Warmlaufen

Die mit dem roten Stuhl

23.11.2012, 22:36 Uhr von:  Redaktion

Auch in Mainz will der BVB nach dem Spiel in der Kurve feiernDas mit diesen Stadionneubauten auf der Grünen Wiese ist so eine Sache. Nicht nur vom Flair her, auch rein begrifflich. Mal ist die Grüne Wiese eigentlich eine Müllhalde am Autobahnkreuz, mal liegt die Grüne Wiese verkehrgünstig direkt gegenüber vom Technikmuseum, mal wundert man sich, dass es in der hässlichsten Stadt der Welt überhaupt sowas wie eine Grüne Wiese gegeben haben soll. Und mal stimmt das Ganze tatsächlich, und das Teil steht wirklich auf der Grünen Wiese. Und zwar immer noch. Alles grün drumherum, denn der Rest der Infrastruktur wurde irgendwie vergessen: Gastronomie, Parkplätze, Haltestellen für den Nahverkehr, alles inexistent. Was es gibt, sind nur ein paar Feldwege, drumherum Äcker, in der Ferne eine Universität, auf dem nächsten Hügel das ZDF. So steht das Stadion da, mitten im Nirgendwo. Ein feuerroter Kasten, der frappierend an dieses Möbelhaus erinnert, für das Ottfried Fischer mal jene Werbung gemacht hat, die wie eine Aufforderung zur nächsten Vorsorgeuntersuchung klingt.

Willkommen in Mainz, der Stadt von Johannes Gutenberg, Ernst Neger und Kardinal Lehmann. Und von Coface Deutschland, dem sympathischen Namensgeber der Arena, der sein Geld im echten Leben damit verdient, armen Schluckern, die ihre Kredite nicht mehr bedienen können, den letzten Rest (nicht nur ihrer Würde) zu nehmen.

Tuchel und Klopp beim letzten AufeinandertreffenNach der Kür in Europa folgt am Samstag also die Pflicht in der Bundesliga, und da kann man sich momentan wahrlich leichtere Aufgaben vorstellen als einen Auftritt in Mainz. Die Mannschaft von Thomas Tuchel, der sich momentan anschickt, seinen Vorvorgänger Jürgen Klopp als Schreck der Vierten Offiziellen abzulösen (diesmal zu erwarten: Infights mit Bibiana Steinhaus), hat nach einer überflüssigen Heimniederlage gegen Greuther Fürth zu Saisonbeginn seine letzten vier Heimspiele gewonnen und spielt auch sonst den gewohnt guten Fußball, auch wenn sie auswärts zuletzt einige unnötige Pleiten kassiert hat. Gut, zugegeben, die Siege zuhause erfolgten gegen Augsburg, Düsseldorf, Hoffenheim und Nürnberg — wenn man so will, hat der FSV damit auch sämtliche als einfach zu bezeichnenden Heimspiele bereits hinter sich. Nichtsdestotrotz wissen wir noch vom letzten Auftritt im vergangenen Herbst, dass Mainz einen schweren Brocken darstellt, zumal es ähnlich wie vor 14 Tagen in Augsburg nicht leicht sein dürfte, den Schalter von der Königsklasse hin zum Erstligaalltag umzulegen.

Personell werden bei unserer Borussia wohl nur die üblichen Überraschungen zu erwarten sein, nämlich wer von den typischen zehn Kandidaten nun denn genau die sechs Planstellen in Mittelfeld und Angriff einnimmt. Gesetzt sein dürfte Ilkay Gündogan, da Sebastian Kehl nicht hundertprozentig fit und in Dortmund geblieben ist und Sven Bender bestenfalls mit Maske spielen kann. Sollte auch er passen müssen, steht neben Moritz Leitner ebenfalls Ivan Perisic als Alternative auf der Sechs bereit. Weiter vorn stellt sich die Frage, ob der zuletzt überragende Mario Götze eine Pause auf der Bank bekommt, wo doch sämtliche Konkurrenz diese irgendwann in der letzten Woche genossen hat. Ähnliches gilt für Robert Lewandowski, der bisher nur einmal aussetzen durfte und durch Julian Schieber ersetzt werden könnte. Mit Blick auf den Spielplan wären solche Pausen aber wohl eher für kommenden Dienstag ein Thema.

Der letzte Auftritt in Mainz wusste zu gefallenÄhnliches Rätselraten gibt es in der Offensiver der Mainzer. Dort sind im Prinzip nur Goalgetter Adam Szalai und der Zehner Andreas Ivanschitz als echte Stammspieler zu bezeichnen, ansonsten wird kräftig rotiert. Zuhause wird meistens relativ kompakt mit Elkin Soto und Nicolai Müller agiert, eine eher auf Konter ausgerichtete Strategie könnte auch Marcel Risse oder Nikita Rukavytsya in die Startelf spülen. Dahinter dürften Kirchhoff und Baumgartlinger zu finden sein. Die Verteidigung der Rheinhessen agiert dagegen ähnlich wie unsere seit Wochen unverändert. Seit Innenverteidiger Bungerts im Spiel gegen Düsseldorf erlittenen Kreuzbandriss spielen innen Noveski und Svensson, flankiert von Pospech (rechts) und Neuzugang Junior Diaz (links). Im Tor steht weiterhin die unsympathische Nasszelle von drüben, dem man aber gern wie weiland Heinz Müller im letzten Jahr einen schönen Kullerball in der Nachspielzeit einschenken würde. Das wäre ein schönes Ziel, morgen auf der Grünen Wiese.

Voraussichtliche Aufstellungen

1. FSV Mainz 05: Wetklo - Pospech, Svensson, Noveski, Junior Diaz - Kirchhoff - Baumgartlinger, Soto - Ivanschitz - N. Müller, Szalai

Borussia Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer - Gündogan, Bender - Kuba, Götze, Reus - Lewandowski

Schiedsrichter: Kircher - Kempter, Lupp - Steinhaus

Scherben, 23.11.12

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