Spielbericht Amateure

Niederlage beim Hitzetest in der Wiege der Ruhrindustrie

02.08.2013, 19:15 Uhr von:  Redaktion

Bei mörderischen Temperaturen holten sich die BVB Amateure in Oberhausen eine 1:3 Niederlage beim Viertligisten RWO ab. Das einzige Tor für die BVB Reserve gelang Balint Bajner nach einer schönen Einzelaktion. Coach David Wagner zeigte sich dennoch zufrieden mit seiner Mannschaft, die erneut durch den älteren Aubameyang Bruder Willi „verstärkt“ wurde. Von den Profis erhielt Neuzugang Sokratis wertvolle Spielpraxis, dafür waren die Profi-Trainingsgäste Durm, Ducksch, Bandowski und Sarr nicht dabei.

Wir warfen auf dem Anmarsch neidische Blicke auf den Typen, der auf einer Luftmatratze im Kanal paddelte. Aber statt zum Badespaß ging es in den benachbarten Glutofen Niederrheinstadion. Die Heimat von RWO ist eine richtig schöne alte Schüssel mit weithin sichtbaren Flutlichtmasten, die man immer wieder gerne besucht. Hier riecht der Fußball noch nach Fußball und nicht nach einem durchchoreographierten Event.

Die topmoderne Anzeigetafel wies zwar moderate 34° aus, aber das konnte einfach nicht der Wahrheit entsprechen. Der Schweiß floss jedenfalls auch bei den unter dem Tribünendach im Schatten sitzenden Zuschauern in Strömen. Dementsprechend wenig zahlende Zuschauer interessierten sich für den Testkick. Dabei stand doch mit Sokratis immerhin ein millionenschwerer Bundesligastar auf dem Rasen. Der Aubame-Willi nahm zu Beginn auf der Bank Platz.

Heiß war es im KohlenpottDie erste Chance hatten die Underdogs vom RWO. Bauder zog von der Strafraumgrenze ab und verfehlte den Kasten von BVB Keeper Bonmann nur knapp. Beim BVB tauchte Derstroff als erstes in der Gefahrenzone auf, als er einen Eckball am kurzen Pfosten Richtung Tor zu köpfen versuchte, leider scheiterte er bei diesem technisch anspruchsvollen Unterfangen doch recht deutlich. Im nächsten Versuch machte er es wesentlich besser, als er ein feines Zuspiel von Jordanov mit der Fußspitze an RWO Keeper Kühn vorbei spitzelte, aber leider wurde sein Ball noch von einem Verteidiger von der Linie gekratzt. Nun machten sich drei Gestalten bemerkbar die in Badekleidung außen am Stadionzaun hochgeklettert waren und ein paar „R-R-RWO“ Schlachtrufe schmetterten. Das übrige Publikum blieb, von der Hitze gelähmt, dabei, das Spiel schweigend zu verfolgen. So blieb einem wenigstens die typische Testspielatmosphäre erspart.

Nach einer guten Viertelstunde hatte Talarski die Führung für RWO auf dem Fuß, aber Bonmann zeigte seine bekannten Stärken beim Rauslaufen und so schoss der Stürmer ihn etwas überhastet an. Dann unterlief Kühn ein Fehler, den Kefkir beinahe nutzte. Der Schlussmann unterschätzte eine weite Flanke von Jordanov und lenkte den Ball mit einer Hand nur unwesentlich ab. Kefkir setzte einen eingesprungenen Schuss an, traf bei seiner artistischen Einlage aber leider den Ball nicht voll.

Sokratis gegen JansenMitte der Halbzeit unterbrach der Schiri die Partie, damit die Spieler ihren Flüssigkeitshaushalt wieder auf Vordermann bringen konnten. Ein ganz junger Zuschauer sorgte für Erheiterung, als er diese Unterbrechung schon für die Halbzeitpause hielt und das lauthals verkündete. Derstroff gehörte eindeutig zu den Aktivposten beim BVB. Er zog direkt nach der Trinkpause einen unwiderstehlichen Sprint Richtung Strafraum an und konnte nur mit einem knallharten Tackling gestoppt werden. Den fälligen Freistoß setzte David Solga allerdings aus guter Position in die Mauer und als ihm der Ball daraufhin wieder vor die Füße fiel, verfehlte er das Tor mit seiner Direktabnahme um einen guten Meter.

Sokratis dirigierte gestenreich seine Mannschaft und verteilte die Bälle aus der letzten Reihe gut ins Mittelfeld. Auch jedes Kopfballduell ging an den Griechen. Einen Innenverteidiger in einem Testspiel gegen einen unterklassigen Gegner zu bewerten, fällt nicht leicht, aber alles was er machte verdeutlichte, dass er in einer anderen Liga zuhause ist. Nach 40 Minuten kam Kefkir direkt an der Strafraumgrenze zu Fall. Scheinbar war er gehalten worden. Als alles mit dem Elfmeterpfiff rechnete, verlegte der Schiri den Tatort knapp vor den 16er. Der Gefoulte schritt selbst zur Tat und sein Gewaltschuss verfehlte den Kasten nur knapp. Kurz vor dem Pausenpfiff gingen die Hausherren in Führung. Landers brachte den Ball flach vors Tor und Bauder grätschte ihn über die Linie.

Ähnlichkeit ist vorhanden, aber nicht bei der SpielqualitätZur zweiten Halbzeit meldeten sich nochmal die halbnackten RWO Supporter auf der anderen Seite des Zauns zu Wort. Diesmal präsentierten sogar 5 Jungs dem Stadion ihre Bäuche. Aber auch ihre Kondition hielt sich bei der Hitze in Grenzen und so verschwanden sie nach ein paar Minuten Anfeuerung wieder in der Versenkung. Beide Mannschaften wechselten munter durch, Dave Wagner beließ mit Sokratis, Bajner und Jordanov nur drei Spieler auf dem Platz, die von Anfang an mitgewirkt hatten.

RWO blieb weiter tonangebend. Zweimal brach der eingewechselte Mützel über Links durch. Einmal bediente er in der Mitte Smykacz, dessen Versuch weiterzuleiten aber geblockt wurde und im zweiten Versuch versuchte er es selbst vom Strafraumeck und schoss knapp vorbei. Balint Bajner zeigte ihm dann, wie man es besser macht. Er startete eine Einzelaktion am rechten Flügel, zog in den Strafraum und schoss den Ball unhaltbar in die lange Ecke.

Bei einer knappen Abseitsentscheidung gegen RWO meldeten sich endlich auch die Meckerrentner zu Wort und schickten ein paar Verwünschungen in Richtung Schiedsrichter. Das ist die Art von Testspielatmosphäre, die man kennt und liebt. Die besseren Offensivaktionen hatte auch weiter RWO. Scheinbar kamen die Männer in Weiß mit der drückenden Hitze besser zurecht.

Nach einer erneuten Trinkpause versuchte sich Mustafa Amini einmal aus der Distanz, doch sein Schuss strich knapp am linken Pfosten vorbei. Dann war der Test für Sokratis vorbei und er machte Platz für Koray Günter, der nach langer Verletzungspause sein Comeback feierte. Außerdem musste der zur Pause eingewechselte Deelen schon wieder runter. Laut Dave Wagner hat er eine Muskelverletzung davon getragen. Er wurde von dem ebenfalls länger verletzten Özbek ersetzt.

Felix Herzenbruch gegen Marc HornschuhDie BVB Abwehr war nun einen Moment lang unsortiert. Diese Gelegenheit nutzte Smykacz zur erneuten Führung für RWO. Er hatte sich im Rücken von Aubameyang frei geschlichen und so keine Probleme, eine flache Hereingabe zu verwerten. Nach einer Ecke von Treude versuchte sich Özbek an einem Traumtor. Er legte sich den Ball selbst hoch vor und zog von der Strafraumgrenze einfach mal aus der Drehung ab, aber seine Bogenlampe strich ganz knapp über die Latte.

Im Gegenzug erzielte Smykacz seinen nächsten Treffer. Diesmal tanzte er Hohmann einfach aus und schob ein, nachdem er erneut schön im Strafraum freigespielt wurde. Das Publikum zeigte sich angemessen begeistert von seiner technischen Meisterleistung und versuchte sich im Anschluss sogar im rhythmischen Klatschen. Bei beiden Treffern von Smykacz bewies Willi Aubameyang, dass die Innenverteidigung wohl eher nicht seine bevorzugte Position ist. Die Schnelligkeit seines Bruders hat er jedenfalls nicht vererbt bekommen und auch technisch zeigte er einige Schwächen.

Fast wäre die Klatsche für die Amateure sogar noch höher ausgefallen, denn Hohmann faustete sich eine Ecke beinahe selbst ins Tor. Der Ball prallte aber von der Unterkante der Latte wieder ins Feld zurück. Kurz vor Schluss zeigte Jordanov dann noch einen schönen Freistoß von halblinks, den der RWO Keeper nur mit letzter Mühe noch mit den Fingerspitzen über die Latte lenken konnte. Dann hatte der Schiri ein Einsehen und beendete die Partie. Die Anzeigentafel zeigte immer noch 34° als die völlig nassgeschwitzten Spieler in Richtung Kabine trabten.

Coach Wagner war immer nicht ganz unzufriedenCoach Dave Wagner zeigte sich trotz der Niederlage nicht unzufrieden: „Besonders in der ersten Halbzeit haben wir das gut gemacht und nur unsere Chancen nicht genutzt. Oberhausen hatte da nur einen vernünftigen Angriff, mit dem sie dann in Führung gegangen sind. In der zweiten Halbzeit haben wir ein wenig die Stabilität verloren, aber das ist für mich erklärbar, weil wir mit Aubameyang in der Innenverteidigung und wegen der Verletzung von Marcel Deelen zeitweise in Unterzahl gespielt haben. Balint Bajner macht ein schönes Tor, Koray Günter spielt das erste Mal nach 4 Monaten Pause und Ufuk Özbek das erste Mal nach 3 Monaten Pause. Leider hat Marcel Deelen eine Muskelverletzung davon getragen. Ich bin mit dem Test aber insgesamt sehr zufrieden, weil er uns den ein oder anderen Wink gegeben hat und zwar in beide Richtungen.“

Statistik

BVB II HZ1: Bonmann – Hornschuh, Meißner, Sokratis, Nothnagel – Solga, Nyarko – Jordanov, Derstroff, Kefkir - Bajner

Wechsel zur Pause: Hohmann, Deelen, Harder, Treude, Serwy, Schewior, Amini, W. Aubameyang für Bonmann, Meißner, Hornschuh, Kefkir, Nothnagel, Nyarko, Derstroff, Solga

Wechsel 65. Min.: Günter für Sokratis, Özbek für Deelen

Tore: 1:0 Lauders (45.), 1:1 Bajner (52.) 2:1 Smykacz (67.) 3:1 Smykacz (78.)

Web, 02.08.2013

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