reus (22.)

Vor dem nächsten Spiel Mainz – Lüttich regierte der Fremdscham, als der Stadionsprecher zunehmend verzweifelter fragte „Wo sind die Fans des FSV Mainz 05? Gibt es hier Fans von Mainz 05?“ ohne auch nur irgendeine Art von Reaktion zu ernten. Kein Jubel keine Pfiffe kein gar nichts. Mainz war zu Hause geblieben. Hatten wohl was Besseres vor am Sonntagnachmittag. Dafür waren die Belgier dem Angebot Busfahrt & Karte für 30€ zahlreich gefolgt, so dass nun tatsächlich etwas Stimmung im Gästeblock aufkam. Im Nachhinein war zu erfahren, dass eigentlich noch viel mehr Anhänger von Standard Lüttich angereist waren, diese aber schon auf der Fahrt zum Stadion in den Shuttlebussen randaliert und daher erst gar nicht das Ziel erreicht hatten. Schade drum, denn die Standard Fans schienen als einzige das Potential für ein wenig echte Stimmung im Gepäck zu haben.

Als geneigter Dortmundfan warf man natürlich ein besonderes Auge auf den angehenden Millionenstürmer Adam Szalai, der aber von seinen Mitspielern nicht wirklich ins Spiel eingebunden wurde. Ansonsten stellte sich wegen der Heizstrahler und der ruhigen Atmosphäre eine gewisse Schläfrigkeit ein. Das Niveau des Spiels war auch nicht dazu angetan, einen aus dem Dämmerzustand zu holen. Bei seiner ersten Gelegenheit konnte sich der derzeit gefühlt teuerste Bundesligastürmer im Strafraum dann auch nicht durchsetzen. Kurz darauf wurde es aber doch noch unterhaltsam. Erst klärte ein glatzköpfiger Belgier per Flugkopfball auf der Linie und nach dem anschließenden Eckball köpfte Noveski die Mainzer in Führung. Dies ließ die Stadionregie in alte Muster verfallen: „Toooooor für die Fortunaaaaaa“ schallte es aus den Boxen. Naja wenn man sonst nichts zu feiern hat, nimmt man halt auch einen Mainzer Treffer gerne mit.

Im kleinen Finale war Lüttichs Torwart der gefeierte HeldDie zunächst harmlosen Belgier wurden gegen Ende der Partie etwas frecher und als sie den vermeintlichen Ausgleich erzielten, wurde es mal wieder laut im Gästeblock. Schnell schlug der Jubel aber in Pfiffe um, denn der Schiri hatte den Angriff bereits zuvor abgepfiffen. Kurz darauf holte Mainz einen Elfer heraus und entschied mit diesem das Spiel. Diesmal allerdings ohne dafür von der Stadionregie abgefeiert zu werden. Modefans!

Im kleinen Finale brachte Ilso die Gastgeber in der ersten Minute mit einem schicken Hackentrick in Führung und nun konnte man es auch das erste Mal wahrnehmen, dass tatsächlich auch Düsseldorfer Anhang zugegen war. Der Jubel wurde aber sofort von der brutal laut eingespielten Tormelodie übertönt und so versank das Publikum direkt wieder in Schweigen. Die daraufhin eingeblendete Zuschauerzahl von 22.500 überraschte dann doch ein wenig, denn trotz der bunten Sitze war nicht zu übersehen, dass weite Teile des Stadions verwaist waren. Die Fortuna legte durch Kruse sofort den nächsten Treffer nach, so dass der Stadionsprecher nach der erneuten Dröhnung vom Band gezwungen war, die Zuschauerzahl erneut zu verkünden, um auch den entsprechenden Sponsor nennen zu können. Schöne neue Fußballwelt.

Jetzt hatten die Belgier auch keinen Bock mehr auf Stimmung und so kam das gute alte 12:12 Feeling wieder auf. Erst als die Belgier einen Elfmeter bekamen, wurde es nochmal etwas lauter. Doch auch das Pfeifkonzert des Heimanhangs konnte den Anschlusstreffer nicht verhindern. Standard blieb zunächst weiter harmlos, doch die Düsseldorfer überließen ihnen mehr und mehr das Spiel. So fiel der Ausgleich fast zwangsläufig, was die Lüttich Supporter im Gästeblock aber auch nicht wirklich aus ihrer Lethargie erwecken konnte. Obwohl Standard nach einem Kopftreffer den Torwart wechseln musste, wollte den Hausherren kein weiterer Treffer mehr gelingen. So musste das Elfmeterschießen für die Entscheidung sorgen. Die ersten 8 Schützen verwandelten alle. Dann kam Ilso, tanzte beim Anlaufen den Gangnam Style und verschoss kläglich. So durfte der eingewechselte Torwart die Gastgeber auf den letzten Platz verbannen. Er tat dies mit einem Kullerball in die Tormitte, den er wohl auch nicht so gebracht hätte, wenn es hier wirklich um etwas gegangen wäre.

Finale: BVB-Mainz

Der verlorene Sohn im ZweikampfNun war es dann doch endlich soweit. ER war wieder auf dem Platz. Der Mann der Dortmund den ganzen Freitag in Atem gehalten hatte. Der Mann der die Fanszene zumindest im sg-Forum gespalten hatte. Unser Junge, der sich im Ausland eine blutige Nase abgeholt hatte und nun wieder reumütig zurück unter Mutti Borussias Decke gekrochen war. Der beste Spieler der Bundesligasaison 10/11. Mit der Nummer 18: Nuri Sahin. Hier wurde er auf jeden Fall beim Verlesen der Aufstellung ordentlich gefeiert. Mal sehen, wie das dann im Ernstfall im Westfalentempel läuft. Der Druck, der auf seinen Schultern lastet, dürfte jedenfalls nicht gerade klein sein.

Heute durfte Sahin neben Güdogan im zentralen Mittelfeld agieren. In der Innenverteidigung stand erneut Bender neben Hummels auf dem Platz. Millionenmann in spe Szalai durfte nicht gegen seinen kolportierten neuen Brötchengeber auflaufen. Zu Beginn der Partie suchte Sahin sichtlich noch seinen Platz neben Ballverteiler Gündogan und sein erster langer Ball fand auch nicht den Adressaten Lewandowski. Aber die Abstimmung mit seinen alten und neuen Mitspielern muss er sich natürlich noch erarbeiten. Seine Ballsicherheit in engen Räumen war jedoch sofort wieder erkennbar.

Eine erste schöne Kombination über Lewandowski brachte Götze in eine aussichtsreiche Position, aber der konnte seine Ladehemmung vor dem Kasten immer noch nicht ablegen. Auch nachdem er von Kuba erneut in Szene gesetzt worden war, verzog er freistehend deutlich. Hoffentlich hat er sich sein Zielwasser für wichtigere Aufgaben gespart. Sahin fand besser und besser ins Spiel. Sein zweiter Steilpass wäre schon bei Reus angekommen, nur war der leider aus Abseitsposition gestartet.

Solider Auftritt in Düsseldorf: Mats HummelsDann zeigte Kuba nochmal, dass er seinen alten Trick aus Freiburg immer noch beherrscht. Reus spielte ihn wunderbar mit einem Querpass frei, aber er setzte den Ball völlig unbedrängt neben den Kasten. Die bis dahin ziemlich harmlosen Mainzer fuhren nach 19 Minuten mal einen gefährlichen Konter, aber Mitch konnte erneut beweisen, dass er seine Stärken auf der Linie hat. Er blieb ruhig stehen und klärte den Ball zur Ecke. Jürgen Klopp wechselte nach 20 Minuten die ganze Offensive inklusive Gündogan aus. Günter nahm Benders Platz in der Innenverteidigung ein, so dass im zentralen Mittelfeld nun wieder ein defensiv und ein eher offensiv orientierter Spieler standen. Leitner rückte zentral in die offensive Dreierreihe und Großkreutz übernahm seinen angestammten Posten links außen.

Fast hätte Sahin zum Comeback auch gleich ein großes Ausrufezeichen gesetzt, aber sein wunderschöner Volleyschuss traf leider das Tor nicht. Die Liste der stümperhaft vergebenen Großchancen bereicherten dann Blaszczykowski und Leitner um ein weiteres schönes Exemplar, woraufhin im Gegenzug auch die Mainzer einen Hundertprozenter nach einem Konter vergaben.

Der junge Günter erlaubte sich dann einen schlimmen Anfängerfehler und bereitete so die Mainzer Führung durch Parker vor. Die mangelhafte Dortmunder Chancenverwertung schien bestraft zu werden. Im direkten Gegenzug traf Schieber aber schon zum Ausgleich. Er nahm den Ball per Kopf an, schirmte ihn schön ab und zimmerte ihn flach in die Maschen. Der Junge hat seinen Qualitäten im BVB-Trikot einfach noch nicht wirklich zeigen können, so dass es einen direkt überrascht, wenn ihm mal so etwas Gutes gelingt. Bei nächster Gelegenheit reihte aber auch er sich bei den Toreverhinderern ein und präsentierte sich frei vor dem Tor überhastet. Der Ball wäre deutlich einfacher zu verwandeln gewesen. So blieb es auch im großen Finale beim Unentschieden und erneut ging es ins Elfmeterschießen.

Mitch Langerak entwickelte sich zum 11er-KönigElfer:

Hummels verwandelte trocken ins rechte Eck.

Klasnic liess Langerak keine Chance.

Schmelzer verschoss mit Vollspann in die Mitte.

Baumgartlinger flach ins linke Eck. Mitch war mit der Hand dran, konnte aber nicht abwehren.

Großkreutz locker links.

Parker rechts oben, wieder hatte Langerak die Ecke geahnt, kam aber nicht ran.

Kuba verzögerte und verlud Müller.

Chinedu Ede versuchte es erneut links halbhoch, Mitch hielt.

Siegerfoto mit PottLeitner machte ihn halbhoch links.

Risse scheiterte an Langerak

BVB: Langerak - Piszczek, Hummels, Bender, Schmelzer - Sahin, Gündogan (22. Günter) - Blaszczykowski, Götze (22. Leitner), Reus (22. Großkreutz) - Lewandowski (22. Schieber).

Tore: 0:1 Parker (32.), 1:1 Schieber (33.)

Die Fotostrecke zum diesjährigen Düsseldorfer Wintercup gibt es wie gewohnt auf unserer BVB-Fotoseite unter diesem Link.

Web, 13.01.2013

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