Im Gespräch mit...

...der Fanvereinigung SKWK von Wisla Krakow

23.01.2013, 23:14 Uhr von:  Redaktion

Interview mit SKWK von Wisla KrakowManche Themen lassen einen einfach nie so wirklich los. Vor geraumer Zeit diskutierten wir in geselliger Runde die Entwicklung in Polen und speziell in Krakau, da meine Freundin dort wohnt. Natürlich ist ihr Lieblingsverein Wisla Krakau auch immer ein Gesprächsthema. An dem besagten Abend erzählte sie uns davon, dass die Fantribüne für das kommende Spiel geschlossen wird. Zu dieser Zeit war die Diskussion um die Aktion 12:12 im vollen Gange und wir warfen immer mehr ein Auge auf unser Nachbarland. Da ich schon bei Wisla zu Gast war und die Stimmung als sehr beeindruckend empfand wollte ich mehr wissen als ich in den Zeitungsartikeln erfahren konnte und so bat ich meine Freundin darum, mir bei einem Interview mit den Fans von Wisla zu helfen. Ich ging eigentlich nicht davon aus, dass wir eine positive Antwort erhalten würden, aber wie ihr seht, lag ich da falsch ;).

Bevor ich euch gerne meine Fragen stellen würde, wäre es super, wenn ihr euch selbst kurz vorstellen könntet!

SKWK: Grüßt euch, wir sind die Fanvereinigung SKWK von Wisla Krakow (Stowarzyszenie Kibiców Wisla Kraków).SKWK wurde vor mehr als 10 Jahren gegründet. Das Hauptziel von uns ist es, die Fans von Wisla in einer aktiven Organisation zu vereinen. Diesen Anspruch wollen wir durch eine Art organisierten Support erreichen, der sich unter anderem durch die Erstellung und Planung von Choreos, Spruchbändern und den Einsatz von üblichen Fanutensilien auszeichnet. Neben der Zusammenarbeit mit dem Verein verkaufen wir unsere eigenen Fanartikel und nehmen die Planungen für die Auswärtsspiele in die Hand. Eine weitere Facette unserer Arbeit ist die Organisation von Fan-Club-Turnieren, diversen Veranstaltungen (Feiern, Partys,..) und die Durchführung von Charityaktionen, z.B. wurde Geld für einen krebskranken Jungen gesammelt.

Vereinigt ihr alle Fans von Wisla hinter SKWK?

SKWK: Es ist unmöglich, bei einem Club wie Wisla (einem der ältesten polnischen Vereine) für alle Fans zu sprechen oder gar den Großteil in unserer Organisation zu bündeln. (Anmerkung: Im Gegensatz zu unserer deutschen Kultur ist es bei den Polen nicht so weit verbreitet, sich in Vereinen oder ähnlichem zusammenzuschließen). Daher zeichnet sich SKWK als Zusammenschluss der aktiven Fanszene von Wisla aus.

Seht ihr euch öfters Kritik ausgesetzt und wie geht ihr damit um?

SKWK: Natürlich ist es wie in anderen Bereichen... Man stößt immer mal auf Kritik oder auf Unverständnis, aber wenn wir von einer Sache überzeugt sind, die zum Wohle Wislas bestimmt ist, dann ziehen wir es durch und lassen uns nicht von anderen davon abbringen.

Natürlich komme ich noch zur aktuellen Situation bei Wisla, aber bitte erlaubt mir vorher ein paar Fragen, die ich seit meinem ersten Besuch rund um Reymonta22 habe! Ich besuchte mit meiner Freundin euer Euroleague Spiel gegen Standard Liege und ich hatte dank den aktuellen Vorgaben große Probleme eine Karte zu bekommen.

Wie sieht euer normaler Fanalltag (speziell bei Auswärtsspielen) unter diesen Bedingungen aus?

SKWK: In Polen gibt es ein Gesetz über die Durchführung diverser Massenveranstaltungen, was die Bedingungen regelt unter denen ein Fußballspiel stattfinden muss. Dieses Gesetzt besagt, dass jeder, der ein Spiel besuchen will, seine privaten Daten veröffentlichen muss. Die Umsetzung mündete in der Einführung der Karta Kibica, die neben den privaten Daten (Name, Vorname, Identifikationsnummer) auch ein Lichtbild des Stadionbesuchers erfasst. Darüber hinaus werden alle Eintrittskartentypen auf dieser Karte gebucht.Wenn wir Karten für ein Auswärtsspiel bestellen wollen, dann muss dem Heimverein eine volle Liste zugeschickt werden, mit den persönlichen Daten der Gästefans. Aktuell steht zur Diskussion ein zentrales System einzuführen, was zB eine Karta Kibica für alle polnischen Vereine bedeuten würde (Zur Zeit hat jeder Verein eine eigene Karta Kibica, die auch nur für den Besuch des einen Vereins berechtigt), aber auch die Möglichkeit einer Karta Kibica für Auswärtsspiele steht zur Debatte.

Seht ihr eine Chance, dass dieses System nochmal überdacht und gegebenenfalls geändert wird?

SKWK: Die Restriktionen werden immer zahlreicher und niemand glaubt daran, dass eine Abschaffung der Karta Kibica im Bereich des Möglichen liegt. Wir sind nicht einverstanden mit den Restriktionen, die uns das Leben schwer machen, aber wir haben es geschafft damit umzugehen und machen das Beste draus.

Interview mit SKWK von Wisla KrakowWie ich ja schon sagte, war ich total begeistert von eurer Stimmung und der Kurve insgesamt! Das geschlossene Auftreten, die brachiale Lautstärke der Gesänge waren schon sehr beeindruckend. Erzählt doch bitte was über eure Fanstruktur.

SKWK: Unsere Fantribüne, Tribüne C, setzt sich aus allen Leute zusammen, die auf dieser Tribüne eine Heimat gefunden haben. Die Struktur der Wisla-Fans ist geprägt von Leuten, die sich aktiv für den Verein einsetzen, bei den Spielen alles geben und in Ihrer Freizeit Tätigkeiten nachgehen, die über das "normale" Fansein hinausgehen, zB für Fanrechte einsetzen. Für die Koordination des Supports, Durchführung der Choreos sind mehrere Fangruppen verantwortlich, aber im Endeffekt leben diese Aktionen von der Mitarbeit aller Fans. Es gibt einige Fangruppen in unserem Stadion, aber der Großteil ist nicht in diesen organisiert. Zwischen den Gruppen gibt es keine Probleme und jede füllt eine gewisse Rolle aus, die sie von den anderen im positiven Sinne unterscheidet (Choreo, Spruchbänder,..)

Welche Fanszenen haben eure Fankultur beeinflusst?

SKWK: Im Moment nehmen wir uns kein Beispiel an anderen Fanszenen. Im Verlauf der letzten Jahre fanden wir einen eigenen "polnischen" Stil, der in ganz Europa einen Namen hat. Dieser Stil orientiert sich an der ursprünglichen italienischen Bedeutung des Wortes Ultra. Vor einigen Jahren nahm der Support aus den Balkanstaaten Einfluss auf unsere Fankultur, aber aktuell nehmen wir uns an niemandem ein Beispiel.

Bei meinem Besuch fielen mir die vielen Lechia-Slask-Wisla Schals auf! Für mich als deutscher Fußballfan ist so eine 3er Beziehung nicht alltäglich! Was ist die Geschichte hinter diesem Bündnis und wird diese Freundschaft bei allen Vereinen ähnlich gelebt wie bei euch im Stadion?

SKWK: In Polen sind solche Freundschaften normal. Manchmal sind sie aus der Vereinsgeschichte entstanden und manchmal gehen Fans solch eine Freundschaft ein, um eine starke Allianz zu gründen. Außer zur Lechia und Slask pflegen wir eine freundschaftliche Beziehung zu Unia Tamow und neuerdings auch zu Polonia Przemysl. In all diesen Stadien wird die Freundschaft und der Respekt zueinander offen gezeigt und unterscheidet sich nicht von den Eindrücken aus Reymonta22.

Wie ihr euch sicher denken könnt, ist auch hier euer Derby allen Fans ein Begriff! Bei meinen vielen Besuchen eurer Stadt fielen mir immer sofort die ganzen Graffitis beider Vereine auf, die teilweise nur weniger Häuser voneinander entfernt waren! Wie muss ich mir das Leben mit dem Erzfeind vor der Haustür vorstellen? Ignoriert man sich so gut es geht oder wie geht ihr damit um?

SKWK: Also, Krakau ist eine sehr spezielle Stadt, was Fankultur angeht. Ja, es ist wirklich so, dass eine Straße in unterschiedliche Lager aufgeteilt sein kann. Der Kampf wird nicht nur in den Straßen ausgetragen, sondern auch in anderen Bereichen des täglichen Lebens. In Krakau ist man entweder pro Wisla oder pro Cracovia. Eine solche Situation wie hier in Krakau ist in Polen einzigartig.

Mit großem Interesse verfolge ich die aktuelle Situation um Wisla! Die Schließung eurer Tribüne für das Spiel gegen Slask stimmt ja sehr nachdenklich und ich drücke euch die Daumen, dass dieser Wahnsinn schnell ein Ende findet!Wie kam es aus eurer Sicht zu dieser harten Kollektivstrafe?

SKWK: Beim Abbrennen der Bengalos beim Heimspiel gegen Lech Poznan landeten zwei auf dem Platz und der Schiedsrichter unterbrach darauf die Partie. Der Wojwode (der Ministerpräsident) Kleinpolens nutzte diesen Anlass, um Stärke zu demonstrieren und schloss die Fantribüne für das Spiel gegen Slask Wroclaw, obwohl er es laut Gesetzgebung nicht musste. Als Reaktion darauf blieben wir unter anderem auch dem folgenden Heimspiel fern.

Interview mit SKWK von Wisla Krakow

Auf eurer Homepage ist zu lesen, dass ihr gegen die aktuellen Verhältnisse protestiert. Gebt uns doch bitte ein paar Beispiele, die euch zu diesem Schritt veranlasst haben!

SKWK: In unseren Augen werden Fans in Polen von der Regierung unterschiedlich behandelt. Zum Beispiel ist folgende Situation bezeichnend für die Lage in Polen: An einem normalen Spieltag treffen wir uns gewöhnlich in einer Kneipe in Stadionnähe. Dies ist nichts außergewöhnliches, aber wenn man mit einem Glas Bier in der Hand nach draußen zum Rauchen gehen möchte, wird man direkt für dieses Vorhaben bestraft. Bei der EM wurde aber das Trinken in der Öffentlichkeit geduldet und es gab keine ähnliche Behandlung, wie wir sie des Öfteren ertragen müssen.

Ein weiterer Vorfall ereignete sich beim letzten Spiel gegen Slask Wroclaw (Breslau): Wie vor jedem Spiel sammelten Fans Geld im Stadion für anstehende Choreos usw. Wie es sich gehört, hatten diese Leute die Erlaubnis von der Stadt und dem Verein diese Sammlung durchzuführen. Nur die Polizei hatte an diesem Tag etwas dagegen und wollte die Sammler sogar zur Polizeistation bringen, um die Personalien festzustellen, da sie einen illegalen Akt vermuteten. Dieses konnte nach langer Diskussion von SKWK verhindert werden.

In Polen herrscht nicht nur unter den Fans eine große Sympathie für Pyrotechnik, aber durch das Verbot sind allen Personen, außerhalb der Regierung, die Hände gebunden, an der aktuellen Situation etwas zu ändern.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die mangelnde Meinungsfreiheit in unseren Stadien. Wir wollen unsere Meinung offen äußern können und solange wir keine verbotenen Parolen oder Zeichen präsentieren, akzeptieren wir kein Verbot.

Gerade bei Auswärtsspielen werden die Rechte der Fans immer öfters gebrochen oder ignoriert.Wenn wir zum Beispiel einen Sonderzug machen wollen, dann müssen wir der PKP (polnische Bahn) alle persönlichen Daten der Mitfahrer übermitteln und rund 20% der Sitzplätze im Zug für Polizei und Sicherheitsdienst reservieren.

Eine weitere Methode, die zeigt, dass für Fans andere Regeln gelten, ist der Umgang der Polizei mit den persönlichen Daten der Fans. In Polen ist es nicht erlaubt, Personen ohne echten Verdacht mit ihren ID-Cards zu fotografieren. Diese Praxis findet aber des Öfteren Anwendung und ist ein klarer Verstoß gegen das polnische Recht.

Generell fühlen wir uns wie Tiere behandelt, wenn wir uns dagegen wehren wollen, dann drohen uns umgehend Stadionverbote oder andere Strafen.

Auch in Polen gibt es eine Unschuldsvermutung, aber diese wird gerne ignoriert. So zum Beispiel bei unserem Gastspiel in Warschau. Auf dem Weg wurden einige Schmähgesänge gegen Legia angestimmt. Bei der Ankunft in Warschau wurde willkürlich ein Wislan-Fan bezichtigt, solch ein Lied gesungen zu haben und wurde deswegen bestraft. Bei dieser Bestrafung wurde keine Rücksicht darauf genommen, ob er nun „schuldig" war oder nicht. Solche Beispiele sind für uns Anhaltspunkte dafür, dass die Regierung eine Art „Krieg" gegen die polnischen Fußballfans führt.

Interview mit SKWK von Wisla KrakowAber auch das Verhalten der Vereine ist manchmal etwas fragwürdig. Zum Beispiel bei dem Thema Kollektivstrafen, wo Vereine für Pyrotechnik bestraft wurden und keinen Einspruch gegen die Strafe einlegten. Wisla akzeptierte immer direkt die Höhe des Strafmaßes, aber es gibt auch Beispiele, die zeigen, dass ein Einspruch durchaus Sinn macht. So akzeptierte Lech Poznan die Strafe nicht und bekam in der nächsten Instanz eine Minderung zugesprochen.

Ein weiterer Punkt, der zu bemängeln ist, ist die Einstellung des „Sicherheitsbosses" gegenüber den Fans. Diese Person ist zuständig für die Ordner und beleidigt die Kibice in einer Tour. Für ihn sind Fans nicht anderes als Idioten und der Verein ignoriert diese Vorfälle.

Letztens waren rund 1000 Grundschüler mit ihren Lehrern auf Einladung von SKWK im Reymonta22 und bekamen Ärger mit den Ordnern. Die Order verlangten von den Lehren, auf ihren Sitzen zu bleiben und ermahnten die Kinder nicht zu stehen oder rumzulaufen. Bei unserem Aufeinandertreffen gegen Slask Wroclaw wurde von Vereinsseite das Spiel als „Freundschaftsspiel" ausgerufen, da beide Vereine eine lange freundschaftliche Beziehung verbindet, aber der Ordnungsdienst war da anderer Meinung. Die Kontrollen wurden verschärft, einige mussten ihre Schuhe ausziehen und manch ein Fan aus Wroclaw hatte Probleme, die Zaunfahnen mit ins Stadion zu nehmen. Mit Freundschaft hatte das nun wirklich nichts zu tun...

Unser Verein unterstützt aber die Polizisten: So brauchen diese, selbst wenn sie nicht an dem Tag im Einsatz sind, nichts für eine Eintrittskarte zu bezahlen. Dieser Sachverhalt ist gegeben, da die Polizei unsere Vereinsführung darum gebeten hat.

Weitere Unstimmigkeiten werden im Bereich der Außendarstellung des Clubs sichtbar. Wenn wir von SKWK eine Aktion mit/für Kinder organisieren wollen, dann kommt es oft vor, dass irgendwelche Regularien unsere Planung erschweren. Des Weiteren nutzt der Verein gerne unsere Ideen und unsere Aktionen für ihre eigene Außendarstellung.

Ein weiterer Punkt, den wir in diesem Bereich kritisieren, ist die mangelnde Kompetenz der handelnden Personen im Marketingbereich. In unseren Augen unternehmen sie einfach zu wenig, um die positiven Seite unseres Vereins zu zeigen oder Wisla würdig nach außen zu vertreten.

Auch in unserem Stadion sehen wir Verbesserungsmöglichkeiten. So gibt es im Stadion keine echte Möglichkeit, wie eine Kneipe, sich auf ein Bier oder Kielbasa zu treffen und auch sonstige Inneneinrichtungen, wie die Sitzplätzte, sind verdreckt oder gar total zerstört.

Des Weiteren würden wir uns wünschen, dass unsere Jugendabteilungen professioneller geführt werden und der Fokus bei der Gestaltung des Kaders mehr auf der Jugend liegen würde als auf zugekaufte Spieler.

Wir wünschen uns, dass alle Fans von Wisla uns unterstützen, um diese Missstände zu bekämpfen, da es uns alle angeht.

Interview mit SKWK von Wisla KrakowWie wurde der Protest von Vereinsseite aufgenommen? Steht ihr im Kontakt mit dem Vorstand oder sind die Fronten verhärtet?

SKWK: Im Moment warten wir auf eine Reaktion seitens des Clubs.

Der Staat und die Polizei in Polen glänzte ja schon vor der EM mit Maßnahmen wie "Fußfessel" für potentielle Gewalttäter und auch Kollektivstrafen für Fangruppen sind traurige Wahrheiten geworden! Ihr prangert diese Punkte natürlich völlig berechtigt an, aber wie wollt ihr das Problem lösen? Ist hier vielleicht auch Deutschland ein mögliches Modell für Polen? Wir haben es geschafft, eine vereinsübergreifende Aktion (www.12doppelpunkt12.de) zu starten, die in der Öffentlichkeit für ein großes Aufsehen sorgte, da in allen Stadien für 12 Minuten und 12 Sekunden einfach Ruhe herrschte und so die traurige Zukunft ohne Fans der Allgemeinheit und den Entscheidungsträgern in der DFL, Politik vorgestellt wurde.

SKWK: Wir glauben nicht, dass eine solche Aktion, wie sie in Deutschland gestartet wurde uns helfen könnte. Die Situation in Polen stellt sich komplett anders dar. Wir haben solche Aktionen wie Stimmungsboykott oder auch das Verlassen der Tribüne in der Vergangenheit öfters durchgeführt und das, ohne einen nennenswerten Erfolg zu erzielen. Was wir jetzt brauchen, ist ein Protest im ganzen Land, zB ein Ligaboykott (keine Karten kaufen, keine Stimmung)! Wir glauben, dass nur eine Änderung herbeigeführt werden kann, wenn die Vereine, der polnische Fußballverband und die Sponsoren sehen, dass die Einnahmen wegbrechen. Solch ein Einsehen müsste dazu führen, dass mit uns die Dialoge fortgeführt und Änderungen angestrebt werden.

Erklärt uns doch bitte, was ein Stadionverbot in Polen für den betroffenen Fan bedeutet! Mit wie vielen Jahren muss ein polnischer Fan rechnen, wenn es ihn erwischt hat? Welche Auflagen muss er am Spieltag erbringen?

SKWK: Stadionverbot können in Polen durch Gerichte verhängt werden, wenn man zB durch den Einsatz von Pyrotechnik gegen die geltenden Vorschriften zum Besuch von Massenveranstaltungen verstößt. Ein Stadionverbot kann 2 bis 6 Jahre dauern und gewöhnlich ist es damit verbunden, sich während des Spiels bei der Polizei zu melden.

In Deutschland wird die Diskussion um ein Stadionverbot meist in Verbindung mit dem Thema Pyrotechnik genannt. Ihr setzt euch ja auch für den Einsatz von Pyrotechnik ein. War Pyro schon immer ein Teil der polnischen Fankultur? Gab es in Polen, ähnlich wie es in Deutschland die Ultragruppe taten, auch ein Herantreten an die Vereine, Verbände, um über dieses Thema zu sprechen?

SKWK: Die Geschichte des Gebrauchs von Pyrotechnik in polnischen Stadien geht einher mit dem Auftauchen der ersten organisierten Fangruppen. Mit den Jahren wurde das Abbrennen von Pyrotechnik immer ein größerer Dorn im Auge der Regierung. Anfangs wurde es nur als Ordnungswidrigkeit angesehen und die Strafen für die Vereine waren kaum der Rede wert, aber jedes Jahr brachte Verschärfungen mit sich. Je größer die Repressionen wurden, desto mehr wurden die Bengalos ein Symbol für unseren Kampf um unsere Fankultur. Die letzte Runde stellt den Gipfel des Konfliktes zwischen Fans und Regierung samt Premierminister Donald Tusk dar. Dieser Krieg geht nun schon eine lange Zeit und wir zeigen Ihnen immer noch, dass wir nicht aufgeben werden, was die andere Seite mit Unverständnis aufnimmt. Neuerdings wird der Gebrauch von Pyrotechnik, auch wenn es nur eine Fackel ist, damit bestraft, dass ein Teil des Stadions oder sogar das ganze Stadion gesperrt wird. Die Hoffnungen, die Pyrotechnik auf diese Weise aus den Stadien zu verbannen, gingen in den folgenden Spieltagen im Rauch der Fackeln auf, die in ganz Polen auf das Spielfeld flogen, um zu zeigen, dass man sich nicht unterkriegen lässt.

Einige Tribünen wurden geschlossen und manch ein Club-Offizieller fing das Nachdenken an. Bis dahin wurde immer über eine Legalisierung von Pyrotechnik gesprochen, aber außer Bestrafungen wurde nichts getan. Aktuell gibt es Gespräche zwischen dem polnischen Fußballverband und dem "Dachverband" polnischer Fußballfans über dieses Thema, aber ein Ergebnis ist noch nicht absehbar. In den ganzen Jahren lernten wir, dass sie sehr viel reden können, aber dass das Handeln zu wünschen übrig lässt.

Unsere Beziehung zur Pyrotechnik ist sehr radikal. Wir werden keine großen Zugeständnisse machen. Keiner von uns kann sich vorstellen, mit einer Warnweste bekleidet eine limitierte Anzahl von Fackeln zehn Minuten vor Anstoß in einem Extrabereich abzubrennen und dabei eine Handvoll Sand mit sich zu führen. Wir würden solch einem Szenario niemals zustimmen, da es mit dem Wort "Ultras", welches für uns das Wichtigste ist, nichts mehr zu tun hätte.

SKWK kritisiert den Verein für sein respektloses Verhalten gegenüber den eigenen Fans. Mit welcher Begründung hat euch die Vereinsführung das Aufhängen von Zaunfahnen verboten?

SKWK: Der Verein hat uns das Aufhängen der Zaunfahnen verboten, da sie denken, dass Fans, die Pyrotechnik zündeten, im Schutze der Fahnen sich vermummen und so später nicht identifiziert werden konnten. Die Begründung wurde nie offiziell bestätigt, aber es ist ein offenes Geheimnis.

Kommen wir nun zum Ende: Wie seht ihr die Zukunft in polnischen Stadien und speziell bei euch im Reymonta22?

SKWK: Es ist schwer zu sagen, was während der Winterpause passieren wird. Wenn alle diese Diskussionen nicht in einer Lösung enden, dann wird der Konflikt immer schlimmer. Einige Fans kämpfen nicht nur gegen die Regierung sondern auch gegen den Club, wie zB wir, Legia Warschau und so weiter! Alles nur, weil die Vereinsbosse uns nicht respektieren und die Fans die aktuelle Situation nicht anerkennen werden. Mehrere Seiten haben uns unter Beschuss, aber es ist nicht das erste Jahr unseres Kampfes! Wir sind davon überzeugt, dass wir es schaffen werden. Vielleicht müssen wir für eine gewisse Zeit die Spiele boykottieren, aber wir werden es sicher überstehen. So ist einfach unsere polnische Mentalität. Wir geben niemals auf!

Ich bedanke mich für eure Zusammenarbeit und wünsche euch und Wisla Krakow alles Gute für die Zukunft und dass diese eine bessere wird als viele es vermuten!

SKWK: Danke

Doro, Kesterter, 23.01.2013

Schwatzgelb.de bedankt sich recht herzlich bei Kesterter und Doro dafür uns das Interview zur Verfügung zu stellen (und natürlich die ganze Arbeit)


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