Warmlaufen

Geschichte schreiben?

23.08.2012, 22:07 Uhr von:  Redaktion

Auch gegen Bremen wieder zu sehen: Unser Westfalenstadion bei Flutlicht.Es ist kurz vor halb neun abends. Das Westfalenstadion ist, wie sollte es auch anders sein, bis auf den letzten Platz gefüllt. Es kribbelt wieder. Überall. Alles hier fragt sich: „Was gibt’s dieses Jahr? Fast besser als letzte Saison geht’s ja kaum.“ Eine Gruppe überwiegend junger Borussen, alle in voller BVB-Montur gekleidet, unterhält sich im Stadion darüber. „Wisst ihr was: Das, was bisher hier war. Meister, Pokal, Double… Das reicht mir nicht!“.

Derjenige, der das sagt, ist mit Abstand der Älteste. Und was er sagt, das hatte Gewicht. Die Runde guckt sich verwundert an. Nicht wenige flüstern sich verdutzt etwas zu. „Aber… hallo… zwei Mal… die Bayern…“. Der Mann, große Statue, halblange Haare, schüttelte energisch den Kopf. „Jetzt guckt mich doch nicht so an. Ja, das war schön und das werde ich nicht vergessen.“, beruhigt er seine Leute. „Aber wenn wir jetzt alle, als Borussen sagen, dass wir so erfolgreich und geil sind…“. Ein lauter Seufzer ist zu vernehmen. „… ja, dann geht es doch wieder bergab mit dem Verein. Ich will einfach noch mehr!“.

Jetzt meldet sich ein anderer Borusse zu Wort. Er ist in Fulda geboren, wohnt aber seit 2002 in Dortmund. „Ich habe die erfolgreichen Zeiten miterlebt, meine Freunde. Aber auch die schlechten. Und das“, mahnt der erfahrene Mann mittleren Alters, „war kein Spaß damals“. Eigentlich könnte die Atmosphäre in der Runde locker sein. So kurz nach den beiden Meisterschaften und dem Pokalsieg. Ist sie aber nicht. Im Gegenteil.

Der Anpfiff rückt näher. Das Free-TV übertrug. Die Bundesliga wird in diesem Jahr 50 Jahr alt. Die dazu gehörige Zeremonie ist gleich vorbei. „Heute will ich noch einmal eine Steigerung sehen. Und ja, das ist möglich“. Wieder der enthusiastische Mann mit den halblangen Haaren. Einen Bart hat er auch. Die dezente Brille aufgesetzt, versucht er seine Intention deutlich zu machen. „Erinnern wir uns doch mal an das Hinspiel letztes Jahr. Gegen Bremen. Wir standen da doch tatsächlich mit dem Rücken zur Wand! Das war in Unterzahl noch eine starke Leistung. Aber meine Herz hat trotzdem gerast, als der Pizzarro da im Sechszehnmeterraum an den Ball gekommen ist“. Sein Blick wird ernst. „Im Rückspiel war es dann etwas einseitiger, schon klar. Aber Jungens: Die Bremer hatten eine Notelf!“.

Die Fangesänge werden auf den Tribünen immer lauter. 6000 Hanseaten haben sich Stunden zuvor ins Auto gesetzt, um hier mit dabei zu sein. Flutlicht. Die Fans sind heiß. Sie hüpfen, sie sangen und siefreuten sich. Alle im Stadion wissen: Der Ballspielverein Borussia hat eher an Potenzial gewonnen, als verloren. Aber ihnen ist auch klar: Es kann so Spiele wie letztes Jahr gegen Hertha und in Hannover wieder geben. Wenn der glorreiche Verein vom Borsigplatz nicht aufpasst.

Deswegen setzt der Fußball-Fachmann fort: „Wir können’s. Ganz einfach. Wir müssen nur gucken, dass wir das auch abrufen.“. Er blickt in das Gesicht eines jungen Kerls. Er hatte sich vor Jahren der Borussia abgewandt. Nur ist er wieder zuhause - „dahoam“, wie man in Vize-Kreisen zu sagen pflegt.
Jetzt geht‘s los. Die Männer erheben sich von ihren Plätzen, auf denen sie sich auf das Spiel vorbereitet haben. Nicht mit Bier, nein. Das hier sind – andere Borussen. Und doch ein Teil der Fangemeinde. Selbstverständlich. Also, sie erheben sich. Dann ertönt wieder die tiefe, markante Stimme des Mannes mit den Halblangen Haaren. „Ich glaube an euch. Und wenn es doch nicht so läuft – denkt an das 4:4, als das ganze Stadion „Borussia“ geschrien hat. Beim Rückstand meine ich.“

Alle Spieler verlassen mit einer Mischung aus Freude und Ernsthaftigkeit die Kabine. „Alles klar, Trainer!“, sagt der Mann aus Fulda und nimmt die Kapitänsbinde an sich.Erst Heja BVB, dann die Seitenwahl. Der Blick zur „Gelben Wand“, die lautstark „Deutscher Meister steh‘ auf!“ singt. Und der Mann mit den halblangen Haaren, dem Bart und der Brille stellt sich an die Seitenlinie. „Dieses Stadion weiß nicht mal selbst, was hier noch möglich ist…“

Die möglichen Aufstellungen

BVB: Weidenfeller - Piszczek (Kirch), Subotic, Hummels, Schmelzer - Gündogan, Kehl - Blaszczykowski, Reus, Großkreutz - Lewandowski
Auf der Bank: Langerak - Kirch, Santana, Löwe, Owomoyela, Leitner, Bittencourt, Amini, Perisic, Götze, Schieber
Fraglich: Piszczek (Oberschenkelzerrung), Owomoyela (Belastungserscheinung)
Es fehlt: Bender (Leistenoperation)

SV Werder: Mielitz - Gebre Selassie, Prödl, Sokratis, Ignjovski - Fritz, de Bruyne - Junuzovic, Hunt, Elia - Petersen
Auf der Bank: Wolf - Lukimya, Schmitz, Affolter, Bargfrede, Ekici, Trybull, Arnautovic, Füllkrug
Fraglich: Elia (Fußprellung)
Es fehlt: Stevanovic (Schulterverletzung)

Schiedsrichter: Felix Zwayer (Berlin).

Zuschauer: Ausverkauft. Na gut, bis auf 300 Gästekarten, die es an der Tageskasse geben wird.

Guerriero, 23.8.2012


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