Warmlaufen

Fußball ohne Heimfans ? ein neuer Trend?

06.04.2012, 14:05 Uhr von:  Redaktion

Wolfsburg von der schönsten SeiteSonntag vor 14 Tagen, irgendwann kurz vor Bekanntgabe der Wahlergebnisse im Saarland: Flanke Lanig, fröhliches Nimm-du-ihn-ich-hab-ihn-sicher mit Subotic und Weidenfeller, Kopfball Novakovic — und dann: Nichts. Wird also wohl abgepfiffen gewesen sein. Irritierend zwar, dass der Schiedsrichter zur Mitte zeigt und der Linienrichter seine Fahne unten hat, aber hey: Würde das Tor zählen, hätte man ja was gehört.

Egal, wie man zu einem Stimmungsboykott im Allgemeinen und zu einer Solidaritätsaktion mit der Wilden Horde im Speziellen steht: Fußball im Stadion verliert einen Teil seines Reizes, wenn nur eine Seite hüpft und singt. Am schönsten ist es immer noch, wenn das fußballerische Duell unten auf dem Rasen mit einem stimmlichen Duell oben auf den Rängen einhergeht; und natürlich, wenn am Ende die Jungs (und Mädels) in schwatzgelb aus beiden Kräftemessen als Sieger hervorgehen. Nun kann man sicher geteilter Meinung sein, was bereits die prinzipielle Möglichkeit eines echten gesanglichen Kräftemessens mit dem Wolfsburger Anhang angeht, aber dass sich nach der Grabesstimmung in Müngersdorf pünktlich zum nächsten Auswärtsspiel der Borussia bereits die zweite Heimkurve zu wesentlichen Teilen des Supports enthält, stimmt einen schon ein wenig nachdenklich.

Weekend BrothersHintergrund diesmal: Der VfL Wolfsburg hat in Zusammenarbeit mit der Polizei und dem niedersächsischen Innenministerium gegen 13 Personen aus dem Umfeld der "Weekend Brothers", Wolfsburgs größter Ultra-Gruppierung, ein Stadionverbot verhängt. Kein bundesweites wie so häufig, sondern in diesem Fall eine auf das Umfeld des Wolfsburger Stadions begrenzte Art von Hausverbot. Präzise: Den Personen wird untersagt, die Volkswagen Arena nebst Gelände drumherum, das VfL-Stadion am Elsterweg und den Bereich des Nachwuchsleistungszentrums sowie generell alle durch den VfL Wolfsburg organisierten Veranstaltungen zu besuchen. Interessanterweise nicht, weil gegen diese Leute irgendetwas juristisch Handfestes vorliegt, noch nicht einmal von Strafanzeigen ist die Rede, sondern schlicht, weil diese Leute durch "sicherheitsbeeinträchtigendes Verhalten" auffielen, das das Ansehen des VfL Wolfsburg schädige. Doch so konkret also. Unabhängig von den für Außenstehende unbekannten Details ein sicher mehr als fragwürdiger Vorgang, wenn man unterstellt, dass wirklich sicherheitsrelevantes Verhalten juristisch in irgendeiner Form sanktioniert werden können müsste, das in diesem Fall aber nicht zu passieren scheint.

Als Konsequenz daraus boykottieren die "Weekend Brothers" jedenfalls bis auf Weiteres die Heimspiele des VfL Wolfsburg, und insofern wird die immer schon eher maue Stimmung im dortigen Stadion wohl vollends auf das Niveau einer durchschnittlichen FDP-Wahlparty absinken. Dafür gäbe es rund um den Mittellandkanal sportlich momentan das eine oder andere zu feiern. Vier Siege in Folge haben den Autoclub mit dem vermutlich größten Kader der Welt aus dem Niemandsland der Tabelle in Schlagdistanz zu den europäischen Plätzen katapultiert: Zwar klingt der neunte Platz relativ unspektakulär, jedoch ist der VfL punktgleich mit dem VfB Stuttgart auf Platz sechs und auch nur einen Punkt hinter Hannover 96 als Fünftem. Insofern steht der Borussia eine schwierige Aufgabe bevor, und wie gefährlich Teams mit gutem Lauf so sind, konnten wir letzten Freitag ja zu Genüge beobachten.

Gegen MaterialverboteBeim BVB sind im Vergleich zum Spiel gegen Stuttgart keine gravierenden Änderungen zu erwarten. Der wieder ins Mannschaftstraining eingestiegene Mario Götze wird ebenso wie der angeschlagene Felipe Santana wohl nicht mit in die Provinz reisen, davon abgesehen kann unser Trainerquartett aber aus dem Vollen schöpfen. Zu erwarten ist daher wohl dieselbe Aufstellung wie im letzten Heimspiel, also mit Ilkay Gündogan neben Sebastian Kehl auf der Doppelsechs. Sven Bender fühlt sich nach eigener Aussage wieder fit, aber eigentlich gibt es (wie wohl schon Mitte der zweiten Halbzeit am Freitag) keinen Grund, das funktionierende Duo im zentralen Mittelfeld auseinanderzureißen. Ansonsten alles wie immer: Vorn knipsen die Herren Kagawa und Lewandowski, flankiert von Großkreutz und Blaszczykowski, und hinten finden die Herren Schmelzer, Hummels, Subotic, Piszczek und Weidenfeller morgen wieder zur Normalform. Und sollte sich wider Erwarten doch ein Ball in Richtung des Dortmunder Tors bewegen: Einfach mal gucken, was Schiedsrichter und Linienrichter so anzeigen.

Statistik

VfL Wolfsburg: Benaglio - Träsch, Russ, Felipe, Rodriguez - Josué, Polak - Dejagah, Schäfer - Helmes, Mandzukic (oder halt 30 andere)

Borussia Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer - Kehl, Gündogan - Blaszczykowski, Kagawa, Großkreutz - Lewandowski

Schiedsrichter: Dingert - Glindemann, Anklam - Kramka

Scherben, 06.04.2012


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