Eua Senf

Warum wir trotzdem nicht verloren haben

14.03.2013, 00:08 Uhr von:  Gastautor

Wenn ich dann an Robbens Reaktionen nach dem Schlusspfiff denke, fühle ich Ablehnung, vielleicht auch eine gehörige Portion Hass, wie ich es nur selten empfinde. Glücklicherweise habe ich mir nach Schlusspfiff, wenigstens die Interviews erspart. Ansonsten würden wohl auch noch unerträgliche Sätze von Toni Kroos in meinem Kopf rumschwirren.

Dabei ist eigentlich nicht viel Überraschendes passiert. Wir haben verloren. Gegen eine Mannschaft, die aktuell national alles in Grund und Boden spielt. Eine Mannschaft, die nach zwei erfolglosen Jahren hungrig auf Titel ist. Eine Mannschaft, die sich der Verein richtig was kosten lässt. Einen Verein, der uns noch immer in vielen Bereichen einiges voraus ist.

An für sich, denke ich mir, hat es sich der Verein aus auch München verdient. Jahrzehntelang wurde dort gut gewirtschaftet und im Gegensatz zu den vergangen Jahren wurden auch wieder gute Personalentscheidungen getroffen. Vielleicht hätte man schon vor der Saison erahnen können, dass uns diese Mannschaft des FC Bayern doch ein Stück mehr abverlangen wird, als es in den vergangenen Jahren der Fall war. Kommende Saison droht dieser Vorsprung vielleicht noch größer zu werden. Wenig diskutiert und vielleicht bei einigen untergegangen, wird dort nämlich in der neuen Saison ein Trainer tätig sein, den nicht wenige für den besten Trainer der Welt halten. Und sollte es nicht doch noch zu einer unerwarteten Wendung kommen, wird auch einer der besten Stürmer Europas, ein schwarz-gelbes mit einem roten Trikot tauschen.

Und doch komme ich irgendwann zu dem Schluss, dass wir trotzdem nicht verloren haben. Schaut euch die Reaktionen der Bayern-Fans in eurem Umfeld an! Dann erinnert euch daran, wie jeder von uns reagiert hat, als wir 2011 nach unzähligen Jahren wieder in München gewinnen konnten. Oder an das Spiel vergangenes Jahr im April. An des Spiel im Mai in Berlin. An Nuris Tor 2010 im Heimspiel gegen den FC Bayern. Jeder dieser Momente ist noch in meinem Kopf als wäre es gestern gewesen. Wenn ich daran denke, überfällt mich wieder dieses positive Gefühl und erfüllt mich mit Stolz. Auch wenn die Bayern in diesem Jahr das Double feiern, nur die wenigsten Fans aus München werden das Gefühl haben, wie ich es hatte, als ich im Mai 2012 in der Waldbühne stand und einfach nur unendlich zufrieden war. Zur Doublefeier wird der FC Bayern keine 200.000 Fans begrüßen dürfen. Kein Spieler wird feiernd auf seiner Luxuskaroserie in der Stadt auftauchen und die Dellen auf dem Dach als Erinnerung behalten wollen.

Kein Fan des Münchner Nobelklubs wird gestern das Gefühl gehabt haben, wie ich es hatte, als ich 2011 unter dem Dach des Schlauboots stand und meinen Augen nicht glauben konnte, als ich nach Schlusspfiff auf die Leinwand sah.


Gestern Abend fiel mir dann der Fieber-Thread vor wenigen Wochen ein. Auch wenn in mir immer das Feuer gebrannt hat und ich mit vielem was dort geschrieben wurde überhaupt nicht einverstanden war, so wurde mir doch bewusst, dass es Spiele wie das Gestrige braucht, um weiterhin Siege gegen den FC Bayern so zu erleben, wie wir sie in den letzten Jahren erleben durften. Jedes Jahr Meister oder Pokalsieger zu werden ist zwar für einen Verein wunderbar, für uns Fans geht aber immer auch ein wenig Reiz verloren. So steigt nach jedem nicht gewonnen Titel die Sehnsucht wieder etwas zu gewinnen. Vielleicht hat es diese Niederlage gestern gebraucht, um auch im letzten von uns wieder die Sehnsucht zu wecken, wieder alles zu geben und den FC Bayern auf ein Neues herauszufordern. Jetzt sind wir endgültig wieder die Nummer 2 in Deutschland. Ich kann gut mit der Situation leben und freue mich, in der kommenden Saison alles zu geben, um ein würdiger Herausforderer zu sein. Auch die Mannschaft wird wieder bis in die Haarspitzen motiviert sein, den großen Rivalen aufs Neue zu ärgern.

Auch wenn ich jetzt die nächsten Tage von vielen Bayern-Fans Hohn und Spott ertragen muss, habe ich mir fest vorgenommen jedem nur zu erwidern, dass ich trotz allem nie mit ihm tauschen möchte. Wir haben eine Mannschaft die sich in einem Maße mit uns Fans identifiziert, wie es auf diesem Niveau vielleicht in Europa einmalig ist. Wir haben viele sympathische Spieler in den Reihen, die es einem leicht machen die Mannschaft zu lieben. Und an dieser Stelle kann ich den FC Bayern erneut um nichts beneiden. Mit welchem Spieler dort möchte ich mich als Fan identifizieren? Vielleicht ist der ein oder andere dabei, mit dem ich mich als Bayern-Fan identifizieren könnte (Schweinsteiger, Alaba, vielleicht Müller). Alle anderen haben mit dem Verein nichts am Hut, spielen dort ausschließlich für ihre persönlichen Erfolge (der komische Torwart, Dante, so wie es scheint bald Lewandowski) oder wären charakterlich zumindest bei uns fehl am Platz (Robben, Kroos).

Deshalb bewundere ich zwar die aktuelle Leistung der Münchner Mannschaft, beneide deren Fans aber dennoch um nichts. Anschließend denke an den Mai 2012 und schlafe zufrieden ein.

geschrieben von Joahnnes Rapp

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