Spielbericht Jugend

Was ist los mit euch? Habt ihr keinen Bock mehr?

29.04.2013, 10:09 Uhr von:  Redaktion

Beste Bedingungen für eine KlatscheAusgerechnet der in der Winterpause vom heutigen Gegner gewechselte Marian Sarr stellte seinen Teamkollegen nach dem vorletzten Gegentreffer bei der am Ende blamablen 0:5-Niederlage der U19 in Leverkusen diese Frage. Willenlos, leblos und am Ende vorgeführt präsentierte sich die Mannschaft des scheidenden Trainers Sascha Eickel in den zweiten 45 Minuten.

Neben dem Götze-Transfer und dem grandiosen Sieg über Real Madrid ging in der letzten Woche eine Nachricht aus der BVB-Jugendabteilung fast unter. U19-Trainer Sascha Eickel verlässt in der Sommerpause aufgrund unterschiedlicher strategischer Vorstellungen unseren Verein. Im Niemandsland der Tabelle, dazu noch der Trainer bald weg. Wer oder was sollte unseren Nachwuchs da noch motivieren können, innerhalb von vier Tagen gegen das Spitzenduo der Bundesliga West, Gelsenkirchen und Leverkusen, erfolgreich zu bestehen?

Am Donnerstag verlor unsere U 19 jedenfalls schon einmal in einem eher an Handball erinnernden Spiel „nur“ mit 0:1 beim unangefochtenen Tabellenführer in Gelsenkirchen-Ückendorf, die momentan in den beiden ältesten Altersklassen über eine beneidenswert herausragende Jugendarbeit verfügen. Nun am Sonntag wartete mit dem Tabellenzweiten im Kurtekot-Fußballzentrum zu Leverkusen (was postalisch übrigens eigentlich in Köln liegt) der nächste vermeintlich unlösbare Brocken auf den schwatzgelben Nachwuchs.

Sarr gegen seinen alte Mannschaft

Alle Augen waren bei dieser Partie natürlich auf BVB-Neuzugang Marian Sarr gerichtet, der in der Winterpause unter einigem Getöse aus der Bayer-Jugendabteilung zu unseren Farben wechselte und als großes Innenverteidigertalent in Deutschland zählt. Wenn man sich unter die Eltern und Angehörigen des Heimvereins mischt, erfährt man in diesem Zusammenhang übrigens, dass „Marian an einer heftigen Bienenallergie“ leidet. Wird die Dortmunder Imkerinnung nun entsprechend sensibilisiert werden vom Verein?

Beste Bedingungen für ein U19 Bundesliga SpielDas Spiel begann bei bestem Fußballwetter vor ordentlicher Kulisse. Vielleicht sollte jemand der BVB-Verantwortlichen mal Anschauungsunterricht hier oder bei anderen Vereinen in puncto Jugendfußball nehmen. Während beim BVB total wichtigtuerisch manchmal mehr Ordner als Zuschauer die vermeintliche Sicherheit rund um ein U19-Spiel gewährleisten müssen und man sogar recht hohen Eintritt latzen muss, kann man in Leverkusen für lau und ohne lästiges, am Sonntagmorgen unterbeschäftigtes Ordnerpersonal ungestört Fuppes gucken. Nur der „Fluch der Karibik“-Soundtrack zum Einlauf wirkte bei dieser Kulisse dann doch noch etwas zu deplatziert.

Die erste Chance gehörte dem Favoriten und Gastgeber, doch ging Chatos Schuss aus etwa 13 Metern letztlich weit über das Tor (5.). Aber schon in dieser Szene ließ sich die Angriffsstrategie der Leverkusener eindrucksvoll studieren: Dreiecke im Mittelfeld bilden, um dann über die schnellen Außen in die Spitze zu stoßen. Nach 14 Minuten verhinderte dann Göcke im BVB-Tor die Bayer-Führung durch Wagener ganz stark per Fuß, nachdem Auswahlspieler Zeugner in der Vorwärtsbewegung leichtfertig den Ball verlor. Die erste Viertelstunde erinnerte wieder eher an Handball und nur Ruhepol Sarr sorgte hinten für etwas Defensivstabilität.Vielleicht kannte er aber auch nur die Tricks seiner ehemaligen Mitspieler am besten...

BVB-Führung aberkannt

Der erste Entlastungsangriff führte dann zur überraschenden, aber nur vermeintlichen Führung durch die einzige BVB-Spitze Kevin Holz. Denn Schiri Zielsdorf hatte was dagegen. Was war passiert? Holz setzte sich im Laufduell geschickt durch, schoss nach einem „Zweikampf“ mit Torwart Schnitzler im dritten Versuch auch ein. Dabei soll er ihm jedoch angeblich den Ball aus der Hand geschossen haben. Trainer Sascha Eickel war am Seitenrand außer sich. Wiederum nur drei Minuten später parierte erneut Göcke spektakulär gegen den einschussbereiten Bakis.

Beide Mannschaften vor dem SpielEine gute halbe Stunde war gespielt, als sich die Ereignisse etwas überschlugen. Der BVB musste verletzungs- und disziplinbedingt zweimal wechseln (Knystock angeschlagen, Dytko mit Widerworten gegen Eickel), ehe Göcke zum dritten Mal fantastisch sein Team mit einer Parade gegen einen Kopfball aus Nahdistanz vor dem Rückstand bewahrte. Der größte BVB-Gegner war inzwischen aber eh Schiedsrichter Zielsdorf, der zu diesem Zeitpunkt tatsächlich relativ einseitig zu Gunsten der Gastgeber pfiff und zu allem Überfluss auch noch ein weiteres Tor von Holz aberkannte (diesmal aber wohl zu Recht wegen Abseits). So blieb es zum Halbzeitpfiff beim torlosen Unentschieden.

Unmittelbar nach Wiederbeginn war schließlich auch der starke Göcke machtlos. Stoßstürmer Bakis konnte sich nach einem zu kurz in die Mitte abgewehrten Ball seelenruhig die Ecke aussuchen und schlenzte gekonnt zur Führung ein. Besonders bitter: Nur kurz zuvor setzte sich erneut der wuselige Holz vorne rechts durch, agierte aber in dieser Situation zu eigennützig und scheiterte schließlich an Schnitzler. Auf der Gegenseite war es nach einer Stunde zum wiederholten Male Göcke, der seine Klasse in 1:1-Situationen heute eindrucksvoll bewies. Dieses Mal behielt er gegen den pfeilschnellen Narey die Oberhand.

Doppelschlag zur Entscheidung

Dieser Narey hatte jetzt richtig viel Platz, was auch mit einer Einwechslung Eickels zu tun hatte. Für Innenverteidiger Zeugner kam Offensivkraft Benkarit, sodass Leverkusen nun ordentlich Platz für Konter hatte. Und nur drei Minuten nach dieser taktischen Umstellung war es mit schöner Einzelleistung erneut Narey, der zum 2:0 aus spitzem Winkel einschießen konnte. Entweder Eickel lag daneben oder die Spieler konnten es nicht umsetzen. Zumindest war der BVB hinten jetzt offen wie das berühmte Scheunentor: Nothnagel spielt selbigen und hob somit das Abseits auf, Bakis fragt Göcke, wo er ihn hinhaben will, spielt dann aber doch ab auf Chato, der zur Entscheidung einschießt (67.).

Marian Sarr rüttelte seine Vorder- und Nebenmänner wachJetzt begann in Teilen eine Vorführung, in der sich manchmal nur noch Göcke gegen ein Schützenfest wehrte. So parierte er unter Aufbietung seiner gesamten Körpergröße einen Volley-Hackenschuss (!) im Anschluss an eine Ecke (73.). Während sich der eingewechselte Benkarit vorne wenigstens noch zwei Chancen erarbeiteten konnte, zeigte der Abwehrverbund in den Schlussminuten Auflösungserscheinungen. Nur Neuzugang Sarr rüttelte seine Neben- und Vordermänner immer wieder wach, doch konnte auch er die Treffer von Paqareda (87.) und Page (90.) nicht mehr verhindern.

Für die U19 geht es nach dieser Schlappe jetzt auf ziemlich skurrile Weise weiter. Zunächst findet am kommenden Sonntag in Brackel gegen den VfL Bochum das reguläre Meisterschaftsspiel um 11 Uhr statt, ehe direkt danach am Montagabend das Halbfinale des Westfalenpokals an gleicher Stelle gegen den gleichen Gegner stattfinden soll. Ob diese Ansetzung so bestehen bleibt, wird sich zeigen. Aber zumindest sind sogar im Fußballportal fussball.de beiden Terminen sogar schon die Schiedsrichter-Ansetzungen zugeordnet. Und auch ob die Jungs von Trainer Eickel zumindest eines dieser Spiele gegen den starken Reviernachbarn erfolgreich bestreiten können, bleibt angesichts der momentan Leistungsfähigkeit fraglich.

Daten zum Spiel

BVB U 19 (4-2-3-1): Göcke – Schewior (54. Bauman), Zeugner (62. Benkarit), Sarr, Deelen – Beutler, Nothnagel – Dytko (32. Kocoglu), Weber, Knystock (27. Dudziak) – Holz

Tore: 1:0 Bakis (47.), 2:0 Narey (65.), 3:0 Chato (67.), 4:0 Paqarada (87.), 5:0 Page (90.)

Chancen: 10:4

Ecken: 2:2

Gelbe Karten für den BVB: Weber (30., Meckern) Sarr (56., Meckern: „Meinste das ernst?“), Deelen (72., taktisches Foul), Holz (76., Foulspiel)

SR: Zielsdorf

Zuschauer: 150

Malte D., 29.4.2013

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