Im Gespräch mit...

...Janni: Wie geht es weiter bei Franz Jacobi?

16.10.2013, 17:25 Uhr von:  Redaktion

Nachdem wir vorletzten Freitag gemeinsam den Abschluss der Finanzierungsphase des Franz-Jacobi-Projekts gefeiert haben, gilt es jetzt, einmal kurz Resümee zum Abschluss der Fundingphase zu ziehen und einen Ausblick auf die weiteren Schritte zu wagen. Hierzu hat uns Janni stellvertretend für das Team einige Fragen beantwortet.

SG.de: Die Fundingphase ist abgeschlossen. Das Minimalziel 120.000 € habt Ihr frühzeitig pulverisiert, das Maximalziel kurz vor Schluss auch noch locker übersprungen. Hand aufs Herz: War die Viertelmillionen ein Traum, oder wirklich ein realistisches Ziel von Euch?

Janni: 250.000 € war die absolute Wunschvorstellung. Davon haben wir teilweise geträumt, aber auch nicht immer für realistisch gehalten. Dass es am Ende sogar getoppt werden konnte, ist der Wahnsinn!

SG.de: Ihr betont, dass das Franz-Jacobi-Projekt nie als Projekt einzelner Leute, sondern der gesamten Fanszene geplant war. Könnt Ihr ungefähr angeben, welcher Anteil der knapp 260.000 € von den Fans und welcher von Sponsoren gespendet wurde?

Janni: Ungefähr 50:50. Den ganz genauen Wert müssten wir erst ermitteln. Der ist aber auch egal. Wichtig ist, dass wir a) das Geld zusammen bekommen haben und b) dass hier angefangen von der Führung des BVB, über die Fans und Fanclubs bis zu den Sponsoren sehr viele Menschen am gleichen Strang gezogen haben. Das ist beeindruckend. Wer da jetzt was in welchem Verhältnis gegeben hat, ist wirklich egal. Oft ist das ganze auch schwer zu trennen. Nehmen wir mal die Bäckerei Grobe als Beispiel: Der Geschäftsführer ist absoluter BVB-Fan und folgt dem BVB auch nach Donezk. Hat er sich jetzt als Fan oder Sponsor engagiert? Letztendlich ist wohl beides. Bei vielen anderen sieht es da auch nicht anders aus.

SG.de: Habt Ihr schon konkrete Pläne, was ihr mit den Beiträgen über die "Basisversion" hinaus realisieren wollt?

Janni: Klar. Wobei man sagen muss, dass die Basisversion wirklich eine extrem vereinfachte Version gewesen wäre. 250.000 € geben uns da bei weitem mehr Möglichkeiten, z.B. historische Szenen nachzuspielen.

Man muss da auch die Kirche im Dorf lassen. Gerade diese sogenannten „Re-Enactments" sind extrem aufwändig und damit auch letztlich auch sehr teuer. Natürlich klingt eine Viertelmillionen erst mal sehr viel, aber wenn man das mit anderen Produktionen vergleicht, ist das wiederrum eher wenig. Wenn man sich z.B. Sachen auf dem Discoery Channel anschaut, dann siehst Du da manchmal ganze Armeen mit Pferde durch die Gegen ziehen, um eine historische Schlacht nachzubauen. Das kostet einfach viel Geld. Oder wenn wir den Borsigplatz so darstellen wollen, wie er im Jahr 1909 war. Es kostet einfach unfassbar viel Asche, das dann so darzustellen. Da können ein paar Minuten auch schnell mal mehr als 50.000 € kosten.

Aber: Wir haben eine Viertelmillionen Euro zusammen bekommen, um die Geschichte eines Fußballvereins zu erzählen! Das ist natürlich gigantisch. Wir werden das Maximum aus unseren Möglichkeiten rauszuholen. Finanzielle Grenzen zwingen dich aber eben auch dazu, kreativ zu sein und das macht einen Film eben auch besser. Dass man mit Hingabe und Leidenschaft mehr erreicht, als mit einem dicken Portemonaie, muss man in Dortmund ja niemandem erklären.

SG.de: Jetzt geht es rein in die heiße Recherchephase. Wie muss man sich das vorstellen, wenn man versucht, Quellen zu Vorgängen zu finden, die über 100 Jahre in der Vergangenheit liegen? Wie geht Ihr da vor und kann man euch auch dabei unterstützen?

Janni: Die Koordination und Recherche werden Gregor und ich in Dortmund machen – auch direkt am Borsigplatz. Da gilt es zunächst mal alle bekannten Fakten zusammenzutragen und zu einem Zeitstrahl zu verarbeiten. Also was ist wann passiert? Dann müssen wir über Zeitzeugen versuchen, neue Informationen zu bekommen und in den Archiven wühlen. Dabei ist es wichtig, dass auch alle BVB-Fans mal ihre Ur-Oma fragen, was es noch an historischen Fotos oder gar Videoaufnahmen gibt. Da kann ja auch was bei sein, was unfassbar wertvoll ist. Z.B. ein Foto des Wildschütz', was noch niemand kennt. Teilweise sind uns da schon einige echte Schmuckstücke zugeflogen, da viele Menschen schon direkt auf uns zugekommen sind.

Bei der Recherche sind wir aber natürlich auch auf Hilfe angewiesen. Wenn man Archivrecherche betreibt, braucht man Menschen, die Zeit haben, sich da reinzufuchsen, aber auch wissen, was sie da tun. Ganz wichtig für die Recherche sind natürlich Gerd Kolbe und auch Annette Kritzler. Vor allem Gerd ist ja fleischgewordene BVB-Historie und wir freuen uns total mit ihm, die BVB-Gründungsgeschichte noch weiter zu erforschen!

SG.de: Welchen Zeitraum plant ihr ungefähr für die Recherche, bzw. zeichnet sich schon ein Termin für den Drehstart ab?

Janni: Das ist schwer zu sagen. Idealerweise würden wir natürlich sofort mit den Interview-Drehs anfangen, weil viele Zeitzeugen ja auch schon betagt sind. Wir müssen das aber erst in ein Gesamtkonzept einarbeiten.

Zudem müssen auch noch technische Fragen geklärt werden: Wenn du mit einer Sony F5 drehst ,hast du viel geilere Bilder als mit einer stinknormalen XDCam. Die F5 ist aber deutlich (!) teuer in der Tagesmiete, was letztlich nichts anderen heißt, als dass du weniger Drehtage hast. Wenn du die ersten Sachen drehst, musst du also wissen auf was du den ganzen Film drehen willst, weil du dich für ein Format entscheiden musst. Die Entscheidung steht dann. Außerdem kann man jetzt auch nicht auf Verdacht jeden interviewen, der irgendwas zu sagen hat. Wir müssen ja mit dem Geld verantwortungsvoll umgehen. Realistisch gehen wir davon aus, dass wir einige Szenen im Winter drehen werden und den Hauptteil im Frühjahr 2014.

Sascha, 16.10.2013

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