Warmlaufen

Auf zu neuem Ruhm!

17.08.2012, 14:53 Uhr von:  Redaktion

Das Weserstadion in Bremen97 Tage ist es her. 5:2 gegen Bayern, wie entfesselt stürmen die Young Guns das Marathontor im Berliner Olympiastadion. Momente wie dieser, als unsere Jungs mit dem Doublegewinn einen weiteren schwatzgelben Meilenstein setzten, haben mich durch die schlimmste Sommerpause meines Lebens gerettet. Ticketpreiserhöhung, Stadionverbote, echte Liebe und zu guter Letzt ein Sicherheitsgipfel, dessen Drohgebärden uns Fans mit einem flauen Gefühl im Magen zurück lassen. Anhänger anderer Bundesligavereine, von Köln oder Berlin, hätten manches dieser Probleme nur allzu gern. Vielen Borussen bereiteten sie hingegen Kopfzerbrechen. Schon verrückt.

Weserstadion statt Schmuckkästchen

All das ist morgen endlich vorbei. Fußball ist angesagt. Brüllen, jubeln, fluchen, durchdrehen. Das Wochenende hat wieder einen Sinn. Uns verschlägt es in der ersten Runde des DFB-Pokals – wohlgemerkt als Titelverteidiger – zum Regionalligisten FC Oberneuland. Der Bremer Stadtteilclub ist Dauergast in diesem Wettbewerb, pendelte in den vergangenen Jahren regelmäßig zwischen Regional- und Oberliga. Aus Prestige- und Platzgründen wurde die Partie ins Bremer Weserstadion verlegt. Nicht nur aus romantischer Sicht schade, dass der 5000 Zuschauer fassende Vinnenweg-Sportpark des FCO (ein bisher unberührter Fleck der Fußball-Landkarte) der altbekannten Bundesliga-Spielstätte weichen musste. Wo der sportliche Reiz meist fehlt, machen gerade diese kleinen Schmuckstückchen den Reiz am Pokalauftakt aus. Unser Verein beteiligt sich übrigens an den nun anfallenden Mietkosten. Mit 15,40 Euro für einen Steh- und 28,60 Euro für einen Sitzplatz sind die Eintrittspreise recht human gehalten. Besonders die Sitzer entsprechen nicht unbedingt der sportlichen Attraktivität dieser Partie. Andererseits gab es in der Vergangenheit nicht selten Vereine unterer Ligen, die versuchten, sich mit einem Glückslos im Pokal auf unverschämte Art die Taschen voll zu stopfen.

Weserstadion BremenAus sportlicher Sicht sind die Rollen zwischen Erst- und Viertligisten klar verteilt. Doch wie sieht das für den Rest der Saison aus? Mit welchen Erwartungen darf man als Fan nach drei Titeln in zwei Jahren, nach zahlreichen Rekorden und der besten Rückrunde der Vereinsgeschichte überhaupt in diese neue Spielzeit gehen? Jeder ist gut beraten, den Erfolg nicht vorrangig an Punkt- und Tabellenständen oder gar dem Vergleich mit den Bayern fest zu machen. Auch in diesem Jahr werden sich unsere Jungs Spiel für Spiel erneut rein beißen müssen. Selbst wenn viele Automatismen in den letzten Jahren gereift sind, kann der Motor zwischendurch ins Stocken geraten. Wenn die Klopp-Truppe auch dann an ihren Tugenden – Kampf, Laufbereitschaft, Wille und das Aufopfern fürs Kollektiv – festhält, kann diese Saison eigentlich nur gut werden.

Die Mannschaft ist weitgehend verletzungsfrei durch die Vorbereitung gekommen. Lediglich Mario Götze, den eine langwierige Augenentzündung plagte, musste zurück stecken. Zwischen ihm und neun Kollegen ist im Mittelfeld ein Konkurrenzkampf um die fünf vakanten Plätze entbrannt. Eine hochkarätige Doppelbesetzung, die angesichts einer hoffentlich lang anhaltenden Mehrfachbelastung auch nötig sein wird. Königstransfer Marco Reus machte verheißungsvolle Andeutungen, den nach Manchester abgewanderten Kagawa Shinji langfristig ersetzen zu können. Geduld vorausgesetzt. In der bewährten Viererkette um Mats Hummels und Neven Subotic sind wenig Veränderungen zu erwarten. Allerdings: Jürgen Klopp und Sebastian Kehl kritisierten nicht nur aufgrund der vielen Testspiel-Gegentore, dass das kollektive Spiel gegen den Ball, das Aushängeschild unserer Borussia, noch nicht in gewohntem Maße funktioniert.

Wohin mit der Fankultur?

Gästeblock im WeserstadionUnangenehme Fragezeichen bleiben aus Fansicht nach dem einseitigen Sicherheitsgipfel in Berlin. Die schlimmsten Befürchtungen, wie eine bundesweite Abschaffung der Stehplätze, sind zwar ausgeblieben. Die Drohkulisse, nach weiteren Zwischenfällen nicht vor harten Repressionen zurück zu schrecken, wurden von den Verantwortlichen aus Politik und Verbänden aber weiter aufgeblasen. Gut möglich, dass bereits mittelschwere Vorfälle reichen, um neue Diskussionen über vermeintlich existenzbedrohende Probleme des Fußballs los zu treten.

Muss ich als einzelner Fußballfan mein Verhalten auf den Rängen also verändern? Die Frage muss jeder für sich selbst beantworten, der überwiegende Großteil sollte sie aber guten Gewissens mit „Nein“ beantworten können. Doch um in einen fruchtbaren, für unsere Fankultur womöglich lebenserhaltenden Dialog mit den Verantwortlichen zurück zu kehren, müssen auch die Hardlinern auf den Rängen ein paar Gänge zurück schalten. Auch wenn Enttäuschung und Wut über die eindimensionale Schuldzuweisungen verständlich sind, würden weitere Trotzreaktionen langfristig allen Fans zur Last fallen.

Jetzt aber überwiegt die große Vorfreude auf Fußball pur mit unserer unglaublichen Mannschaft. Auf eine geile Saison, auf zu neuem Ruhm!

Faninfos/Anreise

Am Samstag kommen am Eingang sogenannte Sprengstoffhunde zum Einsatz. Darüber hinaus werden einzelne Fans für Stichproben in einen Container geführt, um genauer durchsucht zu werden. Laut unseren Fanbeauftragten ist dieser Container von außen einsehbar, ausziehen muss sich niemand. Im Block sind erlaubt: Doppelhalter, kleine Schwenkfahnen (bis 1,50 Meter), große Schwenkfahnen (maximal zehn Stück), Trommeln und Zaunfahnen.

Der Eingäng für die Sitzplätze im Unterrang der Westkurve befindet sich südlich vom Gästeeingang. Die Fanbeauftragten bitten, am Gästeeingang vorbei zu gehen und dem Zaun in Richtung Weser zu folgen, wo man den Eingang der Westkurve nach wenigen Metern erreichen kann. Für die Anreise empfehlen sie, die ausgeschilderten „Park + Ride“-Parkplätze zu nutzen, die Busse zum Stadion können kostenlos genutzt werden. Die Gegend um das Weserstadion ist für Pkw am Spieltag zweieinhalb Stunden vor Spielbeginn komplett gesperrt. Gästebusse können den Parkplatz neben dem Stadion nutzen.

Aufstellungen

FC Oberneuland: Mandic - Adewunmi, Hessel, F. Muzzicato, Yücel - Seidel, M. Aktas - Kilicaslan, Zengin, Minns - Laabs

Borussia Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Subotic (Owomoyela), Hummels (Santana), Schmelzer - Gündogan, Kehl - Blaszczykowski, Reus, Großkreutz - Lewandowski.

Auf der Bank: Langerak - Kirch, Santana, Günter, Löwe, Owomoyela, Leitner, Bittencourt, Amini, Perisic, Götze, Schieber

Fraglich: Hummels (Schädelprellung, Zerrung Halswirbelsäule), Blaszczykowski (Sprunggelenk), Subotic (Oberschenkelverhärtung), Kehl (Sehnenscheidenentzündung im Knie)

Es fehlt: Bender (Leistenoperation)

An der Pfeife: Florian Meyer

Malte S., 17.08.2012

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