Spielbericht Profis

Ohne Trainer geht es auch

02.10.2013, 00:00 Uhr von:  Redaktion

Fahnenintro auf der SüdtribüneAuf der Pressekonferenz wirkt Jürgen Klopp angefressen. Das auf der Tribüne Sitzen scheint ihn gewaltig genervt zu haben. Das, was seine Jungs auf dem Platz gezeigt haben, lässt ihn allerdings ins Schwärmen kommen. Er spricht von einem perfekten Spiel seiner Mannschaft und lobt die Bereitschaft, 90 Minuten auf dem Rasen Vollgas zu geben. Dass das Ergebnis weitaus höher als 3:0 hätte ausfallen können, ist dabei nur eine Randnotiz.

Ausgangslage

Mit dem üblichen Verkehrschaos trudeln die schwarzgelben Fanmassen in das Westfalenstadion ein, in dem sie von einem babyblauen/weißen Gästefanblock in Empfang genommen werden. Quirlig, lautstark und sehr lebendig zeigte sich der mit Schwenkfahnen und Doppelhaltern geschmückte Fanblock. Bereits Stunden vor dem Spiel zogen kleine Gruppen Marseille-Fans durch die Innenstadt und machten mit nur schwer verständlichen französischen Fangesängen – auch für Personen mit Französisch-Kenntnissen – auf sich aufmerksam. Friedlich und entspannt trank so manch ein Borusse mit einem „Olympioniken“ ein Pyroshow der OM-UltrasBier in einer der ansässigen Kneipen auf dem Hansaplatz. Doch der bis dahin gute Eindruck von den Gästefans erlitt beim Einlaufen der Mannschaften leichte Kratzer. Mit einer Bengalo-Einlage, Rauchbomben und einigen Feuerwerkskörpern begrüßte der Gästeblock die Mannschaft. Insgesamt, ohne dabei zu viel vorwegzunehmen, hob sich der Gästebock von den „normalen“ Gästeblöcken in der Champions-League durch seinen aktiven und farbenreichen Auftritt ab. Bei dem Verlesen der Mannschaftsaufstellung gab es auf Seiten der Schwarzgelben keine Überraschungen. Nach soliden Leistungen in der Bundesliga durfte Eric Durm sein Heimdebüt in der Königsklasse geben und übertraf die Erwartungen bei weitem, indem er ein Tor vorbereitete und beinahe ein eigenes erzielte. Gegenüber dem Freiburg Spiel rutschte Pierre-Emerick Aubameyang für Kuba in die Startelf und sollte durch einige Tempovorstoße die Marseiller Abwehr gewaltig unter Druck setzen. Im Tor durfte Langerak den rot gesperrten Roman Weidenfäller ersetzen und lieferte bis auf ein, zwei kleinere Wackler eine souveräne Partie ab.

Anpfiff zur 1. Halbzeit

Sven Bender im ZweikampfIn den ersten Minuten des Spiels hatten die Spieler und die Fans auf der Südtribüne neben ihren Farben eine Sache gemeinsam: Sie machten der Gegenseite deutlich, dass es an diesem Abend für die Gäste nichts zu holen geben würde. Gleich in den ersten Minuten erspielte Dortmund sich gute Möglichkeiten. Mitten in der Sturm und Drang Phase der Borussia tauchte der Mittelstürmer Marseilles Khalifa aus dem Nichts alleine vor Langerak auf und wurde lediglich von Eric Durm begleitet. Khalifa ging im Strafraum zu Boden und so manch einer fühlte sich an das Spiel in Neapel erinnert. Doch der Schiedsrichter ließ weiterspielen und verzichtete auf einen Strafstoß und eine rote Karte für Durm. Eine glückliche Entscheidung aus Sicht der Borussia. Den Gedankengang, was wäre wenn, sollte man an dieser Stelle unter das schwarz-gelbe Bettuch fallen lassen. Marseille trat in der ersten Halbzeit selbstbewusst auf und sollte immer wieder gefährlich vor das Dortmunder Tor kommen, ohne aber dabei wirklich zu einem Abschluss zu kommen. Ein Selbstläufer wie gegen Freiburg schien dieses Spiel nicht zu werden. Doch als man auf den Rängen noch über die strittige Situation im Dortmunder Strafraum debattierte, verzückte die Dortmunder Offensive mit einem zuckersüßen Angriff, vergleichbar mit einem Crepes mit Nutella, den Lewandwoski puderzuckerartig im Tor von Marseille abschließt. 1:0 für Borussia. Durchatmen auf den Rängen. Als Dortmund versucht nachzulegen, tobt das Stadion und die Tribünen erheben sich begeistert von ihren Robert Lewandowski bejubelt den FührungstrefferPlätzen. Mit laufender Spieldauer tragen kleinere Fouls und Ungenauigkeiten im Passspiel beider Mannschaften dazu bei, dass das Spiel ein wenig an Fahrt, nicht aber an seiner Spannung und Attraktivität verliert. Ähnlich wie die Spieler schaltet auch die Südtribüne einen Gang herunter. Zwar wird die Mannschaft weiter unterstützt, doch die Gesangskraft, die man sonst von Europapokal-Spielen kennt, wurde nur noch selten erreicht. Auf der anderen Seite ein ähnliches Bild. Richtig laut wurde es im Gästeblock nicht mehr, was sicherlich auch dem Spiel der Gäste geschuldet war. Erst in den letzten 20 Minuten der 2. Halbzeit sollten die Marseiller aus ihrer Winterstarre erwachen, als der schwarzgelbe Anhang stimmungstechnisch vor sich hin dümpelt.

Anpfiff zur 2. Halbzeit

Die zweite Halbzeit beginnt wie die erste. Schwungvoll stürmt Borussia mit dem Laufwunder Großkreutz nach vorne. Vermutlich würde Großkreutz bei einem Marathon als erster durchs Ziel laufen – wohlgemerkt mit einem Ball am Fuß. Es ist die 52. Minute, in der der Torhüter von Marseille die Königsklasse mit der Kreisklasse verwechselt, einen Freistoss von Reus aus dem Halbfeld nicht unter Kontrolle bekommt und den Ball ins Tor fallen lässt. Das Marco Reus erzielte das 2-0Westfalenstadion steht Kopf. Der sogenannte Drops schien gelutscht zu sein. Erst recht, weil Dortmund nachlegt und immer wieder zu guten Chancen kommt. Der BVB kontrolliert das Spiel durch sein agressives Pressing und lässt Marseille kaum Luft, um durchzuatmen. Die Folge das 3:0. Dabei ist weniger das Tor (Elfmeter getreten von Lewandowski) erwähnenswert, sondern die Scene die zum Elfmeter führte. Nachdem Durm (58.), Aubomeyang (61.) und Sahin (72.) beim Abschluss Pech hatten, leitete Reus das 3:0 durch eine klasse Einzelleistung vor. Wie ein spitzer Degen drang Reus in den Strafraum ein, überlief seinen Gegenspieler und wurde letztendlich nur durch ein Foulspiel von einem Torschuss abgehalten. Lewandowski verwandelt den fälligen Elfmeter sicher. Das Spiel war entschieden und man konnte den Eindruch gewinnen, dass Marseille mit dem Kopf bereits beim nächsten Liga-Spiel war. Bei dem Duell am kommenden Spieltag gegen Paris geht es für Fans und Mannschaft um mehr als nur 3 Punkte. Dortmund gewinnt am Ende hochverdient und überzeugend mit 3:0 gegen Marseille und meldet sich in der Champions-League zurück. Zufrieden verlassen Spieler und Fans das Stadion, lediglich Jürgen Klopp wirkt nach dem Spiel leicht angefressen und diktierte einem Reporter folgendes in sein Mikro, als dieser nach seinem Abend auf der Tribüne fragt: "Man sieht besser.....sonst ist alles scheiße!!!"

Die Profis in der Kritik:

Defensiv sehr souverän und wirbelte vorne mächtig mit und überzeugte mit seiner herausragenden LaufbereitschaftMitch Langerak (2-): Kaum geprüft, allerdings mit kleinen Unsicherheit bei einem Fernschuss in der ersten Halbzeit.

Kevin Großkreutz (1): Defensiv sehr souverän und wirbelte vorne mächtig mit und überzeugte mit seiner herausragenden Laufbereitschaft

Neven Subotic (3+):Ließ Khalifa bei seiner großen Chance freien Lauf, verteidigte ansonsten äußerst souverän.

Mats Hummels (3): In der Defensive überzeugend, allerdings unterliefen ihm einige Fehlpässe beim Spielaufbau und er verrannte sich das ein oder andere Mal im gegnerischen Mittelfeld.

Erik Durm (2-): Störte Khalifa in höchster Not und hätte sich über eine rote Karte und einen Strafstoß nicht beschweren dürfen. Allerdings legte er wenig später das 1:0 auf und hätte im zweiten Durchgang beinahe selbst das Tor getroffen (57.).

Sven Bender (2): Abgeräumt!

Ballantreiber mit dem einen oder anderen feinen Pass.Nuri Sahin (2): Initiierte einige Angriffe und sorgte mit starken Steilpässen regelmäßig für Überraschungen. Solide Leistung in der Defensive.

Pierre-Emerick Aubameyang (3-): Sprintete wie kein anderer, zeigte jedoch Schwächen im Passspiel und hatte auch im Abschluss kein Glück.

Henrikh Mkhitaryan (2-): Ballantreiber mit dem einen oder anderen feinen Pass.

Marco Reus (1-): Mr. Gefahr. Ob Freistoß, Tempodribbling oder Fernschuss, seine Aktionen sorgten für Falten bei den gegnerischen Abwehrspielern und erst recht beim Torhüter.

Robert Lewandowski (3+):Hatte gegen die Innenverteidiger einen schweren Stand. Erfüllte zwar durch seine beiden Tore seine Torquote, wirkte allerdings in mancher Situation etwas eigensinnig und verpasste es seinen Mitspieler in Scene zu setzen.

Stimmen zum Spiel

Jürgen Klopp war mal wieder zufriedenJürgen Klopp auf der Pressekonferenz zu der Frage, wie es sich angefühlt, auf der Tribüne zu sitzen…. So etwas brauche ich nicht allzu häufig. Wenn das Spiel aber so gut läuft wie das heutige, ist das aber schon zu ertragen. Josef Schneck hat versucht, mich zu unterhalten. Den Rest hat die Mannschaft gemacht.

Jürgen Klopp auf die Frage, ob Eric Durm nach seiner guten Leistung seinen Stammplatz an Schmelzer so leicht wieder hergeben möchte….

Ich brauche keine Spieler, die ihren Platz freiwillig hergeben würden. Ich bin superglücklich, mit welcher Coolness er das erste Tor vorbereitet hat. Und wenn Marseilles Torwart nicht mit einer Weltklasseparade geklärt hätte, wäre ihm bei seiner Premiere sogar noch ein Treffer gelungen. Seine Leistung war außergewöhnlich gut. Die Belastung ist unglaublich hoch, und wir können alle Spieler gebrauchen. Deshalb freut sich Kevin Großkreutz auch darauf, wenn Lukasz Piszczek wieder fit ist - und Erik Durm darauf, wenn Marcel Schmelzer wieder spielen kann.

So haben sie gespielt

Jubel um Robert LewandowskiBorussia Dortmund: Langerak - Großkreutz, Subotic, Hummels, Durm - Bender, Sahin - Aubameyang, Mkhitaryan, Reus - Lewandowski

Olympique de Marseille: Mandanda - Fanni, N´Koulou, Mendes, Mendy - Romao, Imbula - Payet, Valbuena, A. Ayew - Khalifa

Einwechselungen: 71. Blaszczykowski für Aubameyang, 82. Hofmann für Reus, 88. Sokratis für Mkhitaryan – 73. Lemina für Payet, 80. Thauvin für Khalifa, 81. J. Ayew für Valbuena

Tore: 1:0 Lewandowski (19., Durm), 2:0 Reus (52., direkter Freistoß),3:0 Lewandowski (80., Foulelfmeter, N´Koulou an Reus) Eckstöße: 5:0 (Halbzeit 2:1) Chancenverhältnis: 7:1 (3:1) Gelbe Karten: Subotic, Bender - Romao, Fanni, N´Koulou

Christoph, 2.10.2013

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