Im Gespräch mit...

...Kringe: "Werde mich dem BVB ewig verbunden fühlen"

23.05.2013, 08:09 Uhr von:  Redaktion

Florian Kringe verabschiedet sich in Kaiserslautern von den BVB-FansFlorian Kringe ist ein Ur-Borusse. Der Mittelfeldspieler ist mit dem BVB durch dick und dünn gegangen, blieb auch in schweren Zeiten treu. Als die Borussia 2011 und 2012 zweimal Deutscher Meister und einmal Pokalsieger wurde, gehörte Kringe noch zum Kader - war aber irgendwie schon nicht mehr mittendrin. Nach seinen Mittelfußbrüchen kam er sportlich nie mehr wirklich auf die Beine und wurde schließlich von Coach Jürgen Klopp ausgemustert. Der "Fette mit die Sechs" wechselte nach Hamburg, zum FC St. Pauli. Warum Kringe trotzdem gerne an seine Zeit in Dortmund zurückdenkt, in welcher Wohnung er anfangs in Hamburg wohnte und wie er mit persönlichen Schicksalsschlägen wie der Erkrankung seiner Freundin umging, lest ihr im Interview mit schwatzgelb.de.

Du hast dich schon in deiner ersten Saison in Hamburg mit 27 Einsätzen, einem Tor und sieben Vorlagen als Stammspieler etabliert und bist von größeren Verletzungen verschont geblieben. Bist du mit deiner Saison persönlich zufrieden?

Mir war klar, dass ich nach der längeren Phase mit wenig Spielpraxis einige Zeit brauche, um mein Niveau zu erreichen. Nach und nach habe ich mich immer wohler und stärker auf dem Platz gefühlt.

Woran hat es letzten Endes deiner Meinung nach gelegen, dass St. Pauli eine eher unglückliche Saison gespielt hat? War es die fehlende Breite im Kader, Verletzungspech oder möglicherweise die Abschlussqualität?

Kringe klatscht die Fans abIn der Hinrunde konnten wir trotz vieler herausgearbeiteter Torchancen nur wenig Zählbares mitnehmen. In der Rückserie hat es dann besser geklappt, wobei wir vermeidbare Gegentore kassiert haben. Insgesamt haben wir einfach nicht konstant genug gespielt und Verletzungen betreffend hatten wir in dieser Spielzeit sehr viel Pech.

Wie hast du dich in Hamburg eingelebt? Wie wurdest du im Team aufgenommen?

Sehr gut! Hamburg ist eine wunderschöne Stadt und in der Mannschaft gibt es richtig gute und bodenständige Charaktere. Ich fühle mich hier einfach sehr wohl.

Der FC St. Pauli gilt deutschlandweit bei vielen als Kultklub, bewirbt das ja auch ab und an. Wie empfindest du die Atmosphäre rund um deinen neuen Verein? Was sagst du zu den Fans und zu der Stimmung im Stadion?

Der FC St. Pauli ist tatsächlich sehr speziell und wahrscheinlich auch deswegen über die Grenzen hinaus beliebt. Wir haben ein tolles Stadion, mitten in der Stadt, und unsere Fans sind immer positiv und lautstark, das beeindruckt uns, aber auch unsere Gegner.

Sind Stimmung und Fans in irgendeiner Art und Weise mit dem BVB zu vergleichen?

Was die Treue angeht sicher. Wir können uns glücklich schätzen, eine solch breite Fanbasis hinter uns zu haben – das gilt für Heim- und Auswärtsspiele. Borussia toppt das zahlenmäßig natürlich, aber für einen Zweitligaclub ist das schon außergewöhnlich. Vor allem in schweren Zeiten hat sich gezeigt, dass sich beide Vereine auf ihre Fans verlassen können.

Kommen wir auf deine schwarzgelbe Vergangenheit zu sprechen. Inwieweit bist du noch mit dem BVB verbunden? Hast du Kontakt mit ehemaligen Mitspielern oder Trainern? Wenn ja, mit wem?

Kringe mit Patrick OwomoyelaKlar. Ich werde mich auf ewig mit dem BVB verbunden fühlen. Es war eine lange und emotionale Zeit mit besonderen Menschen und tollen Erinnerungen. Den Weg verfolge ich weiterhin sehr intensiv und stehe mit dem einen oder anderen Spieler noch immer in Kontakt. So habe ich in Hamburg die ersten Wochen in Owos Wohnung verbracht. Manni und ich senden uns immer wieder schwachsinnige Bilder hin und her (lacht) und aus dem Trainerteam telefoniere ich ab und zu noch mit Flo Wangler.

Wie war dein Verhältnis zu Jürgen Klopp, der ja in den letzten Spielzeiten nach deinen Mittelfußbrüchen sportlich kaum noch auf dich gesetzt hat?

Wir sind trotzdem immer gut klar gekommen.

Wie bereits angesprochen, du hast Klopp persönlich kennengelernt und unter ihm trainiert. Wie hast du ihn Trainer wahrgenommen, wie als Menschen?

Er ist in der Lage, die Leute mitzureißen – und so hat er einen erheblichen Anteil an dem Erfolg der Borussia.

Wie hat er dir damals mitgeteilt, dass er nicht mehr auf dich setzt?

Im Grunde genommen ist das von jetzt auf gleich passiert, es ging alles sehr schnell. Da hätte ich mir als Spieler eine bessere Kommunikation gewünscht – im Nachhinein haben wir aber darüber gesprochen und das ist für mich abgehakt.

Das Ganze muss ja eine recht merkwürdige Zeit für dich gewesen sein: Der BVB wird zweimal Meister und einmal Pokalsieger und dir bleibt zumeist nur ein Platz auf der Tribüne – auch verletzungsbedingt. Wie bewertest du diese Zeit im Rückblick?

Es war trotzdem eine tolle Erfahrung. Natürlich hätte ich gerne mehr dazu beigetragen. Die Eindrücke beim Meister-Corso und in Berlin beim Pokalfinale sind Dinge, die ich nie mehr vergessen werde.

Wie hast du es geschafft, mit deinen zahlreichen Verletzungen und auch dem persönlichen Schicksalsschlag - der Krankheit deiner Partnerin - umzugehen? Hast du dir professionelle Hilfe geholt?

Grundsätzlich bin ich optimistischer. Es tut gut zu wissen, dass man Leute im Umfeld hat, die mir geholfen haben, durch solch eine Zeit zu gehen. Professionelle Hilfe habe ich aber nicht in Anspruch genommen.

Wie verfolgst du nun die Spiele der Borussia? Warst du seit deinem Wechsel noch einmal im Westfalenstadion?

Kringe blieb in seiner Endzeit beim BVB nur ein BankplatzLeider hat es, auch bedingt durch Verenas Krankheit, noch nicht wieder mit einem Stadionbesuch geklappt. Ich verfolge die Spiele natürlich so oft es geht und freue mich für die Mannschaft, dass sie so erfolgreich spielt.

Wie überraschend ist für dich der Einzug ins CL-Finale? Wurde intern schon in der letzten Saison häufiger darüber gesprochen, den Fokus zukünftig stärker auf die Königsklasse zu legen?

Nein, darüber haben wir nicht gesprochen. Trotz guter Leistungen musste man im vergangenen Jahr Lehrgeld zahlen. Man sieht, dass sich die Mannschaft in der Hinsicht weiterentwickelt hat und die Erfahrung mitgenommen hat. Dass sie das Finale erreichen würden, hat kaum jemand erwartet. Mit den gezeigten Leistungen war es aber absolut verdient.

Was glaubst du: Wer wird am Ende das deutsche Finale für sich entscheiden?

Ich hoffe die Borussia. Es wäre schon eine riesen Sache, wenn man den Bayern nach deren überragender Saison die wichtigste Trophäe entreißen könnte.

Der Fall Mario Götze hat in der letzten Woche ganz Fußball-Deutschland in Atem gehalten. Du hast noch mit Mario zusammengespielt, kamst ähnlich wie er aus der eigenen Jugend. Kannst du die Entscheidung, zu den Bayern zu wechseln, nachvollziehen? Hättest du rein hypothetisch ähnlich gehandelt?

Mich hat der Wechsel auch überrascht. Für die Fans ist das natürlich sehr schwer zu verstehen, wenn jemand aus der eigenen Jugend kommt und eine solche Entscheidung trifft. Für sie ist es schwer nachzuvollziehen. Ob ich mich ähnlich entschieden hätte, kann ich gar nicht sagen.

Mit Daniel Ginczek habt ihr im Moment einen Spieler im Team, der vom BVB an St. Pauli ausgeliehen ist? Was für ein Spielertyp ist er? Und glaubst du, er kann sich zukünftig bei der Borussia durchsetzen?

Daniel Ginczek ist aktuell an St. Pauli ausgeliehenGinni hat sich super entwickelt. Er ist ein relativ kompletter Stürmer, der einen guten Abschluss hat und schnell ist. Ich drücke ihm beide Daumen, dass er seinen Weg gehen wird und sich in der 1. Bundesliga durchsetzt.

Der HSV und St. Pauli spielen in unterschiedlichen Ligen, deswegen kam es für dich beim neuen Verein bisher noch zu keinem Derby. Wurdest du dennoch schon über die Wichtigkeit des Hamburger Derbys hingewiesen?

Auf jeden Fall. Über den Derbysieg von vor etwas mehr als zwei Jahren wurde immer wieder gesprochen, man somit immer wieder mal damit konfrontiert. Ich hoffe natürlich, dass ich das irgendwann auch mal erleben kann. Ein Derby ist einfach immer ein Highlight.

Welche Bedeutung hat ein Derby für dich? Wie war das früher, als du mit dem BVB gegen Schalke antreten musstest?

Das waren immer ganz spezielle Spiele, die von den Medien schon eine Woche vorher hochgepusht wurden. Für Spieler und Fans sind es einfach ganz besondere Begegnungen mit einer ganz besonderen Atmosphäre.

Heute wie damals gibt es ja recht viele Parallelansetzungen von Spielen der ersten und der zweiten Mannschaft. Der normale Fan hat überhaupt keine Möglichkeit, beide Partien anzuschauen. Wäre das vielleicht manchmal besser, das würde anders geregelt werden, so dass die Spiele an verschiedenen Tagen sind oder ist dir das und war dir das als Spieler egal?

Kringe mit WeidenfellerFür den Support der zweiten Mannschaften wäre es eine super Sache, wenn man die hinbekommen könnte.

Was glaubst du, wohin geht die Entwicklung vom BVB? Wird er sich zukünftig in der deutschen und europäischen Spitze etablieren können oder droht vielmehr der Ausverkauf?

Momentan sieht es danach aus, dass die Verantwortlichen gute Arbeit leisten. Ich drücke die Daumen, dass die Entwicklung weitergeht und man sich etablieren kann. In Deutschland gehe ich fest davon aus, in Europa wird man zukünftig auch eine gute Rolle spielen, aber ob man es schafft, sich dauerhaft unter den Topteams zu etablieren, wird man sehen.

Noch eine Frage zum Schluss, die ein Podcast-Kollege von mir mit einem Augenzwinkern hatte: Warum hast du ihm beim letzten Borussia Hearts Club eine falsche Mailadresse gegeben?

Ich kann mich nicht erinnern und es mir auch nicht vorstellen, eine falsche E-Mail-Adresse herausgegeben zu haben. Entweder gebe ich meine Adresse richtig raus oder gar nicht. Vielleicht hat er da etwas falsch notiert.

schwatzgelb.de bedankt sich bei Florian Kringe für das Gespräch und wünscht ihm in Hamburg weiterhin viel Erfolg.

Daniel R., 23.05.2013

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